Positiver Geburtsbericht: Hausgeburt beim 1. Kind

;-) Vorwort (für den Bericht bitte zum nächsten Smiley scrollen)
Zwei Monate nach der Hausgeburt meiner Tochter saß ich mit Freundinnen beim Frühstück. Wir unterhielten uns über Kinder und eine der Freundinnen sagte, dass sie nicht weiß, ob sie Kinder möchte, weil sie unter anderem solche Angst vor der Geburt hat. So salopp habe ich schnell geantwortet: "Alles halb so wild. Das ist, weil man bloß negative Geschichten hört". Eine andere Freundin entgegnete dann: "Kein Wunder. Du hattest eine schöne Geburt und erzählst jetzt ja auch nichts darüber". Ich musste schmunzeln. Recht hatte sie. Warum ist das eigentlich so? Dass Frauen eher ihre negativen Erfahrungen teilen, statt die positiven? Mir ging es ja ähnlich. Auf die Frage, wie meine Geburt war, zu antworten "Alles halb so wild" beschreibt es nun nicht mal annähernd. Und das obwohl ich schon während meiner Schwangerschaft dachte "Es braucht mehr positive Geburtsberichte". Denn es gibt eigentlich genug davon, nur teilen sie so wenige. Von den meisten Frauen, die mir von ihrer Geburt erzählten, hörte ich wenig positives. Außer: "sobald du das Kind im Arm hältst, ist alles vorher vergessen". Na bravo, das tröstet dich beim ersten Kind dann irgendwie wenig und ich habe mich anfangs doch sehr verunsichern lassen. Bis eine meiner Freundinnen zu mir sagte: "ignorier die ganzen Storys. Sag am besten, du willst nichts davon hören. Jede Geburt ist anders. Und lies dir nur positive Berichte im Internet durch oder sieh dir Videos von friedlichen Geburten an." Ein Glück habe ich auf sie gehört.
Jetzt bin ich jemand, der sein Privatleben normalerweise nicht im Internet ausbreitet, aber weil meine Freundin beim Frühstück gestichelt hat, weil ich selbst dachte und immer noch denke "Teilt eure positive Geburtserfahrung" und weil ich eine solche positive Geburtserfahrung mit meiner Tochter schließlich selbst erlebt habe, schreibe ich ihn nun doch nieder:

Meinen positiven Geburtsbericht. Aber Achtung Spoiler: es handelte sich nicht um eine völlig schmerzfreie Geburt (wobei ich fest davon überzeugt bin, dass es das auch gibt).
Ich wurde Ende 2019 schwanger. Mein erstes Kind. Ungeplant. Das war auch der Grund, wieso ich mich vorher kein bisschen mit dem Thema Schwangerschaft und Geburt auseinander gesetzt hatte. Die Frage, wie ich denn mein Kind auf die Welt bringen wollte, stellte sich aber ziemlich schnell. Eigentlich am Tag, an dem ich den positiven Test in den Händen hielt.

Dass man Kinder tatsächlich auch heute noch zuhause auf die Welt bringen konnte und nicht zwingend ins Krankenhaus musste, wusste ich schonmal. Eine ehemalige Arbeitskollegin, die ich nie kennengelernt hatte, brachte ihre Kinder zuhause zur Welt. Und war deshalb regelmäßig Gesprächsthema. Unverantwortlich, gefährlich, unverständlich. Ich dachte damals schon: "Wieso eigentlich nicht. Es ging doch Jahrtausende lang gut". Schließlich hatte eine Freundin (eben jene, die mir riet, ausschließlich positive Geburtsberichte zu lesen) auch eine Hausgeburt und war damit mehr als glücklich. Sie empfahl mir ihre Hebamme und schlug vor, ich könnte ja mal unverbindlich einen Termin mit ihr machen. Das tat ich und sagte direkt beim ersten Treffen, dass ich mir keinesfalls sicher war, ob ich mir das wirklich zutraute. Am liebsten wollte ich sozusagen in der letzten Minute entscheiden. Das sei kein Problem, meinte sie. Im Gegenteil: es sei eher förderlich, wenn man sich nicht auf die Hausgeburt versteifte. Ich fand die Hebamme sofort sympathisch und fasste auch direkt Vertrauen. Ich entschied mich, auch die Vorsorgen zuhause von ihr durchführen zu lassen. Nach einer falsch behandelten Blasenentzündung durch zwei Frauenärzte im 4. Monat (ja, da hatte ich wohl einfach Pech) reduzierte ich die Arztbesuche auf ein absolutes Minimum. Kein CTG, nur noch ein Ultraschall zum Schluss, keine Panikmache mehr. Mein Bauchgefühl riet mir dazu und ich hörte darauf.

Je länger die Schwangerschaft andauerte, desto sicherer wurde ich mir. "Wenn es irgendwie geht, will ich eine Hausgeburt." Ich muss dazu sagen, dass ich insgesamt eine sehr unkomplizierte Schwangerschaft erlebt habe. Ich bin bis zum Ende des 7. Monats geklettert und konnte bis zum letzten Tag problemlos Yoga machen und auch noch meine Schuhe selbst binden. Bis auf die typischen Wehwehchen, mal ein Ziehen der Mutterbänder, mal Rückenweh, hatte ich eine sehr schöne Schwangerschaft. Dazu kam, dass die nächste Entbindungsklinik nur einen Katzensprung entfernt war. Also kauften wir 6 Wochen vor dem Geburtstermin einen "Geburtspool" (ein etwas besser gepolstertes, großes Planschbecken) und ich richtete mich auf eine Hausgeburt ein. Eines der Zimmer wurde zum "Kreißsaal" umfunktioniert (zumindest wurde es so durch meinen Freund mit Zettel an der Tür getauft), der Pool aufgebaut, alle von der Hebamme geforderten Utensilien (Handtücher, Schale für die Plazenta, etc.) besorgt. Wo anfangs noch sehr viele Zweifel waren, ob das wirklich eine gute Idee sei, war zum Ende hin immer mehr Sicherheit. Das wird schon. Ich hatte mich ja umfassend auf die Geburt vorbereitet. Der klassische Geburtsvorbereitungskurs (dank Corona online) half dabei gefühlt aber überhaupt nicht. Ich trainierte stattdessen "Hypnobirthing", las positive Geburtsberichte und allerlei Bücher. Zum Beispiel "Geburt und Stillen: über die Natur elementarer Erfahrungen" von Michel Odent. Ich denke, das war schließlich der endgültige Auslöser, dass ich mich in meiner Entscheidung so bestärkt fühlte, dass eine Krankenhausgeburt nur noch im Notfall in Frage kam. Ich fand und finde: Geburt ist etwas natürliches und jeder (nicht zwingend erforderliche!!) externe Eingriff in das Geschehen macht es Mutter und Kind unnötig schwer.

;-) Geburtsbericht
6 Tage nach dem ET war es dann soweit. Spät abends hatte ich stärkere Blutungen und das Ziehen, das sich die Wochen zuvor als Senk- und Übungswehen bemerkbar gemacht hatte, gewann an Intensität. Aber richtig schmerzhaft waren die Wehen da noch nicht. Ich würde es mit leichten Regelschmerzen vergleichen. Ich weckte meinen Freund und sagte "Es geht jetzt los". Daraufhin antwortete er ganz trocken "Die Hebamme hat gesagt, du sollst es so lange wie möglich ignorieren". Kaum hatte er den Satz beendet, schlief er wieder ein. Ich stand da und schaute aus der Wäsche wie die sprichwörtliche Kuh, wenn's blitzt. Trotzdem musste ich lachen. Eigentlich hatte er ja Recht. Die Hebamme hatte mir geraten, mich möglichst nicht verrückt zu machen, wenn ich die ersten Anzeichen bemerke, denn unter Umständen würde sich die eigentliche Geburt ja noch ziemlich lange hinziehen. Ich hörte also auf die beiden und machte mich tatsächlich nicht verrückt. Es erfasste mich so eine Art innere Ruhe. Ich hörte noch eine Runde Hypnobirthung, versetzte mich gedanklich an meinen "sicheren Ort" (für mehr Infos diesbezüglich einfach mal Hypnobirthing googeln) und versuchte zu entspannen, was mir zwei Stunden lang richtig gut gelang. Dann kamen die Wehen aber regelmäßiger, zumindest so mein Gefühl und ich weckte meinen Freund nochmal. Diesmal war ich darin auch erfolgreich. Ich stieg in die Badewanne und bemerkte, dass die Wehen dort zwar stärker wurden, aber auch wesentlich besser auszuhalten waren. Dem warmen Wasser sei dank. Ich fing an zu summen und singen (etwas, was ich mich im Krankenhaus vermutlich nicht getraut hätte, denn ich kann wirklich überhaupt nicht gut singen). Nach zwei Stunden in der Wanne wollte ich raus und bat meinen Freund die Hebamme anzurufen, damit sie Bescheid wusste, dass es los geht. Bis dahin waren seit der Blutung sechs Stunden vergangen. Die Wehen kamen in dieser Zeit unregelmäßig, aber manchmal auch schon alle vier Minuten, waren aber im Großen und Ganzen noch gut auszuhalten. vor allem, weil die Wehenpausen komplett schmerzfrei waren und ich neue Kraft sammeln konnte. Außerhalb des Wassers wurden die Wehen allerdings stärker, bzw. waren für mich weniger gut auszuhalten. Ich marschierte durch das Schlafzimmer und murmelte immer wieder "Vanillepudding" vor mich hin. Jetzt war es mein Freund, der mich anschaute, als hätte ich den Verstand verloren. Zu diesem Zeitpunkt war ich allerdings noch ziemlich gut beisammen. Der nette Schweizer aus meinen Hypnobirthing-MP3s hatte nämlich geraten, sich vorzustellen, der Muttermund sei so weich wie Vanillepudding. Klingt verrückt, half aber. Außerdem war es lustig. Und lachen entspannt.

Ich telefonierte dann mit der Hebamme und erzählte ihr vom aktuellen Stand. Sie fragte mich, ob ich Angst hatte. Ich horchte in mich hinein und stellte (ein bisschen überrascht) fest: Nein, kein bisschen. Es ist alles so, wie es sein soll. Daraufhin entschieden wir, dass sie sich noch nicht auf den Weg machte. Schließlich konnte es immer noch ziemlich lange dauern und bei der eigentlichen Geburt sollte zumindest sie ausgeruht sein. Ich wollte wieder zurück in die Badewanne. Und wieder fiel mir auf, dass die Wehen dort viel besser zu ertragen waren. Ich hielt mich an meine Vorbereitung, atmete tief und ruhig und stellte mir die sich öffnende Blüte aus dem Hypnobirthing vor. Das half. Ich merkte bei Beginn der Wehen kurz, wie ich mich verkrampfte, es aber sofort nachließ, wenn ich es schaffte, mich zu konzentrieren und "loszulassen". Nach insgesamt 7 Stunden gelang das aber leider immer schlechter und ich hatte doch arg zu kämpfen. Aus diesem Grund riefen wir die Hebamme erneut an. Jetzt sollte sie kommen. Ich brauchte ihre Unterstützung. In der Zwischenzeit füllte mein Freund den Geburtspool und ich wechselte von der Badewanne ins Arbeitszimmer alias "Kreißsaal". Was mir da wirklich zu schaffen machte, war das Gefühl, die Kraft zu verlieren. Nicht so sehr die Schmerzen, aber die wackligen Beine. Das war wirklich unangenehm. Vielleicht hätte ich doch noch ein bisschen mehr Yoga machen sollen. Oder am Vortag mehr schlafen. Aber auch das verging relativ schnell und mein Körper mobilisierte alle Kraftreserven.

Die Hebamme traf ein, aber so richtig mitbekommen habe ich das schon nicht mehr. Ich glaube ab diesem Zeitpunkt war ich in einer Art Trance. Und nein, das habe ich nicht negativ erlebt. Ein Bild ist mir aber besonders hängen geblieben. Ich sah die Hebamme da sitzen: Den Rücken an den Türrahmen gelehnt, ein Klemmbrett auf den aufgestellten Beinen, die Brille auf der Nase, völlig tiefenentspannt. Auch dass sie selten die Herztöne kontrollierte (ohne mich damit in irgendeiner Form zu stören) und dann immer flüsterte "Eure Tochter macht super mit" trug sehr zu meiner Ruhe bei. Dazu mein immerhin nach außen hin ziemlich entspannt wirkender Freund (in schwierigen Situationen ist er immer der Fels in der Brandung, das wusste ich vorher) gaben mir eine enorme Sicherheit. Ich fühlte mich einfach gut aufgehoben, von Anfang bis Ende. Dass ich dabei zu jeder Zeit die Position einnehmen konnte, die ich wollte (meistens Vierfüßler oder Hocke), tat mir ebenfalls gut. Jetzt wurden die Wehen allerdings doch so stark, dass ich zwischendurch schon dachte, wie ich das wohl aushalten soll. Ich stieg in den Geburtspool. Wieder wurde es etwas leichter durch das warme Wasser und mein Freund und meine Hebamme verschafften mir durch gutes Zureden und Massagetechniken weitere Erleichterung. Es gelang mir aber immer seltener, mich an meine Vorbereitung zu erinnern, ruhig zu atmen und mich bewusst zu entspannen. Stattdessen verkrampfte ich mich zusehends. Ich weiß noch, dass ich irgendwann sagte "ich kann nicht mehr" und meine Hebamme ruhig antwortete: "entweder du bringst dein Kind hier zur Welt oder wir fahren ins Krankenhaus. Mehr Optionen gibt es nicht". Diese nüchterne, so ruhig gesprochene Aussage machte mir klar, ich konnte sehr wohl noch. Ich verschwendete nämlich keinen einzigen Gedanken daran, dass ich doch lieber ins Krankenhaus wollte oder ein Schmerzmittel brauchte. Zu keinem Zeitpunkt. Schließlich verschwanden die Schmerzen immer wieder und wie gesagt, so richtig bei mir war ich auch nicht. Die Wehenpausen waren nach wie vor komplett schmerzfrei und das blieben sie bis zum Schluss. Einmal schlief ich sogar kurz ein. Außerdem hatte ich permanent das Gefühl, mein Körper weiß schon, was er da tut. Etwas später (wie sich herausstellte kurz vor Schluss) hatte ich dann kurzzeitig das Gefühl, es ginge nichts mehr vorwärts und war extrem frustriert. Vielleicht war das der Moment, an den viele Frauen unter der Geburt gelangen. Michel Odent schreibt, dass einige Frauen sogar kurz denken, dass sie sterben. Das tun sie natürlich nicht, nicht mal annähernd, aber der Hormoncocktail sorgt wohl dafür, dass man sich für kurze Zeit so fühlt. Ans Sterben habe ich nicht gedacht, passiert also auch nicht jeder. Meine Hebamme untersuchte mich und lächelte wissend "Du bist viel weiter als du denkst". Das gab mir neue Hoffnung. Kurze Zeit später platzte die Fruchtblase und ich hatte das Gefühl pressen zu müssen. Ich fragte "Kann ich pressen?". Wenn es sich danach anfühlt, ja. Das hatte ich eigentlich vorher schon gelernt. Mit "hinunteratmen", wie ich das beim Hypnobirthing gelernt hatte, war da allerdings nichts. Ich wollte und musste pressen und das war verdammt anstrengend. Das anstrengenste, was ich in meinem Leben bisher gemacht hatte. Aber jetzt merkte ich zum ersten Mal, da geht sehr wohl was vorwärts. Nämlich mein Kind durch den Geburtskanal. Auch hierbei glaube ich: hätte ich es geschafft, mich mehr auf meine Vorbereitung zu besinnen und ruhig zu bleiben, wäre das für mich angenehmer verlaufen. Vielleicht wäre ich dann auch nicht ganz so laut gewesen. Aber zu diesem Zeitpunkt war mir das egal (womit ich vorher nicht gerechnet hätte). Ich habe nicht geschrieen, ich habe geröhrt. Und das half ziemlich gut. Die Tonlage, die die Nachbarn nicht hören und Heizkörper zum Vibrieren bringt, hatte meine Hebamme das genannt. In der Tat ziemlich tief. So Whitney-Houston-mäßig. Nur lauter und wahrscheinlich auch weit weniger melodisch. Also nicht wirklich wie Whitney Houston. Ob die Nachbarn DAS tatsächlich nicht gehört haben, bleibt mal dahingestellt. Sie sagten es später mal so. Ob das jetzt gegen die Aufmerksamkeit unserer Nachbarn oder für den Wahrheitsgehalt der Aussage meiner Hebamme spricht, weiß ich nicht. Meinen Freund habe ich damit wohl nachhaltig beeindruckt (oder eher traumatisiert), aber ich war selbst ziemlich überrascht, was ich denn für Töne von mir geben kann. Eine Wiederholung dessen gelingt mir ganz sicher in keiner anderen Situation.

Nach einigen Presswehen gebar ich das Köpfchen und konnte es auch mit der Hand tasten (ein krasses Gefühl), aber meine Tochter überlegte es sich kurz nochmal anders und rutschte zurück. Bei der nächsten Wehe (und damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet) kam sie dann in einem Rutsch und war plötzlich im Geburtspool. Nur noch durch die Nabelschnur mit mir verbunden. Völlig intuitiv habe ich sie gegriffen und an meine Brust gedrückt. In diesem Moment (Achtung, jetzt kommt der Spruch, den vermutlich fast alle Mütter sagen) war tatsächlich alles vergessen. Jetzt wusste ich endlich, was damit gemeint ist. Die Schmerzen waren sofort wie weggeblasen, alles, was vorher war, absolut nebensächlich und da war nichts als Glück. Ich war völlig überwältigt. Das schönste Gefühl der Welt. Und der schönste Anblick, meine wunderschöne Tochter. Mein Freund hinter mir, der ihr Köpfchen streichelt. Ein kurzes Schreien, dann fing sie sofort entspannt an zu trinken. Und jede Menge Freudentränen bei meinem Freund und mir.

Wir wechselten nach einiger Zeit auf das Sofa im Wohnzimmer. Meine Tochter lag friedlich schlafend auf meiner Brust während ich die Plazenta nach einer halben Stunde Nachwehen gebar. Meine Hebamme führte die U1 durch ohne mir meine Tochter auch nur für eine Minute wegzunehmen. Wir ließen die Nabelschnur auspulsieren, dann durchtrennte mein Freund sie und die Kleine durfte auf Papas nackter Brust weiterschlafen, während die Hebamme mich untersuchte. Eine kleine Geburtsverletzung, ein seitlicher Riss, den wir nicht nähen, sondern von selbst ausheilen lassen wollten, ansonsten alles in bester Ordnung. Dafür, dass ein Frauenarzt mir zum Ende der Schwangerschaft sagte, meine Tochter KÖNNTE zu schwer (im Endeffekt immerhin 3.700g) und mein Becken zu eng sein, um sie natürlich zur Welt zu bringen, war das doch ziemlich erstaunlich (Ironie off).

Leserinnen mit sehr empfindlichem Magen sollten die kommenden vier Sätze nun überspringen. Meine Hebamme hatte mir schon während der Vorsorgen vorgeschlagen, nach der Geburt ein Stück der Plazenta zu essen. Es sei zwar nicht wissenschaftlich belegt, aber man sagte dem nach, die darin enthaltenen Hormone würden die Wundheilung beschleunigen und das Wochenbett vereinfachen. Also tat ich es und es war weit weniger eklig, als es sich anhört. Es schmeckte einfach etwas salzig, nicht so eisenlastig wie Blut, wie man sich das vielleicht vorstellt.
Ob es tatsächlich eine Auswirkung hatte, weiß ich nicht, aber bis auf ein paar "Heultage" verlief mein Wochenbett im Großen und Ganzen unproblematisch und war nach sechs Wochen komplett ausgestanden, inkl. Heilung der Geburtsverletzung. Direkt nach der Geburt fühlte ich mich erstaunlich fit. Konnte alleine duschen und hatte kaum Schmerzen. Das Stillen klappte auf Anhieb prima, auch wenn sich meine Brustwarzen natürlich erstmal an die neue Belastung gewöhnen mussten.

;-) Fazit:
Die Geburt habe ich vom ersten Tag an bis heute (6 Monate danach) als durchweg positiv in Erinnerung. Nein, ich habe sie nicht schmerzfrei erlebt. Genauer gesagt war es das schmerzhafteste Erlebnis meines Lebens, doch jetzt kommt das große ABER (und das macht ja bekanntlich alles vorher Gesagte zunichte): nach meinem Gefühl handelt es sich um eine völlig andere Art von Schmerz. Die Schmerzen während der Blasenentzündung in der Schwangerschaft waren zwar weniger stark, haben mir aber viel mehr zu schaffen gemacht, mich sogar dazu gebracht, ein paar Tränen zu vergießen (das ist mir unter der Geburt nicht passiert). Eine Geburt ist ein ganz anderes Setting, man ist vollgepumpt mit Hormonen und hat keinerlei Zeitgefühl. So ging es zumindest mir. Wirklich anstrengend und schmerzhaft waren die letzten vier (von insgesamt 12) Stunden. Und das kam mir währenddessen und auch im Nachhinein vor, wie eine halbe Stunde. Und dabei würde ich mich nicht als sehr schmerzresisitent bezeichnen. Genauer gesagt bin ich eigentlich eine ziemliche Memme, denke ich. Aber wie schon gesagt: ich habe keinen einzigen Gedanken an Schmerzmittel verschwendet. Ich wusste ja, wieso ich diese Schmerzen habe und wofür ich sie ertrage. Und ich glaube wirklich, wenn ich es geschafft hätte, die Hypnobirthingmethoden länger anzuwenden, mich mehr darauf einzulassen, dann wäre es noch wesentlich einfacher gewesen. Ja, vielleicht sogar schmerzfrei. Denn da waren durchaus einige Wehen (auch zum Schluss), die fast schmerzfrei waren. Wenn ich es geschafft habe, mich zu entspannen. Und genau da setze ich an, wenn ich sage, dass die Hausgeburt die beste Entscheidung war, die ich treffen konnte. Denn im Krankenhaus hätte ich mich zu diesem Zeitpunkt sicher nicht entspannen können, hätte nicht loslassen können. Für mich war es perfekt, wie es war. Das heißt nicht, dass das für jeden was ist.
Man sollte aber auf sein Bauchgefühl hören. Und mittlerweile bin ich der Überzeugung: eine "Traumgeburt" könnte ich durchaus auch im Krankenhaus erleben.

Ich denke, dass der Kopf unter der Geburt die größe Rolle spielt. Wie so oft. Und deshalb finde ich auch das Teilen jeder positiven Geburtserfahrung so wichtig. Natürlich kann es immer zu Notfällen kommen, aber in den allermeisten Fällen geht alles gut und der Körper der Frau macht, was er soll und das ohne jegliches Eingreifen (nicht mal durch die Frau selbst). Das sollte man sich vor Augen halten und Vertrauen haben.

Falls ihr vage über eine Hausgeburt nachdenkt, erkundigt euch bei einer Hausgeburtshebamme aus eurer Nähe. Ich kann es auch beim ersten Kind von Herzen empfehlen, es zumindest nicht von vorneherein auszuschließen. Eine Hausgeburt (oder Geburt im Geburtshaus) ist weit weniger gefährlich wie es immer noch gerne dargestellt wird. Die Hebammen sind super ausgebildet, haben allerlei Medikamente für den Notfall dabei und wenn alle Stricke reißen, kann man immer noch abbrechen.

Ein Gedanke von mir noch zum Schluss, der mir sehr wichtig ist:
Völlig egal ob Wunschkaiserschnitt, geplanter, weil notwendiger Kaiserschnitt, Notkaiserschnitt, vaginale Geburt im Krankenhaus, im Geburtshaus, zuhause. Mit oder ohne Schmerzmittel. Nichts davon ist weniger oder mehr wert. Ihr habt alle euer Kind unter dem Herzen getragen und es zur Welt gebracht. Das ist alles, was zählt. Lasst euch nichts anderes einreden. Trotzdem wünsche ich jeder Frau, dass sie ihre "Traumgeburt" erlebt. Wie auch immer die aussehen mag.

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Wow, ein toll geschriebener Bericht! Du solltest Bücher schreiben :-)
Ich gratuliere die zu deiner Tochter und zu dieser guten Erfahrung. Ich selbst hatte bisher zwei interventionsarme, insgesamt sehr schöne Geburten und die dritte steht bevor, dafür groove ich mich mit solchen Berichten schonmal ein. Ich stimme dir zu, vor allem der Kopf und eine positive Erwartungshaltung erhöhen die Chancen auf ein gutes Geburtserlebnis sehr. Trotzdem ist es leider nicht allen Mamas vergönnt.

Mein Respekt gilt allen Müttern, die eine harte, vielleicht sogar traumatische Geburt hinter sich gebracht haben, ein dadurch nochmal härteres Wochenbett erleben und ihr Kind dafür nicht weniger lieben als Mamas mit der Bilderbuchgeburt :-x