8 qualvolle Minuten - Vorsichtig Trigger und sehr lang 😱

Meine 2. Schwangerschaft verlief eigentlich völlig unproblematisch. Die ersten 12 Wochen litt ich unter Übel- und MĂŒdigkeit, danach war ich das blĂŒhende Leben.

Bei den Vorsorgeuntersuchungen wurde mir immer wieder gesagt, das wir ein schweres Baby bekommen sollten. Sein Bruder, den ich vor 2 Jahren per Kaiserschnitt entbunden hatte, war auch kein Fliegengewicht und kam mit 4000g zur Welt - also war das nichts außergewöhnliches fĂŒr mich und da ich in der ersten Schwangerschaft eine SS-Diabetes entwickelt hatte, machten man in dieser sogar 2 große Test's und beide waren völlig unauffĂ€llig.

Ab der 36. Woche wurde von fetaler Makrosomie gesprochen, zwei Mal suchte ich auf Wunsch meine Arztes die Geburtsklinik auf um evtl. eine Einleitung oder sogar ein Kaiserschnitt zu besprechen. Von einem Kaiserschnitt wurde mir zweimal abgeraten, ich hĂ€tte ein gebĂ€rfreudiges Becken und wĂ€re durchaus in der Lage dieses Kind auf natĂŒrlichem Wege zu entbinden. Die Bedenken meines Frauenarztes wurden abgetan und mir wurde immer wieder versicherte, das mein 1. Kaiserschnitt nichts mit der GrĂ¶ĂŸe und dem Gewicht von meinem ersten Sohn zutun hatten, sonder das es hier um seine Vitalwerte ging.

Wir entschlossen uns dann an ET einzuleiten.

Ich hatte mega Angst vor der Einleitung und hab meinem Sohn gut zugeredet, das er sich doch bitte von selbst auf den Weg machen soll...und er hörte auf mich â˜ș In der Nacht von Samstag auf Sonntag (Sonntag war ET) platzte mir meine Fruchtblase - schnell hatte ich heftige Wehen, die ich schon gut veratmen musste. Ich rief im Kreißsaal an und eine Stunde spĂ€ter war ich auch in diesem. Mein Muttermund war zu dem Zeitpunkt schon gute 4cm auf und mein Mann durfte dann auch direkt bleiben.
Die Wehen waren heftig und kamen in kurzen AbstĂ€nden, ich gab mein bestes sie zu veratmen und hĂŒpfte auf dem Pezziball auf und ab. Bei 7cm habe ich dann eine PDA verlangt und bekam sie auch. Bei meinem ersten Sohn, war ich damals ab der HĂŒfte tot. Ich spĂŒrte garnichts mehr und konnte mich auch nicht mehr bewegen. Diese PDA war anders, der Wehenschmerz war weg, der Druck blieb aber. Ich konnte mich auch noch in sĂ€mtlich Geburtspositionen begeben.

Im VierfĂŒĂŸlerstand rutschte unser Mini dann richtig in den Geburtskanal - der Druck war kaum auszuhalten und bei jeder Wehe musste ich schreien. Ich durfte dann auch schon mitpressen - leider tat sich aber nichts.

Nach einem Positionswechsel zu liegend auf dem RĂŒcken klappte es dann besser und der Kopf war schon sichtbar. Ich gab alles und presste wie eine Irre. Der Kopf kam bei jeder Wehe einen StĂŒck raus, verschwand dann aber wieder. Es wurde dann eine Ärztin hinzugezogen um evtl. mit einer kleinen Saugglocke nach zuhelfen. Als die Ärztin den Raum betritt, sollte ich es nochmal alleine probieren und es klappte dann tatsĂ€chlich, das Köpfchen wurde geboren. Allerdings folgte bei der nĂ€chsten Wehe nicht der Körper - die OberĂ€rztin wurde gerufen und ab diesem Moment ging alles so wahnsinnig schnell - ich habe nur mitbekommen das er eine Schulterdystokie hatte. Also die linke Schulter steckte unter meinem Schambein fest. Absoluter Notfall fĂŒr mich und mein Baby. Ich kann mich nicht mehr genau dran erinnern, aber die OberĂ€rztin versuchte mit 2 HĂ€nden mein Kind zu drehen.

Mein Mann erzĂ€hlte mir das ich vor schmerzen geschrien hĂ€tte und das ich am flehen war, das sie ihn bitte raus holen. Ich weiß davon aber nichts mehr.

8 Minuten dauerte es, bis sie ihn befreit hatten. 8 Minuten hatte sein Hirn keinen Sauerstoff erhalten. Blau und leblos brachten sie ihn weg und ich merkte, das das Blut aus mir heraus floss. Ich fragte die Hebamme ob er am sterben sei - bekam aber keine eindeutige Antwort.

WĂ€hrend sie um das Überleben meines Kindes kĂ€mpften, wurde ich wieder zusammen geflickt. Ich habe einen Dammriss Grad 2, einen tiefen Scheidenriss rechts, einen Scheidenriss links und einen Labienriss davongetragen.
Irgendwann kam dann die OberĂ€rztin und erzĂ€hlte uns, das unser Sohn keinen Herzschlag mehr hatte und reanimiert werden musste. Ob neurologische SchĂ€den entstanden sind wusste bis dato keiner, auch seine Arme hatte er bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht bewegt. Ich stand so unter Schock und konnte keine einzige TrĂ€ne vergießen.

Sie wollten ihn in die Uniklinik verlegen, da er da nĂ€mlich auf 33 Grad runter gekĂŒhlt werden könnte - ein ĂŒbliches Verfahren, um neurologische SchĂ€den einzudĂ€mmen.

Ich verstand das ganze immer noch nicht und nickte einfach nur. Ich durfte ihn dann noch kurz sehen und auch halten. Ich habe mich an dem Tag selbst entlassen und wir durften dann noch in die Uniklinik fahren um unseren Sohn zu sehen. Nach 6 langen Stunden erhielten wir die guten Nachrichten, das wohl keine neurologischen SchĂ€den zurĂŒck bleiben werden und das sein Arm auch funktionstĂŒchtig sein wird. GekĂŒhlt musste er auch nicht werden đŸ™đŸ» er wurde dann am nĂ€chsten Tag wieder in die Geburtsklinik verlegt und blieb dort noch 5 Tage auf der Intensivstation, da er Probleme mit dem Zucker hatte.

Jetzt ist er seit 2 Tagen zu Hause und wir sind durchgehend am kuscheln. Wir hatten eine unglaubliche Angst ihn zu verlieren und sind uns wieder bewusst geworden, wie dankbar man doch fĂŒr sein gesundes Leben sein kann ❀

Sein Gewicht wurde zwei Tage vor der Einleitung auf 3985g geschÀtzt, geboren wurde er mit 4730g - 54cm und einen KU von 36,5 cm.

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Wow. Ich wĂŒnsche dir ganz viel Kraft und hoffe, dass du das alles verarbeiten kannst. Als Kinderkrankenschwester weiß ich, was es bedeutet wenn Babys "gekĂŒhlt" werden mĂŒssen! Wirklich schön, das noch alles gut gegangen ist

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Ich bin absolut baff. Ich wĂŒnsche euch alles GlĂŒck der Welt und bin froh, dass es gut gegangen ist. Selten habe ich ein TrĂ€nchen verdrĂŒckt, wenn ich einen Bericht gelesen habe. Aber diesmal war es nicht aufzuhalten. Unglaublich was du erleben musstest. Alles Gute 🍀

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Wow. So sollte keine Geburt ablaufen :( und ordentlich verschĂ€tzt haben sie sich ja auch mit dem Gewicht. Ich wĂŒnsche euch jetzt eine wunderschöne Zeit, alles Gute :)

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Oh krass đŸ˜„đŸ˜„ das wieder ein Beispiel wie ungenau doch die Messungen im Ultraschall sind 😳

Hoffentlich bleibt der kleine Mann jetzt stabil und es ist wirklich nochmal alles gut gegangen, und dir wĂŒnsche ich ganz schnelle und gute Genesung und dass ihr den Schock gut verkraftet und alles Gute weiterhin 🍀🍀

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Ich hatte schon beim ersten Mal GĂ€nsehaut als du deinen ersten Beitrag nach der Geburt verfasst hast und noch nicht wusstest wie der Zustand von eurem Sohn ist.
Ich habe wirklich gehofft das alles gut geht und umso mehr freue ich mich zu lesen, dass ihr seit 2 Tagen am kuscheln seid und dass alles gut gegangen ist.
Gesundheit ist das aller wichtigste. Ich wĂŒnsche euch alles alles gute und dass ihr das traumatische Erlebnis gemeinsam verarbeiten könnt. 🍀🙏

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Gut, dass bei dir letztendlich alles gut gegangen ist! Dein erster Beitrag hat mich dazu bewegt, dass wenn mein zweites Kind auch makrosom wird (das erste war es), ich einen Kaiserschnitt möchte.

Du hast geschrieben, dass dein Sohn noch Probleme mit dem Zucker hatte. Heißt das du hattest Diabetes, ohne, dass die Tests ausgeschlagen sind?

Euch alles Gute! :-)

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Es kann auch sein, das sein Glucose-Speicher "aufgebraucht" wurde. Das passiert öfter, wenn die Kinder keinen Sauerstoff mehr bekommen oder unter enormen Stress stehen.

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Hallo.
Wahnsinn was du mitmachen musstest. Nimm dir genug Zeit um das erlebte zu verarbeiten und sprich auch noch mal mit deiner Hebamme ĂŒber das erlebte. Es muss unglaublich qualvoll gewesen sein. Den Schmerz und die Angst vergisst man nicht, mir hat reden unglaublich viel geholfen( und bei mir war es nicht so schlimm wie bei dir)
Ich wĂŒnsche euch 4 alles GlĂŒck der Welt

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Oh mein Gott đŸ„ș ich bin sprachlos. Das muss ja die Hölle gewesen sein, das tut mir richtig weh zu lesen was du und dein kleiner durchmachen mussten. Umso mehr freue ich mich dass keine bleibende SchĂ€den zu erwarten sind. Alles Gute euch 😘😘😘

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Liebe mrskellyo!

Ich hatte einen ungeplanten Kaiserschnitt und war sehr traurig darĂŒber. Dann hab ich deinen ersten thread gelesen und einen heulkrampf bekommen und den Göttern sĂ€mtlicher Religionen gedankt fĂŒr mein gesundes kind.

Ich denke immer wieder mal an dich und deinen Kleinen. Ich wĂŒnsche deiner Familie alles Gute und eine wunderbare kuschelzeit.
Erhol dich gut von diesem Erlebnis. đŸ€—