Traumkaiserschnitt

Da es so oft negative Erfahrungen von Kaiserschnitten gibt, möchte ich meine sehr positive Erfahrung mit euch teilen und allen Mamis, die eine geplante Sectio vor sich haben, Mut machen.

Ich hatte Anfang Mai einen geplanten Kaiserschnitt aufgrund von medizinischen Gründen.

Meine Gynäkologin ist auch Oberärztin in leinem großen Krankenhaus, und da ich mich extra noch privat versichert habe, konnte meine Wunschärztin den Kaiserschnitt durchführen.

Am Abend vor dem Termin bin ich ins Krankenhaus eingezogen. CTG wurde geschrieben, ich bekam ein Einzelzimmer, Venenzugang gelegt. Alles kein Problem. Ich habe nur ganz wenig geschlafen wie schon die Nächte davor.

Am großen Tag ging es gegen 06:30 wieder mit CTG los. Als ich wieder in mein Zimmer kam, war mein Freund schon da! Die Stationskrankenschwester hat ein Auge zugedrückt und ihn schon zu mir gelassen. Erste Freudentränen.

Dann ging alles recht schnell. Ich bekam einen Tropf für meinen Kreislauf und wurde vor den OP geschoben. Mein Freund immer dabei. Die OP Tür war offen und ich konnte den Raum sehen. Es war viel professioneller als gedacht. Ich habe Fliesen und ältere Krankenhausausstattung erwartet, aber es war alles aus Edelstahl und mit allerlei Elektronik und Monitoren ausgestattet. Ca. 12 Ärzte, Schwestern, Hebammen usw. sind im Raum herumgewuselt. Es war eine konzentrierte, effektive Stimmung aber auch gelegentliches gedämpftes Lachen oder freundliche Worte zu hören. Sehr viele haben sich mir vorgestellt. Bis auf einen jungen Arzt, der mir ganz viel die Hand gehalten hat und meine eigene Ärztin habe ich alle anderen vergessen.

Dann wurde ich gefragt ob es noch letzte Fragen gibt und es ging los. Mein Freund war schrecklich aufgeregt, aber ich habe mich total sicher und in guten Händen gefühlt und wurde in den OP gerollt.

Das Legen der Spinalanästhesie war ein Klacks. Ich habe zwar gezittert (Hebamme hat meine Knie und Hände gehalten), aber das war wohl unbewusst. Das Murmeln von Fachjargon, Rascheln und Piepsen der Geräte hat mich beruhigt, ausserdem habe ich mein zuvor ausgedachtes Mantra in meinem Kopf aufgesagt.

Recht schnell hat sich unterhalb des Brustkorbs ein wohliges warmes Gefühl ausgebreitet, ich durfte mich hinlegen und fand es sehr bequem. Der Chef der Anästhesie hat mich irgendwie schräg gelegt, hat seiner Assistentin mit einer Art Joystick verschiedene Winkel angesagt und die anderen haben mich dann wohl “genau richtig” gebettet... für mich war das alles OK. Auch, dass meine Arme links und rechts (ganz locker) festgebunden waren. Das wusste ich ja alles, da ich mich gut informiert hatte. Ich wollte es hinter mir haben, und das Baby endlich sehen!

Der Vorhang wurde aufgespannt und mein Freund durfte in den OP. Mir wurde gesagt, dass sie mich mit einer scharfen Pinzette zwicken werden und ich sollte sagen, falls ich was spüre. Ich wartete auf das Zwicken und fragte mich worauf die wohl warten. Als ich ein Ruckeln spürte fragte ich: Operiert ihr schon??? Ja, da war alles schon im Gang!

Mein Freund saß bei meinem Kopf und hielt meine Hand, ein zweiter Arzt hielt auch meine Hand, die Hebamme meine andere... und dann sagte jemand: Gleich spüren sie Druck auf den Oberbauch. Und so war es. In einer wunderbaren Wellenbewegung spürte ich, wie meine Tochter aus mir heraus kam! Es war einfach nur wunderschön und ich rief mehrmals: Sie ist geboren! Ich habs gespürt! Das Baby ist da! Und da schrie sie auch schon ♥️

Sie wurde uns kurz gezeigt, und sofort meinem Freund in die Arme gelegt! Ich habe sehr viel geweint vor Freude und Erleichterung. Sie wurde im Nebenraum untersucht und gewaschen und dann kam mein Freund mit ihr zurück. Ich wurde gefragt ob ich sie auf die Brust haben will (hatte ein Bandeau an) und so wurde sie mir da reingesteckt. Da gibts ein Foto von... Wahnsinn.

Leider wurde mir dann seltsam zumute und ich hatte das Gefühl nicht gut atmen zu können, auch wegen des Babies. So wurde sie wieder raus genommen und meinem Freund in die Arme gelegt. Ich fing dann furchtbar an zu zittern und habe mich wohl recht viel gewunden. Mein Freund hat sich da richtig Sorgen gemacht. In meiner Erinnerung war das aber nicht so schlimm, ich hatte weder Angst noch Schmerzen sondern habe mich einfach bewegt...

Das Zittern und Winden hat dann recht schnell aufgehört, und nach insgesamt ca. 35min war alles erledigt und wir sind in den Aufwachraum gekommen. Ich war euphorisch und glücklich und hatte ein sehr wohliges, “goldenes” Gefühl, und ich war extrem fasziniert, dass da jetzt unser Baby war!!

Nach 1,5 Stunden konnte ich schon mit meinen Zehen wackeln und nach 8 Stunden stand ich auf und mein Katheder wurde gezogen. Ich war recht schnell wieder fit.

Die drei Tage auf der Station fand ich dann nicht so prickelnd, da mein Freund wegen Covid trotz Einzelzimmer nicht den ganzen Tag, geschweige in der Nacht bleiben durfte. Ich habe ihn extrem vermisst. Der Baby Blues hat dann im KH auch noch zugeschlagen, aber das ist eine andere Geschichte. Heute geht es uns allen sehr sehr gut, die Narbe spüre ich praktisch nicht.

Für mich war der Kaiserschnitt selbst ein wunderschönes Geburtserlebnis, bei der ich das “Geboren werden” meiner Kleinen echt intensiv und angenehm gespürt habe!

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Das ist ein bemerkenswerter Bericht von deiner Entbindung durch KS. Herzlichen Glückwunsch! Schön, dass du ein so schönes Erlebnis mit dem KS hattest. :-)

Ich selbst musste mein viertes Kind per Not-KS entbinden, da pathologisches CTG bei nicht vorhandenen Wehen nach Blasensprung in SSW 36+6.
Die waren alle so nett.
Aber mein Sohn hatte über Nacht ne BEL eingenommen, war mehrfach von der Nabelschnur umschlungen und es gab zugezogene echte Knoten in der Nabelschnur. Die Versorgung war unterirdisch. Er musste aber nicht reanimiert werden, trotzdem eine Nacht auf die Neo. Ich hatte in der Nacht so schlimme Schmerzen, kamen wahrscheinlich von meiner überfüllten Blase, der Katheder war abgeklemmt. Ich hatte einen spezifischen Kopfschmerz, der als seltene Nebenwirkung der Spinalen gilt, bekam zur Linderung Infusionen. Ich hatte beidseitig Verbrennungen auf den Sitzbeinhöckern, wahrscheinlich war der OP-Tisch zu warm, die Wunschwester musste sich das anschauen und ich kam ganz schlecht auf die Beine. Ich habe die ganz liebe Stationschwester gefragt, wer sich denn um Himmels Willen sowas freiwillig antut? "Die Patientin aus der eins." war die spontane Antwort. Und sie meinte, dass bei geplanten Sectios meist nicht solche Nachwirkungen zu bemerken sind.

Und dein Bericht zeigt das ja auch. Du wusstest, was da auf dich zukommt. Du hast dich vorbereitet. Danke für deinen mutmachen Bericht. :-)
Alles Gute für euch ;-)

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Das tut mir leid, dass dein Kaiserschnitt so verlief! Ganz bestimmt ist es was anderes, wenn man 1. Wehen hat oder schon lange hatte und dadurch erschöpft ist, 2. Angst ums Baby haben muss und 3. unvorbereitet da rein geht. Ganz freiwillig war mein Kaiserschnitt nicht, da medizinische Indikation. Aber falls ich noch eines bekommen sollte, dann würde es jetzt wieder so machen. :) Alles Gute dir auch!