Von der Seele schreiben. Trauma.

Ich weiß gar nicht wie ich anfangen soll und ob man von einem trauma sprechen kann. Ich weiß nur dass wenn ich an die Geburt zurück denke und laut darüber rede ich einen Kloß im Hals bekomme. An manchen Dingen erinnere ich mich haargenau, anderes ist sehr verschwommen.
Ich versuche es zeitlich genau zu ordnen, entschuldigt wenn es durcheinander klingt.

Die Geburt von meinem Sohn war nicht wirklich schön. Ich habe mir extra keine Geburtsberichte in der SS durch gelesen, war entspannt und freudig mein Kind kennen zu lernen, klar war ich nervös und auch ängstlich. Nicht vor der Geburt an sich sondern wie dich das Leben generell verändern wird.
Ich war mittlerweile et+5. Morgens um acht noch beim ctg im Krankenhaus gewesen und da noch zur hebamme gesagt dass man sich vielleicht noch wieder sieht.
Ich hatte mich abends gegen 22 Uhr ins Bett gelegt als die wehen anfingen. Erst leicht und ich dachte okay, das schaffe ich. Morgen werde ich mein Baby im Arm halten. Alles wird gut werden.
Alle 15 Minuten wehen, waren aushaltbar. Meinem Partner Bescheid gesagt, alles fertig gemacht. Auf einmal starke wehen die ich schon veratmen musste alle 2 bis 5 Minuten. Wir sind los ins Krankenhaus, die Autofahrt war nicht angenehm. Ich dachte er kommt schon im Auto weil es so weh tat.
Wehen hatte ich im Rücken. Komplett bis in den po. Ich hätte nicht gedacht dass ich so Schmerzempfindlich bin aber das war nicht schön..
Um halb 1 waren wir glaub im Krankenhaus. Ctg gemacht, muttermund getastet. Ich war erst bei 1 cm. Da war ich dennoch positiv. Das wird, wehen waren ja da. Wieder leichter aber regelmäßig.
Ab da ging es los. Dauernd wehen. Mal nur jede 5 Minuten, dann wieder alle 2. Sehr unregelmäßig. Ich war platt. Da schon knapp 20 Stunden wach gewesen. 5 davon in den wehen. Wieder ctg, mumu getastet. Nichts passiert. 1,5cm.
Ich war richtig enttäuscht. Warum brachte das nichts? Das ging alle 2 Stunden so. Ctg und mumu, nichts tat sich. Wehensturm nach dem anderen.
Ich sagte oft dass ich nicht mehr kann. Das wurde aber nur abgetan. Ich fühlte mich so hilflos. Nicht ernst genommen. Ich traute mich nicht mehr nach Hilfe zu bitten, irgendwie wurde ich nur klein geredet.
Zweite hebammenschicht mittlerweile. Ich bat um einen Kaiserschnitt. Ich glaub es war 10 Uhr morgens, Kreißsaal war ständig belegt, ich wurde immer nur aufs Zimmer geschickt. 26 Stunden wach, 12 Stunden wehen. Montag Vormittag Mittlerweile.
Ich sagte ich kann nicht mehr beim ctg, die hebamme sagte sue gibt mir Zäpfchen zum Krampflösen. Die gab sie mir und erwähnte beim geben noch dass ich ein Hämorrhoidenproblem hätte. Das war mir so unangenehm. Die Situation hab ich noch vor Augen. Ich schämte mich so, war aber so kraftlos. Ich lag da am ctg, so hilflos und nicht ernst genommen. Als sei ich einfach ein Produkt. Ich kann das gar nicht beschreiben. Nochnsl sagte ich dass ich nicht mehr könne, erwähnte wie lange ich schon wach war und da war. Ich solle warten, der Kreißsaal war voll.
Das Zäpfchen brachte nichts. Nach 2 Stunden wieder ctg, mumu immer noch erst bei 2 cm. Wie kann das denn sein? Ich war einfach nur noch verzweifelt. Warum brachten die wehen nichts?
Ich solle warten, das kommt schon noch. Ich hatte das Gefühl ich wurde gar nicht ernst genommen. Ich solle zurück aufs Zimmer, das ging den ganzen Tag so. Hin und her, ctg, mumu, wehenstürme, ich ständig die bitte nach Kaiserschnitt, ich hatte das Gefühl überhört zu werden, das ich klein geredet wurde. Mein Partner war immer bei mir, war selbst total ausgelaugt, müde. Mittlerweile 38 Stunden wach. 24 Stunden wehen.
Ich konnte nicht mehr.
Ich bat wieder um einen Kaiserschnitt.
Die hebamme setzte mir eine Infusion gegen die Schmerzen. Sie musste oft stechen. Sie stach neben die Vene und das Mittel lief in mein Gewebe. Mein Arm wurde doppelt so dick. Ich war wie in trance und wollte niemanden rufen. Es war nachts, mein Partner schlief ein wenig. Mittlerweile 43 Stunden wach, 29 Stunden wehen.
Die hebamme kam, sah meinen Arm, drückte drauf rum. Keine Entschuldigung, nichts. War halt so. Wieder Untersuchung. Baby ging es Gott sei dank immer gut. Mumu 2,5 cm. Ich war komplett im Eimer. Ich fragte nach der wanne, ich wollte es versuchen, die hebamme sagte sie müsse erst die andere Frau fragen die weiter war als ich ob diese zuerst wollte, bei mir würde es eh noch dauern.
Ich fühlte mich so klein. Als sei ich nicht wichtig. Als sei das was ich wollte egal. Als seien meine Schmerzen egal und unwichtig. Wie eine weitere andere die da halt ihr Kind bekam.
Die andere Frau wollte nicht und ich durfte in die wanne. Ich hatte das Gefühl die hebamme mochte mich nicht. Eine Stunde war ich drinnen bis ich wieder ans ctg sollte.
Es war mittlerweile Dienstag morgens, dritte hebammenschicht. 49 Stunden wach, 35 Stunden wehen. Der Chefarzt kam zufällig ins ctg Zimmer, ich sagte ihm direkt ich will einen Kaiserschnitt. Er war der erste der mir die pda anbot. Ich kam da gar nicht selber drauf. Ich war so verzweifelt dass ich direkt den Kaiserschnitt wollte und auf die pda gar nicht kam.
Er rief die hebamme die mitten im Schichtwechsel war. Sie solle dem Anästhesisten Bescheid sagen. Sie sagte dass mache sie nach dem Wechsel, da wurde der Chefarzt laut und sagte nein, sofort, es sei die Hölle los sonst wird das nichts. Ich war ihm dankbar dafür. Der hebamme merkte ich an dass sie das doof fand, sie wollte Feierabend machen.
Obwohl der Arzt mir das Gefühl gab wichtig zu sein gab sie mir direkt wieder das Gefühl unwichtig zu sein. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Als seien meine Schmerzen wertlos und gar nicht so schlimm.
Endlich durfte ich überhaupt in den Kreißsaal. Ich war vorher nur im ctg Raum oder im Zimmer.
Nach 48 Stunden wehen, 60 Stunden ohne Schlaf. Dienstag vormittag. Der Anästhesist kam, da war es kurz nach 9. Sein Assistent kam aber nicht und der Anästhesist ging einen anderen suchen. Er kam erst um elf Uhr wieder. Ich war bei 4cm. Ich war verzweifelt.
Kurz vor der pda ging ich nochmal auf die Toilette weil ich ständig schleim verlor, das war mir eh schon unangenehm. Ich kam vom Klo, direkt eine wehe, die hebamme musste mich stützen, ich sagte zwischen meinen Beinen wird es nass. Ohne Ankündigung und mitten im Flur zog sie meine Hose runter unter schaute rein. Der schleimtropf war ab. Ich war mitten in einer wehe und konnte nichts sagen. Das war mir so unangenehm dass sie das einfach machte. Ich kam mir benutzt vor. Gar nicht mehr wie ein Mensch sondern wie Ware.
Endlich kam der Anästhesist. Elf Uhr vormittags. Die pda tat mir gut. Ich bekam wehen Mittel und sollte ausruhen. Plötzlich gingen die herztöne vom Baby bei jeder wehe runter. Mein Blutdruck ebenfalls. Der Chefarzt schaute rein, er blieb dann da. Das Gefühl im Raum war komisch. Er rief die andere chefärztin, sie solle mal das ctg anschauen.
Ich zittere während ich das schreibe.
Ich lag da auf dem Bett, konnte mich nicht bewegen wegen der pda, im Raum die hebamme, Chefarzt mit Assistenzarzt und chefärztin. Die wehen wurden höher gestellt. Herztöne sehr niedrig.
Dann ging es schnell. Das Baby müsse raus. Schnell. Meine Beine wurden festgeschnallt und hochgelegt, wie beim gyn auf dem Stuhl. Währenddessen erklärte die Ärztin dass es eine saugglockengeburt werden würde und dass die Assistenz auf meinen Bauch drücken würde.
Ich zitterte so sehr. Es war Hektik im Raum. Mein Partner war neben mir, Gott sei dank war er da. Presswehen. Selbst durch die pda Taten die so weh. Ohne pda, ich schwöre, ich wäre in Ohnmacht gefallen. Ich weiß dass mein Körper das nicht geschafft hätte. Warum hat mich niemand ernst genommen vorher?
Ich sollte pressen, pressen. Die Assistenz sprang mir auf den Bauch. Das tat so weh dass ich schrie. Am Baby wurde gezogen. Kopf war da. Kurze Pause. Alles war still. Nächste wehe, ich solle pressen. Dann war er da. Er wurde mir auf den Bauch gelegt. Er war erst still. Alles war still. Dann jammerte er. Er schrie. Ihm ging es gut. Gott sei dank. Mein Partner weinte. Ich zitterte. Ich war so überfordert. Mit allem. So viele Menschen im Raum. Mein Körper der nicht mehr konnte. Mein Kopf war leer. Noch während mein Sohn auf mir lag und die nachgeburt draußen war fing die Assistenz schon mit nähen an. Ich fühlte mich wie ein Stück Fleisch.
Die hebamme sagte sie sei erstaunt gewesen dass der kleine schrie nach dieser Geburt, das hätte sie nicht gedacht, so ganz nebenbei sagte sie das.
Mein Sohn kam Dienstag Nachmittag nach 52 Stunden wehen auf die Welt. Ich war seit 64 Stunden wach.
Wir konnten endlich aufs Zimmer. Abends musste mein Freund gehen. Corona. Er durfte nur zur Geburt und eine Nacht bleiben. Wir sagten dass wir die Nacht aber nicht hatten, warum er gehen müsse? Tja da könne ja das Krankenhaus nichts für dass meine Geburt so lange dauerte. Die Nacht in den wehen zähle mit.
Mir ging es so schlecht. Ich konnte nicht richtig laufen wegen der pda. Ich war allein, das Baby schrie, ich war überfordert, so müde und kraftlos. Ich weinte viel im Krankenhaus.
Die Schwestern waren keine Hilfe. Ich fühlte mich schlecht wenn ich nach ihnen klingelte für das Fläschchen für mein Baby. Ich könne selber aufstehen und nach vorn kommen um es zu holen. Ich brauche doch dafür nicht klingeln. Ich war komplett überfordert mit baby, habe viel geweint und aus Anspannung nur Minutenweise geschlafen. Nach Hilfe habe ich keinen gebeten weil ich Angst hatte vor Verurteilung oder dass mich wieder niemand ernst nimmt.

Eine Situation war noch, nachts als ich wieder einigermaßen auf den Beinen war, ich wollte mich nur schnell abduschen und legte meinen Sohn ins beistellbett, ich war eine Minute unter der Dusche da fing er an zu weinen. Ich ging so schnell ich konnte zu ihm, nackt und Tropfend, das Blut vom wochenfluss lief mir die Beine runter und ich weinte bitterlich. Ich war so allein. Ich traute mich nicht jemanden zu rufen und zog mich so wie ich war an und wischte den Boden selber sauber.

Als ich endlich nach Hause durfte fuhren wir zuerst zu meiner Mutter. Ich machte die Tür auf und fing sofort an zu weinen. Ich konnte nicht mehr. Ich war so lange wach und müde, mir war elend, es war als wäre ich nicht da. Die erste Zeit mit meinem Sohn war schrecklich und das tut mir im Nachhinein so unheimlich leid.
Ich erzählte meiner Mutter alles, sie nahm den Tag mein Baby und ich legte mich erstmal hin um zu schlafen.
Es fühlte sich so ab als wäre mir die erste Zeit mit meinem Kind geraubt worden.

Ich fühle mich schlecht wenn ich denke dass ich für diese Erlebnisse keine Schuld habe, dennoch fühle ich mich schuldig. Wäre ich stärker gewesen wäre das so nicht passiert. Vielleicht war ich zu schwach. Vielleicht hätte ich vieles besser machen können?
Die erste Zeit mit baby war schlimm. Ich hatte keine Bindung zu ihm. Das kam erst mit der Zeit. Er ist jetzt 7 Monate und ich liebe ihn sehr. Ich bedaure es sehr dass die erste Zeit so unschön war :( ob das anders gewesen wäre wenn es im Krankenhaus anders gewesen wäre?

Geht oder ging es jemandem ähnlich? Ich hätte gern noch ein Kind aber habe jetzt schon Angst vor der Geburt.

Entschuldigung für den sehr langen Text. Das aufzuschreiben tat gut. Laut darüber reden kann ich nicht wirklich und möchte ich noch nicht.

Liebe Grüße

1

Hallo du liebe,

Zuerst mal: du bist eine sehr starke Frau! Du hast sehr viel auf dich genommen, damit dein Sohn zur Welt kommen könnte.
Es tut mir sehr leid zu lesen, dass du dich über so viele Stunden, gar Tage nicht ernst genommen gefühlt hast und eine so miese Hebamme Betreuung hattest. Ich würde dir raten, vielleicht mit dem Arzt ein Nachgespräch zu führen, möglicherweise offene Fragen zu klären und, das wäre mir nach der Geburt wichtig, auch im Vorhinein schon den Geburtsbericht anzufordern.
Es gib zwei verschieden lange Berichte, weiß leider nicht, wie der ausführlichere heißt, dort sind auch Zeitangaben und zb Medikamentennamen vermerkt.

Du sagst, dass du es schlimm findest, dass die erste Zeit mit deinem Kind so hart war. Vielleicht kannst du etwas tun, dass dir das Gefühl gibt, etwas davon nachzuholen. Mir hat zb geholfen mit meinem Sohn zu baden, ihn auf nackter Haut zu halten, ihm extra viel Fürsorge und Liebe zukommen zu lassen (habe mich aus anderen Gründen ihm gegenüber schuldig gefühlt, er wurde bei der Geburt durch die Saugglocke verletzt, was ich lange als durch meine Schwäche passiert ansah, war natürlich Quatsch, aber das Gefühl war halt trotzdem da). Ich habe auch mit ihm gesprochen, ihm erklärt, warum es so schwer war, dass es jetzt bald besser werden wird etc. Natürlich versteht er es nicht, aber es tat mir gut.
Was ich sagen will: vielleicht findest du etwas, was dir dabei hilft deine Schuldgefühle abzubauen und die Beziehung weiter zu stärken.

Ich wünsche dir alles Liebe 🍀

2

Puh 😥 Ich habe richtig mitgefiebert beim Lesen, ich liege gerade im Bett und mein armer Mann hab ich jetzt abserviert 😬😅
Es tut mir so so sooo leid was du durchgemacht hast und wie du behandelt wurdest im KH. Ich glaube du hast eine richtig schlechte Klinik erwischt.
Ich hatte nicht so eine lange und schlimme Geburt, also will ich garnet erst so tun als wüsste ich genau was du durchgemacht hast. Trotzdem hatte ich die Geburt als traumatisch empfunden. Meine 1. Geburt ging nur 3,5 std ab Blasensprung, davon hatte ich 2 Stunden wehensturm. Meine Schmerzen wurden auch nicht ernst genommen und ich wurde ausgelacht. Die Hebamme meinte “du bist doch erst hier angekommen, wenn du das schon schlimm findest, na dann!”
Ich war schon bei 8cm, das wusste nur niemand zu dem Zeitpunkt. Für eine PDA war es dann angeblich zu spät. Ich empfand die ganze Situation als erniedrigend und fühlte mich wie ein Tier, nicht wie eine Frau. Dabei hatte ich ja eine mega schnelle Geburt, eigentlich kann ich mich nicht beschweren! Aber ich hatte in den 2 std keine Zeit überhaupt zu begreifen was gerade passiert.
Lange Rede kurzer Sinn. Ich habe mir mit dem 2. Kind laaaaaange Zeit gelassen. Auch ich hatte nach (und aufgrund???) der Geburt Bindungsprobleme und eine Wochenbett Depression. Mir ging’s noch nie so schlecht in meinem Leben, und ich wollte das alles nicht nochmal durch machen. Die Zeit nach der Geburt fand ich noch schlimmer als die Geburt an sich.
Irgendwann wollte ich aber noch ein Kind und habe mich schnell für ein Kaiserschnitt entschieden. Ich wollte wach sein und es mitbekommen, aber die PDA saß nicht und die Geburt musste unter Vollnarkose stattfinden. Was soll ich sagen, es war für mich die perfekte Geburt. Ich hatte zu meinem 2. Kind direkt eine Bindung, mir ging es psychisch und körperlich TOP und am seltsamsten - mein schlechtes Gewissen meinem 1. Kind gegenüber für die beschissene Anfangszeit ist seit der 2. Geburt wie weggeblasen.
Ich weiß nicht ob dir das hilft aber ich wollte meine Geschichte trotzdem teilen.
Ein Tipp noch wenn ich darf: hol dir professionelle Hilfe. Ich habe das versäumt und bereue es heute noch. Ich hätte mir viel Herzschmerz ersparen können.
Alles gut :-)

3

Du arme, fühl dich herzlich gedrückt!! So sollte keine Geburt ablaufen. Es gibt PDA mit der man sich bewegen kann, es hätte viel früher eingegriffen werden müssen. Es ist nicht dein Job zu erkennen wann was vernünftig ist, du hättest dich also auch nicht gegen Personal durchsetzen sollen müssen. Mach dir da keinerlei Vorwürfe! Es ist einfach sehr sehr traurig wie unglaublich schlecht du behandelt wurdest und da wäre wohl - gerade mir der Anstrengung und in den Wehen und das alles ohne Schlaf - jeder verzweifelt und hätte da nicht noch Kraft gehabt sich gegen ja eigentlich wissendes Personal durchzusetzen. Und da hast es ja sogar versucht.
Es ist gut dass du anfängst die Geburt zu verarbeiten, denn das ist wirklich ein Trauma was du leider erlebt hast. Ich hoffe für dich, dass du sie Stück für Stück weiter verarbeiten kannst und dabei Unterstützung bekommst.

Du bist eine wunderbare kraftvolle und mutige Frau!❤️

4

Hey!
Ich lese deinen Bericht und mir wird das Herz ♥️ schwer. In jeder Zeile kann ich mitfühlen und deinen Schmerz fühlen.
Du hast jetzt schon einen großen Schritt getan: du hast die Geburt nieder geschrieben. Die Kraft muss man erst mal haben, sich seiner selbst zu stellen.
In wirklich keinster Weise hast Du oder dein Körper versagt. Das musst Du Dir immer und immer wieder vor Augen halten. Du hast etwas großartiges geschafft und dein Körper hat etwas wundervolles geschaffen.
Dieser Text wird jetzt etwas länger - wenn du magst lies weiter. Denn du bist mit deinem erlebten nicht alleine. Vertrau mir!!!!

28.11.2013 um 22:30 Uhr:
meine Fruchtblase ist geplatzt. Ich wollte eigentlich gerade schlafen gehen. Ich bin morgens um 04:00 Uhr aufgestanden und war eigentlich zu müde für das jetzige Ereignis. Aber die Aufregung hatte und im Griff und wir fuhren ins Krankenhaus. Um 24:00 Uhr musste mein Mann nach Hause, während ich auf mein Zimmer geschickt worden bin. Ich hatte noch keine Wehen… viel zu aufgekratzt konnte ich nicht in den Schlaf finden. Um 1:30 Uhr die erste Wehe. Was Schmerzen betrifft, bin ich eine absolute mimimi! Ich telefonierte bis 04:30 Uhr mit meinem Mann- da kamen die Wehen alle 10 Minuten. Ich weinte und war alleine. Man hatte seitdem nicht mehr nach mir geschaut und auf mein Klingeln wurde nicht reagiert.
Mein Mann hatte die Schnauze voll und kam einfach auf die Station. Widerwillen lies man ihn zu mir. Wir gingen spazieren und sollten um 07:00 Uhr in den Kreißsaal kommen. CTG wurde geschrieben- MuMu 1 cm geöffnet. Der Kreißsaal war voll und es ging zu wie auf den Bahnhof.
Um 09:00 Uhr hielt ich die Schmerzen nicht mehr aus - Wehensturm. Ich bekam einen Zugang und ein Schmerzmittel. Dieses Mittel lies mich zwischen den wehen immer komplett „wegtreten“ quasi in eine Art Tiefschlaf fallen.
Um 11:50 Uhr war der MuMu bei 3 cm. Ich konnte trotz Schmerzmittel nicht mehr. Ich lag seit morgens an nur noch und durfte nicht mehr laufen. Alles tat mir weh. Eine Hebamme nach der anderen kam und ging… immer nur ganz kurz weil zu viel zu tun war. Unhöflich waren Sie allerdings nicht und wenn hat mich das nicht mehr interessiert. Um 14:17 Uhr bekam ich eine PDA - ja, das tat gut und ich dachte noch, wow ich kann noch ein bisschen.
Aber dann hatte mein Mädchen Stress. Herztöne bei „60“ eine Ärztin sprang auf mir herum- ich flehte sie an aufzuhören, aber sie tat das ganze noch drei Mal. Schlussendlich hat mein Mann sie von mir runter gezogen und brüllte die Ärztin an, ob sie nicht hören würde. Ich hatte keine Presswehen - ich hatte gar kein Gefühl mehr. Plötzlich war der Kreißsaal voll. Die Ärztin (Assistenzärztin) setzte die Saugglocke an - die Glocke rutschte vom Kopf meiner kleinen ab und die Ärztin floh quer durch den Kreißsaal. Ich dachte, meine Tochter sei Tod und ich verlor kurz das Bewusstsein.
Dann kam die Oberärztin, setze die Glocke an und meine Tochter kam um 16:54 Uhr am 29.12.13 zur Welt. Ihre Werte waren nicht gut, aber sie fing sich schnell, sodass uns / ihr die Intensivstation erspart blieb. Ihr Kopf war nicht wie behauptet fest im Becken und sie war eine Sternenguckerin!
Man vergaß uns im Kreißsaal. Um 22 Uhr kam ich mit ihr aufs Zimmer und fiel um 23 Uhr in einen Tiefschlaf.
Als ich aufwachte war meine Tochter „weg“ (ca. 00:30 Uhr) da wurde sie gefüttert. Man schnauzte mich an, warum ich so tief schlafen würde usw. ich verstand die Welt nicht mehr.
Kurz um: Tag 2 und 3 wurden besser und ich verließ die Klinik mit einem Entschluss: nie wieder würde ich ein Kind zu Welt bringen.

Danach folgten schwere Depressionen und ich konnte meine Tochter nicht lieben. Ich wusste, ich liebe sie, aber fühlte es nicht. Meine Welt war dunkel- ich fühlte mich taub. Sie hatte Koliken, ich konnte nicht stillen , habe aber abgepumpt und ich fühlte mich wie die schlechteste Mutter überhaupt.
Eines Tages schrieb ich meinen Mann einen Brief und packte meine Tasche.
Er kam immer um 15:00 Uhr nach Hause. Um 14:45 Uhr packte ich unsere Tochter in ihr Zimmer. Windelte sie, gab ihr Essen, lag sie auf auf ihrer Krabbeldecke ab, küsste Sie, weinte und schloss das Gitter vor ihrer Tür. (Sie war 6 Wochen alt) und ich verließ um 14:57 Uhr die Wohnung.
Mein Mann kam gerade die Straße entlang und ich lief auf das Grundstück der Nachbarn. Versteckte mich und warte bis er im Haus war. Dann rannte ich um „mein Leben“ , bestellte mir ein Taxi ein paar Straßen weiter und fuhr zum Bahnhof. Ich heulte und fühlte einen Schmerz in mir, dass ich daran zerbrach. Ich war bereit mein Mann und meine Tochter zu verlassen weil ich mir einredete, es ginge ihnen ohne mich besser. Am Bahnhof angekommen stand da mein Mann mit unserer Tochter.
Natürlich ging ich mit Heim. Ich verdanke meinen Mann alles und vor allem mein Glück heute.
Er besorgte mir eine Therapie, nahm Urlaub und war stets für mich da.
Nach 6 Monaten begann ich mich besser zu fühlen und ich entwickelte die Freude an Mama sein.
Meine Tochter und ich sind heute unzertrennlich und meine Liebe unendlich…

2021: jetzt bin ich erneut schwanger und freue mich sogar auf die Geburt 🤰- verrückt oder? Beim Geburtsplanungsgespräch habe ich gesagt, was ich nicht möchte: Kristeller (wenn sie dir auf den Bauch springen) und keine Assistenzärztin setzt jemals wieder eine Glocke an. Das wurde sofort verstanden, respektiert und aufgenommen (selbe Klinik wie damals)
Ich bin guter Hoffnung und frei von Ängsten.

Alles wird immer gut und du lernst das erlebte anders zu sehen. Hol dir Hilfe und schäme dich niemals für dich und deine Gefühle.

Ich wünsche dir aus tiefster Seele nur das beste und alles Gute!!!!

Maddie mit 👶💚 39+5

5

Hallo meine Liebe,

mir stehen die Tränen in den Augen. Ich erwarte gerade mein erstes Baby, bin ET+6 und ich bin wirklich erschrocken, was dir da passiert ist. Ich habe mich in zwei Kliniken für die Geburt vorgestellt und mich letztlich für die viel kleinere entschieden, weil ich dort bisher immer das Gefühl hatte, ein Mensch zu sein, keine Nummer. Man nimmt sich dort Zeit und ich hoffe, dass es auch unter der Geburt so sein wird. Es tut mir so so leid, was du durchmachen musstest, wie kann man eine Mama so hängen lassen. Gerade, wenn es das erste Kind ist. Ich würde in jedem Fall der Klinik einen Brief schreiben und es gibt mittlerweile auch Online Portale, wo man derlei Erfahrungen niederschreiben darf. Das würde ich wirklich tun, damit es anderen Frauen nicht auch so ergeht. Hab bitte keine Angst vor einer zweiten Geburt, dieses Mal wirst du dir einfach ein Krankenhaus suchen, dass sich besser um dich kümmern wird ❤️

6

Liebe Katze, mir kullern grad die Tränen nach deiner Erfahrung die du mit uns teilst. Mir ging es ähnlich nur war ich zum Glück nicht so lange in den Wehen. Als am Abend die Wehen anfingen, hielt ich es noch für Übungswehen. Dann merkte ich aber die Regelmäßigkeit und die Stärke und wir fuhren im Abstand von 2 Minuten zwischen jeder Wehe ins Krankenhaus 35 Minuten Fahrt 🙄. Die Fruchtblase war mir schon im Flur geplatzt also ging es mit nasser Hose Nachts bei Schneesturm los ins Krankenhaus. Dort durfte ich wegen Corona trotz Mega Schmerzen nicht in den Kreissaal sondern musste erst den Test abwarten. Noch immer in Klatschnasser Hose. Dann als der Test negativ war durfte ich konnte mittlerweile kaum noch laufen in den Kreissaal. Der MM hatte schon 5cm aber die Wehen waren zu kurz und so bekam ich nach 3h einen Wehentropf der brachte überhaupt nix außer noch üblerer unnatürliche starke Wehen mit 1 Minute Pause zwischen jeder Wehe. Die Hebamme ging eigentlich überhaupt nicht auf meine Schmerzen ein, ich bestand dann schreiend auf ein Schmerzmittel. Das bekam ich aber hielt es dennoch nicht aus mir fehlten die Pausen zum Kraft tanken. Nach einer weiteren Stunde merkten die Hebammen dann das der Kopf wohl zu groß sei nachdem ich einen Wehenhemmer bekam und der Kopf aus meinem Becken versucht wurde zu stoßen das er neu ins Becken rutscht. Das alles im Vierfüßlerstand unter ständigen Wehen die ich überhaupt nicht mehr verpusten konnte denn pressen durfte ich währenddessen nicht mehr. Diese Prozedur war neben den Schmerzen das Baby wieder aus dem Becken zu drücken unbeschreiblich. Danach wurde der Wehentropf wieder angeschlossen und es verging wieder eine Stunde ohne das der Kopf weiter wollte. Dann als ich um einen Kaiserschnitt bettelte und sie merkten meine Kräfte und die von meiner Tochter wurden schlechter, ging es plötzlich ganz schnell. Die Oberärztin wurde gerufen und es waren 6 Leute hektisch im Zimmer, ich war wie ein Tier das Volker Blut und Schleim um Luft Kämpfe. Mir wurde zugeschrien das ich geschnitten werde und mir Kind jetzt mit der Glocke geholt wird. Sie steckte noch nicht mal im Geburtskanal also musste die Ärztin so ziehen das ich das Gefühl hatte, dass überleben wir beide nicht. Dann plötzlich lag sie auf meinem Bauch. Das nähen und die Nachgeburt hab ich nicht mehr in Erinnerung. Ich hatte nur Angst um meine Tochter und wie sie es überstanden hat. Ich wurde alleine aufs Zimmer geschoben mein Mann musste wegen Corona gehen. Ich hatte Schmerzen und blutete bei jedem Schritt aber am schlimmsten war das meine Tochter so brutal aus mir gezogen wurde. Natürlich um ihr das Leben zu retten da die Herztöne schlechter wurden, aber ich fühlte mich wie eine Versagerin es nicht alleine geschafft zu haben. Ihr das angetan zu haben. Leider hat sie 4 Monate lang sehr starke Anpassungsschwierigkeiten gehabt und noch jetzt ist sie sehr schnell überreizt. Ob das mit der Geburt zusammen hängt oder nicht weiß ich nicht. Aber es war sehr schwer für uns beide und ich habe echt lange gebraucht, dass alles zu verdauen. Gerade weil alle sagen Hauptsache Kind gesund und was ich überhaupt noch daran denke. Aber ja, sowas vergisst man nicht nie. Auch wenn man dankbar ist das es gut ausgegangen ist. Die Narben auf der Seele bleiben. Ich versteh dich und drück dich ganz doll.

7

Jedes KH hat ein Beschwerdemanagement, umgehend dort melden, egal ob mündlich oder schriftlich.

8

Mir ging als erstes beim Lesen Deines Geburtsberichtes durch den Kopf, was wohl einfach mal ein liebes Wort, etwas Verständnis, gutes Zureden, etwas länger bei Dir bleiben seitens des Personals gebracht hätte.
Bei meiner ersten Geburt fühlte ich mich auch allein und total überfordert. Die Hebamme kam einmal für 5 Minuten in der Stunde, gab Anweisungen und ging dann wieder. Injektion hier, Tropf da, genau wie Du es beschreibst, man wird zu einem Stück Fleisch degradiert. Ich war überwältigt von der Intensität, mir war auch vorher nicht bewusst, wie archaisch eine Geburt abläuft und was eine Grenzerfahrung ist, es war meine erste Geburt. Aber die Hebammen und Ärzte wissen das und für sie ist das völlig normal und wahrscheinlich können sie sich überhaupt nicht mehr hineinversetzen, wie das für eine Erstgebärende ist.

Mein zweites Kind habe ich mit einer eigenen Hebamme bekommen, die die ganze Zeit bei mir war. Das hat für mich den Unterschied gemacht. Auch wenn sie einfach nur Mmh, oder das ist gut so gesagt hat, wusste ich, sie ist bei mir und es läuft wie es soll. Allein diese Sicherheit hat mir sehr geholfen und ich würde meine zweite Geburt als Traumgeburt bezeichnen.

Hut ab vor Deiner Kraft, dass Du das nach so vielen Stunden geschafft hast! Du hast Dein Kind zur Welt gebracht! Und das ist toll! Ich denke immer auf dem Spielplatz, wenn ich andere Mütter mit ihren Kindern sehe, was sie besonders vollbracht haben und welche Geschichte wohl dahinter steckt. Jede Mutter, die ihr Kind zur Welt bringt, leistet unglaubliches! Den einen fällt es leichter, andere müssen mehr kämpfen. Es gibt kein besser oder schlechter, jeder empfindet das anders und das ist ok und eine Hebamme sollte genug Empathie haben, das in dieser so besonderen Situation für eine Frau zu erkennen.

9

Ihr Lieben, Dankeschön für eure Worte und dass ihr zugehört habt.
Ich bin so traurig darüber dass es anscheinend so vielen von euch ähnlich ging, teilweise sogar schlechter.

Ich finde es erschreckend dass man uns im Kreißsaal so alleine lässt. Auch wenn es für Ärzte und hebammen routine ist, ist es das ja nicht für die Frau die dort liegt. Schade dass man die Menschlichkeit einfach vergisst, so fühlt es sich zumindest für mich an.

Ich werde um den Geburtsbericht bitten denke ich. Und ich werde versuchen offener über meine Geburt zu reden. Noch verdränge ich einiges.
Und wenn ich jemals ein weiteres Kind möchte werde ich definitiv in eine andere Klinik gehen.

Ich danke euch nochmal 💗