Abgebrochene Hausgeburt

(Achtung Triggerwarnung, Saugglocke, Dammschnitt, Intensivstation)

Hallo Zusammen,
Ich wollte hier endlich mal meinen Geburtsbericht hinterlassen und hoffe das mir das Schreiben etwas hilft. Ich würde mich freuen von ähnlichen Berichten zu hören, ich finde es hilft immer zu Wissen mit etwas nicht allein zu sein. :)
Bitte lest nicht weiter wenn es eure erste Geburt ist, sondern lest so viele positive Geburtsbericht wie möglich und lasst euch keine Horrorgeschichten erzähle, das hat mir sehr geholfen positiv in meinen erste Geburt zu gehen.

Hier also der Geburtsbericht meiner Tochter. (Mein erstes und bisher einziges Kind)
Als es losging war ich bereits 10 Tage über dem ET. Alles begann um 3:00 Uhr in der Nacht. Ich wurde schlagartig wach. Warum wusste ich nicht, ich bin aber auf die Toilette gegangen wo ich schonmal wach war. Dort viel mir die klare Flüssigkeit auf und als es nicht aufhörte zu laufen war ich mir direkt sicher das es Fruchtwasser sein muss. Ich habe dann ziemlich schnell meinen Mann geweckt aus dem Gefühl heraus das es jetzt wirklich los geht. Mein Mann reagierte dann nach einigen Versuchen. :) Während mein Mann alles im Wohnzimmer vorbereitete, ging ich erstmal Duschen, das tat ziemlich gut. Ziemlich schnell kamen dann auch die ersten Wehen die ich auch schon als sehr stark empfand und veratmen musste. Nach einer halbe Stunde bat ich meinem Mann schonmal meine Hebamme zu informieren. Noch einmal eine halbe Stunde später möchte ich das sie sich auf den Weg macht. Als Vera meine Hebamme kommt laufe ich im Wohnzimmer ohne Hose auf einer Bahn Malervlies, da ich immer noch sehr viel Fruchtwasser verliere. Sie untersucht mich und stellt fest das ich schon bei 5cm bin. Ein richtig guter Start. Die Wehen kommen fast von Anfang an alle 2-3min und sind auch schon recht lang. Die nächsten Stunden verbringe ich vor allem im Pool und Töne laut in den Wehen mit. In den Pausen kann ich mich wunderbar entspannen. Irgendwann geht die Sonne auf und ich habe gar nicht gemerkt wie viel Zeit vergangen ist. Ich fühle mich vollkommen sicher und wohl. Nach etwa 9 Stunden ist der Muttermund vollständig geöffnet. Vera leitet mich an häufig die Positionen zu wechseln, doch auch nach mehreren Stunden Presswehen geht es einfach nicht weiter. Der Kopf rutscht nicht tiefer. Sie sagt mir das wir jetzt ins Krankenhaus müssen. Mein Mann fährt und ich sitze mit Vera auf der Rückbank. Gar nicht so angenehm mit Presswehen, aber die Fahrt dauert ein Glück nicht lang. Während der Fahrt erklärt sie mir das gleich eine Saugglocke einsetzt und wahrscheinlich ein Dammschnitt gemacht werden muss. Im Kreißsaal macht Vera eine Übergabe und verabschiedet sich wieder. Die Hebamme dort leitet mich wie Vera an, verschiedene Positionen einzunehmen und ein Wehentropf wird angehängt um die Wehen zu verstärken. Doch es tut sich immer noch nichts. Eine Ärztin sagt sie hilft jetzt mit und wendet den Kristeller Griff bei mir an, der ein Glück nicht weh tut, aber auch diese Maßnahme hat keine Wirkung. Plötzlich ist der Raum voller Menschen und ein Gerät wird reingeschoben (die Saugglocke weiß ich von Vera). Diese wird mir ohne Ankündigung eingeführt. Es ist der schlimmste Schmerz der Geburt, als würde ich zerreißen. Ich werde angeleitet zum Pressen und nach vielen Versuchen wird dann endlich der Kopf geboren. Auch dies habe ich als echt fiesen Schmerz in Erinnerung. Dabei wird ohne Ankündigung ein Dammschnitt gemacht den ich voll mitkriege. Meine Tochter liegt für einige Sekunden auf meinem Bauch. Sie ist ganz blau und schlapp. Dann höre ich „und abnabeln“ und meine Tochter ist weg. Der Raum bis auf die Hebamme wieder leer. Es vergeht einige Zeit bis wir Wissen das unsere Tochter noch lebt, dann wird sie irgendwann in einem Wärmebettchen hereingeschoben. Sie ist verkabelt und wird beatmet. Ich kann sie einmal kurz an der Hand berühren dann wird sie auf die Intensivstation gebracht. Dann werde ich noch genäht. Erst nach mehreren Stunden kann ich sie das erste Mal auf den Arm nehmen. Sie muss eine Woche im Krankenhaus bleiben um ein Antibiotika zu bekommen. Sie hatte Anpassungsschwierigkeiten und eine Infektion. Während der gesamten Zeit war ich nur noch als Begleitperson auf der Station. Niemand hat mir beim Stillen geholfen oder mir etwas erklärt. Ein Glück hat das Stillen trotzdem geklappt. Natürlich bin ich überglücklich das alles gut ausgegangen ist und ich eine gesunde Tochter habe. Auch glaube ich das alle Interventionen bei der Geburt nötig waren, aber das geht nicht ohne mit mir als Frau zu sprechen und Aufzuklären was getan wird und warum. Vielleicht ist das in einem Notfall nicht immer möglich, aber dann kann dies doch bitte hinterher erklärt werden. Denn Ansonsten bleibt nur das Gefühl des Ausgeliefert Seins. Ich hoffe irgendwann noch einmal eine Geburt zu erleben, eine mit einem selbstbestimmten Ende und vor allem eine in der ich danach mein Baby in den Armen halten werde. :)

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Hallo liebe Anna, ich habe deinen Rat nicht befolgt und mir deinen Bericht durchlgelesen, obwohl meine erste Geburt noch ansteht. Aber ich gehe auch gerne realistisch in die Situation rein und habe aus dem Freundeskreis bisher sogar fast NUR solche Gewchichten gehört wie deine. Das muss sicherlich ganz ganz schlimm und auch etwas enttäuschend (oder so sein), dass die Ärzte (oder Schwestern oder Hebammen) so mit einem umgehen, als wäre man an der Geburt nur semi-beteiligt. Dass du nach mehreren Stunden Presswehen noch die Kraft und Energie hattest, das alles so mitzubekommen, war für das Ärzteteam vll nicht vorstellbar und sie wollten schnell und gezielt helfen. Aber rechtfertigen tut dies natürlich nicht deren Vorgehensweise... das tut mir sehr leid für dich! Auch,dassdu dein Kind erst so spät sehen und halten konntest, muss eine schreckliche Erfahrung und sorgenvolle Zeit gewesen sein. Aber ich bin unendlich froh für euch, dass trotzdem irgendwie alles gut ausgegangen ist und deine Kleine nun gesund ist, was mir widerum Hoffnungen gibt. Außerdem habe ich aus deinem (und den Berichten meiner Freundinnen) für mich erfahren, was mir wichtig wäre (dass mei Mann da ist und da bleiben kann, wusste ich schon, dass das gabz oben steht, aber dass mir Kommunikation so wichtig wäre, hab ich vorher nicht bedacht), daher schaue ich mich aehr intensiv um und wurde schon von 2 Kliniken abgeschreckt, eine steht noch aus und eine klang wundervoll vielversprechend, da suche ich gerade mich Erfahrungsberichte zu, aber ich hab vor Erleichterung echt geheult, da es schon schlimm genug war, dassdas Geburtsthaus jetzt plötzlich raus war :( ... Also vielen vielen Dank für deinen Geburtsberichz und euch eine gute Zeit trotz Schrecklich holprigem Start...

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Hallo liebe Lyralanya,
Es freut mich das du durch meinen Bericht nochmal gemerkt hast was dir bei deiner Geburt wichtig ist. Ich muss auch nochmal dazu sagen das ich auch viele schöne Momente bei der Geburt hatte. Inzwischen bin ich sehr stolz darauf das alles geschafft zu haben und auch auf die Kraft die wir Frauen in uns tragen. Wünsche dir für deine Geburt alles Gute und das du den Raum und die Menschen um dich haben kannst, du die brauchst.

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Ach Mensch das tut mir alles so leid, das war bestimmt ein traumatisches Erlebnis für dich. Ich bin aber wirklich froh das alles gut ausgegangen ist und ich verstehe auch nicht warum so viele im Krankenhaus arbeiten wenn sie mit gewissen sachen nicht klar kommen. (überfordert, überarbeitet, usw. Klar tut mir das leid für die Ärzte und Krankenschwestern, aber da muss man durch wenn man diesen Beruf beibehalten möchte. Dieses Abfertigen ist furchtbar). Ich stehe kurz vor meiner ersten Geburt und es ist nicht einfach sich da mental drauf vorzubereiten. Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute. ❤️

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Hallo Ivy,
Danke für deine lieben Worte.
Ich drücke dir die Daumen für deine Geburt und hoffe das es ein schönes Ereignis wird und du die Bedienungen vorfindest du du in dem Moment gerade brauchst.

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liebe Anna , ich fnde esd nach wie vor unverantwortlich zu Hause zu entbinden.
ich hoffe dein Kind hat keine Schäden davon getragen.
es gubt die Möglichkeit ambulant im KH zu entbinden, das wäre für dich sicher ein viel weniger traumatisches Erlebnis gewesen

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Hi Sinyja,
Danke für deine Nachricht. Mir geht es ehrlich gesagt genau anders herum. Ich finde es gerade sehr mutig unter den aktuellen Bedingungen zur Geburt ins Krankenhaus zu gehen (Personalmangel, Zeitdruck, fremde Menschen ). Natürlich ist es von Frau zu Frau unterschiedlich was zur Geburt Sicherheit gibt und den einen richtigen oder falschen Weg gibt es ja nicht. Ich hatte zum Ende der Geburt sogar zwei Hebammen zu Hause, (meine Haupthebamme hat mich auch während der gesamten Schwangerschaft begleitet) die ganze Zeit war sie an meiner Seite und hat permanent überwacht wie es meiner Tochter und mir geht. Das hat mir viel Sicherheit und Entspannung gegeben. Und das es am Ende nicht ohne Eingriffe geklappt hat, war einfach Pech. Bis heute weiß niemand woran es lag, das hätte mir im Krankenhaus genau so passieren können, nur das ich wahrscheinlich nie so viel Zeit und vielmehr Druck bekommen hätte. Bei einer Hausgeburt wird genauso auf die Sicherheit geachtet und wir haben uns vorher genau informiert. Es darf z.B. keine Riskoschwangerschaft bestehen, erst ab der 37ten Woche zu Hause geboren werden und das Krankenhaus muss in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden können. Nur etwa 1% aller abgebrochen Hausgeburten müssen im Notfall verlegt werden. Die meisten fahren so wie wir auch in diesem Fall noch in Ruhe selbst ins Krankenhaus. Ich würde mich jederzeit wieder für eine Hausgeburt entscheiden. Aber natürlich kann ich auch verstehen das es für manche Frauen/Paare gar nichts ist. Das kann zum Glück ja auch jeder selbst entscheiden, das wichtigste ist sich gut aufgehoben zu fühlen. :)

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Liebe Anna,
das finde ich eine ganz tolle Antwort auf einen so unnötigen Kommentar. 😊
Zuhause wurdest du ja offensichtlich nicht traumatisiert 🤦🏻‍♀️

Vielleicht kannst du dich mit dem Gedanken trösten, dass du zumindest den zeitlichen Großteil deiner Geburt zu Hause in Ruhe mit vertrauten Menschen verbracht zu haben 😊
Alles Liebe eurer kleinen Familie 🍀

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Hallo liebe Anna,
ich kann mir vorstellen, dass das ein traumatisches Erlebnis für dich gewesen sein muss. Ich fühle sehr mit dir, meine erste Geburt kann man mit deiner zwar nicht vergleichen, da einfach andere Umstände die Geburt erschwert haben, aber trotzdem fühle ich mich um ein schönes Geburtserlebnis betrogen. Deshalb fühle dich gedrückt wenn du magst. Ich kann dir empfehlen, das erlebte mit deinem Partner, möglichst aufzuarbeiten. Es gibt Hebammen, die bieten sowas extra an.
Wenn es dir hilft, dann kann ich dir auch empfehlen bei der Klinik deinen Geburtsbericht anzufordern. Dort stehen normalerweise alle Interventionen drin, die durchgeführt wurden. Mir hat es geholfen die Geburt aus Hebammensicht zu betrachten.

Ich wünsche euch und eurem Baby alles Gute ☀️

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Ich finde es toll, dass du das ganze solange durchgehalten hast und freue mich, dass es dir und deinem Kind gut geht.

Ich weiß selbst wie sich ein Damm Schnitt anfühlt. So wie bei dir auch wurde bei mir eine Saugglocke verwendet (ich hab sie jedoch nicht gespürt) da mein Kind zwar tiefer gerutscht war, aber nicht raus wollte. Dummerweise hatte der junge Herr seine Hand beim Gesicht, was es für uns beide schwerer machte ihn rauszubekommeb. Mir wurde zusätzlich auf den Bauch gedrückt. Was ich als eine gute Unterstützung bei den Wehen empfand.
Jeder empfindet Schmerz anders. Ich muss dir sagen, für mich war das schlimmste als sie meinen Muttermund kontrolliert haben. Gut, die Hebamme war allgemein irgendwie schroff, dass ich da schon am liebsten aufschreien wollte vor Schmerzen.
Aber wie gesagt, ich freue mich, dass es euch beiden gut geht #herzlich