Schulbegleitung für Kind mit frühkindlichem Autismus

    • (1) 07.01.16 - 15:34

      Hallo Zusammen,

      ich dachte mir dieses Unterforum passt besser als das reine Berufsforum, da ich hier evtl. auf ein paar Leute mit Erfahrung treffe für diesen Bereich.

      Ich hatte mich auf eine ausgeschriebene Stelle als Schulbegleiterin beworben in der es noch keine nähere Beschreibung gab.

      Nun wurde ich heute angerufen und konnte ein Vorstellungsgespräch ausmachen und hab schonmal die ersten Infos bekommen.

      Bei uns ist es der ASB, der eine Schulbegleitung für einen 10 jährigen Jungen mit frühkindlichem Autismus sucht. Arbeitszeiten wären von 8:30 - 15:30....das würde sehr gut passen....ich habe selbst einen Sohn mit ADHS im Alter von 8 Jahren. (also zumindest dachte ich mir ok, ich hab ein wenig Erfahrung im Umgang mit einem Kind das nicht ganz "einfach" ist)

      Erfahrung mit frühkindlichem Autismus habe ich allerdings gar keine und habe mich mit dem Thema bisher auch noch nicht auseinandergesetzt...kann nun daher schlecht einschätzen was evtl.auf mich zukommen würde.

      Ich nehme mal an dass es ein zu breites Spektrum gibt um mir dazu etwas sagen zu können, oder?

      Die Dame am Telefon meinte nur es ginge hauptsächlich um Hilfe bei der Kommunikation mit Mitschülern und Lehrern, um Toilettentraining und um allgemeine Unterstützung im Unterricht.

      Hat vielleicht Jemand selbst einen Schulbegleiter für sein Kind und kann mir ein bisschen was darüber erzählen?

      • Als Mutter autistischer Kinder (welche nie einen Schulbegleiter oder ähnliches hatten, weil hier in der Schweiz das System komplett anders ist), möchte ich dir raten, wenn der Job für dich in Frage kommt, besorge dir eins der Bücher von Tony Attwood. Zum Beispiel dieses:

        http://www.amazon.de/Ein-ganzes-Leben-Asperger-Syndrom-Erwachsensein/dp/3830433921

        Leider ist es weitverbreitete Tendenz vieler Therapeuten und Schulen betroffene Kinder irgendwie auf dieser "Behinderten-Schiene" zu parken, den Fokus immer schön brav auf die vermeintlichen Defizite gerichtet. Dabei könnte bei einer Vielzahl autistischer Kinder der Fokus auf den herausragenden Talenten liegen, mit idealem Umfeld sind Studium, Arbeit im ersten Arbeitsmarkt und Familiengründung für viele Autisten durchaus im Rahmen des Möglichen.

        Ach ja, und bitte schau dir NICHT Rain Man an, zumindest nicht um irgendwas über Autismus zu erfahren, Autisten wie im Film dargestellt gibt es vielleicht 12 mal auf dieser Welt, im Prinzip hat kaum etwas anderes den Autisten mehr geschadet wie dieser vermaledeite Film der auf jedem Index stehen sollte.

        Als Mutter eines Jungen mit ADHS könntest du die perfekte Bezugsperson/die ideale Dolmetscherin für ein autistisches Kind sein, vorausgesetzt du bist bereit offen, neugierig und nicht wertend auf das Kind zuzugehen.

        (3) 12.01.16 - 11:16

        Jeder Mensch ist anders. Wieso sollten Nun Autisten alle gleich sein? Nein, natürlich sind sie es nicht. Niemand hier kann dir Tipps geben was dich erwartet.

        Eine Schulbegleitung eines Autisten sollte definitiv immer ein Auge auf ihren Schützling haben und erkennen, wenn es ihm emotional Zuviel wird. Sie ist zuständig dafür, dass er dann aus der Situation "herausgeholt" wird. Das ist die Hauptaufgabe. Autisten reagieren unvorhersehbar.

        Das, was die Dame am Telefon noch sagte, sind "Nebenbaustellen, die der Autismus mit sich bringt". Aber eigentlich hat sie einen extrem wichtigen Punkt vergessen. Die I-Kraft ist (je nach den Merk- und Sprachfähigkeiten des Kindes) das Sprachrohr des Kindes. Sie hält auch den Kontakt zu den Eltern. Sie informiert die Eltern, was in der Schule vorgefallen ist (positive/negative Dinge), weit über die Dinge hinaus, die die Lehrer mitteilen. Die Eltern wiederum informieren die I-Kraft über Vorkommnisse zu Hause.
        Für einen 10-jährigem Jungen ... naja, eigentlich hat der Junge einen Rechtsanspruch auf eine männliche I-Kraft. Falls er nämlich nicht gerade noch zusätzlich geistig schwer behindert ist, wird er vom "Toilettentraining" mit einer fremden Frau nicht viel halten.

        Frühkindliche Autisten haben generell Sprachschwierigkeiten. Das kann gehen von "ohne Sprache" bis hin zu "einigermaßen verständlicher Sprache mit allen möglichen logopädischen Problematiken". Ein fehlerfreies Deutsch bekommt man wahrscheinlich mit dieser Diagnose selbst mit hohem IQ nicht hin. Das zieht natürlich auch Probleme in Fach Deutsch nach sich. Die I-Kraft meines Ältesten schreibt für ihn und liest ihm seine Aufgaben vor. Allerdings musst du natürlich erst mit den Lehrerinnen reden, was dieser Junge braucht, bzw. welche Nachteilsausgleiche er hat.
        Du bist kurz gesagt dafür verantwortlich, dass er sich nicht in Gefahr oder Probleme begibt. Viele Autisten haben kein richtiges Gespür für gefährliche Situationen, oftmals haben sie nicht nur Autismus, sondern auch noch zusätzlich Wahrnehmungsstörungen. Was andere Menschen denken oder fühlen, ist Ihnen ein großes Rätsel. Witze oder Satire verstehen sie nicht (also keine Witze machen). Es kann sein, dass er dich gleich von der ersten Sekunde an umarmt und küsst und nur auf deinen Schoß sitzen will, es kann aber auch sein, dass er sofort aus dem Zimmer rennt, wenn er dich sieht, weil du eine Fremde bist. Meine Kinder würden ersteres machen, sie sind distanzlos - und gehören damit zu der kleinen Minderheit der Autisten an, die quasi alle Menschen an sich heranlassen. Geht natürlich nicht, davon müsstest du auch das Kind abhalten - es verbieten.
        Noch etwas: Oftmals ist es den behinderten Kindern selbst nicht klar, dass sie behindert sind. Nicht alle Eltern sprechen darüber mit ihren Kindern.
        Wie sieht es bei dir längerer Abwesenheit bei einer Klassenfahrt aus? Auch darüber nachgedacht? Auch da begleitet die I-Kraft ihren Schützling. Das wird natürlich auch bezahlt.

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