Einschulung-Sprachverzögerung

    • (1) 15.11.16 - 12:30

      Hallo liebe Urbia-Gemeinde,

      Nun muss ich doch mal um Rat fragen, weil ich nicht mehr weiter weiß.

      Kurz zur Vorgeschichte: mein Sohn (5 Jahre) war ein sehr großes und schweres Baby. Bei der Geburt hat er sich eine Blockade im Nacken zugezogen, die mit ca 1,5 Jahren erst gelöst wurde. (Mund-Zungenmotorik konnte nicht richtig erlernt werden)

      Nun bekommt er seit 3 Jahren Logopädie. Er hatte schon Krankengymnastik und Ergotherapie.

      Der Kinderarzt hat nie auf mein Bitten, das was nicht stimmt, nicht reagiert. Ich musste alle Termine selbst beantragen und überall selber hinterher.

      Das 1. Jahr im Kindergarten war wohl die Hölle für ihn. Die Erzieherinnen konnten ihn nicht verstehen und haben ihn nur ignoriert und sämtliche Bastelarbeiten und alles für ihn gemacht und auch nie das Gespräch mit mir gesucht. Auf nachfragen ob alles in Ordnung wäre, haben sie immer nur gesagt, das alles in Ordnung wäre :-(

      Er sprach zu dem Zeitpunkt keine 50 Wörter und das auch noch sehr undeutlich.

      Als ich dann herausgefunden habe, was im Kindergarten wirklich vorfiel haben wir sofort den Kindergarten gewechselt und hatten viel Glück mit dem neuen.

      Dort geht er nun seit 1 1/2 Jahren hin und besucht mittlerweile die Integrationsgruppe dort und bekommt wöchentlich Logo dort.

      Er ist mittlerweile ein sehr aufgeschlossenes Kind und hat in der Motorik keine Probleme. Es ist wirklich nur noch die Aussprache.

      Nun geht es ihm Moment darum, das mir der Kindergarten gestern mitgeteilt hat, das wir eine Sprachschule nächstes Jahr ins Auge halten sollten.

      Wir stehen in gutem Kontakt und jegliche Untersuchung oder Behandlung wird mit dem Kindergarten besprochen. Es stand Anfang des Jahres der Sprachheilkindergarten (durch das Gesundheitsamt) im Raum. Der Kiga und die zuständige Logopädin haben mir im Gespräch gesagt, das sie das nicht für nötig halten und auch das Gesundheitsamt sagte nach einer neuen Überprüfung das dies nicht mehr nötig sei.

      Also blieb er im Kindergarten in der Integrationsgruppe.

      Dann hätten wir nun wieder Untersuchung beim Gesundheitsamt und (dieses Mal war es eine neue Frau) meinte, seine Aussprache wäre total schlecht und wir müssten nun im nächsten Jahr 4 Wochen in eine Sprachreha.

      Ja aber was denn nun? Sprachheilkindergarten nein aber Sprachheilschule?

      Der Kinderarzt möchte nur noch Logopädie verschreiben aber das Gesundheitsamt sagt Sprachreha?

      Die Logopädie im Kindergarten sagt, uns reichen die nächsten Monate für die "normale" Grundschule?

      Was ist das richtige? Ich weiß nicht mehr, wem ich glauben kann und was das beste ist?

      Ich hab kein Problem damit, wenn er in eine Sprachheilschule muss aber warum ist sich keiner Einig?

      Er spricht mittlerweile sehr gut, hat noch Probleme mit dem K und G und St. alles andere klappt sehr gut. Außenstehende können ihn gut verstehen und Familie und Freunde sagen auch, das er riesige Vortschritte gemacht hat.

      Wer hat denn Erfahrungsberichte für mich oder wer kann mir Tipps geben?

      Ich weiß das wir die Entscheidung selber treffen müssen aber ich weiß nicht mehr, was richtig ist

      Liebe Grüsse Sandra

      • (2) 15.11.16 - 14:22

        Die Idee mit der Sprach-Reha finde ich schon mal gut. Ich kenne bisher nur Rehas wegen Asthma und Neurodermitis, aber dort gab es immer sehr gut geschultes und erfahrenes Fachpersonal, die sehr engagiert waren. ER wird dort intensiv beobachtet und bekommt viel Therapie. Dort gibt es sicher auch gute Sonderschullehrer, die die ganze Sachlage gut einschätzen können. Auch haben solche Kliniken immer einen Sozialdienst, der sich gut auskennt. Man kann Dir dort sicher in der Gesamtsicht gute Empfehlungen geben. Frag doch mal konkret, welche Klinik Dir empfohlen werden würde und frag da direkt mal nach, schau nach den Bewertungen...In Bezug auf Asthma und Allergien haben uns solche Aufenthlate enorm unterstütz und weiter gebracht.

        • (3) 15.11.16 - 14:39

          Danke für deine Idee ???????? Ich hab schon mit der Klinik telefoniert und die nächsten freien Plätze sind erst nächstes Jahr im Juni/Juli also kurz vor der Einschulung erst ????

          Die Reha machen wir auf jeden Fall mit. Ist auch bei uns in der Nähe.

          Liebe Grüsse Sandra

      Naja....
      So ähnlich habe ich mich damals gefühlt, als sich bei meinem Ältesten auch mal wieder alle uneinig waren. Die Schulempfehlungen gingen bei ihm von Schule für Geistige Entwicklung über Lernen, KME bis Sprache. Nur die Stammschule wollte ihn nicht, dass hätte die Schulleiterin uns auch ganz klipp und klar gesagt (für die Aussage verlor sie später ihren Job).

      Ein Kind welches seit 3 Jahren zur Logo geht, hat(te) ein massives sprachliches Problem. Das muss man ganz klar sehen. Die Schule wird Anforderungen an ihn stellen, denen er unter Umständen nicht gewachsen ist mit einer falschen oder schlechten Aussprache. Gerade diese aktuell so beliebte "von Reichen" Methode beim Schrifterwerb ist tödlich für solche Kinder. Eine LRS ist da schon fast die absolute Folge. Und schon hast du die nächste Therapie an der Backe...mit dem Unterschied, dass sie diesmal nicht von der Krankenkasse bezahlt wird. Mit sehr viel Glück findest du ein verständiges Jugendamt, unseres zahlt prinzipiell diese Therapie nicht und so zahle ich derzeit monatlich 220€.

      Aber von Anfang an...
      Mein Ältester gehörte lt. seiner ersten Kinderärztin zu den "Late Talkern". Mit knapp 3 Jahren fing er langsam an die ersten Worte "Mama", "Papa",.. zu sprechen. Auch ich war immer die angeblich hysterische Mutter...heute weiß ich, ich hatte Recht. Im Kindergarten war er ein I-Kind (Sonderkigas gibt es in Hessen nicht), vor der Einschulung machte er eine 4-wöchige stationäre Intensivlogopädie, die sehr viel brachte. Er besuchte die Vorklasse einer Sprachheilschule und wurde dann inklusiv mit dem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache in einer normalen Regelgrundschule eingeschult (in der Sprachheilschule ist er immer während des Unterrichts eingeschlafen, weil die Fahrzeit viel zu lang war).

      In Mathematik gehörte er von Anfang an zu den Besten seiner Klasse, in Deutsch war er grundsätzlich der Schlechteste. Nur irgendwann hilft alle Differenzierung nichts mehr. Spätestens ab der 3. Klasse wird davon ausgegangen, dass das Lesen bei ALLEN Kindern perfekt sitzt. Ab da kommen eben nicht nur in Deutsch Wörter und Texte, sondern auch in allen anderen Fächern. Und die zu lesenden Texte umfassen wirklich Seiten bei einer Arbeit. Dumm, wenn man da mal etwas überliest oder falsch liest oder aus einem "ein" ein "kein" macht in der Aufgabenstellung.

      Auch heute geht er noch wöchentlich zur Logopädie. Er verwechselt alle üblichen Buchstaben (allerdings in der Schriftsprache), verteilt die Artikel per Zufallsprinzip zu den Nomen, bildet nur extrem kurze (wenn auch grammatikalisch richtige) Sätze. Er kann zwar Lesen, ist aber über das Zusammenziehen der einzelnen Buchstaben nie hinausgekommen, d.h. er kann nicht sinnerfassend lesen. Normalerweise sollte eigentlich die Schule regelmäßig Tests auf LRS und Dyskalkulie durchführen... naja, hat sie nicht gemacht. Am Ende der 3. Klasse ist es mir einfach Zuviel geworden und ich habe diesen Test selbst durchführen lassen auf eigene Kosten. Er hat LRS.

      "Kind sein" kann er voll vergessen. Er hat 2 mal in der Woche Unterricht bis 15:30 Uhr, 1 mal pro Woche Ergotherapie, einmal Autismustherapie, einmal LRS-Therapie und die Logopädie ist zum Glück während der Schulzeit.
      Nach meiner Erfahrung kann ich dir nur eines raten: Fördere so früh und so viel wie nur möglich. In der Schule wird das Ganze extrem schwer bis unmöglich. Eine Sprachreha mmh... Informiere dich mal genau darüber, wie da so ein Tagesablauf ist. Ein Abklatsch zur Kur wird deinem Kind nicht helfen. Ich habe von Baiersbronn vom Therapiezentrum Iven immer nur Gutes gehört, ich selbst konnte damals mit meinem Sohn dort nicht hin. Wir waren in einem Krankenhaus wirklich zur stationären Intensivlogopädie. Das war natürlich weniger entspannend, dafür war der Tag aber sehr vollgestopft mit Therapien und der Erfolg war Wahnsinn. So einen Fortschritt wie in den 4 Wochen hat er sonst nicht in einem Jahr gemacht. Das lohnt sich wirklich.
      Aussenstehende konnten meinen Sohn so ab dem 4. Lebensjahr problemlos verstehen. Danach geht es leider nicht.

      • Danke das du mir ein bisschen aus deinem Leben erzählt hast.

        Und genau das ist mein Punkt. Ich will natürlich nur das beste und tue natürlich auch alles, damit er die bestmögliche Möglichkeiten hat.

        Nur was ist die beste Möglichkeit?

        Von einer Sprachheilschule war bis vor 2 Wochen nie die Rede. Ich weiß ja, das er seine Sprachdefizide hat aber ich und auch die Ärzte haben "noch" nicht darüber gesprochen.

        Ich habe natürlich auch noch einen Termin beim Kinderarzt vereinbart, um mit ihm nochmal die möglichen Optionen zu besprechen.

        Er ist nun der Mensch, der meinen Sohn am längsten kennt und ihn beurteilen kann.

        Ich finde ein 20 minütiges Gespräch mit einer fremden Frau reichen für so eine Entscheidung einfach nicht aus.

        Über die Klinik hab ich mich bestens informiert und werde dies auch auf jeden Fall mitnehmen.

        Danke dafür und Liebe Grüsse Sandra

        • (6) 17.11.16 - 13:33

          Ach ja und unsere Grundschule hat mir angeboten, das er gerne am Sprachpropramm in der Schule teilnehmen kann aber es nicht für zwingend notwendig hält. Was wir natürlich auch in Anspruch nehmen

          • Meinst du diesen Vorlaufkurs? An den hat mein Sohn nie teilgenommen. Der ist für ausländische Kinder, die die Sprache aus DIESEM Grund nicht sprechen und nicht für Kinder, die aufgrund ihrer eigenen Entwicklung die deutsche Sprache nur schwer oder gar nicht erlernen können. Der Vorlaufkurs ist nichts anderes als ein Sprachkurs für Kinder. Mein Sohn brauchte aber eine Therapie. Für ihn war deutsch die Muttersprache (und einzige Sprache) und nicht die zweite Sprache nach Türkisch, Russisch, Arabisch,...
            Der Vorlaufkurs wäre bei uns nur verschwendete Zeit gewesen.

    Hallo Sandra,

    mein Tipp: Montessorischule!!!

    Kinder, die von vornherein ein "Defizit" (furchtbares Wort!) mitbringen, gehen in der Regelschule total unter. In der Montessorischule hätte Dein Sohn Zeit, sich in seiner Zeit zu entwickeln und entfalten. Du sagst, dass Dein Sohn schon große Fortschritte gemacht hat, es scheint aber, als brauche er einfach noch etwas mehr Zeit.

    Die Geschichte meiner Tochter ist ähnlich, sie hat eine expressive und rezeptive Sprachentwicklungsstörung mit langjähriger Logopädie. Sie macht ihre Sache gut, aber könnte in der Regelschule mit dem Druck und dem Frontalunterricht nicht mithalten. Sie ist jetzt 1. Klasse Montessori seit Mitte September und hat irre Fortschritte gemacht - ganz von sich aus und ohne Druck.

    Wer Wert darauf legt, dass die Kinder sich mit viel Wertschätzung und Motivation selbst entwicklen dürfen, der schickt sein Kind auf die Montessori! Wir haben 3 Kinder auf der Montessori und Anfangs selbst gegen viele Vorurteile gekämpft. Aber wir haben die Schulatmosphäre und den Umgang mit den Kindern von Anfang an wunderbar gefunden und die Erfolge unserer Kinder bestätigen, wie wunderbar das Montessori-Konzept ist!

    LG, Katalin

    • Aber dir Danke für deinen Erfahrungsbericht.

      Ich hab gerade gegoogelt und die nächste Montessori-Schule ist von uns eine Dreiviertelstunde entfernt. Diese Option entfällt leider für uns.

      Wir haben nun erfahren, das er in der Regelschule das Recht auf eine Förderlehrerin hat.

      Ich denke, das wir das in Anspruch nehmen werden, weil er schreibt schon recht gut und liest schon seine ersten Worte und versucht, die Hausaufgaben seiner großen Schwester mitzumachen.

      Liebe Grüsse Sandra

      • (10) 19.11.16 - 20:25

        Vorsicht! Das "Recht" auf eine Förderschullehrerin hat jedes Kind mit sonderpädagogischen Förderbedarf, das heisst aber keineswegs, dass die Förderlehrerin auch am und mit dem Kind arbeitet.
        Im Extremfall (Förderbedarf Sprache) bedeutet das, dass die Förderschullehrerin exakt GAR KEINE Stunde am Kind arbeitet, sondern nur Stunden bekommt für die Arbeit rund herum, d.h. Hospitation im Unterricht, Gutachten erstellen, Beratung der Lehrer, Hilfeplangespräche, Gespräche mit den Eltern,... - sowas braucht auch viel Zeit, fördert dein Kind aber absolut gar nicht.
        Das andere Extrem ist der Förderbedarf Geistige Entwicklung. Da gibt es 5 Förderlehrerstunden pro Woche für das Kind. Das ist absolutes Maximum.

        Das "Recht auf eine Förderschullehrerin" bekommt man durch die Feststellung des Förderbedarfs - der Beschulungsort ist vollkommen egal. Deine Informationen sind insofern falsch. Was glaubst du, wer in einer Förderschule unterrichtet ;-).
        Die Förderschullehrerin wird aber in gar keinen Fall jeden Tag neben deinem Kind sitzen und helfen - das klappt noch nicht mal bei Kindern mit Förderbedarf Geistige Entwicklung - das reicht bei diesen Kids maximal für 1 Tag. Wenn du willst, dass immer jemand neben deinem Kind sitzt und hilft, dann brauchst du einen Schulbegleiter (wobei man eine 1:1 Betreuung wirklich gut begründen muss).

    (11) 20.11.16 - 21:15

    Montessori geht aber nur, wenn es auch erreichbar ist!!! Unsere frühere Grundschule war eine reformpädagogische Grundschule, in der viele Lehrer auch den Montessori-Schein hatten. Dann sind wir aufs Land gezogen, jetzt haben wir keine Chance, eine ähnliche Schule irgenwie zu erreichen!

Wir haben unseren Sohn trotz Sprachprobleme normal einschulen lassen.
Die Schulärztin hätte ihn auch zurückgestellt, wenn ich dem zugestimmt hätte.
Aber mein Sohn befand und befindet sich in logopädischer Behandlung.
Jetzt ist er in der .Klasse und gehört zum vorderen Drittel, hat eine recht gute Rechtschreibung macht wirklich wenig Fehler.
Für unser Kind war es offensichtlich die richtige Entscheidung.

LG

(13) 20.11.16 - 08:55

Hallo,

hierzu pauschal eine Antwort zu geben geht nicht, dazu ohne das Kind gesehen und gehört zu haben erst recht nicht.

Viele Kollegen schließen vor der Einschulung eine langjährige Therapie ab und sehen die Kinder dann zum zweiten Halbjahr der ersten Klasse wieder. Ich habe die Kinder immer ins erste Halbjahr hinein begleitet, um evtl. auftretende Schwierigkeiten direkt angehen zu können.
Dann ist die nächste Frage, nach welchem Konzept arbeitet die Grundschule beim Lesen- und Schreiben lernen?

Mein Rat wäre, schaue dir die Sprachheilschule an und stelle dort deinen Sohn vor. Ansonsten bitte die behandelnde Logopädin um eine umfangreiche Testung (Lautbefund, Spontansprachanalyse, phonologische Bewusstheit, grammatikalischen Verstehen), dazu ein Hörtest beim Phoniater und die Vorstellung bei einem Augenarzt mit Sehschule, wenn du alle Befunde beisammen hast und diese besprochen sind, wird die Entscheidung leichter sein.

LG Reina

  • (14) 21.11.16 - 18:22

    Das ist ja genau das Problem.

    Hörtest ist super ausgefallen und der Sehtest auch. Unsere zuständige Logopädien sieht kein Problem darin, das er "normal" eingeschult wird.

    Nur die Dame vom Gesundheitsamt hat das nun in den 20 Minuten die sie ihn kennengelernt hat, angesprochen als Plan B quasi und der Kindergarten meint, wir sollen das im Hinterkopf behalten.

    Liebe Grüsse Sandra

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