Asperger Syndrom

    • (1) 01.05.17 - 13:27

      Hallo, ich bin im 6 Mon. schwanger mit einem Jungen. Nun ist es so das mein Freund, sein Vater das Asperger Syndrom haben. Mein Vater hat ebenfalls autistische Züge. Da wir einen Jungen erwarten ist die Wahrscheinlichkeit hoch dass er das Asperger Syndrom vererbt bekommt. Wisst ihr ob in diesem Fall auch klassischer Autismus entstehen kann? Ab wann können wir den Autismus testen? Wir wollten das Kind bilingual erziehen und ich bin mir nicht sicher ob das ein autistisches Kind überfordert bzw. muss man ja ernährungstechnisch auch etwas aufpassen bei Autisten. Gibt es dafür Anlaufstellen oder wisst ihr vielleicht mehr?

      Vielen Dank & liebe Grüße,

      Kristin

      • Hallo,

        ich kenne einige erwachsene Asperger Autisten. Die meisten (selbst und deren Eltern) merkten schon früh, dass was anders ist. Was genau wusste keiner und sie selbst auch nicht. Im Erwachsenenalter kam das dann raus.

        Ernährungstechnisch ist es wie bei anderen Menschen auch: Allergien, Unverträglichkeiten etc.

        schwieriger wird es, wenn Menschen mit autistischen Zügen zu einseitiger Ernährung gelangen, weil sie sehr an ihren Gewohnheiten hängen.

        Gewohnheiten sind aber sehr unterschiedlich! Manche haben diese sehr ausgeprägt beim Essen, manche bei Abläufen

        schwierig wird es bei schnellen aprupten Änderungen.

        mir (ADHS) hilft abends den morgigen Tag durchzugehen. Was kommt auf mich zu, was erwartet mich, was steht an Terminen an.
        Das kenne ich auch von Freunden mit Asperger.

        Billingual wird dahingehend spannend:
        Asperger Autisten haben häufig eine Inselbegabung. nicht immer.
        Ist diese Begabung im Sprachlichen Bereich habt ihr gute Chancen.

        liegt die Inselbegabung woanders und der sprachliche Teil ist belastet, wird es schwierig.

        Ist der sprachliche Teil normalbereich, kommt es darauf an, wie viel Energie für die restliche Lebensweise gebraucht wird.

        Diagnose geht soweit ich weiß, erst im Laufe der Jahre.
        Erste Auffälligkeiten meist schon von klein auf.

        Reizüberforderung
        besonders viel Schlaf - auffallend wenig Schlaf
        sehr klare Abläufe (was anders ist, wird verweigert)
        Kein Interesse an anderen Kindern

        auffallend andere Interesse, als andere Kinder
        auffallend frühes können von Fähigkeiten - auffallend spätes können von Fähigkeiten

        das ist aber nicht zwangsläufig so!

        Häufig ergeben erst rückblickend viele Kleinigkeiten zusammen genommen Sinn bzw. Diagnose.
        in welcher Form Asperger Autismus getestet wird oder überhaupt getestet werden kann, weiß ich nicht.

        Sinnvoll wäre ein Kinderarzt, der sich damit auskennt.
        Falls ihr die Wahl habt, schon vorher zu schauen, ob es bei euch welche gibt, die sich mit Entwicklung und co auskennen oder durchaus bereit sind mit dem SPZ oder ähnlichen Stellen zusammen zu arbeiten.

        Ein festgefahrener, für den es nicht gibt, was er nicht kennt, könnte schwierig werden.
        SPZ, Überweisungen und so
        und die Antwort es liegt nur an euch oder das Kind ist nicht genug gefördert oder gar dumm - hilft euch nicht weiter.

        Würde mich da schon vorab nach einem geeigneten Kindearzt umsehen. Der auch die Entwicklungstests bei den Us genau nimmt! Damit da schon früh eine Dokumentation beginnt.

        Wenn alles super verläuft, prima. Aber damit halt im Nachhinein auch Kleinigkeiten bei einer späteren Diagnose hilfreich sein können.

        Mein Sohn hat auch das Asperger Syndrom und ist sprachlich sehr begabt. Dein Zwerglein ist ja noch gar nicht da. Ich verstehe deine Bedenken, aber du musst sowieso erstmal alles auf dich zukommen lassen. Vielleicht ist er ja auch unauffällig. Und durch deinen Mann hast du ja im Fall der Fälle auch schon Erfahrung im Umgang mit Aspies :-)

        • Vielen Dank für eure Beiträge, das hilft mir sehr weiter. Schön dass man sich hier darüber austauschen kann. Durch meinen Vater bin ich einige Verhaltensmuster gewöhnt. Mit meinem Freund habe ich eine sehr liebevolle intensive Beziehung und er hat unglaubliche Inselbegabungen. Ich verstehe nie warum das Asperger Syndrom so negativ beurteilt wird. Klar gibt es Besonderheiten mit dem Nicht - flexibel sein, gleiche Abläufe, kein Intresse an Menschen etc. aber die Fähigkeiten die er zusätzlich hat, sehe ich als Geschenk.

          Ich weiß dass wir natürlich bis nach der Geburt warten müssen. Aber vllt. müssen wir es mit den 2 Sprachen einfach probieren. Das Problem ist dass man dann konsequent bilingual sprechen muss und nicht nochmal wechseln kann.

          Bei vielen Autisten mit Asperger liegt eine Pektin Unverträglichkeit vor. Auch mein Freund hat diese. Und da müssen wir bei der Ernährung mehr aufpassen.

          Das mit dem Kinderarzt ist eine gute Idee, da kann ich mich schonmal nach umsehen.

          Viele Grüße,

          Kristin

          • Gibt es nicht auch Selbsthilfegruppen für Asperger und deren Angehörige? Die können Euch in Eurem Alltag sicher gut weiter helfen!

            Das mit den Sprachen stimmt nicht. Du kannst wechseln, wenn du merkst, dass dein Kind es nicht schafft. Der Wechsel zurück klappt dann nur nicht.

            Wir wollten unsere Kinder auch zweisprachig aufziehen - ist bei 2 verschiedenen "Muttersprachen" ja auch optimal...und dann kam der Frühkindliche Autismus dazwischen.
            Mein Großer war 3 und sprach auf deutsch nur schwer verständlich Mama und Papa. Mit 6 Jahren wurde er in die Sprachheilschule eingeschult. Der Kleine fing erst mit 6 Jahren mit sprechen an. Irgendwann haben wir uns dann schweren Herzens durchgerungen, die zweite Sprache wegzulassen, um dem deutschen eine Chance zu geben.

            Die zweite Sprache ist heute eben eine Fremdsprache. Wir können es nicht ändern. Aber wenigstens können sie sich verständigen. Das ist das allerwichtigste.

            Ich weiß nicht wegen der Ernährung...
            Mein Großer futtert wie ein Scheunendrescher. Wir müssen ihn stoppen, sonst muss er sich übergeben. Er merkt es einfach nicht, wenn er satt ist. Er isst alles.

            Der Kleine hat schon seit Geburt eine diagnostizierte Ess-und Fütterstörung. Eine stationäre Esstherapie hat er schon hinter sich. Er isst trotzdem kaum etwas. Das liegt nicht an Allergien, sondern weil er es nicht kann. Es ekelt ihn. Selbstständig essen könnte er theoretisch - er tut es aber nicht. Lieber verhungert er. Es gibt Dinge, die er gern isst - leider sind die eigentlich nicht essbar: Kleidungsstücke, Isomatten, Holz von Schränken/Betten, Bücher, Erde,...

      Hallo,
      zwar wird Autismus vererbt, aber seid vorsichtig, dass ihr eurem Kind nicht vorzeitig etwas diagnostizieren lasst oder vielleicht selbst sucht, wo nichts ist.

      Jeder Mensch, auch völlig gesunde Menschen, haben im Laufe ihres Lebens autistische Züge. Das ist normal und muss so sein. Es ist ein Zeichen, ihrer Entwicklung. Gerade bei Kindern treten autistische Züge gehäuft auf. Das ist aber eben kein Autismus.

      Vererbt wird der Autismus selbst, nicht irgendeine spezielle Form davon. Du weißt also nicht, ob es der Frühkindliche, der Asperger oder der Atypische Autismus wird...falls überhaupt. Auf der Homepage von rehakids.de kannst du einige autistische Eltern mit ebenso betroffenen, wie auch nicht betroffenen Kindern finden - innerhalb einer Familie. Vielleicht hilft es dir, dort Kontakt aufzunehmen und dir diese Geschichten durchzulesen.

      Meine Kinder sind Frühkindliche Autisten und haben den bisher einzigsten erworbenen Autismus, der medizinisch und wissenschaftlich anerkannt ist. Von daher kann ich dir hier nicht wirklich weiterhelfen.
      Soweit ich allerdings weiß, sind Asperger Autisten eher extrem sprachbegabt. Das ist ein Kennzeichen dieses Autismus. Ob das Kind dann Lust hat auf 2 Sprachen, ist etwas anderes. Bei einem Frühkindlichen Autisten kann es passieren, dass das Kind trotz einem IQ von 100 nie sprechen lernt oder nie über "Geplapper" bzw. Echolalie hinaus kommt. Das Kennzeichen eines Frühkindlichen Autismus sind die massiven Sprachprobleme. Mein Ältester wird im Mai 11 Jahre und kann trotz seines durchschnittlichen IQ von 101 (mit einer eindeutigen Inselbegabung im mathematischen Bereich - sein IQ ist stark heterogen) nicht richtig deutsch sprechen, lesen und schreiben. In Deutsch ist er irgendwo Stand 1.-2. Klasse. Da er Förderbedarf Sprache hat, stört das nicht groß. Als es ans Englisch lernen ging, hat er das schlichtweg verweigert. Witzigerweise kann er schon sehr viel englisch, da sein Vater eben nicht aus Deutschland kommt und bei jeden Familienbesuch wird nur englisch gesprochen. Also in den 3 Wochen jedes Jahr im Ausland konnte er genügend englisch lernen, um im Unterricht zu bestehen...;-). Cousins und Cousinen sind eben doch die besten Lehrer und beim Spielen fällt das auch gar nicht auf, dass man lernt.

      • Ach ja...
        Noch ein paar Tipps:

        Geht NIEMALS in ein SPZ, wenn ihr den Verdacht auf eine seelische Behinderung (und das ist Autismus nun mal) habt). Ich kenne von SPZs bisher nur eines - falsche Diagnosen in dieser Richtung. Sie haben keine Ahnung von seelischen Behinderungen. Der richtige Ansprechpartner dafür ist eine KJP - Kinder- und Jugendpsychiatrie. Bitte auch kein Psychologe. Der ist kein Arzt. Nur der Psychiater ist der Arzt.

        Schaut im Ernstfall, dass ihr eine KJP mit angeschlossenem Autismustherapiezentrum findet. Autismus kann man zwar nicht heilen, aber man kann durch eine gute Therapie dem Kind und seiner Umwelt das Leben doch deutlich erleichtern. Die Therapeutin hat bei uns z.B. mit den Lehrerinnen der Schule geredet, damit sie verstanden, wie sie mit meinem Jüngsten Sohn reden mussten, damit er eine Chance hatte, sie zu verstehen (er hat auch noch eine geistige Behinderung und konnte bei der Einschulung nicht sprechen). Ein halbes Jahr später konnte er lesen, schreiben und sprechen.

        Bedenkt immer, dass Autismus erst relativ spät diagnostiziert werden kann. Hat man diese Diagnose aber einmal, ist es schwer, sie wieder loszuwerden. Kindergärten und Schulen bekommen spezielle Förderungen und mehr Gelder für behinderte Kinder. Logischerweise wollen sie die nicht so gern wieder verlieren. Diese Diagnose "verschweigen"? Auch darüber wurde bei rehakids schon diskutiert... schau dir mal die Ansätze an. Bei Autismus ist das nicht so einfach.
        Wartezeiten für die Erstdiagnostik bei einer guten Klinik betragen deutschlandweit derzeit 6 Monate aufwärts. Die Wartezeit für die Autismustherapie kann auch nochmal sehr lange dauern. Mein Jüngster hatte nach 6 Monaten einen Platz, mein Ältester nach über 3 Jahren.

    Hallo warts doch erst einmal ab. Mein Sohn ist ein Asperger Autist und mein Mann vermutlich auch. wenn ich mir so seinen Lebenslauf ansehe. Aber was dein Kind wird weiß nur Got.

    Also freu dich auf den Kleinen und lass alles an dich rankommen. Mein Sohn ist Tchnisch Matematisch begabt / Sprachen sind nicht so seins.Die Diagnose haben wir aber erst mit 14 Jahren bekommen.

    Hallo,

    mach dir vorher nicht so viele Gedanken. Ich habe zwei Söhne ( vom demselben Mann) und einer hat eine Autismusspektrumsstörung ( so wird das heute genannt-in richtung Asperger) und mein anderer Sohn hat überhaupt nichts. Während der andere früher sozial sehr gehemmt war ( jetzt mit 11 geht er auch mehr auf andere zu), ist der andere total selbstsicher und ist schon immer auf andere zugegangen.

    Du siehst also, dass dein Kind nicht zwangsläufig etwas in diese Richtung haben muss. Und wie schon erwähnt, bitte nicht in ein SPZ zum diagnostizieren gehen, die haben da meistens von Autismus keine Ahnung. Wenn ihr wirklich den Verdacht habt, dass sich euer Kind anders entwickelt, sucht euch eine gute Kinder-und Jugendpsychiatrie, die damit Erfahrung haben.

    Lg
    Igraine

    • Vielen lieben Dank für eure Beiträge und Erfahrungen. Wir ihr schon sagtet, muss ich natürlich erst mal abwarten wie sich der kleine Mann entwickelt. Aber es ist hilfreich jetzt schon zu gucken wo sich spezielle Kinderärzte, Kinder-und Jugendpsychiatrien oder andere Einrichtungen befinden.Das sind ja gute Ansatzpunkte. Vielen Dank auch für die Website da werde ich mich mal umschauen.

      Liebe Grüße an euch :)
      Kristin

Hallo!

Ich hab selbst eine Tochter die das Asperger Syndrom hat und auch im Freundeskreis einige Kinder mit Autismus, oder autistischen Zügen.

Ob es gut ist ein Kind zweisprachig zu erziehen wird jetzt noch niemand sagen können. Meine Tochter z.B. hat da überhaupt keine Probleme mit dem erlernen mehrerer Sprachen, andere Kinder die ich kenne haben da schon Probleme nur die Muttersprache zu erlernen. Das kommt gerade bei autistischen Kindern, denke ich, sehr auf die Begabung an.

Was das Essen betrifft, scheint es wirklich so zu sein, dass viele Autisten "anders" essen als andere. Nahrungsmittelunverträglichkeiten kann natürlich jedes Kind bekommen, gerade bei einem Autisten kommt es doch häufig zu "Essstörungen". Meine Tochter z.B. isst nur ganz wenige bestimmte Dinge, leider so gut wie nichts gesundes, aber sie würde lieber verhungern, bevor sie was essen muss, was sie nicht mag. Heute ist es schon besser, früher als sie ein Kleinkind war, ist das noch viel schlimmer gewesen. - Meine Schwester ist vermutlich auch betroffen, aber nicht diagnostiziert, sie ist heute 36 und hat bis heute eigene Essgewohnheiten, kommt aber gut zurecht.

Ich würde mir jetzt noch nicht zuviele Gedanken machen. Es muss ja nicht sein, dass dein Sohn betroffen ist, aber du weißt welche Auffälligkeiten da sein können, und wenn dir nach seiner Geburt (aber auch in der Schwangerschaft) etwas auffällt würde ich alles schriftlich festhalten.

Übrigens, uns wurde damals gesagt, dass man Asperger-Autismus eher erst nach dem 5. Lebensjahr feststellt selten früher. Ein Schulkamerad meiner Tochter wurde dieses Jahr diagnostiziert (11 Jahre). Der Sohn einer Bekannten auch erst nachdem er älter als 10 war. Wir hatten das Glück und haben die Diagnose noch vor Schuleintritt erhalten.

Und wie Du bei deinen Freund siehst, er kommt ja auch gut zurecht. Die Diagnose kann, muss aber nicht immer eine Herausforderung sein. Natürlich gibt es Nachteile, aber auch Vorteile - und auch wenn es eine Behinderung ist, bei meiner Tochter sehe ich, dass sie reifer und besser im Leben zurecht kommt als viele andere Kinder in ihrem Alter.

LG Mina

Huhu!

Was meinst du mit "klassischem Autismus"?

Entstehen kann letztlich alles immer ;-)

Asperger ist aber ja schon ein bisschen speziell, und schon die asperger unter sich sind ja sehr unterschiedlich.

Anlaufstellen gibt es (zumindest in Norddeutschland) kaum.

Einfach weil Autismus oder asperger an sich recht neu und weitgefächert ist.

Es gibt viele asperger denen man es kaum anmerkt, dass sie ander sind. Andere wiederum sind sehr auffällig, aber keiner weiß genau, wie man es nennen will.

Es gibt ein paar autismusabulanzen und -sprechstunden deutschlandweit. vielleicht auch in deiner nähe. Manchen ist damit sehr geholfen, ich bin damit immer gegen die Wand gelaufen. Im besten fall hat es einfach nicht geholfen.

Wir versuchen daher für die autistin ein Umfeld zu schaffen, in dem sie es so gut aushält, dass sie stark genug ist das auszuhalten, was ihr echt schwer fällt.

Z.B. Menschenmengen sind für sie immer eine große Überwindung, wenn man es ihr dosiert zumutet und ihr immer die möglichket zum schnellen ausstieg aus der situation bietet, also die sicherheit dass sie jederzeit abbrechen könnte ohne dass es ihr jemand vorhält, klappt es sehr gut und sie ist unglaublich stolz wenn sie einen Tag in der überfüllten Innenstadt oder bei einem Fest ausgehalten hat.

um jetzt mal nur ein BEispeil zu nennen...

es gibt mehr Formen von Autismus, wie in ein Buch passt...

Mach dir schwanger doch noch keine Gedanken...

Mein Mann ist ein leichter Fall von Asperger... -- Junior ist einfach nur ein klein wenig besonders: sehr inteligent, sehr fröhlich udn emotional, aber wenig empatisch. Er mag es nicht laut, nicht allzu hell und braucht etwas länger in neuen Situationen -- ist mit stundenlangem Lego-Spielen zufrieden..... ....aber SONST ist alles normal und wenn man ihn nicht genauer beobachtet, fällt es gar nicht auf ....

lass es doch einfach mal laufen und schau, wie sich dein kind entwickelt....

Top Diskussionen anzeigen