Asperger sieht Baum im Wald nicht

    • (1) 20.07.17 - 07:32

      Hallo,
      ich muss euch mal fragen, ob das, was mir aufgefallen ist, einen Hintergrund bzgl des Aspergers hat...

      Ich erzähle mal ein Beispiel, das aber für einige Situationen steht.

      Meine Tochter sucht ihr Tablet. Ich sage ihr, dass es auf dem Schrank, auf dem das playmobil Haus steht, liegt. Bei dem Schrank handelt es sich um eine auf der Seite liegende 4er-Reihe Expedit.

      Sie kommt 3x und sagt, dass sie es nicht finde. Ich gehe mit ihr ins Zimmer und möchte, dass sie mir den Schrank mit dem Haus zeigt. Das fällt ihr schon schwer. Dann sage ich, sie soll den ganzen Schrank oben drauf absuchen. Sie guckt nur im Haus. Ich sage, gucke auch daneben. Dann guckt sie wirklich nur direkt neben dem Haus. 50 cm weiter liegt ihr heiß geliebtes Tablet. Aber sie sieht es nicht.

      Hat das was mit Asperger zu tun? Wie Soll ich solche Situationen in Zukunft besser machen/erklären (außer immer selber hingehen und es ihr zu geben).

      Danke

      • Das kann viele Faktoren haben.

        - Augen
        - Konzentration
        - Beschreibung
        - was stellt man sich gerade selbst vor
        - Schwierigkeiten mit Orientierungsangaben
        - Gewohnheit (Mama macht es)

        jeder Mensch hat seine eigene Sprache
        und jeder Mensch lernt anders (visuell, haptisch, auditiv etc)

        mir kann man etwas 10 mal sagen und ich finde es nicht. Habe ich eine Situation 1 mal gesehen, kann ich sie zehn Jahre später immer noch sehr genau beschreiben.

        Ein Fahrlehrer im Bekanntenkreis sagte mal:
        sagt niemals "nicht gegen den Baum" denn dadurch stellt sich das Gehirn auf den Baum ein und man fährt eher dagegen.
        Besser sollte man sagen "in die Lücke" "da zwischendurch" usw.

        Wie sind die Augen und wie voll ist das Regal?
        Ich habe eine Brille, damit sehe ich sehr gut. Allerdings etwas finden, was ich gerade suche, fällt mir oft sehr schwer. Wenn ich es dann NICHT suche, finde ich es sofort.

        Bei meinem Kind ist es umgekehrt auch so. Manchmal suchen wir über Kreuz: sie meine Sachen, ich ihre. Zack, wir haben es.

        Zur Sprache: grade bei Aspergern ist manchmal ein anderes Sprachverständnis da. Da spreche ich dann automatisch schon etwas anders. Je nachdem mit wem ich grade spreche.

        Wie reagiert sie denn sonst, wenn du sagst auf, neben, links, rechts?

        • Sie versteht keine Richtungen und wenn man "da", "hier" etc. sagt, wo man einfach hingucken muss, um zu sehen wohin gezeigt wird, sucht sie einfach weiter, weil sie nie hinguckt.

      Meine Jungs sind zwar Frühkindliche Autisten, aber genauso begriffsstutzig. Das ist typisch für Autisten. Sie nehmen alles absolut wortwörtlich und 100% genau. Dazu kommt noch das ungeduldige Warten auf das heiß ersehnte Tablet und dass die Nerven eh schon vollkommen runter sind, weil wieder alles nicht so klappt, wie sie es will (wo liegt das Tablet denn sonst?).

    Hallo,
    da mein "Aspi" genauso gut im Suchen und Finden ist, haben viele Gegenstände bei uns feste Plätze, an denen sie nach jedem Gebrauch zurückgelegt werden.

    Da ich selber Adhs habe, würde ich sonst nämlich auch nichts finden ;-)

    Lg
    Igraine

    ich sage dazu immer, mein Kind sucht, wie "mein Mann" --- ich halte das für unkonzentriert und in Einzelfällen für normal... --- oder was mit Sehschwäche ....

    aber mit Asperger (so klassisch) finde ich, hat das wenig zu tun... ---

    wenn Sie in der lage ist, auf Anweisung Stück für Stück eine lange Latte (Regal- Schrank) abzusuchen, dann halte ich das für einzelfälle....
    hast du noch nie etwas ewig gesucht, und dann lag es ganz offensichtlich sichtbar vor dir?

    klar: wenn das in 9von 10 Fällen passiert, dann wäre das auffällig... aber passiert es in 1von10 Fällen, würde ich sagen: kuck besser, nicht hektisch und nicht schnelschnell...

Also das kann gut sein das es passt, mein Sohn ist auch so ne Knalltüte. Denn wenn er was sucht schaut er nur in die Richung seiner Augen, aber hinter ihm neeee da ist nichts!
Ja du mich auch denke ich mir, grins.

Du bist nicht alleine.

Ela

Ich habe keine Ahnung ob das Autismusbedingt ist oder andere Gründe hat, meine Asperger-Kinder hatten das auch.
Aber, man kann ganz einfach an seiner eigenen Sprache arbeiten und eben exakt beschreiben.

Tut ja nicht weh das Möbel nicht als "Schrank" zu bezeichnen, sondern als Ikea Regal, oder wie auch immer man es sonst nennt. Ebenso kann man sagen, 50 cm links vom Playmobilhaus.

Ich möchte meine ganze Aspergerbande nicht missen, nicht nur, aber auch, weil ich dank ihnen mehr über Kommunikation gelernt habe als ich es in den teuersten Seminaren je hätte lernen können. Im Beruf, bei der Arbeit mit dementen und psychisch kranken Menschen hilft mir das jedenfalls sehr.

Ach ja, Kinder können ganz tolle Strategien entwickeln, wozu auch immer, sich "dumm" und unbedarft/ungeschickt anstellen ist eine davon. Autistische Kinder können eine gewisse Leidenschaft entwickeln ihr Umfeld damit "auszutesten", möglicherweise um die aus ihrer Sicht irrationalen, unberechenbaren Nicht-Autisten verstehen zu lernen. Deshalb wäre es interessant zu wissen, ob deine Tochter diese Schwierigkeiten "etwas zu finden" nur zu Hause hat oder auch auswärts.

  • Im Kiga weiß ich es nicht. Ist grade sehr schwer da, weil eine ältere nicht zur ausgebildeten Erzieherin grade alleine die Gruppe leitet und meine Tochter dort grade sehr unglücklich ist, weil sie in die "Vorschulgruppe" wechseln muss.

    Die Dame sagt nur immer, dass sie "nervig findet", dass meine Tochter jeeeeeden Morgen die brotdose aufmacht und bevor sie offen ist schon laut schimpft, dass sie schon wieder Brot drinnen hat.

    Jetzt musst du wissen, dass sie (fast ) nie Brot mit hat, weil sie es nicht isst.

    Zu Hause kommt sie auch alle 3 Mahlzeiten schreiend und weinend an den Tisch, weil sie meint es gäbe etwas was sie nicht mag.

    • Naja, sie ist natürlich noch sehr jung. Die Nummer mit "im Voraus" Schreien, die würde ich ihr wohl schneller abgewöhnen als sie sich umschauen könnte, ich kann da sehr rigoros sein. Auch bei Autisten....
      Ich kann mich erinnern, dass Essen bei meinen Asperger-Jungs und Mädels auch ein "Stressthema" war, unsere Kinderärztin hat uns damals eingetrichtert, egal was wir machen und wie wir es machen, keine Machtkämpfe am Esstisch, damit wären Esstörungen quasi vorprogrammiert.

      Wir haben es so gelöst, dass grundsätzlich Selbstbedienung galt, auch zwischen den Mahlzeiten, dass sie aber ab 4-5 Jahren sich mit Ernährungslehre befassen mussten, um sie so an Eigenverantwortung hinzuführen. Gemotze und Gemecker am Tisch selber gabs nicht, wer motzte wurde weggeschickt, vorzugsweise in die Küche um sich selber was zu suchen. Niemand musste irgendwas probieren. Aber ja, es gab Phasen da lebte eins der Kinder von Chips und Streichkäse und ein anderes von Trockenfleisch und Apfelsaft. Der nächste Schritt war dann, VOR den Mahlzeiten, und VOR Ladenschluss zu kommunizieren was man essen möchte.
      Es gab übrigens ausser ein paar Eiseninfusionen während der Pubertät keinerlei Mangelerscheinungsprobleme, einige der Kinder waren zeitweise sehr leichtgewichtig, aber immer äussers gesund. (Mit sechs Kindern habe ich im Beruf über all die Jahre einen halben Tag "kindkrank" nehmen müssen, obschon man hier in der Schweiz bereits nach 8 bzw 16 Wochen nach der Geburt wieder arbeiten geht)

      Die Konsequenz war, dass es zeitweise drei verschiedene Menues pro Mahlzeit gab. Brot mochten alle nicht als sie klein waren, was bedeutete, zwei warme Mahlzeiten täglich.

      Der nächste Entwicklungsschritt war kochen lernen, so dass es mir absolut egal ist, wenn es heute zum Abendessen mal sechs verschiedene Menues gibt, schliesslich beteiligt sich jeder der Zuhause ist von 17-19 Uhr im Haushalt oder beim Kochen.
      Und was ganz von selbst kam: dass das Ernährungsspektrum immer grösser wurde, dass sie begannen (fast) alles zu probieren, dies anfangs vorallem auswärts mit der Schule oder bei Freunden, später in Restaurants oder dank Kochbüchern und Internet. Ich erinnere mich an eine Ferienwohnung in Paris die bestialisch stank, weil Durianfrucht und 100jährige Eier im Asiashop unbedingt gekauft werden mussten "um mal zu probieren"

      Über der Küche steht bei uns: Autismus ist eine Erklärung, aber keine Entschuldigung oder Ausrede.

      Heute sind sie zwischen 26 und 15 Jahre alt, sie sind im Prinzip mindestens so experimentierfreudig was Ernährung anbelangt wie nicht-autistische Gleichaltrige.

      • Ähnlich war es bei uns in der Kindheit. Es kam doch oft vor, dass es 4 Menü Varianten gab bei einer Mahlzeit....dafür verlief einer friedlich. Mein Mann regt das aber auf und weigert sich, auf besondere Wünsche einzugehen wenn er kocht. #schmoll mit Aspie Kind und Frau verläuft das nicht immer friedlich. Mein Sohn ist jedoch flexibler als ich und isSt fast alles, solange er sich nicht kleckern oder die Finger schmutzig macht. Burger, Pizza usw kommen dementsprechend nicht gut an.

        • Klingt jetzt vielleicht gehässig, aber dann muss dein Mann lernen, die Bedürfnisse und Wahrnehmungen seiner Frau und seines Kindes zu respektieren, ansonsten ist er nicht dazu geeignet für seine Familie zu kochen. In der Hinsicht bin ich absolut kompromisslos.

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