Gesetzlicher Betreuuer Vermögenssorge/Finanzen wg. Erschöpfung

    • (1) 27.09.17 - 23:33

      Ich habe bin nun seit ca. einem Dreivierteljahr in Behandlung wegen eines Erschöpfungssyndroms und ich habe das Gefühl, es wird nicht besser, sondern immer schlimmer. Ich bin jetzt langsam an dem Punkt, wo ich denke, dass ich entweder irgendwann gar nicht mehr aufstehen kann und total blockier oder einfach irgendwann umkippe.

      Meine Große (11 Jahre, 7. Klasse, Asperger-Autistin mit HB und isolierter Rechtschreibschwäche) verweigert mittlerweile konsequent alles, Schule sowieso seit den Sommerferien, jetzt auch die Autismustherapie. Sie ist jetzt 24 Stunden täglich 7 Tage die Woche zu Hause.

      Ich bin seit 4 Jahren alleinerziehend. Der Vater hatte vor der Trennung eine schwere Depressive Episode und wollte sich nicht behandeln lassen. Ich wollte mich trennen, hatte mit Suizid gedroht und so musste ich ihn dann in die Akutstation der Klinik bringen, wo er dann für 6 Monate stationär war, ein Teil der Behandlung war Tagesklinik.

      Meine Kleine ist 2009 geboren und war als Baby ein Schreikind. Wir haben uns dann entsprechend in der Schreiambulanz im SPZ behandeln lassen. Gleichzeitig wurden auch die Probleme im Kindergarten mit der Großen immer offensichtlicher.

      Die Regulationsstörung der Kleinen ist bis heute noch spürbar. Sie kann sich sehr schlecht selbst beruhigen und sehr reizoffen, was dann von einem Moment auf den anderen kippt. Wir hatten mit ihr auch eine Entwicklungsdiagnostik gemacht, aber dabei kam nichts raus, außer dass sie sehr intelligent ist. Sie hat seit dem Kindergarten häufig wutanfällig und sehr ungeduldig und kann schlecht warten. Leistungstechnisch hat sie in der Schule keine großen Probleme. Aber ihr Arbeits- und Sozialverhalten ist katastrofal. Ich muss sie oft von der Schule abholen, weil sie dort ausflippt und die anderen Kindern und Lehrer beschimpft und auch körperlich angreift. Neulich musste ich sie auch auf einem Schulausflug begleiten, weil es vorher bei anderne Ausflügen große Probleme gegeben hat. Nach den Herbstferien wird es auch eine Klassenkonferenz geben.

      Ich hatte sie direkt nach der Trennung für einen Therapieplatz bei einer Kinderpsychologin angemeldet, eigentlich für jedes Kind eine eigene, weil eben bei auffällig wurden und ich mir auch nicht vorstellen konnte, dass das nur mit der Trennung zusammenhing.

      Vor allem haben auch beide Kinder eine krasse Weglauftendenz.

      Die Kleine ist sehr stark sozial eingebunden, fast jeden Tag mit anderen Kindern verabredet, sie ist auch oft bei der Freizeitstätte und Familienzentrum bei den Angeboten dabei, in der Tanzschule aktiv (zweimal die Woche), nimmt auch gerne an Wettkämpfen teil (Volkslauf, Geschicklichkeitslauf, Fahrradparcours, Stepptanzmeisterschaft usw.). Seit der 3. Klasse ist sie auch im Ganztag an drei Tagen die Woche. Sie eigentlich fast nie erschöpft oder müde.

      Im krassen Gegensatz dazu ist ihre große Schwester, die teilweise tagsüber bis mittags schläft und auch dann im Schlafanzug rumläuft. Ich muss sie zum Duschen zwingen. Sie isst, wann sie will und hält sich nicht an die Mahlzeiten. Sie ist unfreundlich und schlecht gelaunt und teilweise richtig böse zu ihrer kleinen Schwester und rotzfrech zu mir (vielleicht hat das auch mit der Pubertät zu tun). Sie reagiert auf ganz normale Fragen einfach total genervt. Und ihr Zimmer sieht aus wie eine Räuberhöhle. Sie räumt freiwillig nichts auf. Zwischendurch kommt sie raus und fordert was oder beschwert sich, dass ihr langweilig ist. Sie hat neulich gesagt, dass ihr Leben ein einziger Misserfolg ist und hat sich selbst als nutzlos und Missgeburt bezeichnet, was mich sehr traurig macht.

      Gleichzeitig bin ich aber total unter Druck, da ich seit der Trennung in einer katastrofalen finanziellen Situation bin, da mein Exmann nach Lust und Laune mal Unterhalt gezahlt hat oder auch nicht. Ich selber kann aber wegen der Schulprobleme der Kinder nicht arbeiten. Ich musste streckenweise in den Monaten, wo kein oder nur ein bisschen Unterhalt kam, mit ALG II überbrücken, aber auch noch als vorrangige Leistungen erst Unterhaltsvorschuss und später Kinderwohngeld beantragen. Ich war wegen des Unterhalts für die Kinder und für mich auch dann auch vor Gericht und das Verfahren hat 2 1/2 Jahre gedauert. Er hatte in der Zwischenzeit Privatinsolvenz angemeldet. Das Gerichtsurteil hat ergeben, dass er mir gerade so viel Unterhalt zahlen muss, dass ich noch mit ca. 100 EUR ALG II aufstocken muss. Das wiederum führte auch dazu, dass das Jobcenter mich trotzdem versucht, in Arbeit zu vermitteln. Es hat mich sehr viel Kraft gekostet, geltend zu machen, dass ich mit diesen beiden Kindern nicht arbeiten gehen kann.

      Im Lauf des Gerichtsverfahrens kam dann auch die Autistmusdiagnose. Ich habe dann eine Pflegestufe 0 mit eingeschränkter Alltagskompetenz bekommen und ca. 120 EUR Pflegegeld. Da ich mich mit der Pflege überhaupt nicht auskannte, hat der MDK vieles rausgerechnet und nicht als Pflege anerkannt. Ich habe dagegen Widerspruch eingelegt und bin aber allein nicht in der Lage, den Widerspruch vernünftig zu begründen. Ich bin mir nur sehr sicher, dass es viel zu wenig ist für den Aufwand, den ich hier betreiben muss.

      Dieses Jahre habe ich von der Lebenshilfe eine 1:1-Betreuung zur Entlastung bekommen. Sie war auch der Meinung, dass die PG II auf keinen Fall ausreichend ist.

      Einen Schwerbehindertengrad habe ich beantragt, aber noch keine Antwort dazu erhalten.

      Neulich hatte ich den Pflichtpflegeeinsatz und da habe ich zum ersten Mal erfahren, welche Entlastungleistungen mir zustehen. Das wusste ich alles gar nicht. Ich habe auch noch nie Verhinderungspflege in Anspruch genommen.

      Das Autismuszentrum ist mir auch keine große Hilfe.

      Ich habe jetzt noch mehrere Sachen gegen das Jobcenter beim Sozialrechtsanwalt liegen und habe es kaum geschafft, die Unterlagen für den PKH-Antrag zusammenzustellen.

      Dann wollte das Familiengericht nun auch noch einen Nachweis für die Verfahrenskostenhilfe. Ich habe da zweimal angerufen und gesagt, ich schaffe das nicht bis zur Frist. Ich brauche mehr Zeit. Jetzt das Gericht mir die Verfahrenskostenhilfe versagt. Ich bin aber absolut pleite, aber ich kann keine Insolvenz anmelden. Ich war schon beim Schuldnerberater und da ich es auch dort nicht geschafft habe, alle meine Unterlagen vollständig einzureichen, wurde die Frist für die Insolvenz verpasst. Nun habe ich erfahren, dass ich die Gebühr vom Land Niedersachsen nicht zweimal bekomme. Also müsste ich die Gebühren selbst zahlen, aber das kann ich nicht.

      Die GEZ fordert ständig Gebühren aus ungeklärten Zeiträumen nach, wegen derer ich aber keinen Nachweis habe, weil die Sachen noch zur Klärung beim Anwalt liegen. Ich hatte schon eine Untätigkeitsklage durchbekommen, ein Darlehen durchgesetzt, in einem Bewilligungszeitraum habe ich 8 verschiedene Bescheide und ich hatte zweimal über 4 und 5 Monate überhaupt keinen akutellen Bescheid, mit dem ich meine Bedürftigkeit nachweisen konnte. Von daher auch zum Beispiel keinen Krankenversicherungsschutz usw.

      Den rückständigen Unterhalt vom KV habe ich nie bekommen, denn er hat ja nichts.

      Dazu kommt noch die Geschichte mit dem Jugendamt. Die Geschichte hat ja nach der Trennung so angefangen, dass das Jugendamt erstmal eine mögliche anderweitige Unterbringung geprüft hat, da die Verhaltensauffälligkeiten unmittelbar auf meine Überforderung zurückgeführt wurden. Eine Diagnose hatte ich da ja noch nicht. Ich musste ein Erziehungsfähigkeitesgutachten machen lassen, welches aber ergeben hat, dass ich erziehungsfähig bin und die Kinder bei mir leben sollten.

      Wegen meiner Erschöpfung habe ich aber nun doch eine Familienhilfe bekommen. Und ganz ehrlich: Ich habe das Gefühl, die ist mit der Situation noch überforderter als ich.

      Jetzt zu meiner Frage (und danke an alle, die bis hierhin gelesen haben): Was haltet ihr von der Idee, mein ganzen Behörden- und Geldangelegenheiten an einen vom Amtsgericht bestellten Betreuer zu geben, den ganzen Papierkram abzugeben? Ist das zu riskant oder bin ich sowieso so am Ende, dass es auch egal ist, weil es schlimmer nicht mehr werden kann?

      Der Plan für die Große ist übrigens jetzt Tagesklinik, findet jedenfalls der Psychiater aus der KJP. Die SBin vom JA möchte, dass meine Tochter vollstationär therapiert wird. Meine Tochter sagt: Nix davon, sie will mit keinem mehr reden...

      Der Vater ist keine große Hilfe. Er hat es in zwei Wochen nicht geschafft, mal in der Schule anzurufen und zu fragen, wie denn jetzt der sonderpädagogische Förderbedarf überprüft werden soll, wenn das Kind nicht mehr zur Schule geht.

      Zwischendurch kommen die noch mal mit ihrem blöden Ordnungsgeld wegen der Schulpflicht und jedes Mal sage ich: Ich kann nichts machen und ich kann auch das Ordnungsgeld nicht bezahlen. Außerdem hatten wir seit 2015 genau 3 HPGs, was ein bisschen wenig ist. Es sollte mal eine große Helferkonferenz geben, aber das hat nicht geklappt, weil man keinen Termin gefunden hat.

      Ich bin plan- und perspektivlos, außerdem pleite und ständig müde. Manchmal frage ich mich, wofür ich mir den ganzen Sch... überhaupt noch antue. #kratz

      VG hopsi2005

      • Hallo, auf Grund von Zeitmangel hab ich jetzt nur ca. Die Hälfte seines Textes gelesen. Es tut mir leid, dass du so belastet bist.
        Gibt es bei euch eine psychosoziale kontakt-uns Beratungsstelle. Das wäre glaube ich ein guter Anlaufpunt für dich. Vielleicht auch sowas wie Familienhilfe? Ich drück die Daumen, dass du ganz schnell unterstützung bekommst. Den gesetzlichen Betreuer kannst du auf dem Amtsgericht beantragen.
        Alles liebe für euch drei

      Hallo hopsi,

      Das klingt wirklich alles sehr zemürbend.
      Ich würde dir aufgrund der komlexität deines themas raten, deine frage mal auf der Seite rehakids.de stellen. Dort tummeln sich viele kompetente Mitglieder die sicher Tipps haben, welche Möglichkeiten du hast und was dir zusteht. Auch gerade in Bezug auf die Autismusdiagnose deiner tochter.
      Es gibt dort auch einen “Pro“ Bereich in dem dir professionals aus verschiedenen bereichen (pflege, kinderärzte...) gerne helfen!

    • (5) 29.09.17 - 16:37

      Wegen den ganzen sozialrechtlichen Fragen /Klagen/Anträgen kannst Du Dich an den VdK wenden (Sozialverband). Die kennen sich gut aus und übernehmen den ganzen Schreibkram. Auch wegen Plegegrad.
      Was ist mit der jüngeren Tochter? Für mich klingt das stark nach ADHS, da könnte Dir ein Kinder- und Jugendpsychiater weiter helfen.
      Ansonsten für Dich selbst Beratungsstelle, z.B. Diakonie.
      Kann mir gut vorstellen, dass Du bei dem gesamten Chaos total überfordert bist!

    (7) 30.09.17 - 12:05

    Mein Mann ist vom Gericht bestellter Betreuer und ich arbeite bei ihm im Büro mit.

    Was verstehst du darunter, ob es riskant ist, einen Betreuer zu beantragen? Hast du Angst, deine Kinder zu verlieren? Das wird nicht passieren.

    Der Behördenkram scheint dir wirklich über den Kopf zu wachsen. Bekommst du denn keinen Unterhaltsvorschuss für deine Kinder, wenn der Vater nicht zahlt?

    Vielleicht wäre es wirklich das Beste, wenn deine ältere Tochter mal eine Weile aus eurer Familie raus genommen und therapiert würde. Dann könntest du dich auch etwas erholen.

    Übrigens, wenn das Gericht einen Betreuer bestellt, ist das zumeist erst einmal vorläufig. Für 6 Monate oder ein Jahr und dann wird eine erneute Entscheidung getroffen.

    Vielleicht würde es dir ja schon helfen, wenn jemand deinen ganzen Papierkram und die Finanzen zum laufen bringen würde.

    Alles Liebe für dich.

    • (8) 03.10.17 - 01:17

      Wie läuft das denn praktisch ab? Habe ich dann überhaupt noch Einfluss auf die Entscheidungen oder muss ich die Kontrolle ganz abgeben?

Hallo,

mich beschäftigt Dein Beitrag jetzt schon seit ein paar Tagen. Auch aus der Vergangenheit kenne ich noch viele Beiträge von Dir.

Du bist wirklich sehr reflektiert. Du benennst genau die Dinge, die bei Dir wirklich schief gehen.

Insgesamt bist Du wahrscheinlich stark überstrapaziert und wahrscheinlich dadurch auch depressiv, und zwar schwer.

Die vielen gravierenden Probleme, die Du bekommen hast, vor allem seit Dein Mann vor 4 Jahren mit der psychisch kranken Frau abgehauen ist, haben Dich zu einem ganz anderen Menschen gemacht.

In Deiner Situation wäre es am besten, wenn Du Dich an Deinen Hausarzt wendest und Dir eine Überweisung zum Psychiater geben lässt. Mit diesem kannst Du besprechen, ob ein Antidepressivum und ein Beruhigungsmedikament, das auch Deine Gefühlslage stabilisiert sinnvoll wäre.

Nach 2 - 3 Wochen geht es Dir dann auf jeden Fall gefühlsmäßig besser. Und erst dann kannst Du Dich um die weiteren Probleme kümmern.

Gleichzeitig kannst Du eine Therapie anfangen, damit Du wieder nachhaltig auf die Füße kommst und hoffentlich in ein paar Monaten wieder gesund bist.

Die Probleme werden sonst immer drückender und dadurch ruinierst Du auch die Kindheit Deiner Kinder. Es geht ihnen ja jetzt schon sehr schlecht.

Und alle Probleme, die jetzt da sind, sind auch in einem Monat noch da. Aber dann hast Du vielleicht schon etwas mehr Kraft, einige von ihnen zu bewältigen.

Die Idee mit dem gerichtlich bestellten Betreuer ist auf jeden Fall eine gute und kann Dir helfen, Dich kurzfristig zu entlasten.

Ich wünsch Dir alles, alles Gute!

Schreib doch gern nochmal, wie es für euch weiter geht.

LG

  • (10) 03.10.17 - 01:15

    Hier auch noch mal zur Klarstellung: Die psychisch kranke Freundin meines Exmannes ist inzwischen die Ex-Freundin. Die Beziehung scheiterte daran, dass sie nicht nur ihre Bulimie nicht in den Griff bekommen hat, sondern dass sie auch noch ein massiv ausgeprägtes Alkoholproblem hat. Wie ich es immer gesagt habe, ist er in das gleiche Fahrwasser geraten, wie bei seiner Mutter schon, in die Co-Abhängigkeit gerutscht, hat sie finanziell unterstützt und als sie dann ein Kind von ihm wollte, hat er die Reißleine gezogen, weil er die Befürchtung hatte, dass sie die Schwangerschaft forcieren würde. Sie hätte in der Schwangerschaft auch ihre Medikamente absetzen müssen und das würde sie wohl nicht schaffen. Damit ist die Beziehung ganz bitter zuende gegangen.

    Es geht ihm jetzt sehr schlecht, weil er jetzt überhaupt zum ersten Mal alleine klarkommen muss, und weil er jetzt verstanden hat, dass ich die Probleme damals schon habe kommen sehen und ihn auch gewarnt habe, und alle es auf meine Eifersucht geschoben haben.

    Ich musste mich zwischen dem depressiven Mann und meinen Kindern entscheiden, denn um alle konnte ich mich nicht kümmern, sonst wäre ich daran kaputtgegangen.

(11) 01.10.17 - 14:33

Zu deiner Gesamtsituation kann ich nicht viel sagen, aber etwas zu deiner 11 jährigen: Das Fräulein sei hochbegabt und zusätzlich Aspergerin? Mir scheint, sie nutzt ihre Besonderheit gnadenlos als Ausrede für alles. Sie tyrannisiert mit ihren vermeintlichen Defiziten ihr komplettes Umfeld?
Den Zahn würde ich der jungen Dame subito ziehen. Das funktioniert aber weder in einer psychischen Klinik als auch in einem Setting in welchem sie als behindert eingestuft wird.
Da bei mir die meisten meiner Kinder Autisten sind und zwischenzeitlich alle erwachsen oder auf dem besten Weg dazu spreche ich durchaus aus Erfahrung.
Zentral ist einfach die Differenzierung, was ist tatsächlich dem Autismus geschuldet, was Faulheit, bequeme Ausrede. Zudem ist es unumgänglich dem Betroffenen von Beginn weg transparent aufzuzeigen, was Autismus ist und was nicht und wohin der Weg führen soll.

  • sollte psychiatrische Klinik heissen.

    Da magst Du recht haben, aber hast Du in dem langen Text gelesen, dass die TE ein Gutachten hat, das aussagt, dass die Verhaltensweisen der Kinder unmittelbar auf ihre Erziehung zurückzuführen sind?

    Mit "dem Kind den Zahn ziehen" ist es dabei dann doch gar nicht getan. Die Kids werden es schon schwer genug haben.

    Sie zeigen nur die Symptome der Erkrankung der Mutter :-(. Da würde ich der Mutter nicht noch raten, jetzt bei der Tochter erst mal einen Rundumschlag zu machen.

    LG

    • Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass das Verhalten der Tochter eine Folge von Fehlerziehung der Mutter ist oder so. Im Gegenteil. Ich befürchte viel mehr, dass viele der Probleme von sogenannten "Fachleuten" gemacht sind.
      Es geht darum, dass leider für so gut wie jeden die Unterscheidung, was ist autismusbedingt, was ist änderbar, was ist inakzeptabel usw. extremst schwierig ist. Gerade sogenannte Fachleute und Jugendpsychiatrien können absolutes Gift sein für Autisten.

      Wenn man als Elternteil dann ohnehin schon am Limit ist, passiert es leider wahnsinnig schnell, dass man sich von diesen "Fachleuten" in die Irre leiten lässt, mit leider oft unabwendbaren Folgen.

      Da das Mädel hochbegabt ist, ist es doppelt einfach oder doppelt schwer, je nach Blickwinkel. Vermutlich hat aber längst das komplette Umfeld den Fokus auf ihre Defizite/Mängel gerichtet, statt sich auf ihre Talente zu fokussieren.

      Deshalb bleibe ich dabei, der Mutter zu raten wieder auf ihr eigenes Bauchgefühl zu vertrauen und das Kind so zu erziehen wie sie es intuitiv für richtig hält. Man darf und muss Autisten ebenso erziehen wie Nicht-Autisten, einfach die Methoden und Bedürfnisse unterscheiden sich.

      • Ich verstehe das, mein Sohn ist selber hochbegabt mit autistischen Zügen und ja, ich höre auf mein Bauchgefühl.

        Ich bin aber auch eine gefestigte Persönlichkeit, die Erziehungsprinzipien hat, die mein Kind befolgen kann, weil es gleichbleibende Regeln sind. Ich gebe meinem Kind halt, weil ich selber "gehalten" bin und somit als Stützpfeiler für das Vertrauen meines Kindes da bin.

        Kranke Eltern - kranke Kinder.

        Im Falle der TE, den ich auch schon jahrelang verfolge, glaube ich aber nicht, dass ihr Bauchgefühl es für die Kinder irgendwie besser macht. Dafür ist sie viel zu instabil.

        Ich denke, die TE richtet hier mehr Schaden als Nutzen an, egal was sie tut.

        Die Kinder sind einer Situation ausgesetzt, die erst einmal "aufgeräumt" werden muss, bevor weitere Erziehungsschrauben angesetzt werden.

        Die Kinder zeigen Symptome, die eben NICHT auf ihren eigenen Autismus bzw. Begabung oder sonstiges zurückzuführen sind, sondern auf ein seit Jahren massives instabiles Elternhaus.

        Ich komme selbst aus so einem Elternhaus. Den Kindern gegenüber strenger zu sein, schadet ihnen aktuell mehr als es ihnen nutzt.

        Man kann nicht die Kinder behandeln, solange sie in einer so instabilen Situation leben. Die meisten Probleme wären nämlich nicht vorhanden, wenn die Mutter nicht psychisch labil wäre.

        Die Ursachen müssen bekämpft werden, nicht die Symptome.

        LG

        • Ich möchte das mal eben klarstellen, dass sowohl im Gutachten der Autismusdiagnostik als auch in meinem Erziehungsfähigkeitsgutachten ganz klar steht, dass ich nicht instabil bin und dass die Probleme auch nicht auf Erziehungsdefizite zurückzuführen sind. Es liegt daran, dass ich von Anfang an ein autistisches Kind ohne jegliche Hilfe großgezogen habe, dass ich keinerlei Entlastung erfahren habe und zusätzlich das andere Kind auch eine Diagnose ist, mit man kaum was anfangen kann. Die Kleine hat keinerlei Konzentrationsstörungen oder Leistungseinschränkungen im Unterricht, allerdings ist sie trotzdem reizoffen und hyperaktiv. Sie macht sehr viel Sport und ist auch stark sozial eingebunden und sehr selbstständig für ihr Alter und lässt sich sehr schwer eingrenzen.

          Der Vater hingegen war und ist immer noch depressiv und trotz mehrjähriger Therapie und Klinikaufenthalt nicht belastbar. Er ist mit den Kindern überfordert, so wie ich es auch immer vor Gericht gesagt habe. Er bemüht sich sehr, aber inzwischen kann er das auch offen kommunizieren, dass er gerade auch den Einfluss auf die Große verloren hat. Sie entzieht sich ihm und nimmt ihn teilweise nicht wirklich ernst.

          In dem Gespräch mit der Ambulanz in der Kinderpsychiatrie hat sie auch gesagt, dass er doch sowieso nichts dazu sagen kann, weil er eh keine Ahnung hat, wie ihr es ihr wirklich geht und was ihr Problem ist.

          Und über mich hat sie gesagt, dass es ihr leid tut, dass sie mir solche Probleme macht, aber sie kann nicht aus ihrer Haut.

          Ich habe neulich meinen Pflichtpflegeeinsatz gehabt und da hat man mir genau erklärt, welchen gesetztlichen Anspruch ich auf Entlastungsleistungen habe und was Verhinderungspflege ist. Meine Tochter wird nun bald 12 Jahre alt und ich habe das alles noch nie in Anspruch genommen.

          Aber wie gesagt autistische Züge und Autismus sind wohl noch mal zwei ganz verschiedene Ebenen. Da ist es immer leicht, darüber zu spekulieren, wie das Leben mit Autismus wohl sein mag. Vor allem, weil man dann nicht den ganzen Papierkram hat, sich nicht mit der Inklusion auseinandersetzen muss und nicht zig verschiedene Beratungen und Therapien miteinander kombinieren muss, bei denen sich die Fachleute gegenseitig widersprechen.

          • Hallo,

            schön, dass Du Dich nochmal meldest.

            Ich habe Dir in keinem meiner Beiträge einen Vorwurf gemacht. Aber Deine Kinder brauchen Dich aktiv und mit Energie.

            Vielleicht liest Du Dir meinen ersten Beitrag nochmal durch. Es ist doch schließlich egal, warum Du jetzt in dieser verfahrenen und erschöpften Situation bist. Fakt ist, dass Du Hilfe brauchst und Du versuchst es ja auch.

            Ich wollte Dir nur Ansätze liefern, die Du vielleicht noch nicht bedacht hast.

            Ich habe auch mein Kind nicht mit Deinen Kindern verglichen, ich habe lediglich klar gestellt, dass man den Kindern in der aktuellen prekären Familiensituation nicht noch mehr Druck und Verantwortung für eben diese Situation aufbürden kann.

            Such Dir Hilfe für Dich selbst und Deine Depressionen und Erschöpfung, damit Du Deinen Kindern besser helfen kannst und es Dir besser geht.

            Alles Gute Dir!

            • Ich bin einfach auch so müde, dass ich eben in der Beratung immer wieder in verschiedene Richtungen geschubst werde. Der eine sagt, ich soll mehr Vertrauen, loslassen, das Kind sich entfalten lassen. Dann heißt es wieder, ich muss ganz klare Strukturen vorgeben, ganz klare Grenzen setzen, das Kind zu seinem Glück zwingen, ihm beibringen, dass es sich anpassen muss. Sie hingegen wehrt sich aber ganz extrem gegen den Anpassungsdruck. Und man vergisst dabei, dass sie in der 5. Klasse trotz Autismus ein Bombenzeugnis hingelegt hat. Ich habe auch einmal beim Hilfeplangespräch gesagt, dass sie vielleicht auch nicht gelernt hat, ihre eigenen Bedürfnisse in Worte zu fassen und daher irgendwelche Ausreden erfindet, um ihn Ruhe gelassen zu werden. Ich hatte gehofft, sie würde das in der Autismustherapie lernen. Aber ihre Antwort auf alle Schwierigkeiten ist immer Vermeidung und Verweigerung.

              • Wenn Autismus im Spiel ist muss man selber zum Fachmann werden, das lässt sich in keinster Art und Weise an "Fachleute" abdelegieren, es sei denn man hat diesen einen echten von tausend vermeintlichen Fachmännern/Fachfrauen gefunden.

                Hast du die Bücher von Tonmy Attwood gelesen?

                Eine gute Autismustherapie hat keinen anderen Anspruch, als dem Betroffenen als Dolmetscher in der Welt der Nichtautisten zur Verfügung zu stehen, und umgekehrt.
                Autisten können, wollen und sollen nicht "geheilt" werden, sie sind genauso gesund wie jeder andere. Sie sind nur anders und stellen eine Minderheit dar, welche in manchen Bereichen nicht oder wenig kompatibel sind mit ihrer Umwelt.

                Auch für Autisten gelten die Regeln des Zusammenlebens. Aber warum zum Teufel soll ein 11jähriges Kind eigene Bedürfnisse in Worte fassen können? Schön wenn es das kann, aber es ist kein Muss. Dieser Gesellschaftstrend "sich zu reflektieren", über Emotionen zu reden, "Feedback" zu geben, möglichst gegenüber Fremden, ist für Autisten indiskutabel. Ihnen diesen heuchlerischen Stuss abzuverlangen ist eine Gemeinheit.
                Aber warum zum Teufel nutzt man im Umgang mit Autisten nicht das Bedürfnis des Autisten nach Klarheit, Struktur und Regeln?
                Unsicherheit, fehlende Authentizität sind Folter für Autisten!

                Es ist ja schön gibt es in Deutschland Schwerbehinderten Status, Pflegegeld, Schulbegleiter usw. wie sehr hätte ich mir sowas hier in der Schweiz gewünscht. ABER auch oder gerade mit dieser Unterstützung muss das Ziel sein, dass ein Autist wann immer möglich als Erwachsener ein selbstständiges, selbstbestimmtes, seinen Bedürfnissen und Talenten entsprechenden Leben führen kann.

                • Wir kommen hier in Niedersachsen mit der Inklusion an unsere Grenzen. Es sind Landtagswahlen, die CDU möchte ein Moratorium durchsetzen, die SPD möchte die Inklusion weiter vorantreiben, aber es ist nicht genug Geld da, bzw. es fehlen Lehrerstellen und Förderschullehrer. Wir selbst leben in einer strukturschwachen Region, in der aus das Jugendamt mehr als ausgelastet ist. Daher lässt sich evtl. auch erklären, dass wir ums Verrecken keine Vollbetreuung in Form einer Schulbegleitung bekommen. Es gibt nur 15 Stunden und mehr zahlt das Jugendamt nicht. Die Lehrer sind nicht in der Lage, einen belastbaren Förderplan zu schreiben. Außerdem hat nach zwei Klassenlehrerwechseln auch jeder seine eigenen Schwerpunkte gehabt.

                  Meine Tochter hat ja selbstständig entschieden, dass sie unter den Bedingungen nicht mehr zur Schule gehen kann. Sie würde gerne auf eine spezielle Schule für Asperger-Autisten gehen, wo sie aber mangels Förderbedarfsermittlung nicht hingehen kann und so lange ist sie noch regelschulpflichtig. Ich kriege auch nächste Woche einen Besuch von irgendsoeinem Sozialpädagogen, der ein Gutachten darüber schreiben soll, ob ich meiner Tochter genug geholfen habe oder ob gegen mich ein Zwangsgeld wegen Schulpflichtverletzung erhoben werden soll.

                  Ich verstehe nur nicht, warum die Schule mich dafür verantwortlich macht, dass in 6 1/2 Jahren Schule noch nicht einmal ein sonderpädagogischer Förderbedarf ermittelt worden ist. Sie war in der Schule von Anfang an auffällig.

                  • 15 Stunden? Das ist im Vergleich zur Situation in der Schweiz unvorstellbar viel. Denn hier gibt es in den allermeisten Fällen exakt NULL Stunden Schulbegleitung, mit viel Glück gibt es ein bisschen heilpädagogische Unterstützung, Regelschulung ist bei Asperger Autisten die Norm, ganz wenige besuchen eine Sonderschule (Förderschule).

                    Deine Tochter scheint sich klar äussern zu können, warum besucht sie nicht ein reguläres Gymnasium mit Nachteilsausgleich? Irgendwie klingt es für mich, als würde das Kind zwanghaft auf die "Behindi-Schiene" geschoben. Kein Wunder spiegelt sie das was ihr aufgezwungen wird und wird zu dem was alle von ihr erwarten: ein disfunktionales Kind.

                    • Weil sie beim Übergang auf die weiterführende Schule nur eine ganz knappe Hauptschulempfehlung bekommen hat. An der Gesamtschule mit Gymnasialzweig haben wir keinen Platz bekommen, also blieb nur noch die Oberschule (Haupt- und Realschule zusammen). Und die Schule hat eben große soziale Probleme.

                      Meine Tochter hat auch schon früh geäußert, dass sie gar nicht das Bedürfnis hat, sich in der Klasse zu integrieren, da sie mit den Kindern nichts anfangen kann. Die können kein normales Gespräch führen und beleidigen sich den ganzen Tag und sind total respektlos. So, nun hatte aber die Integrationsfachkraft die Aufgabe, sie in die Klassengemeinschaft zu integrieren.

                      Sie hat sich dann im Matheunterricht auch verweigert und zwischendurch immer wieder abgeschaltet und dann wurde sie, weil sie durch vielen Fehlstunden nicht mehr im Stoff war, vom Erweiterungskurs in den Grundkurs heruntergestuft. Angeblich konnte sie die einfachsten Grundrechenarten nicht mehr. Nun hat aber meine Tochter im Bereich Zahlen und Logik ihre höchste Begabung. Dann ging die Streiterei los, ob sie vielleicht unterfordert oder überfordert ist.

                      In der Autismus-Diagnostik wurde festgestellt, dass sie in manchen Bereichen eine sehr verlangsamte Verarbeitungsgeschwindigkeit hat, aber wenn man ihr genügend Zeit gibt, doch sehr gute Ergebnisse weit über Altersschnitt erzielen kann.

                      Und dann wurde auch noch viel darum gestritten, ob sie mit ihrer isolierten Rechtschreibschwäche unbedingt, die Sachen von der Tafel abschreiben muss, wenn schon klar ist, dass sie viel länger braucht als alle anderen.

                      Ich meine, sie hat schon Klassenarbeiten geschrieben, wo sie fast die Hälfte der Stunden verpasst hat und nur im Bus vor der Schule gelernt hat und trotzdem gute Noten geschrieben hat.

                      Heute denke ich im Nachhinein, wenn es die Anwesenheitspflicht nicht gäbe und sie so wie in der Uni irgendwie den Stoff lernen und nur zu den Prüfungen kommen müsste, dann würde sie wohl bis zur 10. Klasse durchkommen.

                      Aber es fängt ja schon damit an, dass sie immer alles so machen soll wie alle anderen auch, damit sie in Übung bleibt.

(23) 15.10.17 - 22:13

Hallo,

ich habe deinen Beitrag gerade erst gelesen und hoffe, dass du meine Antwort noch liest.

Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht wenn du deinen Papierkram an jemand anderen abgibst. Du hast da wahnsinnig viel am laufen und zu stemmen, da kann das doch nur hilfreich sein.

Wenn eure Familienhilfe überfordert ist, dann versuch eine andere Person zu bekommen. Wir hatten hier auch schon verschiedene und nur zwei haben wirklich etwas bewirken können. Die Familienhilfe sollte dich aber auch mit deinen Problemen unterstützen.

Dann würde ich eine Kur beantragen, vielleicht auch mit den Kindern. Damit du einfach mal raus bist aus dem Alltag und mal wieder durchatmen kannst.

Die Kinder oder eines der Kinder für eine Weile in eine Einrichtung zu geben, kann die Problematik auch verschlimmern. Das war bei uns der Fall. Mein Sohn musste in eine Einrichtung, die so genannten Fachleute wussten alles besser, er wurde in verschiedenen Einrichtungen hin und hergeschoben, geändert hat sich nichts. Im Gegenteil - alle waren überfordert und am Ende wurde er wieder nach Hause geschickt und ich musste dann zusehen wie ich das schaffe.

Wir hätten uns viel Leid sparen können, wenn man von Anfang an mal darauf gehört hätte, was ich zu allem sagte... Ich wusste was er braucht und nach Jahren des Scheiterns habe ich das dann endlich durchsetzen können und siehe da, nun hat er trotz jahrelanger Schulverweigerung vor zwei Jahren seinen Realschulabschluss gemacht.

Lass dir also nicht zu viel von irgendwelchen sogenannten Profis erzählen, du weißt als Mutter ganz genau was deine Kinder brauchen.

Wenn es irgendwie machbar ist, dann schick deine Tochter auf eine andere Schule. Mit kleinen Klassen oder vielleicht gibt es bei euch ja auch eine Art Schulprojekt, in dem eine 1:1 Beschulung möglich ist.

Von Erziehungshilfeschulen kann ich nur abraten, wenn deine Tochter offensichtlich schnell und gut lernt.

Du darfst mich auch gerne privat anschreiben, ich sehe viele Parallelen zu unserer Problematik.

Alles Liebe für euch!

Kira

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