Autismusspektrumstörung oder nur viel von den Eltern

    • (1) 11.03.18 - 09:42

      Guten Morgen zusammen,
      ich bin die cappuccinoline, ich bin neu hier, Mutter eines 6- jährigen Sohnes und verheiratet. Mein Anliegen ist nicht einfach zu erklären, es ist sehr komplex. Aber vielleicht erkennt sich jemand hier wieder und kann mir seine Erfahrung schreiben....

      Unser Sohn kam per Notkaiserschnitt auf die Welt, er hatte das KISS Syndrom und Kolliken. Geschrieen hat er fast ein Jahr. Er bekam dadurch echt früh Physiotherapie, später dann auch Ergotherapie da er Probleme mit seiner Kraftdosierung hatte und dann im letzten Jahr Logopädie bzgl. der Aussprache des "SCH" im Hinblick auf die Schule. Unser Sohn wird nach den Sommerferien eingeschult.

      Im Laufe der Zeit fiel uns auf das unser Kind einen sehr hohen Wortschatz hat. Angefangen zu sprechen hat er erst mit knapp zwei Jahren und von diesem Zeitpunkt an hörte er nicht mehr auf :-) . Er hat einen hohen Wissensdurst und stellt Fragen, das ist unglaublich. Unser Sohn beißt sich gern an einem Thema fest und möchte dann alles darüber wissen und merkt sich diese Dinge dann auch. Er malt sehr gerne und auch sehr gut, singt viel und hat keinerlei Schwierigkeiten die Texte zu behalten, im Gegenteil, er hat sie ruck zuck verinnerlicht. Auch interessiert er sich schon stark für Zahlen, kann gut rechnen und fragt Buchstaben. Er kann sich sehr gut alleine beschäftigen eben z.B. mit Malen oder auch mit Rollenspielen. Auf der anderen Seite braucht er viel Bewegung, klettert sehr gern und ist spielt furchtbar gerne draußen. Der Kleine Große ist für sein Alter sehr groß (1,26m) und hat eine kräftige Muskulatur.

      Kognitiv ist er sehr weit, sozial emotional hat er Probleme. Es fällt ihm schwer Freundschaften zu schließen und dabei sucht er verzweifelt nach einem Freund. Viele Kinder verstehen ihn nicht, da er sprachlich eben sehr weit ist. Auch spielt er anders, ist er richtig tief in seinen Rollenspielen verankert. Hinzu kommt das ein Spiel nach seinen Vorstellungen laufen muss. Er orientiert sich an älteren Kindern, diese gibt es seit dem Sommer nicht mehr im Kindergarten.

      Der Kindergarten und auch wir sehen das er anders, etwas besonderes ist. Jedes Kind ist anders und besonders, aber unser Sohn schwimmt nicht mit im Strom. Ich drücke es mal so aus, denn ich weiß nicht wie ich es bezeichnen soll. Er hat im letzten Jahr angefangen Tics und Zwänge zu entwickeln, zum zweiten Mal. Man hat ihm seine Traurigkeit und Ängste angesehen, er war innerlich total angespannt. Wir haben herausgefunden woran es lag (er wurde im Kindergarten massiv gemobbt) und konnten eingreifen. Dennoch ist da etwas, er macht sich z.B. selber sehr viel Druck und hat einen hohen Anspruch an sich selber. Unser Sohn hat Angst etwas falsch zu machen oder nicht zu können. Er hat in neuen Situationen Angst, wie z.B. Sportvereine. Es ist nicht seine gewohnte Umgebung, es ist neu, unübersichtlich. Karneval geht gar nicht, zu laut und zu wuselig. Das nur als Beispiel.

      Wir waren bei einer Kinderpsychologin weil wir sehen das er belastet ist und er sozial emotional große Sorgen hat, die wir als Eltern nicht alleine auffangen können. Es bricht mir das Herz ihn so zu sehen und nicht helfen zu können. Ich muss aber dazu sagen das es Phasen sind und nicht durchgängig zu beobachten. Puh es ist so schwer das zu erklären. Ich möchte mein Kind nicht krank machen und ich finde es schwer herauszufinden, ist da nun etwas oder ist es einfach sein Charakter, sind es Phasen und was hat von uns als Eltern. Ich z.B. war früher auch sehr schüchtern in neuen Situation, zu Haue aber hatte ich eine große Klappe. Das ist auch heute noch so. In neuer Umgebung und Situationen fühle ich mich unwohl.

      Ich bin Arzthelferin und habe eine Zeitlang in einer KJP gearbeitet. Zwar bin ich keine Fachkraft, habe aber einiges gesehen und erlebt. Natürlich kommen dann andere Fragen und Sichtweisen auf. Dadurch habe ich mich mit dem Thema Autismus beschäftigt, aber das ist ein breites Spektrum und einen klassischen Autismus hat er, denke ich nicht. Eher in Richtung Asperger. Die Kinderpsychologin hat diesen Verdacht auch geäußert, hatte auch einen Intelligenztest (WISC) gemacht, der auch überdurchschnittlich hoch ausgefallen ist. Wir wollten das gern im Hinblick auf die Schule, falls er nicht zurecht kommt und ggf. eine andere Förderung benötigt. Einen Termin in einer Autismusambulanz haben wir auch.

      Ich habe hier nun geschrieben, da ich mich gerne austauschen oder eure Meinung und Erfahrung hören würde. Wir werden gemieden, zumindest fühlt sich das für mich so an und das ist echt nicht schön. Bei meinem Sohn sehe ich das ja, er wird nicht mehr zum spielen oder zu Geburtstagen eingeladen und meine Sorgen werden nicht verstanden.

      Wir waren in so vielen Institutionen und ich habe Angst dass er das Gefühl bekommt, mit ihm stimme etwas nicht. Wobei ich denke dass er weiß das er anders ist. Das hört sich so blöd an :-( ich meine das gar nicht. Woher weiß ich das ich Zuviel mache oder etwas sehe, was nicht ist? Bisher habe ich immer auf mein Bauchgefühl gehört und lag auch richtig. Ich sollte vielleicht noch erwähnen das ich selber sehr sehr sensibel und empfindsam bin und manchmal Dinge fühle und spüre, die für andere nicht verständlich sind. Soll sich jetzt aber nicht bekloppt anhören.

      Vielen Dank fürs zuhören.
      eure cappucinoline.

      • Hallo,
        eigentlich hört es sich eher nach den Begleiterscheinungen einer Hochbegabung an (die durchaus die gleichen Auswirkungen haben kann, wie eine echte Behinderung), anstatt eines Autismus. Dazu kommt noch die schlechte Erfahrung durch das Mobbing. Allerdings habe ich dein Kind nicht gesehen. Nur all die Punkte, die du hier genannt hast, sprechen für mich eher gegen als für Autismus. Klar sind nicht alle Kinder gleich und das gilt auch für Autisten.
        Definitiv würde auch ich dir empfehlen das in einer fähigen KJP mit angebundenem ATZ abklären zu lassen. Die Wartezeiten sind eh mehrere Monate und die Wartezeit für einen Therapieplatz für ein Schulkind beträgt hier mehrere Jahre. Mein Ältester hatte die Diagnose noch vor der Einschulung in die Vorklasse bekommen. Die Therapie begann dann Ende der 2. Klasse und endete jetzt - Ende 5. Klasse.
        Höre auf dein Bauchgefühl. Den Test zu machen bringt deinen Sohn nicht um. Der tut nicht weh.
        Ansonsten musst du eben mal überlegen, was du genau erreichen willst und erreichen kannst, falls dein Sohn diese Diagnose bekommen würde. Eine Förderung bezüglich Asperger Autismus gibt es jetzt eigentlich nicht wirklich, wenn man nur so leicht betroffen ist. Wie soll die aussehen? Dein Sohn ist doch schon besser, als die anderen Kinder. Wegen Asperger könnte dein Sohn eine Teilhabeassistenz bekommen. Eine Hochbegabtenförderung bieten manche Schulen an. Das wäre sicher sinnvoll.

        • Hallo kati543,
          vielen Dank für deine Antwort.
          Den Termin in der KJP (Klinik mit Autismuszentrum) haben wir schon und werden diesen auch einhalten. Manchmal denke ich einfach, ob das alles nicht zuviel ist, ob es sein muss. Eben mit der Fragestellung was hilft es uns, was würde sich verändern.

          Uns geht es in erster Linie darum das er nicht leidet, denn er hat Leidensdruck aufgrund dessen, das er keine Freunde hat. Das ist für mich die Hauptintention weshalb wir eine Abklärung möchten. Und auch im Hinblick auf die Schule, das Lehrer besser mit ihm umgehen können. Und das geht nunmal nur wenn man weiß, was los. Weißt du wie ich meine? Ich wünsche mir für meine Kind das er unbeschwert in die Schule gehen kann, die Möglichkeit hat Freunde zu finden und keinen Stempel aufgedrückt kriegt.

          Hochbegabt ist er nicht, zumindest hat der Test dies gezeigt. Klar es ist nur ein Test, er war anfangs auch nicht gut drauf und ich persönlich denke auch, das er unter anderen Umständen besser ausgefallen wäre. Dennoch denke ich nicht das er hochbegabt ist.

          Arbeitest du in diesem Bereich Kati?

          • Ich glaube nicht, dass du hier jemanden findest, der in diesem Bereich arbeitet und dir dann solche Fragen beantwortet. Nein...meine Kinder sind Autisten. Das ist alles.
            Nur der Leidensdruck dass er keine Freunde hat, wird nicht abnehmen, weil er weiß, dass er Autist ist. Es ist ja leider nicht so, dass du von einer Behinderung weißt und schon spielt sie keine Rolle mehr und jeder nimmt Rücksicht. Dass er keine Freunde hat liegt an seinem "komischen Verhalten". Das kann er aber nicht ändern und genau deswegen mögen ihn die Anderen nicht - bei meinem Ältesten habe ich das gleiche Problem. Mein Ältester quatscht die Leute zu seinen Lieblingsthemen zu Tode...und das zu den unmöglichsten Zeiten. Man darf getrost annehmen, dass es niemanden interessiert, was er erzählt.
            Das mit dem Stempel klappt nicht, wenn man eine solche Diagnose hat.

      Hallo, nur mal vorne weg, nur weil das Kind vieles von einem Elternteil hat,heißt es ja nicht, dass es keinen Asperger oder was in der Art hat. Die Parallelen können ja auch dadurch entstehen, dass der entsprechende Elternteil die gleiche Diagnose bekommen würde...

      Mein Sohn und ich sind uns sehr ähnlich, in vielen Dingen, nicht in allen, ganz klar ;)
      Aber gerade was seine Probleme anbelangt, kann ich ihn in so vielem nachfühlen.

      Bei ihm wurde ADS (ohne Hyperaktivität) diagnostiziert und in dem Zusammenhang dann auch bei mir selbst. Erklärt schon einiges...

      Mein Sohn hatte auch die ganze Kiga-Zeit keine Freunde, schien ihn da aber noch nicht zu stören, da er meist eh in seiner Traumwelt verweilte...
      In der Schule wurde es aber nicht besser und da litt er schon drunter.

      Er hat ein soziales Kompetenztrainig gemacht über 2 Jahre. Vielleicht wäre das auch was für deinen Sohn. Unabhängig davon, ob er jetzt eine Diagnose in die vermutete Richtung bekommt oder nicht.

      Euch alles Gute.

Hallo, ihr habt ja schon einige Termine wahrgenommen. Den Termin in der Autismusambulanz ist sicher sinnvoll.
Vieles von dem, was du schreibst, habe ich mit meiner Tochter (knapp 15) auch erlebt. Ich erkenne ganz viele Punkte wieder.
Bei ihr wurde vor über drei Jahren die Diagnose Asperger gestellt.
Wir dachten auch erst in Richtung Hochbegabung, der Test mit sieben Jahren ergab zwar einen überdurchschnittlichen IQ, aber keine Hochbegabung.
So dauerte es noch ein paar Jahre bis zur Diagnose. Diese stellte eine KJP.
Ab da wurde es endlich besser. Sie machte 2,5 Jahre eine auf sie zugeschnittene Therapie bei einem Autismustherapeuten.
Wir sind einige Jahre wirklich durch die Hölle als Familie gegangen, da ich mit ihr bei so vielen Stellen war, aber oft wurden wir nicht ernst genommen.
Deshalb mein Rat: bleib dran.
Heute geht es uns und vor allem unserer Tochter gut. Sie ist in der 9. Klasse, macht hoffentlich ihr Abi und hat ihren Weg gefunden.
Ich wünschte nur, wir hätten die Diagnose viel früher erhalten. LG

  • Hallo Februarkind,
    ich danke dir für deine Nachricht. Es ist schön von jemanden zu lesen, dem mein Empfinden bekannt vorkommt. So fühle ich mich bestärkt und nicht vollkommen bekloppt.

    Vielen vielen Dank, ich bleibe dran. Was es ist, kann ich nicht sagen. Ein bisschen Asperger, ein bisschen Hochsensibilität, ein bisschen überdurchschnittlich intelligent..... Wir werden sehen.

der Beitrag ist zwar etwas älter aber dein Sohn hört sich nach mir an, als ich noch so klein war. Nur ich denke kaum das ich hochbegabt bin oder autist. Damals im Kindergarten hatte ich auch keine Freunde aber die anderen Kinder waren mir noch zu "kindlich". Ich habe damals schon viel weiter gedacht und war perfektionistisch ( viel mehr als ich es jetzt bin). Alles was ich machte, wollte ich ordentlich machen und nicht irgendwie, wie die anderen Kinder. Freunde habe ich dann ab der 3ten Klasse gefunden. Ich war/bin auch ziemlich schüchtern und zurückhaltend. War nie ein Mitläufer, wenn mir was zu unvernünftig war, habe ich nicht mitgemacht. Immer sehr hilfsbereit gewesen und wissbegierig. Neue Sachen/ Situationen finde ich immer noch nicht schön, genau so wie viele Menschen auf eiben Platz ( besonders Fremde) oder Laute Musik, Schreiende Kinder, sehr Laute Hintergrundgeräusche etc. Meine Geschwister sind da ähnlich, wobei ich noch die war, mit den meisten Freunden. Mein Bruder ist aber der überflieger schlecht hin und hat sich nie was aus den Meinungen anderer gemacht, noch hat es ihn gestört das er erst Freunde irgendwann in der weiterführenden Schule hatte.
Schaden wird der Test eurem Jungen nicht. Seh jetzt bei ihm aber kein Grund zur Sorge aber ich bin auch nicht seine Mutter. Wäre ich in deiner Situation, würde ich mir vielelicht auch Sorgen machen. Sicherlich ist es traurig das er keine Freunde hat obwohl er sich welche wünscht.

Alles Liebe

  • Ganz lieben Dank für deinen netten Zuspruch. Leider habe ich deinem Beitrag gerade erst gelesen, bin lange nicht hier gelesen.

    Mein Verdacht hat sich bestätigt, unser Sohn hat Asperger und ich bin sehr erleichtert. Wir wissen nun was los ist und können uns dementsprechend Hilfe suchen.

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