Dyskalkulie - Nachteilsausgleich/Förderung?

    • (1) 28.05.18 - 15:50

      Hallo zusammen,

      unser Kind hat die Diagnose Dyskalkulie und wir kämpfen um Nachteilsausgleich und Eingliederungshilfe ... meine Frage an diejenigen, die Erfahrung zum Thema haben:
      Inwiefern wurde die Diagnose bei Euch anerkannt? Wurde die Diagnose ohne weiteres vom Jugendamt anerkannt? Und aus welchem Bundesland seid ihr?

      Lieben Dank und Grüße
      Sax

      • (2) 28.05.18 - 20:44

        Mein Sohn hat nicht Dyskalkulie, sondern LRS. Vom Verfahren her ist es aber das Gleiche.
        Wir kommen aus Hessen. Natürlich hat das Jugendamt die Diagnose anerkannt, ebenso wie das Gesundheitsamt und die Schule. Allerdings zahlt deswegen das Jugendamt die Therapie keineswegs. Als wir es trotzdem versucht haben, gab es einen Hinweis, dass die Schulen in der Pflicht stehen, das entsprechend zu fördern.
        Das Gesundheitsamt hat uns allerdings VOR Start der privaten Lerntherapie eine Bescheinigung ausgestellt, dass die Therapie aus medizinischer Sicht dringend notwendig ist. So können wir die Kosten wenigstens bei der Steuer absetzen. Die Lerntherapie lief 1 Jahr, danach begann die Förderung in der Schule.
        Er hat zahlreiche Nachteilsausgleiche in der Schule deswegen, allerdings sind die auch an seine und unsere Mitarbeit gebunden.

        (3) 01.06.18 - 07:47

        Liebe Sax,
        ich bin Lehrerin an einer Grundschule in NRW und soweit ich weiß sieht das mit dem Nachteilsausgleich in Dyskalkulie bei uns eher mau aus. Das hat auch damit zu tun, dass während LRS, also das Lesen und Schreiben, nahezu alle Fächer und Lebensbereiche betrifft, sich die eklatanten Schwierigkeiten bei Dyskalkulie im wesentlichen auf ein fach konzentrieren.

        In Nordrhein-Westfalen gibt es einen Erlass für LRS und der regelt sehr genau, wie Kinder mit diesen Schwierigkeiten gefördert und entlastet werden können und sollten. Dafür benötigen zumindest die Grundschulen übrigens KEINE Diagnose von außen, man kann den Nachteilsausgleich immer dann gewähren, wenn die Leistungen in den betroffenen Bereichen langfristig mangelhaft sind und gleichzeitig in anderen Fächern mindestens durchschnittlich (also z.b. 5 in rechtschreiben und lesen, sonst eher 3). Dann kann man Noten aussetzen, längere Zeit für Klassenarbeiten geben, Hilfsmittel erlauben oder Aufgaben reduzieren.

        Bis heute gibt es aber keinen solchen Erlass für Dyskalkulie und Rechenschwäche.

        Es liegt im Ermessen der einzelnen Schule, und der Schulleitungen, ob und inwiefern sie betroffenen Schülerinnen und Schülern entgegen kommen. Es gibt also keine einheitlichen Grundsätze zum schulrechtlichen Umgang. Somit fehlt Lehrern die Basis und den Eltern die Möglichkeit, zuverlässig einen Ausgleich für ihr Kind zu erzielen.

        In meiner schule gab es gezielte Dyskalkulie -Förderung. Im unterricht gab es auch bei Bedarf Hilfen und entlastung bei Hausaufgaben etc. Bei Klassenarbeiten jedoch waren uns die Hände gebunden und die Kinder mussten mitschreiben.... Und entsprechend schlecht benotet werden. Wobei das dann in Gesprächen mit Kind und Eltern immer möglichst thematisiert und dem Kind gezeigt wurde, ob und wo es sich verbessert hat statt die Fehler zu betonen.

        Aber auch für diese Förderung war es immer völlig egal, ob und woher es eine DIAGNOSE gab. Wenn wir die Probleme sahen oder Eltern auf uns zukamen gab es Förderung. Und wenn die Note mindestens ausreichend war wurde oft auch mal pausiert - was das Selbstbewusstsein der Kinder sehr heben konnte. Ich habe schließlich Eltern sogar davon abgeraten, sich für eine Dyskalkulie -Diagnose Arbeit zu machen, da daraus einfach KEINE KONSEQUENZEN folgten. Jede Förderung ist unabhängig davon,auch die Finanzierung einer solchen. Und nur weil "das Kind einen Namen hat" wird es ja nicht besser!

        Ich hoffe ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen und es tut mir leid, keine besseren nachrichten zu haben.

        Liebe Grüße
        Liese

        (4) 24.06.18 - 22:14

        Wir leben in Bayern. Die Diagnose wurde von Jugendamt problemlos anerkannt wenn es ein unabhängiger Gutachter war. Allerdings hilft dir das nicht viel, in der Schule gibt es keinerlei Notenausgleich oder andere Vorteile. Das einzige ist, das das Jugendamt für einige Stunden eine Teil zur Dyskalkulieteraphie zuzahlt, aber das hat bei uns garnichts geholfen, egal irgendwann ist die Schule vorbei und kein Hahn kräht mehr danach.

        LG
        Visilo

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