Autisten und Essen

    • (1) 12.07.18 - 10:12

      Hallo ihr lieben,

      Ein leidiges Thema... Essen bei meinem frühkindlichen Autist (er ist 7)
      3 mal die Woche geht er in die Tagesstätte wo er auch Mittagessen bekommt. Diese Woche hat er leider überhaupt nichts gegessen 😐
      Er isst diese für Autisten typischen Sachen, trockenes (Brezen, Brötchen, kekse...) dann Banane und Äpfel, dass ist das einzigst gesunde was ich ihn ihn rein bekomme. Sonst nur Sachen wie Nuggets, fischstäbchen, Würstchen ect...
      Sein Ess Verhalten hat sich über die Jahre schleichend verändert. Früher hat er Körner Brot mit Butter und Käse gegessen. Heute nicht mehr...
      Was er auch noch mag ist Püree mit seehecht in krätersoße...
      Wie könnte ich ihn dazu bewegen mal etwas neues zu probieren?
      Er mag auch gern salziges und Gummibärchen. Was er nicht mag ist schokolade.
      Er ist sehr nonverbal, eine Frage antwort Spiel ist nicht möglich.
      Ich hatte schon überlegt ihm nur das hin zu stellen, was ich gekocht habe. Aber dann ist es so, er hungert lieber, als dass dann zu essen...

      • Hallo,

        Also unsere beiden Autisten haben auch so ihre Einschränkungen beim Essen. Gerade der Große isst auch nur sehr wenig gesunde Sachen. Früher haben wir auch versucht, ihm andere Sachen vorzusetzen. Aber wie Du schon sagst: Dann essen sie lieber gar nichts.

        Für ein paar Vitamine bekommt er seit einiger Zeit Sanostol zuckerfrei. Da er auch oft psychosomatische Beschwerden hat, hab ich ihm gesagt, dass es eine besondere Medizin ist. Ist nicht viel, aber besser als nix.

        Ansonsten haben beide eine Bentobox für die Schule, wo ich immer wieder Obst oder Gemüse in verschiedenen Formen einpacke. Manchmal nimmt er etwas davon und probiert wenigstens. Aber im großen und ganzen lassen wir sie essen, was sie mögen. Es würde sie nur unnötig stressen und aufregen, wenn ich da jetzt anfange zu verbieten.

        Der Große braucht es zum Beispiel auch als Gefühl der Kontrolle, sich abends ein Toast mit Ketchup zu machen. Also isst er oftmals ein wenig bei uns mit und dann steht er auf und macht sich sein Brot.

        Liebe Grüße

        Sabine

        • Ja wenn meiner wenigstens probieren würde.. Nix zu machen...
          Ich denke mir immer... Es gibt so lecker Sachen die er verpasst. Aber ich muss mich wohl damit abfinden, dass er einfach nicht mal probieren will... Vielleicht kommt das Interesse ingendwann mal.

      Ist er soweit gesund?

      So lange da alles ok ist, würde ich keinen großen Aufstand machen.

      Auch als nicht-Autist (dafür mit ADHS) habe ich früher oft phasenweise nur das gleiche gegessen.
      1. ich brauchte die Verlässlichkeit und Regelmäßigkeit
      2. wurde beim Thema Essen viel Bohai drum gemacht. Probier hier, probier da, das ist ja sooooo gesund. :-(
      Ständig Angst ich würde verhungern und so. Dabei war ich gesund.

      Komplett nur noch so kochen würde ich aber auch nicht.

      Eher so machen: er darf essen, was er braucht und isst.
      (Kinderarzt im Hintergrund, damit frühzeitig erkannt wird, falls Änderungen medizinisch notwendig werden müssten)
      und immer wieder anbieten. Ohne großes Thema. Selbst auch mal was anderes essen. Schalen hinstellen, wo sich jeder was nehmen darf.

      Keine großen Kommentare über Gesundheit, lecker oder sonstiges. Nur hinstellen und sagen, dass sich jeder bedienen darf.

      Vielleicht auch mal etwas unauffälliges mit auf den Teller legen. Vorausgesetzt, er lässt im Zweifel nur das Mini-Stück liegen und vorausgesetzt, er lässt dann nicht den kompletten Tellerinhalt stehen.
      Wenn würde ich da immer nur einzelne Komponenten ändern oder mal ersetzen.

      So dass die Abwechslung nicht alles auf einmal ist.

      Das hängt denke ich auch von der Ausprägung in dem jeweiligen Bereich ab.
      Freunde haben Asperger Autismus. Sie haben gelernt mit Veränderungen umzugehen, weil ihnen Veränderungen angeboten wurden. Aber (ähnlich wie ich) brauchen sie für jede Veränderung eine Vorlaufzeit. Alles auf einmal: Verweigerung oder schwierig. So dass mehr als 75% erkennbar gleich bleiben, dann gehen auch 1-50% Veränderung. Je nach Bereich und Erwartungshaltung und plausibler logischer erklärbarer Notwendigkeit.

      • Er ist soweit gesund.
        Organisch und körperlich.
        Verstehen tut er den Unterschied zwischen gesund und nicht eh nicht. Das macht kein Unterschied wenn ich das sagen würde.
        Er ist ja kein Asperger.. Er ist Kanner.
        Ich denke mir nur immer... Wenn er wenigstens mal probieren würde..
        Aber nicht mal wenn ich etwas auf seinen Teller legen würde, dann lässt er es liegen, weil er kennt es nicht... Also wird es auch nicht gegessen.
        Naja werde es wohl hinnehmen müssen. Vielleicht ändert es sich irgendwann mal.

        • aus deiner Sicht (Muttersicht/nicht autistischen Sicht) kann ich dich voll verstehen. Auch die Frage warum denn nicht...

          andererseits war ich selbst als Kind sehr extrem. Nicht ganz so, aber schon mit autistischen Anwandlungen. Was ich nicht kannte, machte ich nicht. Je mehr Druck oder Erwartung oder "warum machst du nicht durch Augenrollen" brachte, desto mehr verweigerte ich. Über Monate, über Jahre.
          Allerdings bin ich durch das ADHS noch sehr viel anfälliger für Augenrollen in der Stimmung (das wiederum bekommen meine Freunde mit Asperger so gar nicht mit).

          Zu der Autistischen Form deines Kindes kenne ich mich nicht aus.

          Gibt es bei euch Selbsthilfegruppen oder Austauschgruppen? Einfach um mit anderen darüber reden zu können, die ähnliches kennen? Wie es ihnen damit ging usw.?

          • Ich habe in einer Autismus Klinik mit dem Chefarzt schon gesprochen. Er sagte Stoffwechsel ect... Er hätte bei einem jungen durch Ernährungs Umstellung erreicht, dass er sich komplett verändert hat, zum positiven. Das würde meiner nicht mit machen. Weiß ich auch... Ich teste und biete ihm einfach immer wieder was anderes mit an. Vielleicht kommt ja doch noch das ein oder andere hinzu

    Ich habe hier 2 Frühkindliche Autisten, jedoch nur einer davon ist Kanner Autist (der andere ist HFA) und mein kleiner Kanner Autist hat ein ernstes Essproblem. Mein Großer hingegen isst alles und kennt da keine Grenzen. Er "überfuttert" sich eher bis zum erbrechen. Aber das ist wohl ein anderes autistisches Problemchen.
    Mein Jüngster (10,5 Jahre) tja... er hat die offizielle Diagnose "Ess- und Fütterstörung". Das geht bei ihm leider bis zur krankhaften Veränderung des Blutbildes und den danach folgenden stationären Aufenthalten zur Esstherapie.
    Solange aber ein Kind von allem etwas isst (Getreide, Obst/Gemüse, Tierprodukte), passiert absolut nichts. Es ist absolut nicht notwendig, dass ein Kind 10 verschiedene Varianten von Obst und 10 von Gemüse,... isst.
    Es wäre gut, wenn das Kind Wasser trinkt.

    • Ach ja...
      Bei uns gibt es eine Regel, er muss nicht alles mögen, aber er muss es wenigstens mal probieren.
      Selbstverständlich gibt es so eine Kostprobe im echten Miniformat und dann echt autistisch eben gänzlich ohne "Verunreinigungen" (Sauce, o.ä.) serviert.

      Sowieso eine absolute Regel: Alles muss absolut rein sein und voneinander getrennt werden. Suppen vorher also nochmal durchs Sieb geben oder in den Mixer.

      Mein Sohn isst auch Dinge die nicht essbar sind. Also so ganz grundlos ist die durchgehende 1:1 Betreuung nicht. In der damaligen Pflegestufe hat uns allein die Essproblematik immer genug Minuten gebracht um locker auf PS1 zu kommen.

      • (10) 13.07.18 - 20:40

        Mein Sohn versteht es aber nicht. Wenn ich sage probier mal...
        Das kommt bei ihm im Gehirn nicht an. Weiß nicht wie ich mich ausdrücken soll.
        Soßen gehen auch überhaupt nicht. Ist auch nicht schlimm... Muss er nicht mögen. Naja ich werde einfach dran bleiben und ihm doch ab und an was anbieten... Vielleicht mag er das ein oder andere ja doch

        • (11) 14.07.18 - 16:18

          Naja, es hat bei mir auch ein paar Jährchen gedauert, bis der Kleine verstanden hat, dass ich erwarte, dass er kosten soll, dass er danach aber entscheiden darf.
          Kann dein Kind den schon zwischen 2 oder mehr Dingen etwas bewusst auswählen?
          Oder vielleicht klappt es ja, dass er etwas probieren MUSS, bevor er eine Lieblingstatigkeit machen kann oder eine spezielle Lieblingsspeise bekommt.
          Und dann natürlich bei uns auf Minimalsprache:
          Erst ...
          Dann ....

Vermutlich hungert er nicht mal, wenn er nichts isst. Extrem viele Autisten kennen kein Hungergefühl. Entweder es steht was da, was sie mögen, oder sie essen eben nicht.
Ehrlich gesagt eine Eigenschaft die ich liebe. Da kann nämlich jeder nichtautistische Mensch gleich mal einpacken mit Machtdemonstrationen und Zwang. Aber diese "Macke" kostet Kraft, Nerven, Zuversicht.
Ich hatte das extreme Glück, dass meine 5 Autisten alle entweder Asperger oder frühkindliche sind plus hochbegabt. Ändert aber nichts daran, dass zumindest die ersten 7 Lebensjahre argumentativ wenig zu erzielen war.
Dein Sohn hat meiner Meinung nach für einen 7jährigen eine ziemlich schöne Palette von Dingen welche er mag, da kenne ich wesentlich schlimmeres, so viele unterschiedliche Speisen mochte ich als 7 jährige definitiv nicht....
Mit Vitaminen/Mineralstoffen wirst du es vermutlich über Nahrungsergänzung probieren müssen. Er mag Gummibärchen? Kauf mal sämtliche Vitamingummibärchen die es gibt oder frag nach Warenmustern in Apotheken. Mit etwas Glück findet er eine der Sorten lecker. Dann wäre ein Problem behoben.
Kauf Nuggets und Fischstäbchen von bester Qualität, damit der Panadeanteil etwas geringer ist, der Eiweissanteil höher.
Püree: versuche stets ein frisches rohes Eigelb darin zu verarbeiten, oder Sahne, bzw. rühr es mit Milch statt Wasser an.
Versuch ob er diese Minibananen isst, oder zumindest die Biobananen, die sind gehaltvoller als die Supermarktdinger.
Was trinkt er gerne? Auch da lässt sich oft die Vitaminzufuhr steuern.

Gibt es gerade viele Umbrüche in seinem/eurem Leben? Einschulung usw.? Autisten neigen dazu ihr Spektrum zu verkleinern, wenn sie Umbrüche im Leben haben, wenn sie überfordert sind. Dies geschieht instinktiv, und zeigt sich häufig beim Essen (ist sogar bei meinem Mann mit 50 Jahren noch so, bei einer neuen Arbeitsstelle, während seinem Zweitstudium usw.)

  • Diese "Machtdemonstration" des Nichtessens hat uns mehrfach ins Krankenhaus gebracht. Einmal davon sogar eine totale Stoffwechselentgleisung und Koma. Die süßen Autisten übertreiben es manchmal auch einfach...und am Anfang ist man so gar nicht darauf eingestellt.

    • Vermutlich war ich darauf eingestellt, einfach weil ich als Kind immer ungefähr so viele unterschiedliche Dinge mochte wie ich Lebensjahre hatte. Bei mir stand auch immer wieder künstliche Ernährung zur Diskussion, meine Eltern zogen es aber vor mir notfalls um 3 Uhr morgens ein Entrecote zu machen wenn ich genau dann Lust darauf hatte.
      Ich empfand das Nahrungsmittelspektrum meiner Kinder immer "ganz nett" damit kann man arbeiten. Zudem war ich mir sicher, dass sich das von alleine ergibt wenn sie gross werden. War ja bei mir auch so. Sprich, ich empfand das für andere "Abnormale" als Normalität.

      Als Ergänzung hatte ich meinen Mann, der wurde als frühkindlicher Autist auf die damals klassische Art "ernährt", mit Zwang, inklusive "alles probieren" oder solange sitzen/keine Nachspeise "bis aufgegessen" ist, bis zum Erbrechen, Machtdemonstration, Schlägen, künstlicher Ernährung.
      Mit seinem Vater hatte er unter anderem deshalb keinen Kontakt mehr.
      Er hielt mir absolut die Stange, dass es keiner wagte unseren Kindern etwas aufzuzwingen. Weder in der Schule beim Mittagstisch noch sonst wo.

      Jetzt als Teenager/junge Erwachsene, hat jedes der Kinder eine riesige Experimentierfreude rund ums Essen, alle können sehr gut bis herausragend kochen, internationale Küche und die Welt der Gewürze gehören bei 3 von 5 zum Spezialinteresse....und ich freue mich enorm an ihnen, das war jede Mühe wert. Natürlich bestehen bei uns Familienmahlzeiten immer noch aus 2-4 unterschiedlichen Menüs, aber was solls, ist wie jeden Tag Buffet, und es kochen ja alle Anwesenden mit.

      • Ich hätte mich gefreut, wenn mein Sohn wenigstens soviel Lebensmittel gegessen hätte (oder essen würde), wie er Lebensjahre hat. Das klappte nur im ersten Jahr - Milch. Nur leider erweiterte sich der Speiseplan bis zum 4. Geburtstag so rein gar nicht. Schon zum 3. Geburtstag schlugen die Ärzte Alarm, aber die Krankenkasse weigerte sich die Esstherapie zu zahlen - erst als die Sonde unausweichlich schien wurde plötzlich die stationäre Esstherapie genehmigt. Positives Ergebnis nach all den Wochen: Nudeln, Fleisch, Brot mit Nutella. Die Milch wurde reduziert und stilles Wasser stattdessen eingeführt.
        Heute, 6 Jahre später, isst er nicht viel mehr. Reis ist dazugekommen, Aprikosenmarmelade und Fisch. Wir zwingen ihn zu nichts. Manchmal überrascht er uns und probiert von alleine. Er liebt den Kakao von der Eisschokolade aus dem Eiscafé...aber natürlich unverfälscht. Also bekommt der große Bruder eine Eisschokolade und er eine Eisschokolade ohne Eis und ohne Schlagsahne ... der Blick von neuen Kellnern ist Gold wert.

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