Sba und Pflegrad bei Kind. Wer kennt sich aus?

    • (1) 25.08.18 - 18:45

      Hallo
      Mein siebenjähriger Sohn hat Asperger Autismus.
      Mit der Diagnose leben wir jetzt seit 2 Jahren eigentlich ganz gut und nun denke ich ein paar Schritte weiter.
      Wenn ich einen Behinderten Ausweis für ihn beantrage, gibt es dann irgendwann oder irgendwo Nachteile für ihn. Ist er zum Beispiel verpflichtet, diesen irgendwo vorzulegen ( Schule, Ausbildung) oder können wir das selbst entscheiden?
      Ist es richtig, dass er sich im erwachsenen Alter selbst entscheiden kann, ob er einen solchen Ausweis weiter behalten will oder nicht?
      Dasselbe gilt für die Beantragung eines Pflegegrades. Wer muss, abgesehen von der Krankenkasse davon erfahren?
      Ich will keine Nachteile für ihn.
      Ihr seht Fragen über Fragen. Ich wäre froh, wenn jemand Licht ins Dunkel bringen kann.
      Viele Grüße
      Happynine

      • (2) 25.08.18 - 20:47

        Hi happynine, also ich würde es an deiner Stelle auf jeden Fall mal beantragen.

        SBA: Nein du hast keinerlei Nachteile, sondern Nachteilsausgleiche und du musst ihn auch nirgends herzeigen wenn du das nicht möchtest.

        Du legst ihn dann vor, wenn er dir einen Nachteilsausgleich bringt, z.B. beim Eintritt in den Zoo. Je nach Merkzeichen gäbe es z.B. Wertmarke für den ÖPNV oder Prozente beim Neuwagenkauf and so on.
        Steuerlicher Nachteilsausgleich kann auch schon was ausmachen, wir erhielten einiges zurück durch den SBA.
        Der SBA wird in der Regel nur befristet ausgestellt. Klar gibt es Fälle, welche ihn unbefristet bekommen. Bei deinem Kind weiß ich es nicht, aber ich kann mir vorstellen, dass man ihn bei euch auch befristet ausstellt (Autismus und SBA kenne ich mich nicht aus, aber da gibt es noch einige User hier mit autistischen Kindern. Autismus ist ja aber selten eine Einzeldiagnose, oft kommt da noch das ein oder andere hinzu).
        Befristet heißt: Nach Ablauf liegt es bei dir, ihn auslaufen zu lassen und darauf zu verzichten oder aber erneut zu beantragen bzw. Verlängerung.

        Pflegegrad: Beim PG bist du auch nicht verpflichtet es an die große Glocke zu hängen. Aber insbesondere bei Versicherungen kann der Pflegegrad ( ab PG 3 kann es schwierig werden) eine Rolle spielen. Wir hatten zum Beispiel eine Unfallversicherung für unsere Kinder und durch den PG flogen sie dann raus und bisher haben wir noch keine Versicherung gefunden, welche hier unfallversichert.

        Allerdings haben Kinder mit PG des Öfteren besonderen Förder-/Unterstützungsbedarf bedarf und das wiederrum kann auch in der Schule der Fall und hierfür relevant sein.

        Beides bringt dir sicherlich mehr Vorteile als Nachteile, ab PG 2 würdet ihr auch montliches Pflegegeld erhalten.

        Pflegegrad wird in der Regel auch nur befristet bewilligt und regelmäßig (z.B. alle 2 Jahre) durch den MDK (gesetzlich Versicherte)/MedicProof (bei privat Versicherte - so viel ich weiß) überprüft.

        Zitat: "Ist es richtig, dass er sich im erwachsenen Alter selbst entscheiden kann, ob er einen solchen Ausweis weiter behalten will oder nicht?"

        Den SBA kannst du meines Wissens immer zurückgeben. Du kannst ihn (bei Befristung) aber auch einfach auslaufen lassen und keinen Antrag nach Ablauf stellen.
        Den SBA drückt dir niemand auf und da rennt dir auch keiner hinter. Es ist einfach ein Dokument, ein Ausweis, der dir Vorteile aufgrund deiner gesellschaftlichen Nachteile bzgl Teilhabe bringen soll - nicht mehr und nicht weniger.

        Liebe Grüße, Snow

      Es behindert die Behinderung und nicht der Ausweis oder der Pflegegrad.

      Üblicherweise ist es eigentlich so, dass eine Behinderung wie Autismus mit zunehmenden Alter auch immer deutlichere Ausprägungen bekommt. Je jünger man ist, desto gesünder sieht man noch aus. Aber mit zunehmenden Alter fahren sich die Ticks ein, die Sprache wird immer ausgefallener, die Rituale werden immer öfter verlangt,...
      Der Ausweis für ein Kind ist noch relativ hoch ausgestellt. Mit zunehmenden Alter versucht das Versorgungsamt da zu streichen. Ich würde den Ausweis definitiv beantragen. Es geht hier auch um die spätere frühzeitige Rente. Ob ein Autist mal auf dem 1. Arbeitsmarkt unterkommt, ist auch immer nicht sicher. Da hilft ein Ausweis. Die Eingliederungshilfe vom Arbeitsamt bekommt man so schneller. Das "normale" Arbeitsamt ist da garnicht zuständig. Abgesehen davon gibt es natürlich steuerliche Ermäßigungen und je nach Merkzeichen auch noch im alltäglichen Leben verschiedene Vergünstigungen bei Eintritten oder kostenlose Öffis,... Man MUSS den Ausweis bei bestimmten Dingen angeben. So einige offizielle Stellen wollen das sehen, dann noch Versicherungen außerdem kann man bestimmte Berufe mit Ausweis (oder Behinderung) vollkommen vergessen. Da hängt es aber weniger am Ausweis als an der Behinderung.
      Könnte auch sein, dass man Probleme hat, einen Führerschein zu machen bzw. vorher eine extra Untersuchung ablegen muss.
      Der Pflegegrad...das erfährt die Schule, die Teilhabeassistenz, das Jugendamt, das Gesundheitsamt, das Versorgungsamt, die Krankenkasse (Wieso? Nein, eigentlich wüsste ich nicht warum), die Pflegekasse, der MdK/MEDICPROOF, der Kinderarzt,...

      • Auch die Danke für die Antwort

        (6) 28.08.18 - 09:18

        Hi Kathi'darf ich dich fragen wieso die Schule, das Jugendamt und das Gesundheitsamt vom PG (klang für mich zwangsläufig) erfährt?
        Hängt das nicht davon ab, welche Behinderungen bei Autismus zutreffen und ob überhaupt Eingliederungshilfebedarf besteht?

        Unsere Kinder sind ja nicht autistisch, daner frage ich - interessehalber. Unser Schulkind erhält bis dato noch keine Eingliederungshilfe und die Schule weiß weder von dem SBA, noch von dem PG. Uns wurde in einer Beratungsstelle vom SPZ gesagt, dass es unsere Entscheidung wäre, ob wir der Schule davon berichten. Mit dem Jugendamt haben wir gar nichts zu schaffen, weil keine seelische Behinderung vorliegt.

        Bei der Rentenversicherung habe ich z.B. Auskunft erteilt, weil die Rentenversicherungsbeiträge für mich als Pflegeperson aufgrund der Höhe der Pflegestunden übernommen werden. Versicherungen: klar, das musste leider sein.

        Versorgungsamt weiß natürlich vom SBA, weil sie ihn geprüft/beurteilt haben.
        MDK weiß natürlich um den PG, weil sie geprüft/beurteilt haben.

        MDK weißbei uns um den SBA, weil wir zuerst den SBA beantragt hatten - dieser also im Vorfeld vorhanden war. Hätte ich jedoch noch keinen SBA für meine Kinder gehabt,hätte ich den GdB nicht extra dort melden müssen.

        Der Schule gebe ich dann GdB und den PG bekannt, wenn es für uns relevant wird bzgl Nachteilsausgleiche/Eingliederungshilfe usw.

        Ich kenne einen Asperger der das Gym besucht und keine Teilhabeassistenz hat, keine Eingliederungshilfe "benötigt".

        Das war der Sohn einer Arbeitskollegin, allerdings liegt das schon eine Zeit zurück.

        Hängt es aber nicht auch bei ASS davon ab, welche Behinderungen vorliegen? Seelisch, körperlich, geistig..? Also ob das Jugendamt oder das Sozialamt zuständig ist bzgl Eingliederungshilfe? Und wenn kein Eingliederungshilfebedarf besteht, dann musst du es dort doch auch nicht "melden" oder?

        Das du es angeben musst bei Antragstellung ist ja klar, weil es die zuständigen Ämter zur Überprüfung, Bewilligung und Kostenübernahme sind oder?

        Sorry die Fragen, aber irgendwie verstehe ich das jetzt nicht.

        LG Snow

        • (7) 29.08.18 - 20:31

          Hallo,
          tja, irgendwie hängt immer das eine vom anderen ab. Ich kann nicht einen Pflegegrad und einen SCHWERbehindertenausweis wollen und dann im Grunde gar nicht so schwer betroffen sein, super gut inkludiert und überhaupt keine Probleme haben. Die Nachteile müssen schon vorhanden und sichtbar sein.
          Wo ich mir das letzte mal die versorgungsmedizinischen Richtlinien angeschaut habe, gibt es überhaupt erst einen GdB von 50 und damit einen SCHWERbehindertenausweis, wenn man nachweist, dass das Kind in der realen Welt nicht klarkommt und dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen ist, z.B. durch eine Teilhabeassistenz in der Schule - das Merkzeichen H wird damit auch genehmigt.

          Das Jugendamt habe ich nur erwähnt weil das Kind der TE Asperger Autismus hat und damit ist zwangsweise das Jugendamt mit im Boot. Es geht hier nicht mal unbedingt um eine Teilhabeassistenz - vielleicht kann man die ja ausnahmsweise bei dem Kind umgehen, aber früher oder später kommt die Autismustherapie und die zahlt das Jugendamt für Aspies. Tja, und sobald die Eingliederungshilfe etwas leistet oder leisten soll, prüft natürlich das Gesundheitsamt. Und "zu wenig" machen würde ich mir bei einem Kind mit Zuständigkeit Jugendamt nicht erlauben, ohne Panikmache...aber das kann schnell einen Sorgerechtsentzug nach sich ziehen. Und das Kind besucht ja zwangsweise die Schule. Die Lehrer sehen ja das Kind. Das Jugendamt ist Dauergast in einer Schule. Das ist vollkommen normal. Meine furchtbarste Sachbearbeiterin vom Jugendamt wollte mir schon vorschreiben, welche Ärzte, Therapeuten und Krankenhäuser ich mit meinem Sohn zu besuchen habe - die, die ich ausgesucht hatte, zufällig das größte Krankenhaus mit einem sehr renommierten Forschungszweig im Bereich Autismus, passte der Dame gar nicht. Die Tatsache, dass mein Sohn die Personen dort seit Jahren kannte, zählte auch nicht.
          Ob ein Kind eine Teilhabeassistenz hat oder nicht, heißt nicht, dass es keine Eingliederungshilfe benötigt. Eingliederungshilfe ist viel mehr als nur Teilhabeassistenz.

          • (8) 29.08.18 - 20:55

            Also das mit dem JA klingt furchtbar und ich bin echt froh, dass das JA bei keinem meiner Kinder zuständig ist.
            Aber den ersten Absatz finde ich zu persönlich vorbelastet deinerseits.
            Den SBA und PG haben sehr wohl auch Kinder ohne Eingliederungshilfe, das ist nicht immer zwangsläufig so.
            Wäre es anders, dann wäre ohne beides voneinander abhängig - das ist es aber nicht. Und bei Asperger gibt es auch so unterschiedliche Ausprägungen (Stärken und Schwächen), da kann man doch schon mal gleich gar nichts pauschalisieren und nicht jeder Aspi ist gleich ein Worst Case Fall.

            Und ich fühle mich von dir auch etwas persönlich angegangen. Mein Kind hat PG und SBA und (noch) keine Eingliederungshilfe und jetzt?
            Er hat sogar PG III erhalten und dennoch (noch) keine Eingliederungshilfe. Was die Zukunft bringt weiß ich nicht, vermutlich läuft es darauf hinaus - vllt aber auch nicht? Wir werden es jetzt in Klasse 3 sehen. Die 2. Klasse hatte er jetzt besser als erwartet absolviert, er hatte aber auch den besten Lehrer den man sich wünschen kann.

            Ich habe sicherlich nichts dagegen Eingliederungshilfe zu beantragen (hat sein kleiner Bruder auch!), aber ich entscheide das gemeinsam mit der Schule und seinen Ärzten und bisher möchte man ihm Zeit geben.

            Mich ärgert das echt ein wenig. Ich verstehe das man seine eigenen Erfahrungen wiedrespiegelt, klar. Aber es klang für mich schon sehr anklagend. Maybe meine eigene Empfindsamkeit, gut möglich. Aber den SBA hat er auch mit H und das ist auch richtig so.

            Schönen Abend noch und liebe Grüße

            • (9) 30.08.18 - 10:20

              Ich habe 2 Jungs - beide Autisten. Beim Älteren ist das Jugendamt zuständig, weil er keine geistige Beeinträchtigung hat. Beim Jüngeren ist das Sozialamt zuständig, weil er zum einen noch eine geistige Behinderung hat und außerdem auch noch weitere Behinderungen.
              Ich kenne die Vorgehensweise beider Ämter. Mein Ältester hatte sogar die Vorschulklasse ohne Leistungen der Eingliederungshilfe geschafft, da es eine Förderschule war.

              Nochmal:
              Ich greife dich nicht an. Ich habe nur auf die TE(!) geantwortet und deren Kind ist Autist und zwar Asperger Autist. Damit gehen ganz automatisch einige Dinge einher. Ein Aspie kann man nicht mit einem Kind mit Epilepsie vergleichen. Ein Aspie braucht auch nicht zwangsweise eine THA (ich will nur nicht in den Schuhen der Eltern stecken, falls dann etwas passiert), aber ein Aspie wird, wie auch jedes andere Kind, zwangsweise älter. Die Leistungen der Eingliederungshilfe umfassen nicht nur die Teilhabeassistenz, sie gehen viel weiter. Zwingend notwendige Therapien und Behandlungen für einen Autisten werden von der Krankenkasse in Deutschland nicht bezahlt. Das muss bei dem Jugendamt (Aspies) beantragt werden. Die Zahlen die Kosten dann auch.
              Ein Autist hat bekanntlicherweise so seine Probleme mit dem Sozialleben und Gefühlen. Kannst du dir vorstellen was das bedeutet in der Pubertät? Die Kinder benehmen sich auf eine Art und Weise, die von Gesunden als unverschämt und unangenehm empfunden wird. Da kommt man nur mit einem guten Therapeuten gegen an. Die Kinder haben ja eine ganz andere Wahrnehmung. In ihrer Sichtweise machen sie gar nichts böses. Ohne Leistungen der Eingliederungshilfe klappt da nix.

              Also...wenn du magst, rede ich mit dir auch über meine Erfahrungen mit dem Sozialamt. Die waren übrigens durchweg positiv. Nur Aspies, also eben das Kind der TE, landen nun mal im Jugendamt. Und Jugendamtmitarbeiter haben so ihre Probleme mit dem Auseinanderhalten von Wächterfunktion und Eingliederungshilfe.

              • (10) 30.08.18 - 13:12

                Naja, so ganz stimmt das nich, denn du hattest sehr wohl MIR geantwortet - aber gut, du meintest speziell Autismus, aber das habe ich nicht herausgelesen. Ich weiß gar nicht wie häufig "reine ASS" ist, ohne irgendwelche anderen Behinderungen/Problemen/Einschränkungen - kleinerer oder größerer Natur.

                Ich hatte nur hier gelesen

                https://autismus-kultur.de/autismus/recht/eingliederungshilfe-fuer-autistische-kinder-und-jugendliche.html

                und dich deswegen gefragt, bzgl Zuständigkeit. Mir ging es scglocht und ergreifend um pauschale Formulierungen in 2 Antworten.
                Das erste war: wer alles davon erfährt, das hatte für mich nach "Zwangsläufigkeit" geklungen und das zweite war deine Antwort an mich, mit dem teilweise in Großbuchstaben getippten Satz bzgl Eingliederunghilfe und dem >Wunsch" eine. PG und einen SBA für sein Kind zu erhalten.

                Nicht mehr und nicht weniger. Die Graduierungen die du mit Definition geschickt hast (Danke übrigens dafür), sind ja tatsächlich sehr grob gefasst.
                Ich habe aber tasächlich noch nie gehört, das ein ASS Kind mit einem GdB von 50 auomatisch Eingliederungshilfe bedarf. Es gibt doch auch ASS Kinder welche ASS Leichter ausgeprägt haben, aber aufgrund von anderen Nebeneinschränkungen dennoch höher graduiert werden, nicht? Wir wissen ja nicht welche Schwerpunkte das Kind der TE noch haben könnte, welche Sinne z.B. miteinbeträchtigt sind.

                Aber ich habe verstanden: hat ein ASS Kind rein aufgrund der Ausprägung seiner ASS einen GdB von 50, macht es nunmal aufgrund der Schwere der Störung eine Schulassistenz/EH grundsätzlich durchaus erforderlich.

                Aber das mit dem PG verstehe ich dennoch nicht. Ein PG sagt darüber m.E. weniger aus, zumindest wenn der PG nicht zu hoch ist.


                PG beinhaltet ja auch die Nächte, speziell das häusliche Umfeld, pflegerosche Maßnahmen die in der Schule gar nicht stattfinden usw.

                LG

                • (11) 30.08.18 - 19:08

                  Da hast du natürlich recht. Nur wenn ein kleiner Aspie einen GdB von 70 hat und auf ASS entfallen da nur 30% (ja, ich weiß Prozent ist falsch...nur ohne ist es so blöd) #schein, hat er noch eine ganz gravierende andere Behinderung, die mindestens mit eine, GdB von 60 oder 70 bewertet wurde. Addiert werden die GdB-Punkte ja nicht. Meistens zählt nur der GdB der schwerwiegendsten Behinderung. Bei unserem "Beispielaspie" ist das dann eben definitiv nicht der Autismus. In dem Fall wäre auch das Jugendamt nicht mehr zuständig, sofern die zusätzliche Behinderung nicht eine seelische ist. ASS ist hier die untergeordnete Behinderung und man kann sogar davon ausgehen, dass das Kind ohne jegliche Eingliederungshilfe für den Autismus klargekommen wäre.

                  (12) 30.08.18 - 19:44

                  Der Antrag auf Eingliederungshilfe ist hier ungefähr 7 DIN A4 Seiten lang. Dazu kommen noch Anlagen mit selbstverfassten Begründungen (welche Hilfen sind notwendig, welche Behinderungen sind diagnostiziert, die diese Hilfen notwendig machen, wie benimmt sich das Kind im Alltag und wo hat es Probleme und Stärken, wie war die Entwicklung im letzten Jahr und wie hat sich die Entwicklung durch die genehmigten Hilfen verbessert/verschlechtert (meistens hat man das ja jahrelang) und natürlich fachärztliche und therapeutische Berichte.
                  In diesem Antrag gibt es ganz klar auch die Frage:
                  Hat die Person einen SBA?
                  Hat die Person einen Pflegegrad? Wenn ja, welchen?
                  Irgendwelche Punkte nicht zu beantworten führt zu einem ablehnenden Bescheid.

                  Das Versorgungsamt erhält von mir grundsätzlich das komplette Gutachten des MdK - das ist ein unabhängiger Gutachter, der sehr geachtet ist überall. Die Dinge, die im Gutachten stehen, habe ich gesagt bzw. hat der Gutachter gesehen und die Stimmen auch (sonst wäre ich ja in Widerspruch gegangen). Das Gutachten ist sehr hilfreich um die Defizite des Kindes zu beschreiben.

                  Eigentlich beinhaltet der PG mehr die Fähigkeiten oder Nicht-Fähigkeiten des Pflegebedürftigen. Es geht ausschließlich um die Stufen der Selbstständigkeit, die dem Betreffenden in jedem einzelnen Unterpunkt noch verblieben ist. Der PG schaut nur auf den Pflegebedürftigen selbst und nicht wo er seinen Alltag verbringt. Das wird erst relevant bei der Wahl der Leistung (Pflegegeld/Kombipflege/Pflegeheim...).

                  Ich habe vor 10 Jahren den SBA für meine Jungs beantragt. Sie waren eine der ersten die unter die neue Regelung fielen, dass sie nicht mehr die pauschalen 100 BGH bekamen für die Autismusdiagnose. Vor über 10 Jahren war das nämlich anders. Allerdings...wenn ich ehrlich bin (auch wenn ich darunter selbst leide) finde ich es so gerechter. Meine Jungs sind schon sehr extrem unterschiedlich stark betroffen. Das sollte sich auch im SBA widerspiegeln.

                  • (13) 30.08.18 - 20:05

                    Hi Kati, lieben Dank für deine Ausführungen. Dieses ganze Prozedere bei Autismus klingt echt nach einer Tortur für die Eltern betroffener Kinder.

                    Also meine Kinder mit jeweils PGIII haben durchaus die meisten Punkte aufgrund der häuslichen Pflege bekommen, Dinge die in der Schule i.d.R. wegfallen. Aber halt auch kein Autismus.

                    Liebe Grüße

                    (14) 14.09.18 - 20:58

                    Hi Kati, ich hatte explizit diese Antwort von dir übersehen. Sorry dafür. Danke für deine Ausführungen.
                    Ich war jetzt eher zufällig auf diese Antwort gestoßen, weil ich dich etwas Off topic fragen wollte und ich nicht wusste ob ich dich persönlich anschreiben darf.

                    Ich frage jetzt hier einfach mal und wenn du nicht antworten magst, verstehe ich das natürlich.

                    Also es geht um einen Fall im Bekanntenkreis der Familie mit einem Erwachsenen Asperger Sohn.
                    Die Familie hatte vor vielen vielen Jahren die Diagnose erhalten, als der Sohn noch ein Kind war. Seit der Diagnosenstellung waren sie bei keinem Arzt mehr, keinem Therapeuten mehr.

                    Der Sohn hat ohne Unterstützungen die Realschule geschafft, aber er hat große Probleme um sozialen Bereich.
                    Die Eltern fürchten, dass er nie eine Ausbildungsstelle und Arbeit finden wird.
                    Sie hatten niemals irgendetwas beantragt und sind der Meinung dass es eh keine Unterstützung geben würde.

                    Er ist jetzt 24 Jahre alt und die Schule schaffte er zwar, aber da er noch nicht lange fertig ist damit, nehme ich an: mit ein paar "Ehrenrunden" und Umwegen.

                    Die Eltern haben auch Angst, das der zukünftige Arbeitgeber von diversen Hilfen wie PG und Co erfahren könnte und es ihm alle Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbauen könnten.

                    Wie sieht es denn mit 24 Jahren aus? Ist dort auch auch noch das JA zuständig? Was würdest du der Familie raten?
                    Was für Hilfen gäbe es und mit welchen Auswirkungen wäre zu rechnen?

                    Liebe Grüße Snow

                    • (15) 14.09.18 - 20:59

                      Oh ich hatte sie wohl doch gesehen aber offensichtlich zu schnell geantwortet und vergessen zu Ende zu lesen *peinlich sorry

                      (16) 14.09.18 - 22:46

                      Das Problem ist nicht der PG oder der SBA, sondern die tatsächlich vorhandene Behinderung und damit die vorhandenen Einschränkungen und bei Autismus eben das Fehlverhalten gerade im sozialen Bereich.
                      Eltern MÜSSEN eine schwerwiegende, weitreichende Entscheidung treffen bei soetwas. Das ist leider vielen Eltern von gesunden Kindern nicht klar.
                      Wenn ein Kind mit 24 Jahren noch die Schule besucht, ist da etwas faul. Ich habe meinen Schulabschluss mit 16 in der Hand gehabt. Das sind also 8 Jahre extra - das fällt auch dem dümmsten Arbeitgeber im Lebenslauf auf.
                      Mit Hilfen in der Schule hätte das Kind das Ganze vielleicht in der Regelschulzeit schaffen können. Nur dafür muss man die Diagnose eben akzeptieren und auch das Kind zur Therapie anmelden. Es gibt eine spezielle Autismustherapie, die in aller Regel über 3 Jahre geht und sehr erfolgreich ist. Autisten lernen dort, was gesunden Kindern angeboren ist. Im Grunde wird also ein HF-Autist in dieser Therapie darauf vorbereitet, später selbstständig im Alltag zurechtzukommen.
                      Es kann nun gut sein, dass der Sohn tatsächlich auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht angenommen wird, aber für den zweiten Arbeitsmarkt zu gut ist. Dummerweise haben seine Eltern seine Behinderung nie irgendwie anerkennen lassen, also kann das tatsächlich für die Eltern irgendwann zum finanziellen Desaster werden. Eltern müssen ihre behinderten Kinder ggf. bis zu deren Tod unterhalten.
                      Meine Kinder sind anerkannt schwerbehindert seit ihrer Geburt bzw. seit dem 1. Lebensjahr. Falls es wirklich so kommen sollte, dass sie sich später nicht selbst unterhalten können, bekommen wir wenigstens weiter Kindergeld.
                      Der PG, der SBA und alle Hilfen machen das Kind/ den Erwachsenen nicht behindert. Die Behinderung tut das. Die Person bleibt immer die Gleiche - mit oder ohne SBA, PG,...
                      Das Leben wird aber durch SBA, PG,... enorm erleichtert.

                      (17) 14.09.18 - 22:49

                      Das Jugendamt macht zwar auch junge Erwachsene, aber die Zuständigkeit wird ab dem Erwachsenenalter an das Sozialamt übergeben. Ich würde bei dem Alter beim Sozialamt beantragen.

                      • (18) 15.09.18 - 00:11

                        Oh danke Kati für deine rasche Antwort und dafür, dass du überhaupt geantwortet hast.

                        Ich habe mir schon gedacht, dass viel verbaut worden ist. Der Tipp mit dem Sozialamt ist gut, das gebe ich so weiter.
                        Meinst du, eine nachträgliche Anerkennung seiner Behinderung könnte ihm bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz helfen?

                        Mit PG bin ich mir auch nicht sicher, denn im Grunde kann er alles selber machen. Schwerpunkt ist eben das Soziale bei ihm, der Umgang mit Menschen.

                        Diese 3-jährige Therapie: Gibt es die auch für junge Erwachene mit Asperger?

                        Ich muss dazu sagen: ich kenne die Mutter gar nicht und auch nicht den Sohn. Dieses Dilemma wurde mir nur aus der Familie herangetragen, weil ein Familienmitglied um Rat gefragt wurde und eben dieses Familienmitglied sich nun Gedanken um Möglichkeiten macht, wie man dem jungen Mann helfen könnte, was man raten könnte :-/

                        Ich danke dir auf jeden Fall wärmsten Herzens für den vielen Input von dir.

                        Alles Liebe, Snow

                        • (19) 15.09.18 - 00:15

                          Und danke auch für die Antwort weiter unten. Jetzt habe ich das vetstanden, hattest du ja eigentlich zuvor schon schön erklärt. Weiß nicht, wo ich da gedanklich gestolpert war. #herzlich

                          (20) 15.09.18 - 19:21

                          Hallo,
                          das mit der Therapie wird schwierig. Die bieten eigentlich nur KJPs an...als ob KINDER-und JUGEND Psychiatrien... Er wird einfach zu alt sein.
                          Es gibt dubiose Therapieansätze, da wäre ich sehr vorsichtig. Die Schaden dem Kind, aber die kann man sicher (gegen entsprechendes Entgelt) immer machen. Definitiv einen guten Psychiater suchen und sich immer helfen lassen. Ich habe die Notfalltelefonnummern und die Mailadressen unserer KJP und kann die jederzeit erreichen. Die reagieren auch immer und helfen sofort.

                          Eines sollte die Mutter/der Vatern wissen: wenn das Kind bisher immer irgendwie allein zurecht gekommen ist, dann wird es einfach weder einen SBA noch einen PG geben. Autismus kann man auch haben und man bekommt trotzdem weder SBA, noch PG. Man kann mit dieser Diagnose eine Familie haben und ein normales Leben leben. Es kommt immer auf die Umstände an.
                          Es ist wirklich eine sehr schwere Entscheidung, die man als Eltern treffen muss. Wir mussten das auch. Mein Mann und ich waren da auch noch unterschiedlicher Meinung...aber im Zuge der Einschulung wurde das dann eindeutig. Mein Mann hat früher den Ärzten ins Gesicht gesagt, dass die nur an seinen Kindern Geld verdienen wollen - sie seinen vollkommen gesund. Glaube mir, ich habe nette Gutachten...natürlich hat kein Arzt das auf sich sitzen lassen - stand alles im Gutachten.

                          • (21) 18.09.18 - 12:15

                            Hallo Kati, vorerst möchte ich mich entschuldigen, dass meine Antwort so spät kommt. Ich hatte vorerst abgewartet, ob sich neue Informationen ergeben, aber das tat es leider nicht.
                            Das es mit PG und SBA nicht einfach werden wird, denke ich mir auch.

                            Ich bin derzeit nebenbei am Suchen, ob es bei uns einen guten Psychiater gibt, der sich mit erwachsenen Aspergern auskennt. Gar nicht so einfach.

                            Ich gebe die Infos auf jeden Fall so weiter, du hast mir sehr hilfreichen Input gegeben.

                            Vielen Dank dafür.

                            Liebe Grüße, Snow

                  (22) 14.09.18 - 21:10

                  "habe vor 10 Jahren den SBA für meine Jungs beantragt. Sie waren eine der ersten die unter die neue Regelung fielen, dass sie nicht mehr die pauschalen 100 BGH bekamen für die Autismusdiagnose. Vor über 10 Jahren war das nämlich anders. Allerdings...wenn ich ehrlich bin (auch wenn ich darunter selbst leide) finde ich es so gerechter. Meine Jungs sind schon sehr extrem unterschiedlich stark betroffen. Das sollte sich auch im SBA widerspiegeln".

                  Heißt das, dass man früher grundsätzlich so hoch graduiert wurde?

                  Was geschah dann mit jenen GdB100 GBH nach der Änderung? Wurden Sie dann runtergraduiert?
                  Gibt es bei seelischen Behinderungen eigentlich "klassische Besserungen" denn ich dachte, das auch der SBA bei Autisten nicht (immer?) lebenslange Gültigkeit bescheinigt?

                  • (23) 14.09.18 - 22:57

                    Ja, die Autisten mit dem hohen GdB und allen Merkzeichen wurden bei der Wiederholungsbegutachtung dann heruntergestuft. Es sei denn, sie waren wirklich so schwer betroffen.

                    Es gibt grundsätzlich die „Besserung“ zum 18. Geburtstag. Da wird oftmals das Merkzeichen H aberkannt. Autisten erhalten das Merkzeichen H aufgrund ihres jungen Alters. Ist eine Ausnahmeregelung. Mit dem 18. Geburtstag wird das daher aberkannt, falls das Kind nicht doch mehrfachbehindert ist und aufgrund einer anderen Behinderung Anspruch hat.

                    Ansonsten können sich natürlich seelische Behinderungen aufgrund des Alters, Therapien oder Medikamenten verbessern. Der SBA bei Kindern wird immer alle paar Jahre kontrolliert. Das ist im Gesetz vorgeschrieben.

            (24) 08.09.18 - 20:39

            Hi du, hier muss ich auch mal mitsabbeln. Mein Sohn ist zwar kein Aspie aber Frühkindlicher/Kanner Autist. Da war früher auch das Jugendamt zuständig und was die hier alles für SCheiße gebaut haben ist unter aller Kanone! ABsprachen mit der Schule ohne die Eltern, Kind Sachen erzählt-den Eltern nicht, Hilfeplangespräche und Grundlagen einfach verändert, Scheinselbstständigkeiten gefordert (wissentlich das es verboten ist-Zitat "Selbst schuld wenn sie es machen", Integrationshilfen genehmigen und am Tag der Einschulung vor der Schule anrufen "SIE KRIEGEN DIE JETZT DOCH NICHT". ....
            Seitdem unser Autismus zu den Mehrfachbehinderungen zählt ist der Bezirk zuständig und die Sachen laufen endlich gescheit.

            Ela

            • Ich weiß :-[. Jugendamt ist wirklich zum kotz**.
              Unser aktuelles Jugendamt hat während der Sommerferien ca. 2Wochen vor Schulbeginn die I-Kraft genehmigt. Toll, habe ich mich gefreut. Seitdem warte ich auf die Genehmigung der wirtschaftlichen Jugendhilfe. Die Schule läuft seit einem Monat...

              Und dann meckern die Leute rum, weil unsere Kinder mal einen Nachteilsausgleich bekommen #heul.

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