Gefühlskalt Soldat

    • (1) 08.12.18 - 21:01

      Hey, ich bin neu hier und habe mich hier angemeldet, weil ich niemanden hab mit dem ich darüber reden kann, bzw. die mir Tipps zu diesem Thema geben können.

      Seit ca. Einem halben Jahr habe ich einen neuen Freund. Ich liebe ihn sehr und er zeigt mir auch dass er mich wirklich liebt, sonst wäre ich schon lange gegangen. Allerdings war er vor einigen Jahren soldat und im Afghanistaneinsatz. Er selbst spricht mit mir nicht darüber, was auch vollkommen ok ist. Es ist nur als hätte er wie zwei Persönlichkeit. Erst total liebevoll und zärtlich und im nächsten Moment wird er sehr gefühlskalt, kann nicht richtig meine Anhährungsversuche erwidern. Soweit ich von freunden weiß machte er damals auch eine Therapie, die laut ihm selbst nur nichts brachte. Er weiß auch selbst, dass er ab und zu „komisch“ wird und seine Freunde beschreiben ihn auch so. Er redet nicht mit mir, weil er nach vorne schauen will, aber an manchen tagen macht mich diese kälte echt fertig. Soll ich das thema Therapie nochmal ansprechen? Habt ihr tipps damit umzugehen? Soll ich ihm seine Distanz lassen oder so tun als ob nichts wäre? Meist werde ich dann ziemlich kalt zu ihm, weil ich so verletzt bin.
      Lg

      • (2) 08.12.18 - 21:48

        Hallo,


        versuch mit ihm zu reden und sag ihm wie du dich fühlst wenn er wieder so gefühlskalt ist. Mach ihm aber bitte keine Vorwürfe. Ich denke es wird alles mit seinem Afghanistan - Einsatz zusammen hängen. Das er mit dir nicht darüber reden möchte ist das eine und es ist auch verständlich. Mir kommt es aber so vor das er noch nicht bereit ist alles zu verarbeiten. Seien Aussage: "... weil er nach vorn schauen möchte " könnte auch ein Hinweis darauf sein das er es versucht zu verdrängen. Eine Therapie ist bestimmt sinnvoll. Sie wird aber nur etwas bringen wenn er auch wirklich bereit dazu ist. Du kannst ihm anbieten falls er sich zu einer Therapie entschließt ihn dabei zu unterstützen. Versuch ihn aber nicht zu einer Therapie zu drängen.

        Du solltest aber auch auf dich achten und aufpassen das dich diese Beziehung nicht irgendwann herunter zieht.

        FG blaue-Rose

        • (3) 09.12.18 - 09:03

          Vielen Dank für deine Antwort blue-rose.
          Ich habr auch das Gefühl, dass er versucht es zu verdrängen. Ich weiß nicht genau wie ich mit ihm darüber reden soll, weil er das tatsächlich direkt als Vorwurf sieht. Ich reagiere leider in diesen Momenten total unpassend, fange an zu heulen und werde richtig hysterisch :(. Hast du tipps wie ich besser damit ungehen kann? Er ist mir wirklich sehr wichtig und bis auf diese kälte ab und zu ist er wirklich perfekt und liebevoll. Woher kennst du dich damit aus?

          • (4) 09.12.18 - 10:40

            Du kannst das Thema in meinen Augen nur ganz vorsichtig ansprechen wenn es die Situation erlaubt.

            Das du in den Momenten anfängst zu weinen finde ich nicht so schlimm. Es zeigt ihm ja auch das dich die Situation belastet. Allerdings wenn du dann hysterisch wirst ist es weniger gut.
            Ich denke wenn du es schaffst in den Momenten ruhig zu bleiben würdet ihr eventuell weiter kommen und vielleicht beginnt er dann auch mit dir zu reden.

            Woher kenne ich mich damit aus? Ob ich mich wirklich damit auskenne weiß ich nicht. Ich habe aber Kontakt( schriftlich/persönlich) mit Personen die psychische Probleme haben und dabei lernt man auch sehr viel.

            • (5) 09.12.18 - 11:28

              Es nervt ihn wenn ich in dieser Situation heule. Meistens oder am schlimmsten passiert es, wenn wir schlafen gehen. Er dreht sich dann einfach weg und will seine Ruhe und wenn ihm dann egal ist, dass ich weine werde ich hysterisch und heul noch mehr weil ich es in diesem Moment nicht verstehen kann warum ihm das so egal ist. Ich sehe auch nur die Möglichkeit dass ich lerne damit umzugehen, weil ich denke nicht, dass er jemals eine zweite Therapie machen würde. Ich frag mich auch was in diesen Momenten in ihm vorgeht? Wieso er plötzlich so wird?! Naja. Vielen dank für deine Antworten, ich werde das nächste mal einfach versuchen ruhiger zu bleiben.

              • (6) 09.12.18 - 17:36

                Ich denke er kann mit der Situation nicht umgehen und dreht sich daher einfach weg. Für dich sieht es dann aus das es ihm egal ist. Ich weiß aber nicht ob es ihm wirklich egal ist oder ob er sich der Situation entziehen möchte weil er damit nicht umgehen kann.

                Das günstigste ist wenn ihr es schafft darüber zu reden. Ich würde es aber nicht in der Situation machen da ihr euch beide in dem Moment in einem " Ausnahmezustand" befindet. In meinen Augen ist es günstiger das Gespräch zu suchen wenn die Situation entpant ist.

                Snowdrops, hat auch einen sehr guten Rat gegeben. Eine Selbsthilfegruppe kann dir helfen ihn besser zu verstehen und auch helfen anders mit der Situation umzugehen.

      (7) 09.12.18 - 14:11

      Hi an deiner Stelle würde ich Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufnehmen. Google mal PTBS Selbsthilfegruppe Angehörige, da findest du einiges.

      Dort würde ich mich aich erkundigen, ob es erfahrungsgemäß konstruktiv wäre, deinen Freund von diesem Schritt zu berichten oder vorerst mal ohne seines Wissens hineinzuschnuppern.

      Sowas meine ich

      http://ptbs-eisblume.de/hilfe-fuer-angehoerige.html

      Ich denke, dass dir hier niemand so richtig Tipps geben kann, es sei denn hier wäre zufällig auch ein Angehöriger.

      Alles Liebe Snow

      (8) 09.12.18 - 17:58

      Spontan würde mir einfallen: Kontakt zu anderen Frauen/Angehörigen von Soldaten aufzunehmen.

      Vielleicht haben sie Tipps, Adressen von Selbsthilfegruppen oder anderes.

      Hat er eine Therapie für ehemalige Soldaten gemacht oder eine "normale".

      Bei letzterem kann es gut sein, dass es nichts gebracht hat. Nicht jeder Therapeut kent sich mit allem aus.
      Hat er nach dem Einsatz Hilfestellungen oder Adressen bekommen?


      Ich hatte mal ein Gespräch mit einem Soldaten, der einen Einsatz mitgemacht hat. Das Gespräch war nicht in die Tiefe. Beeindruckt hat es mich schon auf der emotionalen Ebene. U.a. dass es nicht einfach mit einer Therapie getan ist, sondern spezielle Hilfe für Soldaten braucht. Dass es sich auf Angehörige auch auswirkt, jedoch innerlich so stark geprägt hat, dass man es nicht so damit klar kommt. Einfache "PTBS" Therapie ist zwar von der Diagnose theoretisch passend, aber nicht wirklich, weil nur die wenigsten Therapeuten wirklich Bezug dazu haben.

      In meiner Verwandtschaft gab es einige, die im Krieg gefallen sind und einige die zurückgekehrt sind. Therapeutisch gab es damals noch nicht so viel. Angehörige beschreiben die Veränderungen der Rückkehrer ähnlich, wie du deinen Freund. Je nachdem wie sehr sie selbst Krieg damals mit bekommen haben mit mehr oder weniger Verständnis bezüglich der Veränderungen. Wirklich verstehen, hineinfühlen konnten auch sie nicht. Einsatz ist noch mal eine andere Perspektive.


      Auf Grund des Gesprächs mit dem ehemaligen Soldaten, würde ich eher zu Adressen von der Bundeswehr oder Angehörige von (ehemaligen) Soldaten raten. Diese fragen, ob es spezielle Selbsthilfegruppen, Austauschmöglichkeiten, Therapiemöglichkeiten gibt.

      • (9) 09.12.18 - 19:44

        Hi, wollte nur nochmal kurz erwähnen (für die TE): Eisblume (Link oben) hat auf ihrer Homepage eine Therapeutenliste und stellt Hintergrundinfos zu möglichen Therapien.
        Schwerpunkt sind Angehörige von Soldaten/Soldatinnen. Ich denke, dass das eine gute Anlaufstelle wäre, Infos und Hilfe zu erhalten/erfahren, ggf auch Kontakte zu knüpfen.

        Glücklicherweise gibt es heutzutage Hilfe, früher gab es gar keine.

        LG Snow

        (10) 09.12.18 - 19:53

        Vielen Dank schon einmal für eure Hilfe.
        Ich weiß nicht was für eine Art Therapie er gemacht hat. Er redet ja nicht. Ich habe alles nur durch nachfragen bei seinen Freunden rausgefunden und die durften auch nicht drüber reden und haben das Thema mir gegenüber nicht vertieft. Ich habe ihm trotzdem gesagt, dass ich davon weiß aber er will ja nach vorne schauen. Ich weiß auch nicht wie lange er im Einsatz war und wie lange das ganze her ist. Ich vermute jetzt mindestens 8 Jahre, da er danach die „Flucht“ ins Ausland ergriff. Ich denke er wollte davon fliehen und deswegen ordne ich das so zeitlich ein, aber genau weiß ich es halt nicht. Ich weiß auch, dass er was getan hat, was ihm sehr zu schaffen macht (mehr möchte ich dazu nicht genauer schreiben). Die Idee mit der Selbsthilfegruppe finde ich sehr gut, da werde ich mich mal drüber informieren. Wie ich allerdings Kontakt zu Angehörige finde weiß ich nicht, deswegen habe ich mich hier in diesem Forum gemeldet.

    (12) 10.12.18 - 22:50

    Schau mal nach "posttraumatischer Belastungsreaktion"
    Er braucht Hilfe, eine Traumatherapie. Aber nicht jeder Therapeut kann das und nicht jeder Patient kann mit jedem Therapeuten. Unterstütze deinen Freund, den richtigen Therapeuten zu finden.

    • (13) 10.12.18 - 23:20

      Danke. Das tut gerade gut zu hören. Habe mich gezielt an ein Bundeswehrforum zusätzlich gewandt und hatte das Gefühl dort überhaupt nicht ernst genommen zu werden. Es wäre ja eigentlich mein Problem anstatt seins, weil sonst würde er sich Hilfe suchen. Solche Antworten durfte ich ernten und war gerade schon an mir selbst am zweifeln. Ich denke er verdrängt es und hat Angst die Energie umsonst wieder in eine Therapie zustecken. Natürlich fällt es mir schwer damit umzugehen. Wenn wir uns in diesem „Ausnahmezustand“ befinden verneint er es noch nicht einmal seine Gefühle und Emotionen in eine „Schublade“ zu stecken. Ich würde ihm germe helfen, weil ich anscheinend auch nicht die erste Frau bin die damit Probleme hat, ich weiß nur einfach nicht wie. Selbst von richtigen Beratungsseiten bekomm ich wenig Hilfestellung. Mittlerweile überlege ich schon, das Thema einfach gut sein zu lassen und notfalls, wenn ich nicht lerne damit umzugehen mich zu trennen

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