Asperger Autismus?

Hallo ihr Lieben,
schon seit längerer Zeit frage ich mich, ob mein älterer Sohn (18) unter einer leichten Ausprägung des Asperger-Syndroms leidet. Er war schon seit Beginn der Schulzeit immer ein wenig anders als seine gleichaltrigen Freunde. Ich habe noch einen jüngeren Sohn (fast 6) und er ist eben ein ganz "normaler" Junge, und hier fällt mir besonders der Unterschied zu seinem Bruder in diesem Alter auf. Ich versuche mal einiges aufzuzählen.
Der Große hat so seine Inselbegabungen. Er konnte schon mit 3 Jahren komplette Lieder und Gedichte auswendig, selbst wenn er sie nur 2 oder 3 mal gehört hat. Er kannte früh alle Buchstaben und hat sich mit 4 jahren quasi alleine das Lesen beigebracht. Mit 5 hat er den ersten Harry- Potter -Roman gelesen. Er hat ein großes musikalisches Talent, spielt mehrere Instrumente . Er geht aufs Gymnasium, aber dort hält er sich im untersten Mittelfeld auf. Er hat zwar auch ein Talent für Sprachen, aber wenn es darum geht, Gedichte oder Texte zu interpretieren, ist er völlig aufgeschmissen. Mathematik ist ebenso für ihn nach wie vor ein Buch mit 7 Siegeln. In Geschichte und Geo hapert es ebenfalls, denn Dinge, die ihn nicht interessieren, gehen einfach nicht in seinen Kopf.
Sarkasmus oder Ironie versteht er nicht, er nimmt immer alles wörtlich, Witze kapiert er meistens als Letzter, oder man muß ihm die Pointe erklären. Er hat gerne mit Legos gespielt, aber alle Figuren mußten immer akkurat nach Vorlage gebaut werden. Puzzle, Kartenspiele, Mensch ärgere dich nicht, konnter er stundenlang spielen. Er hat immer die Wahrheit gesagt, auch wenn er damit angeeckt ist, ich musste ihm oft erklären, das man andere Menschen damit verletzen kann. Als Kind war er sehr offen, aber jetzt ist er eher schüchtern und unsicher. Er sagt selbst, das er nicht einschätzen kann, was andere über ihn denken. Wenn er aufgeregt ist stottert er . Er hat seinen Freundeskreis, die kennen ihn seit dem Kindergarten und akzeptieren seine Eigenheiten. Er hat auch eine eingeschränkte Mimik, wenn er wirklich mal lächelt, ist das schon ein tolles Ereignis. Seine Gestik kommt erst in Fahrt, wenn er über Dinge redet, die er interessant findet, dann redet er ohne Punkt und Komma. Er hat jetzt ziemlich "Bammel" davor, das die Schulzeit dieses Jahr ja zu Ende ist, und er wahrscheinlich für seine Ausbildung umziehen und alleine leben muß. Man kann allerdings nicht sagen, das er einen streng geregelten Tagesablauf braucht, spontane Sachen machen ihm schon Spaß. Größere Veränderungen, wie Trennungen oder Umzüge im engeren Familienkreis machen ihm allerdings sehr zu schaffen. Was ich noch hinzufügen möchte ist , daß er als Frühchen Anfang der 26. SSW geboren wurde und ich das PCO-Syndrom habe. Beide gelten als Risikofaktoren für das Asperger-Syndrom beim Kind. So, ein langer Text, und einiges habe ich wohl noch vergessen,würde mich freuen, ein paar Meinungen zu hören.
LG

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Das ist schon möglich. Aber er ist schon 18 und da liegt es ja eher bei ihm, ob er das wissen will. Du kannst ihn ja eigentlich nicht mehr einfach zu einer Diagnostik schicken. Das müsstest du mit ihm besprechen.

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Dein Kind ist bisher so durchs Leben gekommen. Warum jetzt eine Diagnose? Welche VORTEILE soll die haben? Du hast dich jahrelang gefragt, ob er das haben könnte, aber eine Diagnostik hast du nie angestrebt...warum nicht? Es wäre um vieles leichter gewesen.

Eine Diagnose so spät zu bekommen ist schwer. Nur sehr wenige gute Psychiater sind überhaupt dazu in der Lage. Schon eine Autismusdiagnose für ein Kind zu bekommen, ist nicht selten eine jahrelange Irrfahrt. Und eine Autismusdiagnose für ein Kind kann durchaus hilfreich sein. Schließlich gibt es dann eine Autismustherapie, Nachteilsausgleiche in der Schule,...Probleme, die dein Sohn verständlicherweise hatte, hätten seine Noten nie nach unten gezogen. Bammel vor mündlichen Leistungen müssen Autisten nicht haben, die werden einfach nicht gewertet...demnach gibt es auch kein mündliches Gedicht aufsagen.
Aber jetzt ist das einfach vorbei. Ehe dein Sohn eine Diagnose hätte, hat er das Abitur in der Hand.

Stellt sich also nur die Frage, ob du denkst, dass er in seinem weiteren Leben zurechtkommen wird, oder für immer auf Hilfe angewiesen sein wird. Ist er ein angepasster Autist und kommt zurecht oder braucht er Hilfe? In ersterem Fall...ggf. wirst du ihm durch die Diagnostik nur Knüppel zwischen die Beine werfen. Was er nicht weiß, kann er nicht angeben. Damit lügt er ganz offiziell auch nicht. Du schreibst, er ist sehr ehrlich...dann sage mal beim Vorstellungsgespräch, dass du Autist bist ;). Es gibt nur wenige Unternehmen, die speziell Autisten suchen. Dafür ist er aber offensichtlich nicht autistisch genug.
Braucht er Hilfe, ist die Diagnostik besser, aber wie hier schon gesagt wurde...er ist volljährig. Es ist seine Entscheidung.

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Eine Diagnose ändert erstmal ja nicht wirklich was, er ist wie er ist.
Aber, hätte er durch eine Diagnose evtl Nachteile? Oder auch Vorteile?
Ein Vorteil könnte sein wenn man einen Schwerbehindertenausweis bekäme das er bei Bewerbungen je nach Beruf sogar Vorteile hätte. Oder was Kündigungsschutz etc. angeht.
Ebenso wenn ihr meint er schafft es nicht ganz alleine zu leben. Eine Betreuung o.ä vor Ort ist sicher einfacher zu bekommen und wird ggf. ja auch bezahlt wenn er eine Diagnose hat. Oder könnt ihr diese Betreuung alleine regeln? Sprich du oder dein Mann oder wen ihr sonst habt fahrt regelmäßig hin je nach Bedarf. Liegt ja auch dran wieviel Hilfe er da braucht.
Genau so kann es aber auch schwer werden eine Ausbildung zu bekommen oder eine Wohnung zu finden wenn schon in der Bewerbung steht das er anders ist.

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Hallo liebe Selma,
mein Großer (7 Jahre) ist Asperger Autist und ähnelt Deinem Jungen sehr vom Verhalten. Bis auf das Schulische/Begabungen. Habe ihn mehr oder weniger unfreiwillig testen lassen müssen zur Schuleinschreibung weil er sozial/emotional „auffällig“ war. Damit ist gemeint dass er sehr zurückhaltend ist und jegliche schwammige Formulierung hinterfragt um sie richtig umsetzen zu können. Gott sei dank haben seine Psychotherapeuten und ich die gleiche Sicht - eine offizielle Diagnose bringt in der Kombination Asperger Autismus/Hochbegabung nichts. Sie meint das er die menschlichen Konventionen erlernen wird, so wie es Dein Sohn anscheinend auch gemacht hat sonst wäre er gar nicht so „weit“ gekommen ohne groß anzuecken. Mein Sohn weiß nichts von der Diagnose. Bei Deinem in dem Alter würde es Vll etwas bringen - zu verstehen warum er so ist wie er ist. Nicht schlechter oder anders - sondern ein Individuum das bisschen anders denkt, anders nachvollzieht, anders lernt und anders definiert. Sprich mit ihm darüber. Zum Psychologen würde ich ihn nicht schicken, außer er will eine Diagnose. Laut unserer Therapeutin bringt das aber mehr Nach als Vorteile. Alles liebe für Euch :-)

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Also ich finde nicht, dass sich das so dramatisch anhört. Wenn ihn seine Ausbildung interessiert wird er die sicher mit Leichtigkeit machen. Große Veränderungen machen den meisten Menschen zu schaffen und unsicher sind fast alle jungen Leute in dem Alter.
Wenn du einschätzen kannst dass er nicht beleidigt ist kannst du ja mal mit ihm über deine Gedanken sprechen. Also ich hätte es in dem Alter gut gefunden, wenn meine Eltern sich so viele Gedanken machen würden und meine Probleme so ernst nehmen.
Hast du denn ernsthaft Angst, dass er irgendwas nicht schaffen wird?
Er ist 18, ich würde sagen schaut erstmal wie es sich mit der Ausbildung entwickelt und sollte es dann wirklich nicht klappen könnt ihr immer noch schauen, ob es an etwas bestimmtem liegt.
Blöd wäre natürlich, wenn sich herausstellt dass bei ihm nichts gefunden wird. Dann weiß er, dass selbst seine Eltern ihn komisch finden. Also vielleicht nicht direkt Autismus sagen, einfach, dass ihr ihn unterstützt wenn er mal Beratung braucht, auch professionelle o. Ä.

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Huhu, also ich würde IMMER zu einer Diagnostik raten. Denn wer weiß, ib er jicht mal im Studium/in der Ausbildung Nachteilsausgleiche brauchen wird. Außerdem ist es immer besser, zu wissen, warum man so ist wie man ist!

Ich bin selber Autistin und es ist eine wahre Erleichterung zu erfahren, dass es einen Grund für das eigene Anderssein gibt.

Es gibt super Anlaufstellen für die ASS-Diagnostik. An deiner Stelle rate ich dir, dich mal im Aspie-Selbsthilfe-Forum einzulesen. Dort gelangt man auch an gute Adressen für die Diagnostik.

Alles Gute!

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Hallo,
Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass auch eine späte Diagnose durchaus hilfreich sein kann.

Was sagt dein Sohn dazu? Teilt er deine Beobachtungen? Hat er sowas in de Art genannt?
Würdest du sagen er hat genug Repertoire um alleine zu leben?
Wie ist seine Reizverarbeitung?

Ich würde das Gespräch mit ihm suchen, auch in diesem Alter kann die Suche nach professioneller Hilfe hilfreich sein.

Vor allem mit deinen detailreichen Umschreibungen au seiner frühen Kindheit kann ein guter Psychologe eine Diagnose stellen.

Solltest du fragen habe melde dich gerne.
Lg

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Hallo!

Ich finde auch, dass eine Diagnose helfen kann, mit der eigenen Andersartigkeit zurecht zu kommen. Nicht um irgendwas zu entschuldigen, sondern einfach um zu wissen, warum man anders ist.

Eigentlich gehört so ein junger Mann an eine Universität, da kann er ähnliche Menschen finden, in den Fächern die ihn interessieren.