Erwachsene frühkindliche Autisten?

Hey,

sind hier vielleicht erwachsene frühkindliche Autisten unterwegs? Oder kennt ihr welche?

Bei meinem Sohn ist der starke Verdacht auf frühkindlichen Autismus. Ich bin mir eigentlich schon zu 100% sicher, allerdings haben wir noch keine Diagnostik gemacht. (Sind im SPZ).

Tja, nun kann ich mir nicht vorstellen, wie wohl seine Zukunft sein wird. Was er noch alles lernen wird, was er wohl nie erreichen wird, ob er selbstständig leben kann, ob er Familie haben wird, vielleicht eigene Kinder?
Ich weiß, dass viele frühkindliche Autisten leider eine GB haben.
Kann man mit drei Jahren schon feststellen, ob das Kind eine GB hat?
Was sind die ersten Anzeichen einer GB?

Bin daher gespannt, was ihr mir so erzählen könnt :)

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Mein Mann ist frühkindlicher Autist, Diagnose wurde mit 2.5 Jahren gestellt, später bestätigt, kognitiv überdurchschnittlich, was bei frühkindlichem Autismus selten ist.
Wir haben vier gemeinsame Kinder, führen seit über 20 Jahren eine glückliche Ehe, er ist Pflegefachmann mit Führungsaufgaben.

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Hallo,

vielen Dank für deine Antwort.
Wow Wahnsinn, und darf ich fragen, wann/ob du gemerkt hast, dass er Autist ist?
Leider sind die wenigsten frühkindlichen Autisten auch Hochbegabte oder normal intelligent, sodass ich mir eben bei meinem Sohn schon Sorgen mache, dass da eine GB dahinter stecken konnte.
War dein Mann extrem betroffen? Und habt ihr gemeinsame Kinder? Man sagt ja, dass Autismus oft vererbt wird.

Ich wünsche dir und deiner Familie alles gute 🍀 👍🏻

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Erfahren dass er Autist ist haben wir es beide erst als unser erstes gemeinsames Kind die Diagnose erhielt. Seine Mutter hatte aus Angst dass mein Mann ins Heim käme immer geschwiegen. Damals war eine Heimeinweisung nicht unüblich, sowieso nicht bei Kindern alleinerziehender Mütter.

Gemerkt habe ich es vermutlich von Beginn weg, er hatte und hat all die Eigenschaften nicht, die ich nicht mag und die man mehrheitlich bei Nichtautisten antrifft.
Damals wusste ich noch wenig über Autismus. Es war einfach intuitive Anziehungskraft.
25 Jahre später und vier gemeinsame autistische Kinder später kenne ich mich etwas mehr aus;-)
Was heisst extrem betroffen? Von unseren Kindern ist ja auch eines frühkindlicher Autist, die anderen "nur" Asperger, Hochbegabt sind alle. Rückblickend würde ich aber sagen, der frühkindliche Autismus war schon eine andere Hausnummer erziehungstechnisch.

Wünsche dir und deiner Familie auch alles Gute.

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Meine Schwester hat frühkindlichen Autismus, wurde mit 3 diagnostiziert.
Wir anderen sind "nur"mit Asperger gesegnet.
Meine Schwester ist 35 und lebt größtenteils selbstständig. Sie ist aber auch überdurchschnittlich intelligent für frühkindlichen Autismus. Leiderbist sie aber auch taub, weshalb sie es trotzdem sehr schwer hatte und hat. Sie arbeitet für meine Eltern in der Gastronomie aber es klappt nicht immer reibungslos da ihr das Gefühl für Nähe und Distanz fehlt, auch bei Kunden. Ansonsten hat sie eine kleine Wohnung und lebt selbstständig, hat aber auch noch teilweise jmd. der sie auf Ausflüge begleitet. Das taub sein schränkt sie hier zusätzlich ein.
Generell ist alles möglich. Auch ein normales Leben wie wir uns das vorstellen.

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Hallo riyah,

Vielen Dank für deine Antwort.
Das tut mir leid für deine Schwester, dass sie zusätzlich noch taub ist. Da hatte und hat sie es im Leben oft nicht leicht :/
Aber umso schöner, dass sie größtenteils alleine lebt und zurechtkommt.

Das verdankt sie bestimmt auch ihrer überdurchschnittlichen Intelligenz.

Das ist leider der Punkt, bei dem ich mir am meisten Sorgen mache bei meinem Sohn. Hab Angst, dass er eine GB hat und somit dann tatsächlich nicht in der Lage ist ein selbstständiges Leben zu führen.
Weißt du noch, wie das bei deiner Schwester war? Wann wusste man denn, dass sie überdurchschnittlich intelligent ist?

Alles Liebe dir und deiner Familie 🍀👍🏻

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Hallo,
Der Autismus meiner Schwester wirkt sich schon ganz klar wie eine geistige Behinderung aus. Sie hat auch 100% natürlich. Dennoch hat sie gelernt zu kommunizieren (sie fing erst nach 3 damit an, auch weil sie taub ist halt - sie spricht mit 2 Implantaten halbwegs verständlich und beherrscht vereinfachte Gebärdensprache).
Viele Sachen hat sie dann aber wiederum wirklich gut gelernt und gemeistert. Sie war die einzige an ihrer Schule, die einen Realschulabschluss hätte machen können. Sie traute sich nur nicht, aus Angst vor den anderen Kindern und ging dann mit Hauptschulabschluss ab. Den Alltag hat sie gut gelernt. Sehr sehr gut sogar. Wie gesagt, sie kommt fast ganz allein zurecht. Sie hat dafür aber viel überwinden müssen. Außerdem ist sie bereit zu arbeiten, sie hat eine Ausbildung zum Orthopädieschumacher gemacht, aber ist leider an Mathe in der Abschlussprüfung gescheitert. Sie hat lange in einer Werkstatt mitgeholfen, das war wohl super. Jetzt hilft sie im Restaurant der Eltern, aber richtige Arbeit ist es jetzt nicht. Das schafft sie nicht so gut. Sie geht aber dann wieder nach hause und lebt dort allein, das ist auch immer das Hauptziel gewesen. Dass sie mit Mitarbeitern und Vorgesetzten nie klar kommt ist einfach so. Damit lebt jetzt jeder und es ist ok, dass sie nur im Restaurant mit macht. Viel Geld hat sie natürlich nicht, aber tatsächlich gelernt damit zu haushalten, sie hat schon immer gut sparen können.
Ihre Intelligenz zeigt sich einfach in der vorhandenen Anpassungsfähigkeit. Das ist generell der Vorteil bei der Intelligenz. Übung und Förderung hat hier aber große Auswirkungen. Meine Schwester hatte kaum Förderung mit meiner schwer depressiven Mutter, aber eben Glück. Andere haben aber gute Förderung. Ich kann mir vorstellen, dass der Effekt am Ende dann sogar besser sein könnte.
Lg

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Hallo,
wenn Verdacht auf Autismus besteht, bist du im SPZ leider falsch. Das diagnostiziert die KJP. Das SPZ versucht sich zwar immer wieder munter an Diagnosen, liegt aber mit einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit daneben, was den Leidensdruck nicht gerade verringert.
Was dein Kind noch alles erlernen wird, hängt nicht unbedingt von seinem IQ ab, sondern davon, wie du es förderst. Auch ein geistig behinderter Autisten kann mit optimaler Förderung verdammt viel lernen und so später fast vollkommen selbstständig zurechtkommen - im Gegenzug kann ein Autist mit durchschnittlichen oder hohen IQ auch schnell bei falscher Förderung auf dem Abstellgleis landen.
Der IQ Test ist nicht so wichtig - zumal der bei Autisten sowieso kaum aussagekräftig ist. Wichtig ist die optimale Förderung von Anfang an.
Ich habe übrigens zwei Söhne mit Frühkindlichen Autismus - einer davon mit durchschnittlichen Gesamt - IQ; wobei die Unterbereiche den typisch autistischen, extrem heterogene Werte haben - alles dabei von geistiger Behinderung bis Hochbegabung - nur den durchschnittlichen Teilbereich hat er grundsätzlich ausgelassen.

Die ersten wirklich deutlichen Anzeichen einer GB waren für mich, dass die Kinder mit denen mein Jüngster spontan im Indoorspielplatz spielte alle immer ein Kopf kleiner waren als er - er hat eine durchschnittliche Größe. Aber es fehlte auch an vielen anderen Sachen. AlltagspraktischevFähigkeiten gehen gar nicht oder werden erst sehr viel später (Jahre später) gelernt.

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Hallo Kati,

vielen Dank für deine Antwort!

Ja das stimmt, Förderung ist das A und O und deshalb gehen wir auch regelmäßig zur Frühförderung und ich versuche die Übungen zuhause umzusetzen.
Dadurch hat er ja echt viel gelernt :) bzw. Na ja, ich weiß nicht, ob er dies nicht auch ohne Förderung gelernt hätte, aber Fakt ist, dass sich in den letzten Monaten viel getan hat. 👍🏻

Was meinst du denn mit alltagspraktische Fähigkeiten?
Essen, trinken, anziehen usw?


Gleich zwei Kinder mit Autismus, das muss ziemlich belastend und anstrengend sein, aber das zeigt auch, was für eine starke Mutter du bist!
Ich wünsche dir weiterhin alles Gute für dich und deine Kinder 🍀👍🏻

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Alltagspraktische Fähigkeiten deckt all das ab, was man braucht, um selbstständig leben zu können. Hierbei muss natürlich das Alter des Kindes berücksichtigt werden.
Bei einem jüngeren Kind sind das ganz elementare Grundbedürfnisse, wie die selbstständige Nahrungsaufnahme, das selbstständige Aus- und Ankleiden. Später kommt die Körperhygiene dazu. Noch viel später dann der Umgang mit Taschengeld, das Einkaufen, das Kochen. All das, was du zu Hause machst und organisierst, sind alltagspraktische Fähigkeiten.

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Hallo,

Mal eine Frage, was ist eine GB?

(Gehbehinderung)

Falls es so sein sollte, ist das wirklich ein Anzeichen für ein frühkindlicher Autist?

Grüßen

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Nein, gemeint ist hier eine geistige Behinderung, also im Prinzip ein IQ von unter 70.

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Hallo,

genau mit GB meinte ich geistige Behinderung. Leider haben viele Autisten eine unterdurchschnittliche Intelligenz.

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