Ich bin am Ende, meine Tochter macht mich fertig #jammerpost

Hallo ihr Lieben,

ich muss mal meinen Frust ablassen. Ich muss ein bisschen ausholen, wird also etwas länger.
Wir haben einen sehr langen Leidensweg hinter uns und momentan sehe ich kein " Licht am Ende des Tunnels"
Meine Tochter kam reif und gesund zur Welt, ihre Maße waren völlig normgerecht und sowohl Schwangerschaft, als auch Geburt waren unauffällig. Kurz nach der Geburt kamen die ersten Probleme, die aber erst im Nachhinein ins Schema passten. Sie schrie von Anfang an viele Stunden am Tag und nahm trotz Dauerstillen nicht zu. Weder Hebamme, noch Stillberatung und nicht einmal die Laktationsbersterin konnte wirklich eine Ursache finden. Ich fütterte zu, sie nahm nicht viel, aber gerade ausreichend zu. Von Anfang an jedoch nahm ihr Kopfumfang nicht ausreichend zu. Mit 9 Monaten diagnostizierte man Mikrozephalie ohne Symptome und chronisches Untergewicht. Obwohl sie wirklich ausreichend und viel aß und die Nahrung sogar mit Öl angereichert wurde.
Sie schrie immer noch extrem viel, schlief wenig und zeigte immer mehr Auffälligkeiten im Verhalten. Beispielsweise ließ sie sich nur und ausschließlich von mir anfassen, tragen, beruhigen, wickeln, waschen und aß nur Essen, dass ich zubereitet hatte. Mit 10 Monaten lief sie frei und konnte mit einem Jahr überdurchschnittlich viele Wörte verständlich aussprechen.
Das Schreien wurde von Wutanfällen und Affektkrämpfen abgelöst, sie entwickelte neurotische Tendenzen, hatte Panikattacken in Tunneln oder auf Brücken, Türen mussten immer geschlossen sein, dazu kam selektiver Mutismus. Ich war mittlerweile alleinerziehend, sie ging in die Krippe, sie gewöhnte sich überraschenderweise problemlos ein. Als sie 2 Jahre alt war, ging ich das erste Mal zur Erziehungsberatung.
Der Wechsel in den Kindergarten klappte gut, sie war von Anfang an der Chef und Bestimmer. Ging etwas nicht nach ihrem Kopf wurde sie körperlich übergriffig: Hauen, treten, beißen, zwicken und das jeweils massiv. Manchmal verletzte sie die anderen Kinder richtig blutig. Der Kindergarten war toll, sie haben ihr bestes getan, sie zu integrieren, wie mit zu tragen und sie zu fördern. Mit 7 ist sie eingeschult worden, Regelgrundschule. Sie ist keine super Schülerin, aber sie kommt mit dem Stoff mit. In der 2. Klasse wurde die Agressionen und Gewalt zum Problem (leider gab es sowohl Lehrer-, als auch Rektorwechsel) Sie prügelte sich so schlimm, dass die anderen Kinder Angst vor ihr hatten. Weiter in den Kommentaren

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In der 3. Klasse kam sie in die, neu eingeführte, Kooperationsklasse. Eine andere, wirklich tolle Lehrerin, eine zusätzliche Sozialpädagogin. Es wurde vieles so viel besser. Wir schöpften neuen Mut, neue Hoffnung. Doch es war nicht von Dauer. Kurz vor Corona wurde ich (gewollt) schwanger und damit kamen die Rückschläge. Wir kämpfen uns wieder durch mindestens 2x Wutanfall. Und ich kann nicht mehr. Ich weiß nicht mehr weiter.
Sie war 3x bei der Diagnostik, außer den üblichen "emotionalen Problemen " weiß keiner was ihr eigentlich fehlt, ADHS wurde 2x ausgeschlossen, Bindungsstörung ebenso.
Ihr IQ ist im unteren Normbereich. Sie ist untergewichtig und ihr KU ist zu klein, sie leidet an sekundärer Enuresis. Wann immer etwas anders läuft als gewohnt oder es nicht in ihrem Sinne ist, dreht sie durch. Man kann sich das schlecht vorstellen, aber es ist wirklich heftig. Die ganze Familie ist völlig am Ende, an manchen Tagen denken wir an Medikamente, aber welche denn?
Sie ist seit 3 Jahren durchgehend in Therapie, ich war unzählige Male bei der Beratung, ich habe sämtliche Kniffe aus meiner Erzieherkiste ausgeschöpft. Nichts schlägt an. Das meiste hilft überhaupt nicht und das wenige, zeigt nur kurze Zeit Wirkung. Sie ist jetzt 10 Jahre alt und ich habe so Angst vor der Pupertät und so Angst vor der Zukunft. Und dann sind Tage wir heute, da flippe ich auch aus, weil sie Tassen zertrümmert, weil sie den Spülmaschinendienst nicht machen will. Und sage Sachen, die ich mein Leben lang bereuen werde. Und ich entschuldige mich und sage ihr, dass ich sie lieb habe. Aber gesagt ist gesagt und verschlimmert alles nur. Und ich kann nicht mehr. Zumindest für den Moment.
Danke dass ihr euch die Mühe gemacht habt, bis hier zu lesen, danke

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Das einzige was mir einfällt:

es braucht manchmal nicht viele Ärzte, sondern DEN EINEN guten.
Daran ranzukommen ist sehr, sehr schwierig.

Einfallen würde mir hierzu zu "reha-kids". Das ist auch ein Forum. Vielleicht erkennt da jemand ähnlches wieder und kann dir DEN EINEN Arzt oder Klinik empfehlen.

Bei mir ist es "nur" ADHS. 2x bestätigt! Dennoch gibt es viele Fachärzte, die behaupten, dass ich das nicht haben könnte. U.a. "weil sie sich nicht damit auskennen" (O-Ton) Oder weil sie nicht wissen, wie man damit umgeht. Deswegen soll ich gefälligst deren "Diagnose" annehmen. Dann können sie mich in eine Schublade stecken und "behandeln".

Umgekehrt ist es, wenn Fachfremde Ärzte behaupten, alles käme nur vom ADHS, weil das einfacher für sie ist. Dann müssen sie nicht hinsehen und können den Fall abgeben.

Für gute Ärzte fahre ich inzwischen weiter.
Ein Hausarzt, der dann leider direkt in Rente ging, sagte mir: gehen sie nicht zu irgendeinem Arzt, nur weil der die Fachrichtung hat. Gehen Sie zu DEM Arzt, der sich mit ADHS auskennt UND akzeptiert, dass es noch was anderes sein kann.

Für einfache Sachen gehe ich weiterhin zum Hausarzt und bekomme da auch Überweisungen. Für speziellere Sachen höre ich mich inzwischen um, welcher Arzt sich darauf spezialisiert. Momentan wegen Schilddrüse.

Vielleicht hilft euch die Seite reha kids weiter. Menschen/Eltern mit ähnlichen Erfahrungen. Die Tipps / Adressen haben, wo ihr GUT aufgehoben seid. Und Adressen, wo ihr euch die Mühe sparen könnt, weil außer Stochern und verunsichern nichts passiert.

Viel Kraft euch weiterhin.

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Hallo tabi,

das tut mir echt leid.
Mit den Diagnosen, die Du benennst kann ich nur partiell etwas anfangen. Aber ich möchte Dir trotzdem etwas schreiben.
Unsere Tochter ist auch seit ihrer Geburt, vor 16,5 Jahren "auffällig", trotz unauffälliger Schwangerschaft. Allerdings musste sie per Kaiserschnitt auf die Welt kommen.
Ende der zweiten Klasse eskalierte alles immer mehr, die Lehrer waren zwar nett, aber unglaublich unfähig in der Beurteilung und Aufgabenvergabe. Wir haben uns jahrelang extrem viele verschiedene Hilfe holen müssen und gefühlt Jeder stocherte mal im "Brei" herum. Letzten Endes kamen viele viele kleine Diagnosen dabei heraus, bis unsere Familie kurz vorm Zerfall und unsere Tochter kurz vorm Suizid stand. Es hat Klinikaufenthalte, extreme psychologische und psychiatrische Hilfen, auch für uns als Eltern, gebraucht bis irgendwann klar wurde, dass unser großes Mädchen "einfach" nur autistisch ist und immer schon war. Man hat es nur nicht erkannt und es wurde über die vielen Jahre (etwa 12), bis man ihr und uns die Hilfe zu Teil werden ließ, die sinnvoll und notwendig war/ist einfach immer schlimmer und offensichtlicher.
Seit zwei Jahren ist sie nun so aufgefangen, dass sie sich endlich entwickeln kann und wir anfangen konnten zur Ruhe zu kommen. Unsere Große hat noch zwei Geschwister und vor allem der Mittlere hat ebenfalls extrem unter der Gesamtsituation gelitten und u.a. eine soziale Phobie davon getragen, die natürlich ebenfalls behandelt werden muss.
Es sind also verdammt komplexe Strukturen, die offensichtlich nichtmal Fachleute von vornherein durchblicken.

So bitter die Situation auch gerade sein mag, gib nicht auf.

Manchmal dauert es leider unglaublich lange, bis es endlich stabiler wird und sich dauerhaft in die richtige Richtung entwickelt. Bis dahin ist es wahnsinnig hart, das kann ich leider so sehr nachvollziehen.

Ich kann Dir damit vermutlich überhaupt nicht helfen. Aber dir zumindest ausdrücken, dass du nicht alleine mit so einer demotivierenden und schrecklichen Situation bist.
Du musst durchhalten und dir weiterhin alle Hilfe suchen und nehmen, die Du kriegen kannst auch oder gerade für Dich persönlich, nicht nur für Deine Tochter. Es wird ganz sicher irgendwann stabiler werden und ab dann wirst Du unglaublich stolz auf Dich und Deine Tochter sein!

Ich wünsche Dir und Deiner Tochter alles Gute, ihr werdet das schaffen 🍀💐✊🏻.

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Hallo,

Autismus abzuklären, wäre auch ein Tip von mir.
Es gibt Autismus-Zentren, die sich wirklich damit auskennen.
Andere Stellen sind leider häufig nicht in der Lage, Autisten zu erkennen, und viele Eltern mit solchen Kindern rennen jahrelang von einem zum anderen und bekommen lauter falsche Diagnosen, die nicht weiter helfen.

Bei Autisten bringen die normalen Erziehungsmethoden nichts.
Bei AD(H)Slern merkt man dagegen schon eine Verbesserung durch konsequente Erziehung.

Was Zahnweh schreibt, finde ich auch wichtig.
Ihr braucht jemanden, der Euch begleitet und nicht einen, der Euch eine Diagnose vor die Füße wirft und das war es dann.

Ich würde es erstmal bei einem Autismus-Zentrum probieren. Falls es Autismus ist, sollen die Euch einen niedergelassenen Therapeuten empfehlen, der Euch begleitet.

Ansonsten würde ich versuchen, über Bekannte oder Foren einen Kinderpsychiater zu finden, der Euch begleitet.

Eventuell muss man auch überlegen, ob man privat zahlen kann.
Wir haben hier z.B. einen sehr guten Kinderpsychiater, der aber keine Kassenzulassung hat. Ich denke, wenn da Patienten kommen würden, die das auf Dauer nicht finanzieren können, wäre der auch bereit, den Anfang zu machen und für die weitere Behandlung einen Kollegen mit Kassenzulassung zu empfehlen.
(Leider wohnen wir ganz woanders als Ihr. Deswegen bringt es nichts, wenn ich Euch den nenne.)

LG

Heike

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Hallo!

Ist ihre Schilddrüse in Ordnung?