Autismus, wie habt ihr es bemerkt?

Hallo,

Ich bin Mutter von drei Kindern (14 Jahre, 7 Jahre und fast 3 Jahre alt).
Unsere jüngster ist schon immer ein bisschen speziell und anders als seine Geschwister.
Aber seit einem Jahr ist es richtig schlimm und ich weiß nicht mehr weiter.

Er bekommt täglich ganz heftige Bockanfälle, er schreit, haut, beißt und tritt sich selbst, seine Geschwister und uns.
Er zieht sich selbst an den Haaren, haut sich an den Kopf,zerkratzt sich das Gesicht vor Wut.
Hält sich die Ohren oder Augen zu, sagt "geh weg" oder "in Ruhe lassen".
Anziehen, essen, spielen, spazieren gehen... alles kann innerhalb von Sekunden zum Drama werden, teilweise ohne ersichtlichen Grund und manchmal weil es nicht läuft, wie er es gerne hätte.
Kleine Änderungen werfen ihn manchmal komplett aus der Bahn.

Er kuschelt schon mit mir, aber es muß von ihm aus gehen.
Spielen macht er lieber alleine und für sich, er hat keine Angst und scheint manchmal völlig grenzenlos.
Ich erziehe ihn konsequent und liebevoll, genau so wie seine Geschwister aber bei ihm scheint es nicht zu klappen 🤷🏻‍♀️

Letzte Woche habe ich unsere Kinderärztin um einen Termin gebeten und ihr die Probleme erklärt.
Ich soll alles dokumentieren, wie und warum er so ausflippt und wie er sich dann verhält.
Sie findet das in dem Ausmaß nicht mehr normal und vermutet autistische Züge.

Jetzt mach ich mir so meine Gedanken dazu, auch wenn noch gar nichts fest steht und unser Termin er in zwei Wochen ist.

Gibt es hier Eltern von autistischen Kindern?
Wie habt ihr bemerkt das eure Kinder anders sind und in welchen Alter ist euch das aufgefallen?

Ich würde mich freuen wenn jemand seine Erfahrungen mit mir teilen könnte.

Liebe Grüße, Nelly

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Ach ja, was ich vergessen hatte zu erwähnen...
Motorisch ist er fit und sprachlich ist er auch sehr weit.
Aber in letzter Zeit macht er Rückschritte was das sauber und trocken werden angeht.
Und er läuft sehr oft auf Zehenspitzen, das ist inzwischen schon im Kindergarten aufgefallen.

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Hallo Nelly,mein Sohn Brennon ist atypischer Autist,also gemerkt dass irgendwas nicht stimmt,bezüglich des Autismus (er hat noch Epilepsie) habe ich schon bevor seinen ersten Geburtstag gefeiert hat. Er hat die ganze Zeit durchgeschrien, ließ sich von niemanden in den Arm nehmen,erwiderte Lachen nicht und nahm kaum Blickkontakt auf. Sein erstes Wort hat er erst mit viereinhalb Jahren gesprochen.

Jetzt ist er 9 Jahre alt und sein Autismus ist kaum übersehbar.Tagtäglich hat er mehrere schwere Wutanfälle bei denen er sich auch schon mal selbst verletzt hat. Er spricht wenige Worte,drückt sich meist durch schrillen Geschrei aus,was wiederum seine lebensbedrohlichen Anfälle auslöst.

Wir leben nun neun Jahre (Diagnose mit 1,8 Jahren) mit einem Autisten,es gibt sehr anstrengende Momente, viele schlaflose Nächte usw. Aber man kann lernen damit umzugehen,es ist noch ein bisschen besser geworden.

Wenn du noch Fragen hast, kannst du mir gerne eine PN schicken, ich bin bereit mich auszutauschen.


LG Michaela

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Hallo Michaela,

vielen Dank für deine ausführliche Antwort.

Als Baby hat sich unser Sohn ganz normal verhalten und entwickelt, er war nicht gerade der beste Schläfer oder sonst anders als seine Geschwister.

Gelaufen ist er mit 14 Monaten frei und mit sprechen war er auch recht früh dran.
Bis letztes Jahr fand ich ihn völlig normal, dachte er hat die Trotzphase einfach extremer als seine Geschwister.

Aber seine Wutanfälle werden immer heftiger, ich habe inzwischen richtig Angst das er sich oder seine Geschwister mal ernsthaft verletzt dabei.
Es vergeht selten ein Tag ohne Wutanfälle und er steigert sich dann richtig rein.

Ich hoffe immer noch dass er einfach nur extrem bockt und trotzt.
Sollte es doch in Richtung Autismus gehen dann müssen wir lernen damit umzugehen.

Ich wünsche euch alles Gute!

Liebe Grüße, Nelly

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Hallo,

Meine Tochter (7) ist Autistin. Wir haben allerdings erst seit einer Woche die Diagnose, bis dahin war ein weiter Weg. Bei ihr fing es auch mit 3 Jahren an, erst bin ich zur Erziehungsberatung, später zu einem Kinder Psychiater, der aber leider eine falsche Diagnose gestellt hat. Dadurch haben wir 2 Jahre verloren. Als meine Tochter dann Anfang des Jahres keine Kleidung mehr am Körper ertragen konnte und sich massiv selbst verletzt hat bin ich mit ihr in die Psychiatrische Ambulanz. Das war die beste Entscheidung, sie ist seit Januar in der Tagesklinik, wird in 2 Wochen entlassen. Der Verdacht Autismus stand schon zu Beginn im Raum, daher konnte ich mich schon damit befassen und habe ein ganz tolles Buch gefunden das mir sehr geholfen hat.

Ich selbst wäre nie auf Autismus gekommen weil ich das vorher gar nicht kannte.

LG
Sunny

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Vielen Dank für deine Antwort und Erfahrungen!

Da habt ihr ja auch schon ganz schön was durchgemacht.

Das Problem mit der Kleidung haben wir auch, allerdings ein bisschen anders.
Unser Sohn hasst Handschuhe, unmöglich die an seine Hände zu bekommen.
Mütze und Schal ist auch schwierig und je nach Tagesform unmöglich anzuziehen.
Manchmal zerrt und zieht er an seiner Kleidung oder Socken und ist erst zufrieden, wenn er ausgezogen ist.

Unsere Kinderärztin möchte uns nächste Woche zum Termin sehen und entscheidet ob und wohin wir überwiesen werden.

Liebe Grüße, Nelly

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Also Socken, Mütze, Schal oder Handschuhe würde meine Tochter nie tragen, auch nicht bei -18 Grad wie wir es diesen Winter hatten. Sie hat den ganzen Winter ihre ganz dünnen Sommerhosen getragen, was anderes geht nicht. Im Sommer trägt sie weite Kleider, da fällt es dann nicht auf. Ich sehe das mittlerweile locker, sie friert nicht. Es gibt Barfussschuhe die man in der Waschmaschine waschen kann 🤷‍♀️

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Das klingt anstrengend- jedoch muss nicht immer gleich Autismus dahinter stecken u so früh kann man das auch noch nicht diagnostizieren denke ich. Wie sieht es mit Wahrnehmungsstörung aus - ich würde mich hier mal einlesen u vergleichen, inwiefern du Parallelen siehst - ich würde mal die Ergotherapie ins Auge fassen. Wenn sich dein Kind selber verletzt und sehr wagemutig ist, hat es evtl eine gestörte Wahrnehmung ( Taktil/ propriozeptiv)
Alles gute Euch

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Vielen Dank für deine Antwort!

An eine Wahrnehmungsstörung habe ich noch gar nicht gedacht.
Dazu werde ich mich auf jeden Fall belesen und mal vergleichen was auf uns zutrifft.

Das die Diagnose Autismus in dem Alter schwierig ist, hat die Kinderärztin auch gesagt.
Nächste Woche haben wir unseren Termin und ich habe ordentlich dokumentiert was inzwischen bei uns los war.
Die Wahrnehmungsstörung werde ich auf jeden Fall ansprechen beim Arzt.

Liebe Grüße, Nelly

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Bei unserem Mittleren (6)(Asperger) haben wir es an folgenden Punkten bemerkt:

- spielt nur alleine (auch im Kiga nur für sich)
- rastet aus bei Veränderungen
- ist sehr stur und folgt seiner eigenen Logik
- sprach schon früh extrem gut
- benimmt sich insgesamt sehr sonderlich
- setzt sich extrem für Regeln ein, dass diese auch eingehalten werden

Unser Kleiner (bald 2) ist bestimmt auch im Spektrum, hat natürlich noch keine Diagnose:

- spricht super viele Worte und das sehr genau
- liest immer wieder dasselbe Buch (auch 10x innerhalb weniger Minuten)
- ist extrem geräuschempfindlich
- ist extrem empfindlich ggü. Reizen und schreit stundenlang am Abend, wenn der Tag etwas reizüberfluteter war
- bekommt sehr schnell extreme Wutafälle (haut sich und andere und beißt sich und andere)
- ist sehr unsicher anderen Menschen ggü. und lehnt eigentlich alle ab, außer Mama und Papa (sogar bei Oma undOpa schreit er oft "Nein! Bäh! Reicht mir! Bitte nicht!!!"
- er träumt oft ins Leere
- er spielt nur immer mit derselben Sache
- Er merkt viele Verletzungen nicht und wird aggressiv,wenn ich ihn trösten will, wenn er weint
- er wippt oft mit dem Oberkörper und läuft auch häufig sehr seltsam

.....bei mir wurde es als Kleinkind (Autismus und Hochbegabung) an genau denselben Merkmalen festgestellt, wie bei meinen Kindern. Dazu kam bei mir noch ein absolut schlechtes Körpergefühl und kaum Schmerzempfinden.

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Hallo und vielen Dank deine Antwort.

In vielen Dingen die du beschrieben hast, finde ich meinen Sohn tatsächlich wieder.

Er spricht auch sehr viele Worte,eigentlich schon richtige Sätze und ganz ordentlich und deutlich.
Im Kindergarten spielt er entweder alleine oder immer mit den zwei gleichen Kindern aber in der Gruppe fügt er sich trotzdem gut ein.
Stur ist er auch extrem und scheinbar hat er auch eine andere Logik als wir Eltern und seine Geschwister.

Eigentlich stimmt alles überein bis auf die Sache mit den Regeln, die will er meist brechen.

Nächste Woche haben wir erstmal den Termin bei unserer Kinderärztin, ich sollte alles dokumentieren was bisher passiert ist.
Sie wird dann entscheiden ob und wohin wir zur Abklärung überwiesen werden oder ob es noch zu früh ist.
Ich bin gespannt 🤷🏻‍♀️

Liebe Grüße, Nelly

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Zu den Regeln:
viele Autosten befolgen nur Regeln, die sie selber als logisch erachten. Das bedeutet halt, dass viele aufgestellte Regeln der anderen nicht beachtet und gebrochen werden.
Andere Regeln, die selbst als nachvollziehbar angesehen werden, werden dann aber strikt befolgt.
Bei so kleinen Kindern sind die meisten Regeln der Erwachsenen leider noch nicht logisch nachvollziehbar, sodass diese dann wohl auch ungern befolgt werden.
So kenne ich das zumindest.

Alles Gute für euren Termin :)

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