Ausziehen aus Mehrgenerationenhaus, obwohl man viel Geld investiert hat

    • (1) 08.02.18 - 11:04

      Hallo,
      wir wohnen mit meinen Eltern in einem Haus. Sie im EG und wir im OG/DG. Wir müssen immer durch ihren Flur, von dem ihre Räume abgehen, weil sich dort das Treppenhaus befindet. Seit 7 Jahren wohnen wir so, die ersten 6 noch mit meinen Großeltern. Da die nun beide verstorben sind, sind meine Eltern runter gezogen und wir haben jetzt 2 Etagen statt vormals einer. Wir haben 2 Söhne (3J und bald 8 Monate). Jetzt haben wir die letzten Jahre kräftig das Haus mit abbezahlt und auch einiges an Renovierungskosten wegen der neuen Etage bezahlt. Doch irgendwie kommt es mir so vor, als würde sich die Situation immer mehr verschlechtern. Sehr schleichend, aber doch. Dinge, die mich früher nicht gestört haben, nerven langsam und ich bezweifle, dass das die richtige Entscheidung war. Vor allem seid meine Großeltern als "Aufgabe" weggefallen sind. Habe gestern mit meinem Mann geredet. Der fühlt sich ganz wohl hier, wohl auch weil man eben den Babysitter im Haus hat. Jedoch arbeiten meine Eltern beide Vollzeit und so sind die Betreuungszeiten sehr begrenzt. Ich bin Einzelkind und habe noch nie getrennt von meinen Eltern gewohnt, zu meiner Mutter hatte ich schon immer ein sehr enges Verhältnis. Doch ich kenne den Grund nicht, aber langsam wird es mir zu eng. Sie meint alles nur gut, aber ich fühle mich eingeengt. Einfaches Beispiel: Meine Mutter ist der weit verbreiteten Ansicht, dass Kinder möglichst oft an die frische Luft sollten. Im Prinzip teile ich diese Meinung und habe schon oft genug ein schlechtes Gewissen, dass wir so selten länger draußen was machen. Hauptgrund ist mein Stubenhocker Mann. So kommt es manchmal vor, dass sie unseren Sohn nimmt und lässt mitschwingen "Jetzt gehen wir endlich Mal raus mit dem Kleinen." Was sie nicht ausspricht: "Das arme Kind kennt nur die Wohnung". Das verletzt mich. Ich habe es ihr mehrfach gesagt, dass ich diese "wir retten das Arme Kind" Haltung nicht mag, weil ich selbst schon ein schlechtes Gewissen deswegen habe und sie noch Salz in die Wunde streut. Dann sagt sie " Ja eben du weißt es ja eigentlich, dass ich Recht habe, das Kind muss mehr raus!" " Ich will ihm doch nur Gutes." Im Prinzip kann ich da kaum was dagegen sagen. Jedoch muss ich mir an jedem schönen Wochenendtag eine WhatsApp Nachricht durchlesen "Die Sonne scheint, was wollt ihr heute machen? Könntet ja raus gehen in den Park". Und so verfolgen sie quasi unser gesamtes Leben. "Guten Morgen, gut geschlafen! Guten Appetit! Wie geht es dem Kleinen? Hast du was gegen das Fieber gegeben? Was macht ihr heute? Warum weint er? Hatte er einen Wutanfall? Was war der Auslöser?....". Wir sind, wenn nicht persönlich, dann doch über Handy in quasi Dauerkontakt. Heute morgen hatte ich nicht geantwortet, keine 5 Min später klopfte es an der Tür und schon stand sie oben im Wohnzimmer "Na wie geht es dem armen Kranken Baby?"
      Ich bin es nicht anders gewohnt, manchmal nervt es mich aber dann doch. Wie momentan. Sie haben außer der Arbeit, einigen Familienangehörigen und Chor keinerlei Hobbies oder Freunde. Ich frage mich wie es in 6-7 Jahren wird, wenn sie in Rente sind. Dann werden sie noch mehr Zeit haben.
      In Sachen Erziehung versuchen sie schon unsere Regeln zu befolgen, aber doch gibt es sehr oft Süßigkeiten und TV Konsum für das Kind. Im Prinzip sollen sie ja auch verwöhnen dürfen, aber es ist einfach oft viel, weil unser Sohn natürlich oft nachschauen will, ob sie ihm was gebracht haben.
      Die Wohnung ist zwar nicht sehr hellhörig, aber man hört eben das Springen/Laufen und so können sie unseren Tag verfolgen. Mein Mann wird auch oft gerügt und zwar indirekt mir gegenüber "da hätte er dich jetzt aber Mal Unterstützen können statt einfach zu schlafen". Meist sind es Dinge, die ich vielleicht blauäugig von mir aus erzählt habe, wo dann sofort das Muttertier durchkommt und mich armes Kind vor meinem unzulänglichen Mann beschützen will. Meistens bin ich danach wütender auf ihn als davor, weil sie mich darin pushen sauer zu sein.
      Auf jeden Fall ging mir gestern durch den Kopf ob es wohl etwas bringen würde, z.b. ein Wochenenddomizil anzumieten (Schrebergarten, Camping usw) oder ob wir vielleicht doch ganz ausziehen sollten trotz all dem Geld, was hier drin steckt. Mein Mann sagte "nochmal Reden und Grenzen abstecken", aber ich kann jetzt schon prophezeien, dass wir in dieses Muster zurück fallen.
      Ich frag mich auch, ob Ausziehen wirklich viel bringen würde, weil viel über WhatsApp läuft. Sobald ich dort nicht sofort antworte wird sich gleich Sorgen gemacht. Das wäre ja auch dann nicht anders. Hier hätten wir in 2 Jahren das Haus abbezahlt und dann viel viel Geld übrig für schöne Dinge. In einer Mietwohnung wäre natürlich finanziell deutlich mehr zu stemmen. Was meint ihr?

      Hallo,

      bei deinen Erzählungen hatte ich Herz rasen. Nach paar Jahren hätte ich wohl ein Magengeschwür. Ich würde ausziehen und die Gründe dafür, würde ich meiner Mutter auch darlegen. Das Geld wäre mir egal, Hauptsache ich könnte in Frieden leben, ohne ständig beobachtet und kritisiert zu werden. Ich würde ihr auch klipp und klar sagen, dass wenn sie mit den Nachrichten nicht aufhört, dann mein Handy den Tag über nur für eine gewisse Zeit an wäre und ansonsten aus, oder ganz weg.

      Ich hab hier so eine Nachbarin, wir arbeiten am Auszug. ;-)

      #winke

      • Danke für die Antwort. Ich habe mit ihr in Ruhe gesprochen und sie hat es zugegeben, dass sie es in letzter Zeit "übertrieben" hat. Momentan wirkt es noch einigermaßen. Mal sehen wie lange...

    Das kommt mir alles sehr bekannt vor. Deine Mutter kann nicht loslassen, du kannst dich nicht abgrenzen. Sie ist übergriffig dir gegenüber.

    Du gibst ihr Futter, indem du ihr Sachen über die Ehe erzählst, die sie nichts angehen. Mach dir deutlich, dass sie nicht deine Freundin ist. Es geht sie nichts an, was zwischen dir und deinem Mann ist. Das ist ein Stück weit auch Verrat an deinem Mann. Er ist jetzt deine Kernfamilie, deine Loyalität darf nur ihm gelten. Vor deiner Mutter seid ihr immer einer Meinung, klärt es später zu zweit, wenn es anders ist.

    Bei uns ist das sehr ähnlich. Mir war das aber sehr klar und wir wohnen aus diesem Grund nicht mit meinen Eltern zusammen. Es wäre auch für uns der einfache Weg zum Eigenheim, meine Mutter könnte unsere Hilfe bei der Pflege meines Vaters gut gebrauchen und wir deren Anteil an einer Hypothek.

    Mich würde es kaputt machen. Ich könnte das nicht ertragen, auch nicht um den Preis des Eigenheims. Nein. Dann lieber eine ETW und einen Kleingarten, statt dem großen Haus mit Garten.

    Im Gegensatz zu deinem Mann bin ich der Meinung, dass es dir nicht gelingen wird, dich von deiner Mutter bei dieser Nähe genügend abzugrenzen. Das System funktioniert schon dein Leben lang, du machst ja mit. Für dich wäre es gesünder, eine räumliche Trennung von der Mutter zu haben. Am besten wäre vermutlich gewesen, du wärst ausgezogen als junge Frau.

    Für das erste würde ich meine Wohnungstür mit einem Knauf versehen, damit sie oben nicht so einfach reinkommen kann. Und dann würde ich ausziehen mit Mann und Kindern.

    Entschuldige meine offenen ehrlichen Worte. Ich wünsche dir alles Gute!

(9) 08.02.18 - 14:19

Hi,
wenn sie beide Vollzeit arbeiten, habt ihr doch gar nicht so viel Kontakt. Liest sich eher so, als wenn sie ständig an der Tür steht.

Und das mit dem rausgehen...sorry, auch wenn dein Mann ein Stubenhocker ist, kannst du auch alleine raus gehen, du scheinst doch eh noch Zu Hause zu sein.
Da kann ich deine Mutter schon verstehen.

Und im Endeffekt, wenn deine Kinder im Kiga, Schule sind, du wieder arbeitest, wird es ruhiger.
Vielleicht hast du jetzt einfach zu viel Zeit, um über alles möglich den Kopf zu zerbrechen.

Ansonsten, baut doch eine Aussentreppe und macht hier einen eigenen Eingangsbereich.

Wieso habt ihr das Elternhaus abbezahlt?
Die Eltern haben es doch bestimmt abbezahlt und ihr zahlt Miete?
Renovierungskosten, um es sich schön zu machen, hat man auch in einer Mietwohnung oder zahlt gleich für eine perfekte Wohnung mehr Miete.

lg
lisa

  • (10) 14.02.18 - 10:13

    Hallo, wir zahlen mit ab, da meine Eltern das Haus erst mit 50 gekauft haben und es daher sonst bis an ihr Lebensende hätten abzahlen müssen. Ja das mit der Zeit stimmt. Meine Eltern werden ja in einigen Jahren auch in Rente gehen und dann weiß ich eben nicht wie es wird Danke für die Idee mit dem Hauseingang.

(11) 08.02.18 - 14:55

----z.b. ein Wochenenddomizil anzumieten (Schrebergarten, Camping usw)--

Wie soll das werden, mit einem Stubenhocker Mann?
Warum sitzt Du denn auch in der Wohnung, nur weil Dein Mann das macht?

Konntet Ihr nicht das Treppenhaus abtrennen, wenn Ihr eh schon am renovieren ward?

(13) 09.02.18 - 09:03

PUH!
Wir leben ganz genauso, wie du es beschreibst.
Mit einem wichtigen Unterschied! Wir werden in Ruhe gelassen. Meine Eltern würden NIE!! einfach so hoch kommen. Sie würden klingeln oder anrufen.
Und genau das ist der Grund warum wir hier gut leben können.
Jeder gewährt dem anderen die eigene Privatsphäre.

Ich würde es nicht so einfach ausgeben an eurer Stelle.
Sprecht mit deinen Eltern. Stellt Regeln auf!
Erkläre ihr, was dich stört und warum.
Vielleicht gibt es die Möglichkeit, wie schon erwähnt, dass ihr durch Umbau einen separaten Eingang bekommt. Oder eine Außentreppe und die Wohnung so abtrennen.

Natürlich nervt mich meine Mutter auch hin und wieder. Und es gibt auch mal einen Keks mehr als notwendig. Aber in diesen Situationen erkläre ich auch noch mal, warum ich es nicht gut finde.
Dann gibt's zumindest eb paar Tage gar nix mehr und dann eben wieder 2 statt einem Keks.
Aber das sind die "Kompromisse", die wir hier eingehen.

Alles Gute für euch! Mery

  • (14) 14.02.18 - 10:16

    Danke für die Antwort. Tut gut auch Mal ein positives Beispiel zu erfahren. Ich habe mit ihr gesprochen. Das wirkt momentan noch einigermaßen, Mal sehen wie lange

    • (15) 14.02.18 - 11:06

      Ich drücke euch die Daumen!

      Naja. Ich denke, die meisten hier könnten sich ein Leben mit Eltern/Schwiegereltern NICHT vorstellen.
      Das ist zumindest das was ich meist hier lese.
      Aber Vor-und Nachteile wird es eben immer und überall geben.

      Aber, wenn ihr euch entscheidet dort wohnen zu bleiben, dann macht es.
      Vielleicht ziehen sich deine Eltern ja auch etwas zurück nach DEM Gespräch und denken nach...

      VIEL Erfolg euch! Mery

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