Nachtspeicheröfen

    • (1) 17.04.18 - 14:37

      Hallo,

      wir liebäugeln im Moment mit einem sehr schönen Miethaus.

      es ist freistehend, 124qm Wohnfläche auf 3 Etagen.

      Blöd nur, dass das gute Stück Nachtspeicheröfen hat.

      Laut Vermieter laufen diese über einen Alttarif mit Nachtstrom.

      Ich kenne mich überhaupt nicht mit diesen Öfen aus!

      Kann mir jemand erklären nach welchem Prinzip diese Heizung funktioniert und ob sich das überhaupt lohnt und welche Kosten dabei entstehen??


      PS: wir sind Leute, die selbst im Winter kaum heizen. Wir brauchen nicht durchgehend 23 Grad in der Wohnung, um im T-Shirt durch die Gegend zu laufen. Da aber selbst ich weiss, dass diese Öfen sehr teuer werden können, wahrscheinlich auch für "Wenigheizer", bräuchte ich eure Erfahrungen!

      Danke vorab.

      • Das Prinzip: Wärmespulen heizen in der Nacht Backsteine im Ofen auf (dadurch sind die Öfen sehr groß und schwer). Die in den Steinen gespeicherte Wärme wird am Tag langsam wieder abgegeben. Zur Unterstützung kann man ggf. ein Gebläse zuschalten.
        Nachteil: oft ist abends keine Wärme mehr da. Kurzfristiges Aufladen ist nicht möglich oder über Tagstrom sehr teuer. Eine Regelung funktioniert nur über das Gebläse.
        Überhaupt ist das ganze sehr unflexibel.
        Altverträge mögen günstige Nachttarife haben, die Tagtarife sind dafür entsprechend teurer.
        Alte Öfen (mit Asbest) wäre ein Ausschlusskriterium.
        Neuere Öfen sind OK, wenn Du mit den Einschränkungen leben kannst.
        Du solltest mit 20 - 30 Prozent höheren Heizkosten gegenüber einer Zentralheizung rechnen. .

        • Hallo Wildkatze,
          es gibt grundsätzlich zwei unterschiedliche Arten, wie Deine Heizungsanlage gemessen wird.
          Enweder hast Du EINEN Zähler mit Tag und Nachtstrom (Hoch- und Niedertarif NT/HT) über welchen der Verbrauch der Wohnung gemeinsam mit dem Verbrauch der Nachtspeicherheizung (NSP) gemessen wird. Hier hättest Du den Vorteil, dass Du den günstigeren Nachtstrom auch für die restliche Wohnung nutzen könntest, also Waschmaschine, Spülmaschine etc.
          Wenn Du aber ZWEI separate Zähler hast - einen für den Haushalt und einen für die NSP - wäre dieser Vorteil ausgeschlossen, weil Du dann den günstigeren Nachtstrom nur für die NSP nutzen kannst. Wann der Nachtstrom zur Verfügung steht, kannst Du am Zähler sehen. Rechts vom HT/NT Zählwerk ist entweder ein Pfeil, oder eine farbige Markierung.
          Steht der Pfeil oder die Markierung am oberen Zählwerk hast Du Tagstrom (HT), steht der Pfeil oder die Markierung am unteren Zählwerk hast Du (NT).
          Möglich wäre auch, dass die NSP tagsüber bis zu 2 Stunden nachladen kann.
          Kommt darauf an in welchem Netzgebiet Du wohnst.
          Im Zweifelsfall wendest Du Dich an Deinen Netzbetreiber und erfragst die genauenZeiten.
          Egal ob Du einen oder zwei Zähler hast. Das Prinzip der NSP Heizung ist immer gleich.
          In der Nacht werden die Heizstäbe in den Öfen aufgeheizt und die Wärme wird in den Schamottsteinen gespeichert. Die gespeicherte Wärme wird dann tagsüber über die Oberfläche des Ofens, oder über das eingebaute Gebläse abgegeben.
          Um das Gebläse einzuschalten müssen Raumthermostaten vorhanden sein an denen Du die gewünschte Raumtemperatur einstellen kannst.
          Angenommen Du stellst 23 Grad ein, schaltet das Thermostat das Gebläse im Ofen an, bis am Thermostat 23 Grad erreicht sind. Das Gebläse wird dann wieder ausgeschalten.
          Sinkt die Temperatur am Thermostat ab, wird das Gebläse wieder eingeschalten bis die eingestellte Temparatur erreicht ist. Das wiederholt sich immer wieder.
          Das Thermostat hat also nur Einfluss auf das im Ofen eingebaute Gebläse und hat nichts mit der Aufladung in der Nacht zu tun ! Deshalb auch das Thermostat abends immer runter stellen, vielleicht auf 15 Grad. Wenn das Gebläse nämlich nachts läuft, bläst es Dir die Wärme, die eigentlich im Ofen gespeichert werden soll gleich wieder aus dem Ofen und die gespeicherte Wärme reicht dann nicht mehr bis zur nächsten Aufladung.
          Zur Aufladung selbst:
          Im Idealfall ist eine Aufladesteuerung vorhanden, welche die Außentemperatur und die Restwärme im Ofen misst.
          Bei einer angenommenen Aufladezeit von 8 Stunden (22 Uhr - 6 Uhr) rechnet die Steuerung aus, wieviel Stunden die NSP aufgeladen werden muss.
          Beispiel:
          Außentemparatur - 5 Grad - Restwärme im Ofen 30 % - errechnete Ladezeit - 50 %, also 4 Stunden.
          Außentemperatur -15 Grad - Restwärme im Ofen 0% - errechnete Ladezeit 100 %, also 8 Stunden.
          Nachtspeicherheizungen haben in der Regel eine Rückwärtssteuerung, d.h. die errechnete Ladezeit wird immer rückwärts, vom Ende der Ladezeitfreigabe berechnet.
          Bei einer Ladezeit von 4 Stunden lädt die Heizung nicht von 22-2 Uhr, sondern von 2- 6 Uhr. Das hat den Vorteil, dass die Öfen auch wirklich erst dann voll geladen sind, wenn Du die Wärme benötigst, nämlich morgens um 6 und nicht schon nachts um 2.
          An der Aufladesteuerung kann man die Ladekurve verändern, sodass vom Sollwert nach unten "kälter" oder nach "oben" korrigiert werden kann. Wärmer bedeutet mehr Verbrauch - kälter bedeutet weniger Verbrauch.
          So, das war jetzt ganz schön viel Theorie, hoffe aber das ich es einigermaßen verständlich erklären konnte.
          Wichtig ist auf jeden Fall - abends Thermostat runter drehen !

      Hallo,

      wegen der Kosten würde ich mal fragen, ob der Vermieter Dir sagen kann, was für Kosten die derzeitigen Mieter im Monat haben.
      Auch, wenn Euer Heizverhalten vielleicht etwas anders wäre, ist das schon einmal ein Anhaltspunkt.

      Ich würde auch mal fragen, wie alt die Anlage ist und wie man sie steuern kann.

      Ich habe mal in einer Firma gearbeitet, wo es alte Nachtspeicheröfen aus den 70er oder 80er Jahren gab. Da musste man die Heizung abends immer aufdrehen, wenn man vermutete, dass es am nächsten Tag kalt sein könnte. Wenn man Freitags ging, war es auch klug, sich den Wetterbericht von Montag anzusehen. Ansonsten saß man am nächsten Tag oder am Montag im Kalten. #snowy

      LG

      Heike

    • Wir waren vor einiger Zeit in der ungünstigen Lage über 6 Monate (Okt-März) in einer Wohnung mit Nachtspeicheröfen leben zu müssen.
      Wir zahlten monatliche Heizkosten in Höhe von 180,-€ bei 100 qm beim Auszug kam dann der Hammer wir mussten 1300,-€ nach bezahlen...
      Trotz günstigem Vertrag etc.

      Ich würde so eine Wohnung/ so ein Haus nie wieder Mieten egal wie traumhaft sie wäre...

      Lg

      • Hohe Nachzahlungen sind aber normal, wenn man nur in den Wintermonaten in einer Wohnung wohnt. Hättet Ihr die EUR 180,00 Abschlag auch in den Sommermonaten (in denen die Heizung i.d.R. aus ist) gezahlt, wäre die Nachzahlung mit EUR 220,00 deutlich moderater ausgefallen.

    Diese Heizart war ein Grund weswegen wir umgezogen sind. Für eine 2 Zimmer Wohnung mit ca 50 qm haben wir monatlich 200 € Stromkosten gehabt. Meistens gab es am Ende was zurück, aber es gab auch schon saftige Nachzahlungen. Neben den exorbitanten Kosten, war der größte Nachteil, dass selbst die aufgeladenen Heizungen (die selber zum verbrennen warm sind) den Raum nicht warm bekommen, das Gebläse (der größte Stromfresser) schafft das zwar für den Moment in dem es an ist, aber wehe einer lässt danach die Tür 5 Minuten auf, zack Wärme weg. Ich lag im Winter mit zwei Decken, Kuschelsocken über der Kuschelhose, sowie Pulli über einem T Shirt und Kapuze über dem Kopf im Bett und bei minusgraden war mir trotzdem noch kalt.
    Und umso größer der Raum um so weniger warm bekommst du ihn.
    Und die Heizung braucht ca. zwei Tage bis sie wirklich nutzfähig aufgeladen ist. Sprich so ein plötzlicher Kälteeinbruch ist ne Katastrophe. Und natürlich gilt kein Strom keine Heizung, ist also irgendwas im Haus kaputt was den Fi Schalter fliegen lässt, dann ist es das gewesen mit der Heizung.
    Alle Menschen die ich kenne die so jemals geheizt haben, sagen einmal und nur wieder. Sehr teuer und sehr ineffizient

    • Hm,
      dann habt ihr etwas falsch gemacht. Wir nutzen das Gebläse fast überhaupt nicht und der Raum ist warm. Unser Wohnzimmer hat eine Grundfläche von 30 qm und eine Höhe von 3,50 m und wir bekommen es locker kuschelig warm ohne das Gebläse laufen zu lassen. Man muss halt nur die Türen zu lassen und nicht sperrangelweit offen stehen lassen. Die Heizungen brauchen bei uns auch nur eine Nacht, um richtig aufgeladen zu sein. Vielleicht waren Eure Heizkörper auch einfach zu alt, um richtig zu funktionieren. Denn so heiß, dass man sich daran verbrennen kann, haben wir noch keinen Heizkörper gehabt. Und wie gesagt, ich wohne Zeit meines Lebens in diesem Haus, welches mein Opa 1951 gebaut hat und der dort die Nachtspeicheröfen eingebaut hat (sind natürlich mittlerweile andere :-)), aber ich habe noch nie gehört, dass sich jemand aus unserer Familie an den Heizkörpern die Finger verbrannt hat. Im Gegenteil, hier werden die Heizkörper gerne als Sitzgelegenheit genutzt, wenn wir im Winter z.B. vom Schlitten fahren wieder reinkommen. Da wärmt man ruckzuck selbst wieder richtig auf.

      Wir zahlen im Monat 200,00 € an Stromkosten (für Haupt- und Nebentarif) für eine 130 qm Wohnung zzgl. Keller, bei der im Winter 5 Nachtspeicheröfen an sind. Meine Schwiegermutter heizt mit Gas und hat eine ähnlich Wohnfläche, sie bezahlt für Strom und Gas zusammen das gleiche wie wir. Wir haben mal kleine Nachzahlungen, die sich zwischen 30 und 50 € belaufen, das finde ich nicht viel.

      LG
      Elsa01

Guten Abend Wildkatze,

wir heizen unsere 100m² Wohnung ebenfalls mit Strom. Haben eine elektrische FBH. Wir zahlen im Monat 80€ für Nachtstrom und kommen damit aus. Nachzahlen mussten wir noch nie. Zusätzlich haben wir uns einen kleinen Petroleumofen (nach Absprache mit unserem Vermieter) gekauft, um die Zeiten zu überbrücken, in denen der Speicher leer ist. Damit kommen wir gut klar.


LG,
keith

Hallo,
wir haben noch nie etwas anderes als Nachtspeicheröfen gehabt und wir kommen damit gut zurecht. Sei es finanziell als auch mit der Art zu heizen. Man muss allerdings immer etwas voraus schauend planen, da die Heizungen ja aufgeladen sein müssen, um überhaupt Wärme abzugeben. Aber es wird ja oft nicht von jetzt auf gleich richtig kalt. Die Heizungen laden auch nachts nicht unbedingt immer komplett auf, sondern nur so viel, wie sie auch tagsüber auch an Wärme abgegeben haben. Es ist quasi wie ein Akku, der die Wärme speichert, abgibt und wieder aufgeladen werden muss (so würde ich das jetzt mal erklären).
Wenn Du einen Haupt- und Nebentarif hast (was allerdings nicht bei so vielen Stromanbietern gibt), hält sich das alles preislich in Grenzen. Bei uns läuft der Nebentarif ab abends 22 Uhr bis morgens 6 Uhr. In dieser Zeit laufen aber auch alle anderen Geräte auf dem Nebentarif, so dass ich in der Zeit z.B. Waschmaschine (die langen Programme), Trockner und Spülmaschine laufen lasse.
Wir finden diese Nachtspeicheröfen auch dahingehend gut, dass diese sehr langlebig sind. Und wenn mal ein Nachtspeicherofen kaputt geht, geht halt nur dieser eine Ofen kaputt und man tauscht nur diesen einen aus. Wenn eine Heizungsanlage kaputt geht, ist das sofort wesentlich teurer. Und bei Nachtspeicheröfen muss der Schornsteiger nicht kommen, um irgendwelche Messungen durchzuführen.
LG
Elsa01

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