Handwerker meldet sich nicht - Auftrag stornieren?

Hallo,

im November letzten Jahres war ein Fensterbauer hier und hat uns ein Angebot für eine neue Haustür, eine neue Terrassentür und zwei Fenster gemacht, alles Sonderanfertigungen. Wir haben dem Angebot zugestimmt, es per Fax bestätigt und uns in persönlicher Absprache darauf geeinigt, dass es im Januar in KW2 losgehen soll. Das passte auch von den Lieferzeiten.

Im Januar ist nichts passiert. In KW3 habe ich dann angerufen und nachgefragt. Der Chef sagte mir, es geht am 21.01. los. Aber auch da ist nichts passiert. Ich habe wieder telefonisch nachgefragt und man sagte mir, dass alle Mitarbeiter krank wären und man sich melden würde. Seitdem ist nichts weiter passiert und ans Telefon ist auch niemand gegangen. Ich habe dann aufgehört es zu versuchen.

Bis jetzt ist nichts passiert und ich frage mich, ob wir den Auftrag zurückziehen oder stornieren können. Wir wissen nicht mal, ob die Produkte tatsächlich angefertigt wurden.
Wenn das nicht so ist, dann könnten wir ja sicherlich bei einem anderen Fensterbauer anfragen. Wenn ich jetzt einen Brief schreibe und beim ursprünglichen Fensterbauer nachfrage, dann wird der doch sicherlich sagen, dass bereits alles vorgefertigt ist und wir warten wieder.
Wir möchten auch nicht eine Frist setzen, denn wir wissen ja nicht, was da los ist beim Fensterbauer und warum er uns so hängen lässt.

AGBs liegen uns übrigens nicht vor, die wurden und weder beim Angebot übermittelt noch sind sie auf der Webseite zu finden.

Vielleicht wisst ihr Rat.

Viele Grüße
lilavogel

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Wir werden jetzt auch nicht wissen was deinen Handwerker von seiner Vertragserfüllung abhält, mag tatsächlich sein, dass wesentliche Teile seiner Belegschaft im Krankenstand sind. Per Anrufbeantworter oder Informationen auf der Website darauf hinzuweisen sollte aber zumutbar sein und auch guten Kundenservice entsprechen.

Wenn ich als Rechtslaie den Artikel 323 im BGB richtig verstehe, solltest du vom Vertrag zurück treten können, wenn du dem Handwerker zuvor eine angemessene Frist zur Vertragserfüllung gesetzt hast und diese Frist fruchtlos abgelaufen ist.
Ich würde beide Briefe aber im freundlichen Ton verfassen und auf die bisher erfolglosen Kontaktversuche hinweisen.

Schau aber bitte erst bei anderen Handwerkern, ob da nicht das gleiche Problem auftaucht.

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Vielen Dank für deine Antwort.

Andere Fensterbauer arbeiten, jedenfalls sehe ich im Neubaugebiet eine Straßen weiter immer zwei Firmen, die tagtäglich dort den Dienst aufnehmen. In unser Stadt gibt es laut Google 13 Fensterbauer. Ob die alle arbeiten, weiß ich natürlich nicht.

Eine Fristsetzung in den aktuellen Corona-Zeiten finde ich schwierig und das möchte ich auch ehrlich gesagt nicht. Es ist im Grunde genommen ja kein dringender Auftrag, wir haben eine Haustür und Fenster. Und ich kann es verstehen, wenn einige Handwerksbetriebe jetzt sagen, dass sie zum Schutz ihrer Mitarbeiter nur dringende Reparaturaufträge wahrnehmen und den Rest verschieben. Ich wüsste auch nicht, welche Frist angemessen ist. Was denkst du, was wäre eine angemessene Frist?

Wir haben auch schon darüber nachgedacht, ob die Materialien vielleicht nicht lieferbar waren, aber laut Zeitplan müsste alles noch vor Weihnachten fertig gewesen sein, spätestens Anfang Januar. Da hätte es noch keine Engpässe geben dürfen.

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Ich gebe dir recht, in den aktuellen Zeiten ist Zwang nicht gerade das beste Mittel der Wahl. Aber trotzdem sollte man als gute Handwerksfirma seine Kunden weiterhin betreuen und sei es nur durch Information, dass man derzeit Probleme mit der Leistungserfüllung hat, anstatt sie am langen Arm verhungern zu lassen.

Da du selbst sagst, dass die Leistungen nicht dringlich sind, kann die Frist ruhig etwas höher ausfallen, ich persönlich würde da 4 Wochen empfehlen. Der Handwerker hätte dann genügend Zeit seine Leistung zu erbringen, oder sich zumindest zu melden um einen alternativen Termin zu vereinbaren.

Rührt er sich hingegen gar nicht, zeugt das für mich nicht von Zuverlässigkeit und dann hätte ich auch kein schlechtes Gewissen vom Vertrag zurück zu treten.

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Ganz so einfach ist es nicht. Wenn ein rechtsverbindlicher Vertrag zu Stande gekommen ist, kannst du nicht einfach sagen, ich will nicht mehr. Auch wenn es nachvollziehbar ist.
Habt ihr eine Auftragsbestätigung? Wenn ja, wurde dort ein Liefertermin genannt?
Ich sehe ein Problem darin, dass ihr viel per Telefon oder mündlich gemacht habt. So kannst du nichts beweisen. Deshalb würde ich dem Handwerker eine schriftliche Frist zur Lieferung setzen und das per E-Mail, Fax oder Einwurfeinschreiben. Darin würde ich ihm sagen, dass die bisherigen vereinbarten Termine nicht eingehalten wurden und du nun eine letzte Frist zur Erfüllung des Vertrages vom.... Datum und dass du vom Vertrag zurück trittst wenn der Termin nicht eingehalten wird.

Jetzt einfach jemand anderem beauftragen kann nach hinten los gehen.

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Ach so, falls du keine Auftragsbestätigung hast, kannst du versuchen es darauf ankommen zu lassen und ihm direkt schreiben, dass du, da der Auftrag immer noch nicht bestätigt ist, deinen Antrag zurück nimmst und die Fenster nicht mehr haben möchtest. Der rechtsverbindliche Vertrag wäre nämlich erst mit Zusendung einer Auftragsbestätigung durch den Handwerker zustande gekommen

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Tut mir leid, aber ein Vertrag kommt zustande durch Angebot und Annahme, nicht durch Angebot, Annahme und Bestätigung. Wenn die TE auf Basis eines Angebotes etwas beauftragt, dann steht der Vertrag.

Eine nicht erhaltene Bestätigung ändert daran nichts mehr.

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Ich kenne die Zwickmühle, aber ohne "Zwang" erreichst du manchmal nicht viel. Nach dem Motto "Wer am lautesten schreit...".
Ich würde einen Brief schreiben mit Fristsetzung. Wegen der aktuellen Lage meinetwegen 4 Wochen. In dem Schreiben kannst du auch ruhig festhalten in welchem Zeitraum die Arbeiten erledigt sein müssen (zB innerhalb 2 Wochen). Verweis ruhig auf die mehrfachen Nachfragen und wie lange ihr schon wartet...
Nach Ablauf der Frist musst du eine weitere Fristsetzung inkl. Kündigungsandrohung stellen. Erst wenn die auch fruchtlos verstreicht kannst du den Vertrag kündigen.

Wichtig ist, dass es schriftlich ist wegen der Dokumentation.

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Vielen Dank für eure Antworten, sie helfen mir wirklich weiter.

Wir haben nun den Plan gefasst, dass wir bis Mitte April warten und dann das persönliche Gespräch suchen. Mitte April, weil wir uns erhoffen, dass bis dahin langsam klar sein wird, wie es weitergeht mit den Einschränkungen durch Corona. Vielleicht finden wir eine Einigung, wir sind sehr an einer guten Lösung für alle Seiten interessiert. Das Ergebnis dieses Gesprächs werden wir schriftlich dokumentieren und dem Fensterbauer schicken. Das wird halt dann entweder ein fester Termin sein oder die Auflösung des Vertrags.

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Ich würde da gar nicht bis Mitte April warten. Fristsetzung und fertig.

Was bringt dir das warten? Die Handwerksbetriebe arbeiten alle weiter.

Ich verstehe gar nicht, was hier alle für ein Verständnis für schlampiges Arbeiten von Handwerkern haben. Ich bin an der Erbringung einer Leistung interessiert, dafür bezahle ich auch, wenn die nicht oder nur schlecht reagieren, war es dann halt.

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Eure Geduld und euer Verständnis in allen Ehren - aber ein Betrieb, der solch eine schlampige Arbeitsweise hat und euch jetzt schon mehrmals wg. des Termins vertröstet (in meinen Augen angelogen) hat - das wird doch nichts mehr. Also ich kann mich nicht vorstellen, dass die Qualität der Arbeit da groß besser ist als der bisherige Auftritt. Vom vermutlichen Tot-stellen bei Problemen ganz abgesehen. Am Ende sitzt ihr auf einer Baustelle und die tauchen wieder ab - und für angefangene Arbeiten findet man kaum seriöse Handwerker, die das ausbessern, weil das eben meist Löcher ohne Boden sind.

Niemals würde ich mit diesem unzuverlässigen Betrieb noch zusammen arbeiten wollen.

Solche Betriebe landen oft (zurecht) in Insolvenz, dann is auch nix mit Gewährleistung oder so...

Schriftlich Frist setzen zur Erfüllung (meinetwegen 4 Wochen wg. Corona), dabei auf die mehrmalige Verschiebung hinweisen. Und hoffen, dass die Sache dann vorbei ist.