Angst vor Wohnungsübergabe

In wenigen Tagen steht die Übergabe unserer alten Wohnung an. Wir haben die Wände frisch geweißt, Bad, Fenster und Böden geputzt und natürlich alles rausgeräumt. Die Wohnung ist definitiv in dem Zustand wie bei Einzug, abgesehen von normalen Gebrauchsspuren auf dem Laminat. Leider waren wir damals etwas blauäugig und haben ein paar Dinge nicht im Übergabeprotokoll vermerkt. Zum Beispiel haben die uralten Holztüren Risse - dort wo die Bretter aneinander geleimt sind. Unserer Meinung nach liegt das am Holz und nicht an unserem Umgang mit den Türen. Oder die Tapete ist an einer Stelle gerissen, da dort eine Tür zugemauert wurde, das Holz aber arbeitet und hervortritt...
Nun haben wir Sorge, dass uns das angelastet wird. Unser Vermieter hat schon Andeutungen gemacht und leider ist das bisher gute Verhältnis in den letzten Wochen von seiner Seite aus stark abgekühlt. Ich bin psychisch richtig fertig, weil ich eine riesige Nachzahlung fürchte, obwohl wir ja nicht freiwillig ausgezogen sind und ohnehin durch ihn schon so viel Aufwand hatten.
Daher meine Frage: Wie können wir uns "schützen" vor evtl. ungerechtfertigten Forderungen? Wenn bei Übergabe nicht alles zur Zufriedenheit des Vermieters ist, muss er uns nochmal Zeit geben, die Fehler zu beseitigen?
Eine Mietrechtsschutzversicherung haben wir leider nicht. Am falschen Ende gespart... 🙄



Kurz zur Vorgeschichte:
Wie vor einiger Zeit berichtet, haben wir im Sommer von unserem Vermieter die Eigenbedarfskündigung erhalten. Wir haben inzwischen begründete Zweifel am Eigenbedarf, haben aber nun selbst gekündigt und sind bereits umgezogen. Wir haben durch Zufall und viiiiiiel Glück sehr kurzfristig eine schöne Wohnung gefunden. Nun müssen wir 2 Monate doppelt zahlen, da unser Vermieter natürlich einem Aufhebungsvertrag nicht zustimmte.
Nun hat er uns die letzten Wochen rund um den Auszug schon zur "Hölle" gemacht, mit immer neuen Anmerkungen und Dingen, die wir falsch gemacht haben. Davor war das Verhältnis 5 Jahre lang höflich und nett, keine Beschwerden! Jetzt kommt wöchentlich ein Gesetzestext per Whattsapp, was wir zu tun und lassen hätten. Nur mal als Beispiel: Wir wurden 5Tage nach Auszug erinnert, dass die Wohnung zu beräumen wäre und was noch alles rumsteht (Keller) - obwohl wir noch fast 2 volle Monate Zeit haben...

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Oh, so ein Mist.
Mit Übergabeprotokollen sollte man sorgfältig umgehen.

Alles, was du beschreibst, sind ja normale Veränderungen in einem Altbau.

Wie hoch ist denn die Kaution? Denn wenn er euch wirklich ärgern will, kann er nach Gründen suchen, die Kaution einzubehalten.

Wenn nicht-dokumentierte Schäden offensichtlich sind, könntet ihr auf alten Fotos suchen. Also quasi beweisen, dass das direkt nach dem Einzug auch schon so aussah.

Aber erstmal würde ich versuchen, cool zu bleiben. Vermutlich ist der Vermieter froh, dass ihr raus seid. Warum sollte er euch danach noch schikanieren?

Das Worst-Case-Szenario wäre ja erstmal, dass er die Kaution einbehält. Da müsstet ihr dann überlegen, wie viel (juristischen) Aufwand ihr treiben wollt, um die Auszahlung einzuklagen. Kommt vermutlich auf die Höhe an, ob sich ein Verfahren für euch lohnen würde oder wie dringend ihr das Geld braucht.
(Ich habe bei einer anderen Sache mal gegengerechnet, was mich die entsprechende Rechtschutzversicherung der letzten Jahre gekostet hätte, und habe die Sache auf sich beruhen lassen,mit dem Gefühl "Versicherung hätte sich trotzdem nicht gelohnt")

Wenn er Forderungen an euch stellt, die die Kaution übersteigen,ist er in der Nachweispflicht und ihr könnt Widerspruch einlegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand aus reiner Schikane so weit geht...


Aber nochmal:
Warte doch erstmal ab, wie weit der Vermieter geht.
Zur Sicherheit alles genau dokumentieren (deutliche Fotos vom aktuellen Zustand!!) dann seid ihr gewappnet für den unwahrscheinlichen Fall, dass er euch nach dem Auszug noch ungerechtfertigte Dinge anhängen will. Oder zuviel Geld für geringfügige Schäden einbehält.

Entspann dich -bald seid ihr ihn los!

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wann geht die Wohnung wieder an den Eigentümer zurück?
im Normalfall erst, wenn ihr keine Miete mehr zahlt!
und keinen Tag vorher, also am letzten Tag der Mietzahlung! vorher würde ich, wenn er sich so verhält auf keinen Fall übergeben

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Hast Du in deinem Bekanntenkreis einen Sachverständigen, oder jemanden, der selbst vermietet und ein gutes Selbstbewusstsein hat? Ein bisschen bluffen und sehr überzeugtes Auftreten wirken oft Wunder.
Ich hatte das auch mal, meine erste gemietete Wohnung. Der Vermieter war ein ziemlicher Ars... (bei Einzug war es noch ein anderer Eigentümer, die Wohnung wurde an den anderen verkauft, mein Mietvertrag ging an ihn über). Ich hatte umfangreich gestrichen etc. obwohl er schon gesagt hatte, dass er komplett renovieren wird, hat er darauf bestanden und dann schon so Andeutungen gemacht.
Deshalb hatte ich zum Übergabetermin meinen Vater dabei (der selbst vermietet und sich deshalb da gut auskennt).
Bei den Anmerkungen des Vermieters (dass schlecht gestrichen worden sei und er das auf meine Kosten nochmals von einem Handwerker machen lassen will) ist mein Vater ihm sehr selbstbewusst gegenüber aufgetreten.
Ich hatte trotzdem noch Monate lang Angst um meine Kaution, bis endlich irgendwann tatsächlich das Schreiben mit der vollen Rückzahlung kam.
Der Vermieter hat wohl gemerkt, dass wir uns das nicht gefallen lassen würden, sondern entsprechend im rechtlichen Rahmen uns wehren würden.

Du kannst ja mal einen Nebensatz fallen lassen und auf Deine Rechtschutzversicherung hinweisen (muss er ja nicht wissen, dass Du gar keine hast) oder einen Hinweis auf den Mieterschutzbund anbringen.

Ansonsten hätte ich Dir auch, wie eine andere TE schon, geraten, alte Fotos zu suchen, auf denen man den Zustand zum Zeitpunkt des Einzugs sehen kann.
Und klar, Holz arbeitet. Vielleicht kannst Du dazu noch ein paar Fakten googlen (a la x cm pro Jahr kommen vor) und ihm diese dann bei Bedarf nennen.
Bei uns (Altbau) ist es z.B. so, dass sich die Holztüren je nach Jahreszeit/ Temperatur verziehen. Aktuell klemmt seit einigen Tagen die Klotür :-(

Und: wenn er sich Dir so doof gegenüber verhält, würde ich ihm auch 0 entgegen kommen und die Übergabe auf den letzten Tag legen, solange wie ihr Miete zahlen müsst. Egal, ob ihr tatsächlich schon vorher draussen seid. Auf seinen Hinweis, dass die Wohnung zu räumen ist, würde ich ihm antworten, dass "selbstverständlich zum xx.xx. die Wohnung geräumt ist" xx.xx. = Kündigungstermin.

Ich kann Dich verstehen und drücke Dir die Daumen für einen einigermaßen akzeptablen Übergabetermin!

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Bei der Übergabe unbedingt einen Dritten dabei haben, der sich auskennt und entsprechend auftritt, wie schon jemand anders schrieb.
Es gibt leider Vermieter genug, die die Kaution liebend gerne behalten unter fadenscheinigen Begründungen. Mitgliedschaft im Mieterverein inkl. Rechtsschutzvers. ist nie ein Fehler, wenn man in Miete wohnt. Man ist dann vollkommen gelassen bei Problemen.
LG Moni

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Ihr müsst auf jeden Fall darauf bestehen, dass vor Ort ein Protokoll angefertigt wird, in dem dann alle Mängel aufgelistet werden. Und wenn ihr euch darüber einig seid wird da auch direkt daneben geschrieben mit wie viel € man diesen Mangel bewertet. Nur so ist sicher gestellt, dass der Vermieter danach nicht eine utopische Summe einbehält und ihr auch im Zweifel rechtlich dagegen angehen könnt, wenn ihr euch da ungerecht behandelt fühlt.

Ebenfalls werden in so einem Protokoll Zählerstände festgehalten.

Zudem könnt ihr versuchen, dass da als Fazit drin steht bis wann ihr die Kaution ausgezahlt bekommt. Denn mitunter wartet man darauf ewig.

Wenn ihr ein ganz schlechtes Gefühl habt würde ich einen Sachverständigen mit zur Übergabe nehmen, der kostet ca. 80-100€/Std.

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Achso…. ich hätte auf jedenfalls Blankoformulare dabei damit er sich dann nicht rausreden kann mit „ach, ich hab jetzt nichts dabei um das zu protokollieren.“