(traumatischer) Umzug

Vor 4 Monaten sind wir umgezogen - bekamen erst Mitte Juli spontan Bescheid, ob es mit der neuen Stelle klappt oder nicht (Lehrer). Alles musste dann SEHR schnell gehen, innerhalb von zwei Wochen mussten wir eine Wohnung finden... Kita-Platz organisieren, alles ummelden, damit wir Anfang September wieder arbeitsmäßig starten können.

Als mein Mann mir im Juli sagte, dass wir umziehen, brach für mich eine Welt zusammen, ich wollte nicht weg. Es war unsere kleine, feine Wohnung, wo wir so viel erlebt haben.
Jetzt wohnen wir circa 3 Stunden von unserem alten Ort weg - im Dorf, in einem Haus mit Garten - alles viel größer, ländlich und ruhig.
Erstmal nix zu meckern, aber ich hatte schon bei der Besichtigung ein komisches Bauchgefühl und hätte lieber ein Mietshaus mit mehreren Parteien gemietet.
Tja, aber mein Mann überstimmte mich, nach etlichen Diskussionen...

Es geht mir seit 4 Monaten nicht gut und das macht mir mittlerweile echt Angst.
Habe eine starke Unruhe in mir, Verspannungen in der BWS und Angst allein im Haus zu sein.
Ich weiß überhaupt nicht, was mit mir los ist - bin nicht ich selbst. Der Umzug hat mich total zerstört und viele in meinem Umfeld verstehen überhaupt nicht warum ich rumheule....

Vielleicht baut mich jemand auf? Hat ähnliche Erfahrungen?
Liebe Grüße

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Hallo,
ich denke, dein Kopf ist noch nicht hinterher gekommen. Du konntest wahrscheinlich nicht richtig Abschied nehmen.

Konntest du schon neue Kontakte knüpfen?

Kam das überraschend mit dem Umzug? Dein Mann muss ja einen Versetzungsantrag gestellt haben in diese Region.
Liebe Grüße

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Danke für deine Antwort.
Den Versetzungsantrag haben wir im März gestellt und da haben wir gedacht, dass es eh nix wird, weil viele in diese Region wollen. Habe gehofft und gebetet, dass wir nicht umziehen.
Im Juli dann der Schlag ins Gesicht, alles ging ganz schnell. Sechs Wochen Zeit für alles...
Der Umzug war auch chaotisch, Helfer sind abgesprungen, Sprinterbatterie leer, es war die Hölle...
Bis zum finalen Umzug hatte ich täglich Kopfschmerzen und habe geheult, als ob jemand gestorben wäre - übertrieben, aber es war halt so.

Mit Kontakten sieht es noch etwas Mau aus, aber das wird schon. Wichtig ist, dass ich irgendwie zur Ruhe komme.

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Ich befürchte, du standest von Anfang an nicht dahinter. Deshalb fällt es dir auch so schwer.

Wahrscheinlich musst du es jetzt schaffen, dich mit der Situation zu arrangieren und sie anzunehmen, damit es besser wird.

Notiere alles, was gut ist.

Arbeitest du selber auch?

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Ich verstehe dich.
Unsere Umzugssituation dieses war anders, aber ich bin ähnlich über mein Ziel hinausgegangen.
Denn das ist ja im Grunde:eine völlige Überlastung, in die du da geraten bist. Mit dem großen Manko, dass du dich dort auch noch nicht einmal wohlfühlst.
Was mir auffällt, dass es für mich so klingt (vielleicht habe ich es aber auch falsch verstanden), dass dein Mann solche Entscheidungen einfach trifft, ohne das du dahinter stehst
Wie kommt es, dass so Lebensverändernde Entscheidungen so plötzlich entschieden werden?
Wie kommt es, dass er dich bei der Wahl, der Wohnortes so einfach uberstimmt?
Da würde ich auch ansetzen.
Das sollte doch in einer Beziehung etwas sein, dass man gemeinsam entscheidet.

Generell rate ich dir, beobachte sich weiter. Ziehen notfalls rechtzeitig die reißleine, in dem du mit Experten sprichst.
Auch solche Lebensverändernde wie Umzüge oder gar Hochzeiten können Depressionen verursachen.

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Tut mir leid, aber das verstehe ich nicht ganz. Umzüge gehören halt mal zum Leben dazu, sind auch völlig normal. Letzendlich ist doch fast jede Wohnung nur eine Wohnung auf Zeit. Denke die wenigsten bleiben für immer in der gleichen Wohnung.

Dazu noch, ja klar, nicht dein Traum, aber wer wohnt schon in seiner Traum-Wohnung. Bei uns (auch sehr kurzfristiger beruflicher Umzug) hatten wir 2 Wochen vorm Auszugstermin gar keine Wohnung und fest damit gerechnt Obdachlos zu sein bzw. im Hotel zu leben. Haben dann eine abgeranzte Wohnung im schlechtesten Viertel bekommen, und uns super darüber gefreut weil alternative siehe oben. Da habt ihr es doch echt gut getroffen. Stimmt etwas mit dem neuen Haus nicht? Wieso hast du Angst allein im Haus zu sein? Bauchgefühl hin oder her, was ist denn objektiv schlecht an der Wohnsituation? Wovor hast du denn Angst?

Irgendwie geht es mir da genau wie deinem Umfeld, ich verstehe überhaupt nicht was jetzt das Problem ist ehrlich gesagt. Ihr seid umgezon, lästig sicherlich ja, viel Arbeit ja ganz klar, belastend auch wenn man es nebenei nebem einem Vollzeitjob macht, aber sonst absolut keine große Sache. Vielleicht kannst du vesuchen mir das nochmal zu erklären oder aber vl. verstehe ich das grundsätzlich nicht weil ich da anders empfinde?!

Hast du irgenwelche psychischen Grunderkrankungen? Normal finde ich das jedenfalls nicht.

Bearbeitet von MertE
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Ja, ich habe etwas ähnliches erlebt. Mein Mann wollte damals näher an seine Arbeitsstelle, nachdem er jahrelang ziemlich weit fahren musste. Nur gab es dort eigentlich keine Häuser, die wir uns leisten konnten, und ich war nicht begeistert davon wieder in eine Wohnung zu ziehen. Schliesslich hatte ich dann keine Argumente mehr, er wollte einen kürzeren Weg zur Arbeit haben. Also zogen wir um. Und ich fand es nicht so schön.

Erst hab ich noch gedacht, man gewöhnt sich dran, aber dem war nicht so. Die Gegend war auch irgendwie negativ, die Leute nicht freundlich. Keine Garage, oder auch nur ein fester Parkplatz für das Auto, kein gescheiter Sportverein. Zum Glück fand mein Mann auch, dass es nicht so gut war. Er konnte auch nicht so viel da machen, hätte gern eine Werkstatt gehabt. Also entschlossen wir uns noch einmal umzuziehen. Die Eigentumswohnung wurde wieder verkauft und wir fanden ein Haus, etwas weiter draussen, aber doch relativ gut zum Pendeln in die Stadt. Mein Mann hat eine Werkstatt und bastelt ausserdem noch in zwei verschiedenen Kellerräumen rum. Und ich hab wieder die offenen Räume, die mir gefehlt haben und die Leute sind auch netter. Und eine Garage, was ich auch gut finde.

Bei dir ist es eigentlich umgekehrt, daher ist es nicht sicher, ob es genauso funktioniert. Du willst wohl lieber das "engere", aber gewohnte haben. Da kann es schon sein, dass man sich dran gewöhnt. Die Frage ist ja, hattest du vorher etwas was du hier nicht haben kannst? Leute kennenlernen kannst du ja hier auch noch. Welche Möglichkeiten habt ihr dort, verglichen mit früher? Oft stört man sich ja dran, wenn man nicht das machen kann, was man vorher gemacht hat. Mir hat ein gescheiter Sportverein gefehlt und hier gibt es wieder einen. Ihr habt Kinder? Können die am neuen Wohnort sinnvoll beschäftigt werden? Solche Dinge sind ja wichtig. Wenn es aber nur das Neue ist - keine wirklichen Nachteile - dann könntest du dich dran gewöhnen.

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Sorry, Offtopic,

aber leider, leider ist das noch mal ein sehr guter Grund, jedem jungen Menschen vom Lehramtsstudium abzuraten.
Das ist ja wie bei der Bundeswehr: Mitte Juli Bescheid, wo es Anfang August weitergeht...!

Das passt nicht mehr zu einer Lebenswelt, in der Partner auch einen Job haben, Kinder in der KiTa eingewöhnt werden müssen und Wohnraum u.U. knapp ist.

Dass man in so einer Situation auch Entscheidungen trifft, mit denen man erstmal nicht so glücklich ist, ist doch klar.

Die Frage ist jetzt hier, ob du mit einer oder mehreren Entscheidungen wirklich unglücklich bist, oder ob du eine generelle Unzufriedenheit auf eure Wohnsituation projizierst. (Sorry, Unzufriedenheit ist ein blödes Wort dafür, du bist massiv von einer Entscheidung überrollt worden, dafür hatte ich kein besseres Wort).

Was hättet ihr gemacht, wenn es wir erwartet mit dem Versetzungsantrag nicht geklappt hätte?
Hättest du dann deinen Job gekündigt und einen neuen gesucht?
Oder erstmal nicht gearbeitet?

Ich würde wohl auch das nachholen, was man normalerweise vorher macht:
Pro- und Kontra-Listen schreiben. Und zwar für die neue Situation und durchaus auch für die alte, die ihr zurückgelassen habt.
Und dann vergleichen.
Wenn auf der alten Liste zu viel "Pro" Argumente auftauchen ist das erstmal blöd ;-) aber man hat auch konkrete Punkte, an denen man nachbessern kann.
Achtung: ehrlich und sehr konkret aufschreiben. Also nicht "Haus ist blöd" sondern "Garten macht zu viel Arbeit" oder "Kochgeräusche der Nachbarn fehlen mir".

Ich führe übrigens seit einem halben Jahr eine Liste - weil es mir emotional schwer fallen wird, unser altes Haus zu verlassen, schreibe ich alles auf, was mich hier stört.
Das sind unendlich viele Kleinigkeiten und wenn ich ehrlich bin, werden die nächsten Besitzer dieses Hauses viele davon beim Einzug einfach beseitigen. Aber Vorsicht, so ehrlich wollte ich gar nicht sein ;-) - denn diese Liste brauche ich, wenn mich im neuen Haus das Heimweh überkommt oder tausend Kleinigkeiten stören.

Ich habe aber den Bonus, dass wir unseren Umzug wirklich lang, lang voraus geplant haben.
Dass so ein "Überfall" aber traumatisch sein kann, glaube ich sofort.

Wenn immer wieder Tränen fließen, obwohl du im Kopf denkst, dass das Quatsch ist, wäre für mich der Punkt gekommen, mir vom Hausarzt (sobald du einen am neuen Ort hast...) eine Therapie verschreiben zu lassen. Vielleicht gibt es auch passende Kuren, im Moment würde ja das Kind noch fast automatisch mitgenommen.

Und eine letzte Sache:
Ich bin an fast jedem Wohnort immer erst richtig angekommen, wenn ich einmal weg war. Ein Kurzurlaub reicht. Das könntet ihr zuerst versuchen ;-)
Viel Erfolg.