Verhütung mit Kupfer - Erfahrungsbericht

    • (1) 30.07.18 - 10:00

      Hallo Community!
      Ich schreibe diesen langen Erfahrungsbericht, weil ich entsetzt darüber war und bin, wie wenig unabhängige und aus erster Hand stammende Informationen es zur Verhütung mit Kupfer im deutschsprachigen Internet gibt. Jede Website erzählt einem, das wäre eine ganz tolle Methode die quasi keine negativen Auswirkungen auf den Körper hat und überhaupt keine hormonellen Veränderungen bewirkt. Deshalb habe ich 2 Jahre unter starken Nebenwirkungen gelitten und war komplett verunsichert dies auf meinen Kupferball zurückzuführen. Auch auf die Ärztewelt ist diesbezüglich überhaupt kein Verlass, dazu später mehr.
      Ich muss noch erwähnen, dass ich hier keine Diagnosen oder offizielle, wissenschaftlich belegte Erkenntnisse vorweisen kann, ich habe nicht Medizin studiert und berichte lediglich wie es mir ergangen ist, denn nun ist mein Kupferball draußen und ich kann für mich persönlich sagen, welche Veränderungen sich gezeigt haben. Ich bezwecke damit, auch anderen Frauen, die Probleme mit KupferIUBs haben, die Informationen zugänglich zu machen die ich so dringend gebraucht hätte, um festzustellen, dass bestimmte Nebenwirkungen vom Kupfer ausgelöst werden.
      Kurz zu mir: Ich bin 24 Jahre alt, kinderlos und hatte mir vor 2 Jahren den Kupferball einsetzen lassen, aufgrund der Werbung, die meine Frauenärztin für ihn gemacht hat. Sie versprach mir 5 Jahre stressfreie Verhütung ohne Nebenwirkungen für schlappe 300€.
      Nun zu den Veränderungen die sich seit dem Einsetzen des Balls bemerkbar gemacht hatten:

      1. Mein Immunsystem war im Arsch. Ich wurde ständig krank, fing mir alles ein was so rumging, was vorher fast nie der Fall war und bekam alle paar Wochen Lippenherpes, was mich völlig fertig machte, weil ich mich damit nicht mehr vor die Tür getraut habe.
      Erst als ich nach ewiger Recherche herausfand, dass ein zu hoher Kupferanteil im Körper den Zinkhaushalt schädigt (und Zink ist ja bekanntlicherweise für das Immunsystem zuständig) konnte ich die Sache mit Zinktabletten einigermaßen in den Griff kriegen. Vergaß ich die Zinktablette allerdings einmal war garantiert sofort bald wieder ein Lippenbläschen da, dieser Umstand machte mir das Leben schwer.
      2. Meine Haut am Rücken veränderte sich völlig: Ich hatte nie besonders unreine Haut irgendwo, aber seit dem Einsetzen bekam ich zunehmend Pickel und Unreinheiten auf dem Rücken und den Schultern, und zwar sehr viel und über den ganzen Rücken verteilt. An Kleidung die den Rücken oder die Schultern von hinten zeigt war nicht mehr zu denken, was mich sehr deprimierte.
      3. Meine Libido verschwand völlig. Anfangs dachte ich, das Trauma des Einsetzens wäre schuld daran, und die heftigen Schmerzen, die ich seither immer wieder hatte. Aber in den gesamten zwei Jahren hatte ich quasi überhaupt keine Lust auf Sex, suchte Ausreden und vermied, dass es dazu kommen konnte. Mein Freund war super unglücklich darüber und wollte eigentlich schon nach wenigen Monaten, dass ich den Ball wieder entferne. Ist natürlich nicht gesagt, dass die Ursache nicht psychisch war...
      4. Mein Unterbauch war ständig geschwollen. Ich sah an 20 von 30 Tagen im Monat aus als wäre ich schwanger. Es fühlte sich sehr unangenehm an, ich konnte keine enganliegenden Oberteile mehr tragen und mein Spiegelbild bereitete mir wenig Freude.
      5. Ich hatte plötzlich das heftigste PMS. Eine gute Woche vor meiner Periode begannen meine Brüste extrem empfindlich zu werden und anzuschwellen. Ich hatte jeden Monat ca. eine Körbchengröße mehr drauf, aber unter Schmerzen. Ich hatte totale Lust auf Fett und Süßigkeiten und war wahnsinnig reizbar und emotional instabil. Anfangs dachte ich immer, ich wäre schwanger. Aber da es jeden Monat passierte musste ich es auf hormonelle Veränderungen zurückführen.
      6. Schmerzen, Blut und beides nicht zu knapp bei jeder Periode. Anfangs konnte ich 3 Tage lang kaum aus dem Haus gehen, erstens weil ich wehenartige Bauchkrämpfe hatte, die mich beinah zum weinen brachten, und zweitens, weil Blutschwälle aus mir herausbrachen, die kein Tampon und keine Binde auffangen konnten. Davor war meine Periode ziemlich unspektakulär und kaum einschränkend gewesen. Jetzt einfach eine Tortur, die mich im Alltag enorm einschränkte, so konnte ich ja nicht konzentriert lernen, längere Termine wahrnehmen oder ähnliches.

      Ich beklagte all das bei mehreren Ärzten. Alle versicherten mir, dass die Nebenwirkungen (bis auf die starken Blutungen und Bauchschmerzen) keinesfalls vom Kupferball kommen könnten, da dieser überhaupt keine Auswirkungen auf den Hormonhaushalt haben könne. Von Zinkmangel wussten sie alle nichts. Im Internet stand dasselbe, der Kupferball kann den Hormonhaushalt nicht beeinflussen, ist frei von Nebenwirkungen. Mir wurde empfohlen, keine Sojaprodukte mehr zu essen, eine Ärztin wollte „auspendeln“ ob der Kupferball „zu mir passt“ und sie sagten mir, ich müsse mich einfach mehr darauf einlassen, es sei psychischer Natur und dass ich mich wahrscheinlich nur unwohl mit dem Gedanken an das IUB fühlen würde. Hormonschwankungen könnten auch einfach an meinem Alter liegen (24?!) oder an der Ernährung. Eine Ernährungsumstellung und Verzicht auf Soja änderte gar nichts.
      Ich war sehr verunsichert und entschied mich aufgrund der ganzen Meinungen, den Ball nicht zu entfernen, denn sie sagten mir ja, ich würde mich das nur einbilden und der Ball hätte nichts damit zu tun. Außerdem sind 300€ nicht gerade wenig Geld und der Verhütungsmarkt bietet wenig Alternativen. Also litt ich weiterhin an all den Veränderungen und recherchierte hin und wieder auf eigene Faust. Nach 2 Jahren hatte sich nichts verbessert und ich stieß endlich im englischsprachigen Netz auf Erfahrungsberichte, die mich völlig schockierten und keinen Zweifel daran ließen, dass Verhütung mir Kupfer sehr wohl für komplette hormonelle Umstellungen, eine fehlende Libido, schlechte Haut, PMS und auch heftige psychische Probleme verantwortlich sein kann. Ich war eigentlich noch mehr schockiert darüber, dass kein Arzt für nötig hielt sich selbst zu informieren, wenn er schon selbst nicht darauf kommen kann/will, was Kupfer alles im Körper auslösen kann. KEIN EINZIGER! Im Endeffekt wird man wie ein Kunde im Kaufhaus mit Verkaufsstrategien umworben und angelogen, was eventuelle Schwachstellen des Produkts betrifft. Jahrelang, auf Kosten des Wohlbefindens der Patienten!
      Ich entschied mich also endlich, den Ball entfernen zu lassen, trotz kleiner Zweifel, ob das nun hysterisch und unangebracht sei, und Angst vor den Schmerzen beim Rausmachen. Die Ärztin versuchte bei dem Termin, den ich dafür ausgemacht hatte nochmals mich zu überzeugen, dass ich den Ball behalten solle, aber mein Entschluss wurde dadurch nur gefestigt.
      Das sind die Veränderungen, die sich nach dem Entfernen des Kupferballs eingestellt haben (es ist 2 Wochen her):

      1. Ich brauche kein Zinkpräparat mehr! Ich habe es ausprobiert und es kam kein Lippenbläschen.
      2. Meine Haut am Rücken wird immer besser. Es ist noch nicht alles weg, aber ich merke deutlich, dass die Unreinheiten zurückgehen und ein Top ist auch schon wieder drin, bin sehr glücklich darüber!
      3. Meine Libido kam zurück wie eine Flutwelle. Es ist fast schon unheimlich wie sexhungrig ich plötzlich bin, wenn mein Freund nicht zur Stelle ist, dann eben alleine und auch gern mehrmals am Tag :D
      4. Mein Bauch ist wieder flach! Das war nach 2 Tagen schon so. Endlich kann ich mich dem Wetter entsprechend kleiden ohne mich für meinen „Schwangerschaftsbauch“ schämen zu müssen. Ich habe außerdem in 2 Tagen 2 Kilo verloren, wahrscheinlich eingelagertes Wasser.
      5./6. Meine Periode hatte ich seither noch nicht, aber ich habe keine spontanen Bauchkrämpfe mehr, was super ist, und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht mehr an PMS und starken Schmerzen leiden werde, da sich die anderen, mit Hormonen zusammenhängenden Nebenwirkungen eingestellt haben, und die Schmerzen ja sogar offiziell mit dem Ball zusammenhängen.

      Ich fühle mich insgesamt wie neugeboren, emotional und körperlich und es ist sehr befreiend alle diese Lasten endlich los zu sein.

      Ich hoffe, ich kann irgendjemandem mit diesen Infos weiterhelfen, oder dazu ermutigen, sich vom Kupfer zu trennen, falls man diese Effekte bemerkt. Es gibt sehr viele Frauen, die keine Probleme mit dieser Verhütungsmethode haben, und das ist großartig, aber es ist einfach krass wie sehr diejenigen, die doch sehr darunter leiden ignoriert und stillgehalten werden. Eine absolute Unmöglichkeit, und mein Vertrauen in Ärzte ist ziemlich dahin. Es ist eben hauptsächlich Business. Wenn jemand noch andere Nebenwirkungen spürt oder sich unsicher ist, empfehle ich eine Recherche im US/englischen Internet, da gibt es sehr viel mehr, auch zur Kupfervergiftung, an der einige Frauen leiden. Vielleicht auch ich, aber da ich durchgehend Zink eingeworfen habe, was den Kupferhaushalt senkt, lässt sich das nicht genau sagen.
      Viele Grüße an euch alle, und mehr Mut zur Unabhängigkeit und Mündigkeit. Wir wissen meist intuitiv was unserem Körper guttut und was nicht, kein Arzt der Welt sollte uns davon abhalten uns wohl und gesund fühlen zu können.
      Würde mich freuen, wenn ihr auch von euren Erfahrungen berichten könntet, die damit zusammenhängen oder vielleicht ganz ähnlich sind. Je mehr Info in Foren gefunden werden kann, desto besser 😊

      • Danke für deinen Erfahrungsbericht! Es tut mir sehr leid für dich, aber, was du erlebt hast mit Ärzten bzw. Gynäkologen ist leider kein Einzelfall. Der Wille, sich über Ungewöhnliches zu informieren, ist selten vorhanden.

        Vielleicht wendest du dich mit deinem Erfahrungsbericht mal an Frau Dorothee Struck, sie ist eine sehr bekannte Gynäkologin, hat ein wichtiges Buch über nicht hormonelle Verhütungsmethoden geschrieben und forscht viel in dem Thema. Daneben bietet sie auch Webinare an und ist bestimmt interessiert an deiner Erfahrung.

        Ich würde deine Punkte gerne aber mal differenziert betrachten.

        In ihrem Buch erwähnt sie, dass bisher kein Fall dokumentiert wurde, bei dem es nur (!) durch ein Kupfer-IUP zur Kupfervergiftung kam..

        Auch echte Kupferallergien seien selten. Sie weist aber auch darauf hin, dass Verhütungsmittel mit Kupfer nicht für Frauen in Frage kommen, die an der Kupferspeicherkrankheit Morbus Wilson leiden.

        Wurde so etwas überprüft bei dir? Es gibt nicht viele Frauen, für die ein Kupferverhütungsmittel nicht in Frage kommt, aber es gibt sie und für die einzelne ist das sehr, sehr blöd.

        Ansonsten decken sich deine Erfahrungen teilweise mit denen ihrer Patientinnen. Der Kupferball kann bei der Einlage, weil er sich so aufspannt wirklich besonders schmerzhaft sein. Der Applikator ist wohl dünner als bei der Kupferkette, wenn der Gebärmutterhals eng ist, aber vielleicht wärst du mit der Kupferkette deutlich besser gefahren, was die Schmerzproblematik angeht.

        Deine anhaltenden Schmerzen können daher gekommen, dass der Ball einfach nicht das richtige IUP für deine Gebärmutterform war.

        Zum Rest kann ich wenig sagen, inwieweit deine Schmerzen, das geschwächte Immunsystem und deine Psyche den Zyklus beeinflusst und gestört haben.. Das hängt ja alles zusammen.

        Vielleicht hast du auch noch eine Endometriose, die durch das Kupferiup verstärkt worden war. IUP-Trägerinnen bluten häufiger retrograd, das heißt, Blut läuft auch über die Eileiter in den Bauchraum.

        Das ist in den meisten Fällen kein Problem, da das vom Bauchfell abgebaut wird. Wenn man an Endometriose leidet, dann hat man aber häufig auch Fehlfunktionen im Immunsystem..

        Sollte bei dir das zusammengekommen sein, dann kann es sein, dass diese normale Rückwärtsblutung dir durch das Anwachsen im Bauchraum besondere Schmerzen gemacht hat.

        Du solltest darüber mal mit einer Expertin reden! Das oben waren mal meine Ideen dazu, basierend auf dem Buch von Frau Struck.

        LG

        Wenn es danach geht, ist wohl kein Verhütungsmittel für jeden gleich geeignet. Es ist immer individuell. Alles hat seine Vor-und Nachteile.
        Die Pille hat auch einen schlechten Ruf. Trotzdem wird sie von so vielen Frauen angewendet.

        Hallo, ich habe eben mal im Internet geschaut. Habe aber nichts großartiges anderes als im deutschsprachigen Netz gefunden 🙈 vielleicht könntest du noch einen Link oder so reinstellen, wo ich das nachlesen könnte? Ich verhüte auch mit der Kupferspirale und mich würde das wirklich interessieren, da ich auch oft mitten im Zyklus Unterleibsschmerzen habe 🙈

        • Schmerzen mitten im Zyklus können auf den Eisprung deuten. Bist du bei F...book angemeldet? Wenn ja, da gibt es eine Gruppe: Kupferspirale und Kupferkette.

          • Hey, ja den Eisprung spüre ich manchmal sehr deutlich und manchmal gar nicht. Aber ich habe mal gelesen, dass die Eisprungschmerzen nur so ca einen Tag anhalten sollten. Ich hab das manchmal über eine Woche verteilt. Immer mal ein Stechen hier, ein Ziehen über paar Stunden und dann wieder weg...ist irgendwie komisch bei mir 🙈
            Ja bei Facebook bin ich. Danke da werde ich mal nachschauen :)

      Hatte mit Goldluna Mini fast die selben Erfahrungen.
      1. Extreme Blutungen (hatte sonst max 5 Tage), zT 20 Tage lang Schmierblutungen am Stück.
      2. Schmerzen und Krämpfe. 2x während der Periode, 1x während des Eisprungs. Ohne Schmerzmittel ging das nicht.
      3. PMS, das sich über die 2 Jahre Spirale aufschaukelte - hatte ich vorher nie
      4. unreinere Haut. Nicht arg schlimm aber mehr als zuvor
      5. Zwei Ärzte haben mir erklärt das käme alles von Hormonschwankungen, die ich noch nie hatte. Ich solle halt eine Pille nehmen. Zusätzlich oder nur. Der dritte Arzt hörte endlich zu und riet mir, die Spirale zu entfernen. Seitdem fühle ich mich viel besser, die Periode wird kürzer, gar keine Schmierblutungen mehr.
      Mir konnte leider der Arzt auch nicht sagen woher die Symptome kommen. Ist es die Größe der Spirale oder das Kupfer?!

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