Baby auf Intensivstation zu Zeiten von Corona

Hallo ihr Lieben,

ich bin ziemlich verzweifelt und hoffe, dass ihr mir irgendwie helfen oder einen Rat geben könnt. Meine Tochter wurde vor 3 Wochen nach 35 ssw per Kaiserschnitt geboren und liegt nun auf der Neugeborenen Intensivstation. Sie ist nicht nur etwas zu früh geboren sondern auch krank, weshalb sie noch ein paar Wochen dort liegen wird.
Es ist eh schon alles total schwer und psychisch kaum zu ertragen, dass das eigene Baby in dieser so wichtigen Zeit, die ersten Wochen nach der Geburt, nicht bei Mama und Papa ist. Ich bin jeden Morgen ins KH gefahren und abends kam mein Mann und blieb bis spät abends. Nur Nachts konnten wir nicht bleiben. Aufgrund von Corona durften wir auch nicht gleichzeitig bei ihr sein. Aber das war alles noch in Ordnung, wir waren ja trotzdem fast durchgehend bei ihr. Jetzt, wo die Infektionszahlen wieder in die Höhe gehen, wurden die Besuchsregelungen extrem eingeschränkt. Es darf jetzt nur noch ein Elternteil pro Tag für nur 3 Stunden zu seinem Baby. Ihr könnt euch nicht vorstellen wie verzweifelt ich bin. Ich meine, 3 Stunden!!?? Die Babys, die dort liegen, die brauchen ihre Eltern doch so dringend, das Gefühl, dass sie geliebt werden. Sie haben eh schon einen so schweren Start ins Leben. Meine Tochter ist krank aber hat bisher gekämpft wie eine Löwin. Ich habe angst, dass sie jetzt ihren Kampfgeist verliert, wenn Mama und Papa kaum noch dort sind.
Muss man solche Regelungen so hinnehmen? Ich habe wirklich überall Verständnis dafür, aber doch nicht auf so einer Station. Die Babys brauchen ihre Eltern.. Habt ihr einen Rat für mich, was würdet ihr in der Situation tun? Ich kann das so irgendwie nicht hinnehmen. Sorry für den langen Text..

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Hallo, ich würde mir schon eine TonieBox mit KreativTonies kaufen. Auf den Tonies kannst du dann z.B. von dir vorgelesen Geschichten oder speichern. Die Schwestern werden bestimmt in eurer Abwesenheit die Tonies mit euren Stimmen abspielen. Ansonsten empfehle ich euch getragene Kleidung von euch mit ins Bettchen zu legen. Dann hat sie sowohl eure Stimme um sich, als auch euren Geruch. Damit sollte sie sich geborgem fühlen und wird bestimmt denken, dass ihr da seid. Wünsche euch viel Kraft und alles Gute für eure Maus!

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Hallo.
Erstmal herzlichen Glückwunsch zu eurer Tochter. Ich habe Gänsehaut bekommen als ich deinen Text gelesen habe. Ich war mit meiner Tochter auch sieben Wochen auf der Neo. Das war genau letztes Jahr um die Zeit. Mein Partner und ich waren wirklich rund um die Uhr bei ihr. Ich habe auch dort geschlafen. Natürlich nicht direkt bei ihr. Aber das ich nur über die Straße musste um zu meiner Tochter zu kommen. Ich kann überhaupt nicht verstehen warum die solche Regeln auf so einer Station machen. Uns wurde immer gesagt das man so viel wie möglich da sein soll. Sie spüren das und sie brauchen das. Unsere Tochter hat auch viel schneller Fortschritte gemacht als das Nachbar kind da waren die Eltern nur drei Stunden da. Ich würde es auch nicht einfach so hinnehmen. Ich würde erstmal mit den Ärzten sprechen und wenn das nichts bringt mit dem Klinikleiter vielleicht. Ich finde es gibt gesetze und da kann man den Eltern nicht verbieten ihr Kind zu sehen. Ich wäre genauso fertig wie du in dieser Situation. Man hat eh so mit sich zu kämpfen und dann sowas. Vielleicht hälst du mich auf dem laufenden würde mich interessieren ob du was erreichst. Weil das mit den drei Stunden kann ich gar nicht verstehen. Die Schwestern sind doch auch da drin für eine ganze Schicht warum sollst du nach drei Stunden gehen müssen. Ich drücke dir die Daumen. LG

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Hallo,
es gäbe grds. noch eine Möglichkeit: die Mitaufnahme im Krankenhaus im Rahmen eines RoomingIn oder eines Elternzimmers. Dann darfst du aber in dieser Zeit auch das Krankenhaus nicht mehr verlassen sondern bist 24h dort.
Unsere erste Tochter lag auch auf solch einer Station im ersten Krankenhaus. Ich würde die Mitarbeiter einfach mal drauf ansprechen.

Viel Erfolg

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Das ist echt schlimm. Ich hab zwei Frühchen, die eine kam in Woche.33 und war zum Glück nur 4 Wochen im Krankenhaus, die andere ist nach knapp 6 Monaten Kampf auf der intensiv gestorben. Jetzt ist eine schlimme Zeit für alle aber für diese Babys wohl die schlimmste. Ich bin bei dir und sage auch, dein Baby braucht seine Eltern, eure Hoffnung, eure Kraft, eure Wärme und Abwesenheit. Getragene Kleidung und Stimmen abspielen sind gute Ideen aber meiner Meinung nach ersetzt das nicht eure Nähe. Ich würde erstmal mit der Klinik Leitung sprechen und zusätzlich einen Anwalt einschalten. Ich meine auf der intensiv herrscht ein hoher Hygienestandard und klar würde da Corona ausbrechen wäre das schrecklich für die Babys aber vielleicht lässt sich ja wirklich einer von euch mit reinnehmen, Familienzimmer oder so und dann dort bleiben.

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Das tut mir sehr leid, dass deine Maus es nicht geschafft hat.

Ich werde auf jeden Fall mit der Klinikleitung sprechen und mich auch rechtlich beraten lassen.
Wie du schon sagtest, herrscht dort ein sehr hoher Hygienestandart. Zu den anderen Elternteilen hat man mehr als genug Abstand. In einem Zimmer liegen maximal 3 Babys. Man trägt durchgehend eine Maske und desinfiziert sich sehr oft die Hände. Wenn man eh schon da ist, erschließt sich mir die Regelung mit den 3 Stunden einfach nicht. Denn wenn ich unwissentlich etwas reintrage, dann auch innerhalb der 3 Stunden.
Wenn man sein Baby dort liegen hat, dann ist man eh extrem vorsichtig, weil man sein Kind natürlich nicht in Gefahr bringen möchte. Und mit Symptomen wird kein Elternteil sein Baby besuchen. Ich verstehe das alles nicht, die Menschen, die sowas entscheiden, waren nie in solch einer Situation.

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Danke.
Ja, rede mal mit dem Klinik Chef und äußere auch das jeder Corona reinbringen könnte und was der Sinn bei 3 oder 12 Stunden ist. Ich kann mir vorstellen dass es dabei um die Zeit geht wie lange dein Baby z b dem Virus ausgesetzt ist. Man weiß ja jetzt das geringe Aussetzung nicht unbedingt krank macht aber längere Zeit Kontakt schon, vielleicht ist das der Grund der Begrenzung.

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Vielen Dank, für eure Antworten.
Wir haben schon ihre Spieluhr am Bett hängen und die Schwestern machen ihr die immer mal wieder an, sie kennt die Melodie schon aus dem Bauch.
Mit getragenen Klamotten ist das nicht so leicht, die sind da sehr streng mit solchen Sachen, wir durften schon ausnahmsweise ein kleines Kuscheltier in ihr Bett legen, was eigentlich auch nicht gestattet ist.
Ich denke, mit der Klinikleitung zu sprechen ist eine gute Idee und das werde ich definitiv tun. Ich werde mich auch nochmal mit meinen Sorgen an die Pflegeleitung der Station wenden, die entscheidet sowas zwar nicht, aber ich denke es ist trotzdem wichtig seine Sorgen zu äußern.
Es ist halt die Frage, wie viel es bringt, wenn man mit den Leuten spricht. Ich denke ich werde mich auch rechtlich beraten lassen.
Zur Not könnte man sich auch noch an die Presse wenden, habe ich überlegt, aber das würde ich wirklich nur im Notfall tun.
Ach man, ich bin so verzweifelt. Ich denke nur an meine Tochter, ich könnte die ganze Zeit weinen. Die Vorstellung, dass sie weint und keiner ist da, um sie zu beruhigen. Schrecklich.. Ich hab ja auch mitbekommen, wie es da abläuft. Wenn die Babys weinen, kommt meistens keine Schwester. Die kleinen Mäuse sind dann ganz allein. Das bricht mir mein Herz und das kann auch nicht gut sein für ein Baby. Ich hab so angst, dass sie traumatisiert wird von dieser Zeit oder unsere Bindung darunter leidet.

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Also wenn ich die Beiträge lese dann bin ich froh vor Corona entlassen worden zu sein. Ich finde auf so einer Station sind solche Regeln ein Unding. Ich bin keine die Corona auf die leichte Schulter nimmt. Ich fahre mit meiner Tochter auch nirgends hin was nicht sein muss. Und halte mich an alle Regeln. Aber solche Regeln haben keinen Sinn. Weil wie du sagtest wenn du es unwissentlich hast dann trägst du es in drei Stunden auf die Station und auch in zwölf. Die Schwestern und Ärzte können es auch mitbringen. Uns wurde immer gesagt das es so wichtig sei das man ganz viel bei seinem Kind ist. Ich habe stundenlang gekuschelt. Hab sie immer selbst gewickelt und gefüttert oder sondiert. Ich finde dadurch hat man auch Bindung aufgebaut. Das ist doch in drei Stunden am Tag nicht möglich. Ich würde auch rechtliche Schritte gehen an deiner Stelle. Es müssen Regeln her während dieser Pandemie aber nicht auf Kosten dieser kleinen Kinder. Und das mit dem schreien lassen kenne ich auch. Ich war die Mutter die am meisten da war. Ich habe auch so viel erlebt. Was ich die Schwestern geholt habe weil ein Baby fürchterlich geschrien hat aber einfach keiner kam. Das ist wirklich schlimm zu sehen. Ich drücke dir die Daumen.

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Ich finde die Regeln generell auch absolut richtig und wichtig. Aber wie du ganz richtig geschrieben hast, nicht auf die Kosten dieser kleinen hilflosen Babys. Eben, auch die Schwestern und Ärzte können es reintragen. Nicht nur wir Eltern. Abgesehen davon herrscht bei uns auf der Station auch kein reger Betrieb, das ist ja nicht wie im Einkaufscenter, wo ständig jemand rein und raus geht. Man hat mehr als genug Abstand zu anderen, man trägt die Maske und desinfiziert sich sowieso andauernd die Hände. Das Risiko ist ja nicht geringer, dadurch dass man nur noch 3 Stunden dort ist. Das ist wirklich schwachsinn.
Uns wurde auch immer gesagt wie wichtig es ist, dass wir da sind. Dass wir immer kommen können weil wir keine Besucher sondern die Eltern sind. Und jetzt werden wir trotzdem behandelt, als wären wir irgendwer und nicht die wichtigsten Menschen für die Babys.
Ich war auch von morgens bis abends da, dann kam mein Partner und ist bis spät abends geblieben. Ich habe sie auch versorgt und sondiert, ihr vorgelesen und vorgesungen. Ich hab einfach alles getan um ihr in der Situation die beste Mama zu sein und jetzt kann ich das nicht mehr. Und sie versteht es doch nicht, warum Mama und Papa kaum noch da sind. Diese Babys brauchen ihre Eltern, das Gefühl, dass sich das Kämpfen lohnt und sie geliebt werden. Das ist alles wie ein Alptraum. Ich werde das definitiv nicht so hinnehmen, ich muss es wenigstens versuchen daran was zu ändern, für meine Tochter.
Ich halte euch auf dem Laufenden..

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Hallo.
Ich hab keinen tollen Rat. Bin mit meinem Sohn genau 3 tag vor dem ersten lockdown aus dem KH gekommen. Und musste in den letzten 8 Monaten immer wieder an frühcheneltern wie euch denken. Ich fand Die Zeit so wahnsinnig schwer und die Angst war riesig. Was ihr zu Corona Zeiten durchläuft, kann man sich gar nicht vorstellen. Ich wünsche euch sehr viel Kraft und hoffe, dass es deiner Tochter schnell besser geht. Fühl dich virtuell gedrückt.
Sehr liebe Grüße

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Hallo,

Meine Tochter wurde in 24+4 geboren, mit 320g.
Sie kam am 15.12.19 zur Welt. Ich weiß also wovon du da redest, wir haben die Corona-Zeit auch auf der Intensivstation erlebt. 117 Tage haben wir dort mit ihr gekämpft.

Zum Schluss durfte der Vater gar nicht mehr auf Station. Nur die Mutter .. und auch nur eine Mutter pro Zimmer. D.h liegt dein Baby auf einem Dreibett Zimmer musste man sich mit zwei verschiedenen Müttern abstimmen, und musste gehen, sobald die andere Mutter dran war..


Es war eine ganz ganz harte schlimme Zeit.
Aber man muss auch sagen, JEDER ist eine Potentielle Gefahr für das Frühchen.. selbst jeder Arzt, jede Krankenschwester.
Für mich war das in der Zeit auch schwierig zu verstehen.

Scheiss Corona....


Ich wünsche euch alles Gute!

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Vielleicht möchte man auch die Besuchszeit zwischen allen Elternaufteilen, dass sich nicht so viele Eltern gleichzeitig über den Weg laufen 🤷‍♀️. Dann würde das ganze ja Sinn machen. Wenn jedes Elternteil einen Timeslot von 3 Stunden hat und eben versetzt.

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Ja, natürlich ist das der Sinn aber auf der Station begegnet man eh nur den Eltern, deren Babys im selben Zimmer liegen. Die Zimmer sind groß genug, so dass man mehr als ausreichenden Abstand hat. Da besteht wirklich kein Risiko, deshalb finde ich diese Regelung so sinnlos.
Und man darf einfach nicht vergessen, wie wichtig es für die Babys ist, dass ihre Eltern bei ihnen sind. Kein Baby sollte stundenlang alleine in einem Bettchen liegen. Corona wird irgendwann wieder vorbei sein, aber wir Eltern und unsere Babys werden ein Leben lang davon traumatisiert sein, was wir grad durchmachen.

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Ich hatte nach der Geburt meiner Zwillinge Lippenherpes und durfte 1 Woche GAR NICHT hin....


Es hat der Bindung nichts geschadet, war aber schwer.