Wer hat Erfahrungen zum Thema Adoption?

Meine Fragen

Wie lange dauert das?
Kann man beim Alter des Kindes etwas "mitbestimmen"?
Mit welchen Kosten müssen wir rechnen?
Was wird alles überprüft?

Danke für eure Antworten

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Hallo Aleona,

ich habe mal vor einiger Zeit ein paar Fakten zusammengeschrieben, die ich Dir hier einkopiere, bin selbst Adoptiv- und Pflegemama:


Grundvoraussetzungen für eine Adoption/Pflege sind i.d.R.

- abgeschlossener leiblicher Kinderwunsch -> den Gedanken vom "eigenen" Kind loslassen können, um sich auf das angenommene voll und ganz einlassen zu können.

Losgelassen hat man den leibl. KiWu i.d.R. dann, wenn man voll und ganz akzeptieren kann, dass es eine leibliche Mutter gibt, die mit dem Kind schwanger war und man sein angenommenes Kind ohne "Zwicken" unterstützt, seine Wurzeln zu pflegen.

Das ist für angenommene Kinder elementar wichtig.

Bei Pflegekindern muss man damit zurechtkommen, dass die leiblichen Eltern Anspruch haben, das Kind zu sehen. Der Schmerz über die ungewollte Kinderlosigkeit darf nicht mit der Entwertung der leiblichen Eltern kompensiert werden!)

- Gesundheit. -> Eltern wünschen sich meistens gesunde Kinder und Kinder die schon einmal Eltern verloren haben, haben einen noch viel höheren Anspruch darauf, gesunde Eltern zu bekommen.

- überdurchschnittlich belastbare Psyche: viele Adoptiv- und Pflegekinder entsprechen nicht der "Norm" und werden nie der "Norm" entsprechen.
Es muss also gewährleistet sein, dass man mit sämtlichen Auffälligkeiten, die das Kind so mit sich bringt, auch umgehen kann.

- Wille zur Beratung:-> sich im Bedarfsfall auch fachliche Beratung holen, keine Berührungsängste bei Gesprächen mit Psychologen, Psychiatern usw.

- Flexibilität: mit ("bösen") Überraschungen umgehen können.

- Respekt den leiblichen Eltern gegenüber. Das angenommene Kind ist ein Teil von ihnen (siehe auch abgeschlossener Kinderwunsch!)

- normale/sichere wirtschaftliche Verhältnisse:
wir sind das beste Beispiel - wir haben eine kaufmännische Ausbildung und leben zur Miete. "Reich und schön" bedeutet noch lange keine Qualifikation die o.g. Bedingungen zu erfüllen.

- Bei Pflegekindern: Wille und Bereitschaft, mit dem Jugendamt und den leiblichen Eltern zusammenzuarbeiten.

- Abgrenzung: seine eigenen Grenzen erkennen. Gerade bei Pflegekindern ehrlich sein mit "Was traue ich mir zu und was nicht?"

Das sind mal so die wichtigsten Aspekte.

Thema Auslandsadoption:
wir haben selbst damals aus rein idealistischen Gründen in Afrika adoptiert. Ich hatte einen unregelmässigen Zyklus und mein Mann und ich lehnten die Repro zu Gunsten einer Adoption ab.
Wir waren zu unserer Zeit mit Mitte 20 die jüngsten Adoptivbewerber, hätten viel unkomplizierter hier in Deutschland adoptieren können, was wir abgelehnt haben.
Ich war damals u.a. Menschenrechtsaktivistin und wir hatten uns Auslandsadoption eigebildet und durchgezogen.

Unter den heutigen Bedingungen würden wir jedoch nicht mehr im Ausland adoptieren.
Waren bei uns noch die Kosten transparent (damals 5.000.- Euro inkl. Flug und einmonatigem Aufenthalt), sind sie "heute" bei bis zu 30.000.-


Du kannst Dich gerne über VK bei mir melden.
LG
Claudia

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Hallo,

ich bin selbst Adoptiv- und Pflegemami von zwei Kids in offener bzw halboffener Adoption. Meiner Vorschreiberin kann ich zu 10000% zustimmen, aus eigener Erfahrung. Ein Adoptiv- und Pflegekind darf auf keinen Fall als Ersatz für das Kind sein, was Mann und Frau gerne voneinander gehabt hätten. Es werden für Kinder Eltern gesucht und nicht für Eltern Kinder!!!

Zum Thema Alter: Aus eigener Erfahrung haben mein Mann und ich gelernt das das Alter nebensächlich ist. Denn auch jedes Baby und Kleinkind bringt eine eigene Geschichte und Vergangenheit mit die manchmal kleiner und manchmal größer und extremer ist als bei älteren Kleinkindern. Und nicht jeder ist bereit diese Vergangenheit zu akzeptieren und zu tragen. Während unser großer Sohn eine Vergangenheit hat die für uns erschreckend schön (für andere erschreckend schlimm ist und als abnormal bezeichnet wird) hat unser kleiner Sohn eine Vergangenheit die uns gelehrt hat Hilfe anzufordern, anzunehmen und ganz offen damit umzugehen.

In der Zusammenarbeit mit dem Jugendamt haben wir nur positives zu berichten - je ehrlicher und offener miteinander gesprochen wird umso besser funktioniert die Zusammenarbeit. Die offene und sehr direkte Art unserer Betreuerin ist für uns immer von Vorteil gewesen, da wir genau wussten woran wir sind.
Nicht jedem gefällt das und kommt damit klar. Dinge zu verheimlichen bringt nichts, denn viele Betreuer arbeiten seit Jahren / Jahrzehnten in ihrem Beruf und bemerken sehr schnell wenn etwas nicht stimmt. Es gibt keine perfekte Familie und wer meint es gibt keine Probleme der lügt. Mit Schwächen und Kritik umzugehen und damit zu leben ist das Geheimnis einer Familie. Die Bereitschaft mit der Herkunftsfamilie umzugehen die mal mehr und mal weniger ein Thema ist. Selbst bei Adoptivkindern spielt die Herkunftsfamilie ein Thema - Antworten auf Fragen geben und die Aufklärung der Kinds im sehr jungen Alter ist wichtig. Ob ihr dazu bereit seit müsst ihr selber wissen.

Geprüft wurde ua bei uns, ob wir bereit waren für längere Zeit auf den Beruf zu verzichten, finanzielle Einschnitte. Wie geht geht ihr als Paar miteinander um. Wie reagiert die restliche Familie / Freunde mit der Aufnahme eines Kindes in Eure Mitte? Oftmals haben die Großeltern spätestens dann ein Problem wenn die leibliche Mutter einen Besuchstermin vereinbart, bzw ein Brief von den leiblichen Geschwistern kommt.

Die Kosten sind in Deutschland human. Das polizeiliche Führungszeugnis kostet Geld sowie die Kosten für den Notar. Lebensbriefe von Geburt, über Kindheit, Jugend & Freunde, Berufsausbildung & Arbeit, Partnerschaft und was Eure Vorstellung für die Zukunft sind arbeitsintensiv und kosten viel Zeit. Das handhabt aber jedes Jugendamt anders. Desweiteren kamen bei uns an zwei Wochenenden Gruppenseminare dazu, wo noch andere Adoptiveltern mit am Start sind und Ihr alles zu dem Thema erfahrt. Zum Schluss gibt es bei uns in der Region immer noch den Erfahrungsaustausch mit Eltern die schon adoptiert haben. Vor fünf Jahren saßen wir auf der Seite der Adotivbewerber - dieses Jahr waren wir die die Erfahrenen :-). Dieses Seminar ist bei uns Pflicht. Nach dem Seminar bekommt das Jugendamt einen Brief von der Seminarleiterin darüber wie ihr Euch als Paar durch die Zeit gearbeitet habt. Ua. steht darin als was für eine Adoptionsform in Frage kommt und ähnliche Dinge. Beim Abschlussgespräch werden dann noch offene Fragen geklärt und zu welcher Einschätzung Eurer Betreuer über Euch gekommen ist. Danach seit ihr offiziell Adoptivelternbewerber und müsst warten. Das ganze Aufnahmeverfahren dauert je nach Ort und Bundesland unterschiedlich lang - bei uns waren es gut neun Monate, woanders dauert es wesentlich länger. Die Wartezeit fürs Kind kann kurz aber auch sehr lang (Jahre) sein. Das gleiche wird bei den Pflegeelternbewerbern genauso gehandhabt, nur ist sie Seminarzeit etwas länger.

Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig weiterhelfen.

Viele Grüße Geli

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