Weiß euer Arbeitgeber Bescheid?

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Liebe Community,

eine Frage, die in diesem Forum immer einmal wieder Thema ist, interessiert auch uns:
Weiß euer Arbeitgeber/eure Arbeitgeberin von eurem Kinderwunsch bzw., dass ihr in Behandlung seid/eine Behandlung plant?

Die Termine fallen vermutlich für viele von euch, auch oder teilweise, in die Arbeitszeit und nicht jeder Arbeitsplatz hat Gleitzeit oder kann anderweitig flexibel gestaltet werden. Auch spontan einen oder einen halben Tag Urlaub nehmen. ist vermutlich nicht bei allen ohne Weiteres möglich.

Und selbst, wenn dies alles möglich wäre, ist es vermutlich nicht für alle eine Option, dieses private Thema, Hoffen, Warten und Bangen mit Kolleg:innen zu teilen.

Deshalb unsere Frage: Wie organisiert ihr die Termine?

Wie offen könnt – und wollt – ihr am Arbeitsplatz über dieses Thema sprechen?

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Chefin und 3 meiner engsten Kollegen wissen Bescheid. Natürlich fallen die vielen Fehlzeiten auf und es gibt Gerede.

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Ich gehe offen damit um und habe bisher nie negative Reaktionen erhalten.

Ich habe aber auch Glück, bin als Beamtin unkündbar, habe Gleitzeit und kann mir meine wenigen festen dienstlichen Termine weitestgehend selbst einteilen.

Außerdem liegt die Kiwu-Klinik fußläufig vom Büro entfernt, sodass ich keine langen Anfahrtszeiten habe.

Wenn meine direkten Kollegen oder Vorgesetzten ein Problem damit hätten, würde ich mich intern auf eine andere Stelle bewerben.

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Meine Kollegen wissen alle Bescheid und finden es gut, der Chef weiß offiziell nichts

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Bei mir sind weder Chefin noch Kolleginnen eingeweiht.
Einerseits ist der Kinderwunsch für mich grundsätzlich ein sehr persönliches Thema, andererseits schäme ich mich auch irgendwie schon fast dafür, da ich bereits Ü40 bin und viele sicherlich denken: „bei der geht doch eh nichts mehr“ oder „in dem Alter noch…“.
Meine Kiwu ist relativ flexibel und manchmal tausche ich Dienste mit Kollegen. Oft nenne ich neutral „Arzttermine“ als Grund.
Endometriose ist auch ein „wunderbarer Grund“, weswegen man „unters Messer“ muss😉. Dafür ist mein Alter natürlich praktisch: so langsam fangen die gesundheitlichen Zipperlein ja an (zumindest in den Augen Jüngerer), da werden diverse Arzttermine eher „geglaubt“…

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Nein! AG weiß nicht Bescheid, nur eine enge Kollegin, die aber auch nicht immer über jeden Termin Bescheid weiß 😉 arbeite 24 Std./Woche, Gleitzeit, hier und da Homeoffice.
Ich schiebe andere Arzttermine vor, nutze Gleitzeit, und zum Beispiel für die PU morgen habe ich diesmal frei genommen. Sehr kurzfristig und passt auch gerade nicht in den Arbeitsalltag, aber ich habe frei.

Nach meiner Fehlgeburt in 2019 stand ich schon etwas auf dem Abstellgleis. "Ach, die ist doch eh bald wieder schwanger".
Ich rechne mit Null Verständnis, würden sie wissen, dass ich in KiWu Behandlung bin... AUCH weil ich bald 40 werde 😉

Grüße an alle, viel Erfolg!

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Nein, sie wussten nicht Bescheid. Meinen vorherigen Arbeitgeber hatte ich eingeweiht. Mit dem Ergebnis, dass ich das Gesprächsthema in der gesamten Firma war. Eine vorher zugesagte Beförderung habe ich danach nicht mehr bekommen. Auch rief mich mein damaliger Chef im krank an ( hatte schlimm die Grippe) und fragte, ob ich ausfallen würde, weil ich dann jetzt endlich mal schwanger geworden bin. Danach hab ich dort gekündigt. Bei meiner jetzigen Arbeitsstelle hab ich dann niemanden was gesagt. Mittlerweile hat es geklappt, aber auch wenn wir uns ans Geschwisterchen wagen, werde ich wieder nichts sagen. Daraus hab gelernt.

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Das ist so unfair von deiner alten Firma gewesen! V.a. mit der Beförderung… ich war mal Gleichstellungsbeauftragte und würde es tatsächlich nur in ganz seltenen Fällen empfehlen. Auch Frauen sind in dieser Hinsicht leider oft nicht solidarisch. Gut dass du gekündigt hast!

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Meine Kollegen wissen von einer "chronischen Frauenkrankheit" und dadurch mehreren "kleinen, ambulanten Operationen". Sie wissen weder, dass es Punktionen für die ICSIs waren, noch dass es 1x ne Ausschabung wegen Fehlgeburt war.

So schön es wäre, wenn damit offener umgegangen werden würde... ABER:
1. geht das niemanden was an
2. wird ganz anders geplant, wenn man weiß, dass eine Frau versucht schwanger zu werden. Ich will nicht jahrelang auf dem beruflichen Abstellgleis stehen, wenn ich noch nicht mal weiß, obs überhaupt jemals klappt...
3. das Mitleid können die anderen für sich behalten
4. geweint wird zuhause, auf Arbeit wird gearbeitet. Smalltalk ist schön - mein unerfüllter Kinderwunsch ist aber KEIN Smalltalk. So wenig wie Eheprobleme, Potenzprobleme oder andere höchstprivate Zipperlein.
5. bin ich nicht in jedem Moment der langen Kinderwunschreise in der Laune, mit jedem dahergelaufenen Depp darüber zu sprechen. Vor meinem ersten Arbeitstag nach der Fehlgeburt hab ich zu meinem Mann gesagt: "wenn mich EINER fragt, wies mir geht, werf ich das Headset ins Eck, geh zum Arzt und lass mich 6 Wochen krankschreiben". Es hat niemand gefragt. Im Gegenteil, es wurde lustiger Smalltalk gehalten, wie sonst auch. Das hat mich wunderbar zurück in den normalen Alltagswahnsinn geholt & sogar zum Lachen gebracht. Ich war meinen Kollegen dafür SEHR dankbar.
6. ist der Flurfunk schneller als das Licht. Will ich wirklich, dass JEDER Bescheid weiß? Auch die seltsame Dame von der Rezeption, die sowieso gerne mal unangebrachte Fragen stellt?!
7. es geht einfach niemanden was an!

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Ich habe es meiner Chefin und ein paar vertrauten Kollegen erzählt.

Nach meinem ersten IVF Versuch wusste es ganze Belegschaft bescheid. Zudem wurde mir Unzuverlässigkeit unterstellt nachdem ich während meiner nächsten Periode zusammengebrochen und im Krankenhaus gelandet bin.

Dieses Jahr wurde ich durch ein personalgespräch gezwungen meine weiteren Schritte offen zu legen und wurde richtig unter Druck gesetzt. Es war absolut nicht schön. Ich suche nun einen neuen Job. Und als Anmerkung... ich arbeite in einer kirchlichen Einrichtung und einem sozialen Bereich. Von sozialem und kirchlichem leider nichts mehr zu spüren.
Traurig.

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Auf dem Weg zu meiner Faks (Ausbildung zur Erzieherin) steht an einer Ampel der leider allzu passende Spruch "je sozialer die Arbeit, desto asozialer die Bedingungen.
Bei mir weiß mein Klassenlehrer Bescheid und hat mir gesagt, dass es unter uns bleibt. Mein Rektor könnte es herausfinden, wenn er googelt, von welcher Praxis da immer meine Atteste kommen. Aber meine Prioritäten sind klar und meine Noten gut.
Liebe Grüße, jukimaus

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Das tut mir echt leid….

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Bei der 1. ICSI habe ich noch versucht, es geheim zu halten und habe nur gesagt, dass ich eine kleine OP haben werde.

Danach habe ich meinen Chef und meine direkte Kollegin eingeweiht, weil sie durch meine Ausfälle direkt betroffen sind und ich bei den beiden wußte, dass sie Verständnis dafür haben.

Bisher bin ich immer nur 1-2 Tage nach der Punktion ausgefallen, durch das Home Office kann ich da schon früher wieder arbeiten (Bürojob) und kann auch die Arzttermine besser wahrnehmen.

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wenn ich nach jeder ICSI 14 Tage ausgefallen wäre, das Verständnis nicht mehr so groß wäre. Außerdem würden dann auch die anderen Kollegen wahrscheinlich was mitkriegen, was ich nicht möchte.

Mir persönlich geht es mit dieser Offenheit wesentlich besser, weil ich dieses Rumdrucksen nicht so mag und es mir auch einfach nicht liegt. #schein

Ich weiß aber leider auch, dass nicht alle meine vorherigen Arbeitgeber so toll damit umgegangen wären wie mein jetziger Arbeitgeber. Dafür bin ich echt dankbar! #huepf