Weshalb / Warum ändert sich Sperma?

Hallo alle zusammen,

ich hätte da mal eine Frage...

Sehr viele meiner Fragen haben sich hier durch das Mitlesen im Forum oder durch googlen geklärt. Aber diese nicht: Warum, wieso, weshalb ändert sich Sperma? #kratz

Gestern haben wir das erste Spermiogramm-Ergebnis bekommen. Es mangelt an der Beweglichkeit, deutlich unter der erforderlichen Prozentzahl. Der Urologe meinte, das könnte auch von der Tagesform abhängen und in drei Wochen soll nun ein weiteres Spermiogramm erstellt werden. Mein Freund hat bereits zwei „große“ Kinder (inzwischen 12 und 13 Jahre alt).

Warum ändert sich die Qualität? Kann man sie zurückändern? Habt ihr die Erfahrung gemacht, das ein zweites Spermiogramm besser ist als das erste?

Wisst ihr dazu etwas?

LG Marion #katze

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Hallo Marion,

grundsätzlich wird ein zweites SG durchgeführt, um ein repräsentativeres Ergebnis zu produzieren.

Es können sich wohl durchaus diverse Faktoren auf das SG auswirken. Fehlerquellen gäbe es ja auch einige:

-verzählt
-Probe verwechselt
-Probe nicht sofort untersucht
-keine 5 Tage zuvor enthaltsam
-usw.

Mein Mann meint sogar, dass sich der Grad der Lust auf die Qualität auswirken kann ... mehr Lust, umso mehr kommt "raus", vor allem von den Schnellen - hat er wohl irgendwo gelesen.;-)

Ich hoffe, Dir damit weitergeholfen zu haben

Viele Grüße
Mausi

2

Hallo Kerstin,

mir ist mir klar, wozu ein weiteres (zweites Spermiogramm) gebraucht wird, aber nach drei Wochen?

Und ich gehe mal davon aus, dass keine Probe vertauscht wurde.

Vom Urologe wurde eine Enthaltsamkeit von sechs Tagen verordnet, die haben wir eingehalten!

Mit besten Grüßen

Marion

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Ohne deinem Mann zu nahe treten zu wollen, aber was er da mit dem "um so mehr Lust, umso mehr kommt raus" irgendwo gelesen hat, ist völliger Blödsinn, bzw ein reiner Männertraum - so nach dem Motto - je besser der Sex oder je geiler die Braut, desto potenter bin ich.

Es stimmt schon, das die Menge des reinen Ejakulats variiert, das ist aber auch bei Männern der Fall, die überhaupt keine Spermien bilden können. Das meiste, was da raus kommt ist lediglich Prostatasekret, welches ziemlich zäh und dickflüssig ist und dazu dient das nach dem Orgasmus nicht einfach alles wieder aus dem Körper der Frau rausläuft. Dieses Sekret verflüssigt sich innerhalb etwa einer halben Stunde und dient dann als Überlebens- und Schwimmhilfe für die Spermien.

Wieviel davon rauskommt, hängt u.a. davon ab, wie lange der letzte GV zurückliegt oder wie stark der Mann erregt ist. Nach mehreren enthaltsamen Tagen wird beim Orgasmus eine deutlich größere Menge Sekret freigesetzt, als wenn die Prostata erst vor wenigen Stunden leergedrückt wurde.

Die Menge der im Sekret enthaltenen Spermien hängt aber vor allem davon ab, wie viele von ihnen inzwischen reif und bereit für den Einsatz sind. Spermien werden nicht im Moment des Orgasmus produziert, sondern wurden bereits vor einigen Wochen in den Hoden gebildet. Sie reifen über eine längere Zeit heran und stehen dann in den Nebenhoden für den Einsatz bereit. Nicht genutzte Spermien werden nach einiger Zeit vom Körper wieder abgebaut. Gleichzeitig werden immer neue Spermien in den Hoden gebildet, so dass selbst bei täglichem Sex eine gewisse Mindestmenge zur Verfügung stehen sollte. Durch die Karenzzeit von 3 bis 6 Tagen (je nach Klinik) vor dem Spermiogramm soll sichergestellt werden, das eine ausreichend große Menge an Spermien reif ist, um ein repräsentatives Ergebnis zu liefern.

Das mit den "schnellen" Schwimmern kommt daher, dass "männliche" Spermien (also diejenigen, die das Y-Chromosom tragen) zwar sehr viel schneller schwimmen können als "weibliche" Spermien (mit X-Chromosom), aber nur eine sehr kurze Haltbarkeitszeit haben. Weibliche Spermien sind zwar sehr viel langsamer, aber halten mehrere Tage durch. Deshalb gibt es höchstwahrscheinlich einen Jungen, wenn der GV kurz vor dem Eisprung stattfand, da die Y-Spermien aufgrund ihrer Geschwindigkeit im Vorteil sind. Fand der letzte GV aber schon einen oder zwei Tage vor dem Eisprung statt, ist von den Y-Spermien schon so gut wie nichts mehr übrig und die langsamen aber ausdauernden X-Spermien machen das Rennen - und so gibt es ein Mädchen.

In Kriegszeiten werden auffällig viele Jungen geboren, was vermutlich daran liegt, dass die auf Kurzurlaub nach Hause zurückkehrenden Soldaten aufgrund der langen Enthaltsamkeit einen sehr großen Druck auf der Blase haben und die kurze Zeit ausgiebig nutzen wollen. Wenn also um die Zeit des Eisprungs herum immer frisches Sperma in der Gebärmutter verfügbar ist, wird höchstwahrscheinlich ein Junge daraus. Es hat nichts damit zu tun, dass die Natur die männlichen Verluste im Krieg wieder ausgleichen will - obwohl es im Endeffekt genau darauf hinausläuft.

So, ich hoffe, ich konnte etwas zur Klärung beitragen und mit dem einen oder anderen Märchen aufräumen.


Zu den anderen Fehlerquellen:
Dass Proben verwechselt werden, kommt schon mal vor, jedoch ist die Wahrscheinlichkeit nicht so groß, dass man darauf seine Hoffnung auf doch noch ein gutes SG-Ergebnis setzen sollte.
Gerade bei sehr wenigen Spermien im Ejakulat ist das Zählen sehr schwierig. In einigen Labors werden Computer fürs Zählen eingesetzt, die mit ihren Bildverarbeitungsprogrammen das durchs Mikroskop aufgenommene Videobild analysieren und die Charakteristika der Spermien bestimmen. Die Technik ist sehr fortgeschritten, aber trotzdem immer noch fehlerbehaftet, deshalb wird in anderen Labors von "Hand" gezählt. Natürlich können nicht die kompletten 4 Mio bis 100 Mio einzeln gezählt werden. Auf dem Objektträger gibt es ein winziges Zählraster, in dem sich eine sehr geringe Menge Spermien finden läßt. Das dort gefundene Ergebnis von einigen Dutzend bis einigen Hundert Spermien wird dann auf die Gesamtmenge des Ejakulats hochgerechnet. Das Endergebnis ist entsprechend ungenau, gibt aber doch eine deutliche Größenordnung der tatsächlichen Verhältnisse an. Wer als Ergebnis 3-4 Mio Spermien und davon 90% unbeweglich genannt bekam, darf nicht damit rechnen, dass nur ungenau gezählt wurde und es in Wirklichkeit doch 50 Mio superbewegliche Spermien sind.

Gruß,
Mona-Lou

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hallo marion,


es sind letztlich viele verschiedene faktoren, die auf die qualität des spermas einwirken. da eine vollständige spermiogenese etwa drei monate dauert, können leider sehr viele störfaktoren einwirken. ernährung und stress sind wohl diejenigen faktoren, die man noch am einfachsten beeinflussen kann. selbst kurze infekte können das SG schon sehr negativ beeinflussen. und ein anderer faktor ist auch das alter. ab 40 nimmt die qualität einfach rapide ab.

mäßig sport treiben, gesund essen, nicht rauchen und stress möglichst meiden - das ist alles, was ein mann aktiv tun kann, um ein möglichst gutes SG zu erreichen. aber auch wenn das alles stimmt, kann es immer noch schlecht sein.

lg, ally