Natürlicher Abgang oder Ausschabung

    • (1) 19.01.19 - 21:33

      Meine Lieben!

      Ich hoffe, ich kann Betroffenen hier ein wenig mit meinen Erfahrungen helfen. Mir persönlich hat jede Geschichte hier immer geholfen.

      Ich hatte bereits drei Fehlgeburten, die erste war besonders schlimm. Ende 11.Woche, völlig ohne Vorwarnung begann die Blutung. Es war schmerzhaft und unerwartet. Ich habe mein Kind am Klo im Krankenhaus bekommen, weil ich ewig auf meine Operation warten musste und somit habe ich mir nur wenig Schmerzen durch die OP erspart. Die Krankenschwestern und der behandelnde Arzt waren weder einfühlsam noch besonders nett. Nach der Ausschabung war ich sehr froh, weil meine Schmerzen endlich weg waren. Laut meiner Gyn wäre eine Ausschabung nachdem ich die Frucht schon geboren hatte eigentlich nicht notwendig gewesen. Ich war allerdings froh, dass ich die Schmerzen endlich los hatte. Heute weiss ich, dass ich stundenlang Wehen hatte, die Intensität der Schmerzen hat mich fast umgehauen. Die Mengen an Blut haben mich ebenso schockiert. Ich dachte, ich verblute. Aber alles "normal", viel Blut zu verlieren und wirklich schlimme Schmerzen zu haben. Zwei Wochen nach der Ausschabung hatte ich immer noch Schmerzen. Psychisch war dieses Ereignis für mich fast nicht zu verarbeiten. Ich ging zur Psychologin, ich war über lange Zeit deprimiert, hätte mich fast von meinem Partner getrennt, weil wir unterschiedlich mit dem Schmerz umgegangen sind. Ich habe mich nur unverstanden gefühlt. Es war eine wirklich schlechte Zeit.

      Ein halbes Jahr nach diesem traumatischen Erlebnis wurde ich wieder schwanger. Die Frühschwangerschaft war wirklich schwierig für uns. In Woche 8 wurde uns gesagt, dass es wieder viel zu klein war. Aber wir haben eine gesunde Tochter bekommen und nach den ersten 12 Wochen war die Schwangerschaft dann auch wirklich schön. :-)

      Die zweite FG war in der Woche 6 und ich hatte eine Woche Blutungen. Es war ok. Psychisch ok, weil mein Mann und ich uns darauf einigten, dass wir halt zu einem späteren Zeitpunkt ein Kind bekommen.

      Die letzte Fehlgeburt war nicht so leicht weg zu stecken. Von Anfang an haben wir gezittert, weil es viel zu klein war. Ein Funken Hoffnung hatten wir, weil das bei unserer Tochter in Woche 8 ja auch so war.

      In Woche 8 war die Schwangerschaft laut Ultraschall bei Woche 6 und wir haben einen Herzschlag gesehen. Wieder spät. In der Woche 11 wurde festgestellt, dass es sich nicht weiterentwickelt hat. Und obwohl wir wussten, dass es dieses Risiko gibt, war es sehr traurig. Ich durfte selbst entscheiden ob natürlicher Abgang oder Ausschabung. Ich glaube aufgrund meiner negativen Erfahrungen im Spital habe ich mich für einen natürlichen Weg entschieden.

      Das Warten auf die Blutung war brutal, 1,5 Wochen lang mit allen Schwangerschaftsanzeichen (die sich teilweise noch verstärkt hatten) auf eine Blutung zu warten war nichts, was ich nochmals machen würde. Ich war unendlich angespannt, hatte Angst vor dem, was da vor mir liegen würde, war verunsichert und traurig. Und konnte es aber irgendwie nicht ganz realisieren, weil ich ja noch alle Anzeichen hatte. Weiters hatte ich jeden Tag Schmerzen, mal mehr, mal weniger. Die Betreuung meiner Tochter war teilweise unmöglich, den Alltag, das Berufsleben, Familienleben zu planen während man auf den Abgang wartet ist schwierig. Mein emotionaler Zustand war natürlich auch nicht der Allerbeste.

      Bei meinen vorigen Fehlgeburten war ein Hinweis, dass plötzlich mein Busen nicht mehr weh tat. Dieses mal ist es so: Selbst nachdem alles aus mir raus war hat mein Busen immer noch weh getan. Die Tatsache, dass man sich auf nichts verlassen kann, kein Ziehen in der Brust, keine Übelkeit, nichts, hat mich fertig gemacht. Alles kann ein Anzeichen für eine Schwangerschaft oder für eine Fehlgeburt sein. Mein Körper, den ich üblicherweise so gut kenne, sendet mir keine richtigen Signale. Ich kann nichts richtig einschätzen. Ich hab mich machtlos und dumm gefühlt.

      Nach der Warterei dann endlich der Start. Am Mittwoch nachmittags hats begonnen, Blutung, dann am Freitag abend plötzlich immer stärkere Schmerzen und dann heftig 3,5 h Wehen, davon 45 min sehr starke Wehen. Die Wehen waren mit den Geburtswehen bei meiner Tochter vergleichbar. Und obwohl ich Schmerzmittel nehmen durfte, war es einfach furchtbar für mich. Hätte ich gewusst, dass ich so heftige Wehen bekomme, hätte ich die OP vorgezogen. Ich habe verdammt viel Blut verloren, es ist nur so aus mir rausgeronnen. Viel Blut und Schmerzen sind normal hab ich mir sagen lassen. . Am nächsten Tag hab ich nochmal Schmerzen bekommen und die Plazenta wurde ausgestoßen. Seit dem ist es allerdings wirklich gut aushaltbar. Ich war unendlich müde und fertig, aber es ging mir ganz gut. Wenn die Frucht draussen ist, ist wirklich eigentlich fast alles geschafft.

      Wenn die Schwangerschaft erst bei Woche 5 - 7 ist würde ich jederzeit wieder einen natürlichen Abgang bevorzugen, auch hier hatte ich Schmerzen und Blutungen, die weit über eine Regelblutung hinaus gingen. Es war auch bei meiner "kleinsten" Fehlgeburt schmerzhaft und blutig, aber ohne diese starken Wehen, es war einfach erträglich.

      Aber bei allen Schwangerschaften, die größer als 7 Wochen sind würde ich jetzt eine operation machen lassen. Wenn Ihr den natürlichen Abgang wählt, seid Euch bewusst, dass es wirklich weh tun wird und sehr blutig wird. Es geht viel Material ab, nichts für sensible Wesen. Bei der Ausschabung kriegt man von all dem nichts mit sofern sie zum richtigen Zeitpunkt passiert. Obwohl es natürlich auch eigenartig ist, schwanger in den OP zu fahren und nicht schwanger wieder raus zu kommen, es ist sicher nicht "easy", manche sagen, sie brauchen den natürlichen Abgang um es psychisch besser zu verarbeiten. Mag für manche ein Argument sein.

      Ich wünsche Euch Hoffnung! Und natürlich gesunde Babies. Es ist einfach unendlich unfair, gemein, traurig, emotional manchmal einfach nicht zu schaffen, aber der Schmerz geht irgendwann vorbei. Geht zum Psychologen, sprecht viel darüber. Seid nicht überrascht, wenn Ihr Euch vom Partner unverstanden fühlt. Eine Schwangerschaft kann nur eine Frau nachempfinden, die schon mal schwanger war. Ein Mann ist nicht in der Lage sich vorzustellen,was da alles mit uns passiert. Die Hormone tun auch noch einiges, ich werde mir von der Kräuterhexe meines Vertrauens etwas zusammenstellen lassen, damit es mir psychisch wieder besser geht. Seid lieb zu Euch, trauert, lasst es raus. Geht gut mit Euch und damit um. Es wird Euch lange begleiten, aber es kann auch ok sein.

      Alles Liebe!

      • (2) 19.01.19 - 22:11

        Hallo Andrea,

        Vielen Dank für deinen Text. Ich habe großen Respekt vor dir, dass du so ehrlich schreibst und uns an deiner Geschichte teilhaben lässt.
        Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und nur noch lebensfähige Babies, sodass du nie wieder einen natürlichen Abgang und auch keine Ausschabung durchmachen musst!

        Ich hatte eine MA in der Ca 9.ssw. Die fruchtblase war etwas grösser als ein Ei.
        Ich hatte in den Wochen des Wartens regelmäßig leichte schmerzfreie Blutungen. Nach 11 Wochen hatte ich wehenähnliche Schmerzen. War aber gut auszuhalten. Ging nicht solange. Evtl 30-60 Min.danach war alles wieder "gut". Eine as brauchte ich nicht. Ich würde es immer wieder so machen. Die 2 folgenschwangerschaften verliefen perfekt.

        (4) 20.01.19 - 06:49

        Liebe Andrea
        Danke dass du den Mut und die Kraft hast, so von deinen Erlebnissen zu berichten....
        Ich habe nächste Woche eine AS und solche Berichte wie deinen sind wirklich hilfreich....
        Alles gute 🍀
        Mila mit 🌟

      • Liebe Andrea,
        vielen lieben Dank dafür das du deine Erfahrungen mit uns teilst. Ich weiß erst seit gestern, dass mein Mini-me keinen Herzschlag mehr hat und bin in der 10 ssw. Als ich am Donnerstag auf einmal keine Müdigkeit mehr hatte und es mir auch sonst super ging, hätte ich schon so eine Ahnung. De Gyn hat mir dann auch bestätigt dass da das Herz wahrscheinlich aufgehört hat zu schlagen 😭 aber ich denke für mich kommt nur eine OP in Betracht, ich kann nicht mal das Wort AS in den Mund nehmen, da wird mir schon übel. Und ich kann es mir nicht vorstellen auf normalem Weg zu verlieren.

        Morgen muss ich zu allen Ärzten, da ich Clexane spritzen muss, muss auch der Arzt mitentscheiden ob ich stationär aufgenommen werde. Unsere größte Angst ist, dass wegen der. Clexane das Baby nicht mehr wollte 😢

        • Das tut mir wirklich sehr leid. Ich hatte ebenfalls eine AS im September letzten Jahres. Mich würde sehr interessieren wie du das mit Clexane meinst, das verstehe ich nicht richtig. Denkst du dass clexane schuld an dem Abgang war ?

          • Hallo Ele-marie, ja das haben wir uns tatsächlich gedacht. Dass die Clexane schuld sind, dass es so gekommen ist. Weil sich davor ja alles gut entwickelt hat. Aber die Ärzte meinen, dass kann nicht sein.

            • Ok... ich hoffe nicht, denn nachdem bei mir ein Protein z Mangel festgestellt worden ist muss ich auch clexane spritzen. Aber mein MA war schon ohne clexane

      Das tut mir leid was du schon alles durchmachen musstest.

      Ich habe auch gerade ein natürlichen Abgang hinter mir, jedoch ohne Schmerzen, hatte nur ab und zu leichtes ziehen im Unterleib. In der 7. Woche, 2 Tage nach Herzschlag des Embryos war kein Herzschlag mehr zu sehen im US. Hab dann nach Motivation des Arztes abgewartet, außer eine kurze Blutung passierte nichts.
      4 Wochen später hab ich mit Cytotec eingeleitet, womit nach 4 Tagen Einnahme, sich auch die Frucht gelöst hat. Hatte die ganze Zeit eine Menstruationstasse benutzt und somit wenig Schmierkram, hab sie häufig geleert , hatte aber nur 2 Tage starke Blutungen für jeweils 1-2 Std. Hatte auch noch bis zum Ende SS Anzeichen, die mich ziemlich genervt haben.
      Bin aber froh mir die OP gespart zu haben und auch meine Psyche hat sich mit jedem bisschen Blut was abgegangen ist, weiter erholt. Mir geht's jetzt wieder richtig gut, kann wieder lachen und positiv nach vorne schauen.
      Warte jetzt darauf das der HCG Wert auf null geht und mein Zyklus sich normalisiert.

      Liebe Andrea,

      danke für deine Erfahrung, die du mit uns teilen wolltest und es tut mir unendlich leid, dass du sowas schlimmes durchmachen musstest.

      Ich hoffe, dass bald wieder Sonne scheint und es dir wieder besser geht.

      Ich habe auch die Erfahrung machen müssen und ich muss sagen ich habe mir den natürlichen Abgang viel schlimmer vorgestellt. Vielleicht habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet und deshalb war es nicht so schlimm. Ich weiß es nicht, aber fakt ist ,dass ich es immer wieder bevorzugen würden.

      Ich habe mein 2. Wunder in der 9.SSW verloren. Als es festgestellt wurde, waren wir geschockt und neben uns, weil wir nicht damit gerechnet haben, dass es nach unserem 1. Abgang im August wieder passiert. Ich hatte auch keine Blutungen oder so.

      Nach der Bestätigung vom Arzt ging es aber zwei Tage später mit leichten Blutungen los. Ich bin auch gleich zu meiner Hebamme. Sie hat mir homöopathische Mittel empfohlen und Akupunktur gemacht. Zwei Tage später gingen die Schmerzen los sowie Blutungen. Die Schmerzen waren sehr heftig. Ich konnte kaum laufen, aber ich habe keine Schmerzmittel genommen, da ich gesagt habe, dass andere Frauen es auch ohne Schmerzmittel durchmachen und habe ausgehalten. Wo das Gröbste überstanden war, kam meine Hebamme und meinte, dass da noch was kommen könnte. Ich habe fleißig meine homöopathischen Mittel genommen und 1 Tag später in der Nacht habe ich wieder starke Schmerzen bekommen und ein großen Blutklumpen kam raus ( 7-8 cm). Ich war total fertig und habe nur geheult, aber ich konnte es auf diese Weise verarbeiten. Danach hatte ich noch 2-3 Tage normale Blutung. Dann war alles gut. Ich denke jeder muss es für sich entscheiden. Ich konnte mich so besser von meinem Schatz verabschieden. Eine AS hätte ich emotional nicht verkraftet. Das wäre alles zu schnell.

      Aber wie gesagt, jeder muss seinen Weg finden. Man soll auf sein Körper hören. Manchmal ist eine AS besser und man verarbeitet es besser. Für mich war es definitiv so die richtige Entscheidung und ich würde immer wieder tun. Die Schmerzen waren enorm, aber bei der Geburt ist es heftiger, denke ich. Da habe ich leider keine Erfahrung.

      EGAL wie Ihr entscheidet, wenn es sich richtig anfühlt, dann macht es.
      Die einen haben schlechte Erfahrungen damit und die anderen "positive" Erfahrungen. Nicht falsch verstehen. Mit positiven Erfahrungen meine ich, dass man besser mit der Situation umgehen kann.

      Ich wünsche allen viel Kraft.

      LG Kristina mit 2 Sternchen tief im Herzen.

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