Depression nach Missed Abortion (04/2019)

    • (1) 12.09.19 - 08:40

      Nach Jahren unerfülltem Kinderwunsch haben wir Im Februar d.J. uns endlich an unsere 1. ICSI gewagt. Die Stimulation und auch die Eingriffe sowie die Warteschleife habe ich erstaunlich "cool" gemeistert.

      "Belohnt" wurden wir mit einem positiven Schwangerschaftstest und auch ein pocherndes Herzchen konnten wir in der 8. SSW sehen. Allerdings auch ab diesem Moment mit der typischen Angst verbunden, da die SSL- und Dottersack-Maße nicht exakt der SSW entsprachen. Um mich zu beruhigen (es wurde auch ein Hämatom in der GM gefunden), bin ich eine Woche später zu meiner Gyn. Der US war qualitativ sehr viel schlechter als in der KiWu-Klinik und irgendwie konnte ich dort kaum was erkennen. Ein leichtes Flimmern des Herzens war aber noch zu erkennen, aber nicht mehr hörbar einzufangen. Trotzdem versuchte meine Gyn weiterhin Optimismus auszustrahlen.

      Eine weitere Woche später (10. SSW) hatte ich dann den offiziellen 2. US in der KiWu.
      Da ich bis dato kaum wahrnehmbare SS-Beschwerden hatte und die klammheimliche Angst nicht weichen wollte, googelte ich tatsächlich noch am Morgen des US-Termins "Missed Abortion".

      ...meine Intuition behielt leider Recht...

      Auf dem Gyn-Stuhl bekamen wir dann die Nachricht, vor welcher alle werdenden Eltern Angst haben: "Es tut mir leid, aber es hat sich leider nicht weiterentwickelt".

      Gefasst und mich in meiner Ahnung bestätigt gefühlt, ließen wir uns anschließend ganz nüchtern die weiteren Schritte und Optionen erklären. Erst im Auto kamen uns die Tränen. Doch hierfür hatten wir nur wenig Zeit - am nächsten Tag sollten wir umziehen und es musste noch alles gepackt werden.

      Tapfer und sehr rational akzeptierte ich schnell diesen Akt der Natur. Enge Freunde, die von der SS wussten, waren sichtlich irritiert, wie wir/ich so schnell wieder funktionierten.
      Ich ließ mich dennoch eine Woche krank schreiben und mein Mann nahm sich Urlaub; wollte ich doch nicht in in einem Meeting sitzen, wenn der natürliche Abgang einsetzt.
      Zum Ende dieser Woche entschied ich mich dann allerdings für eine Ausschabung. Ggf. noch wochenlang auf Blutungen zu warten, die vielleicht noch traumatischer sein würden, als die nicht mehr intakte SS an sich, wollte ich nicht. Ich bekam gleich am Montag darauf einen Termin.

      Leider schon viel zu lange Rede - kommen wir zum kurzen Sinn:
      Es war ein gewaltiger Trugschluss zu glauben, ich hätte es emotional im Griff gehabt. Die Traurigkeitsmomente / plötzliche Weinattacken gingen nicht weg und ich begann abends in Apathie zu versinken. Nach "draußen" funktionierte ich aber weiterhin auf perfekte Art und Weise. Ich wollte auch so schnell wie möglich wieder mit einem neuen ICSI-Versuch starten, nur ließ meine 1. Regelblutung lange auf sich warten. In dieser Zeit entwickelte sich immer mehr eine Depression, welcher ich dann schnell mit einem Termin in der psychosomatischen Ambulanz und späteren Therapie "bekämpfen" wollte.

      Aktuell fühle ich mich emotional so erschöpft, dass ich mich nicht stabil für die "Höhen und Tiefen" einer ICSI bin. Der Gedanke an das Prozedere einer künstlichen Befruchtung löst Angst aus. Gleichzeitig ertrage ich es aber auch nicht, nicht schwanger zu sein. Ständig diese Gedanken darüber, wie weit ich heute wäre. Die Panik vor dem errechneten ET.. All die anderen Freundinnen und Schwestern und Cousinen, die so viel jünger sind und tlw. ihr drittes Kind erwarten....
      Meine Depression basiert auch auf vielen viel tiefer liegenden Familien"Traumata", die ich mein bisheriges Leben immer weggesteckt habe. Darum hilft mir auch die aktuelle tiefenpsychologische Therapie, die meine Biographie mit meinem Kinderwunsch zusammen beleuchtet.

      Nichts desto trotz frage ich mich, wie man aus diesem Loch wieder rauskommen soll? Ich fühle mich wie im Hamsterrad, oder die Katze, die sich in den Schwanz beißt: zu Krank um schwanger zu werden, aber eben auch krank, weil ich nicht schwanger bin.

      Ich weiß, dass es hier im Forum / da draußen so viel schlimmere Schicksalsschläge gibt und all diese tapferen Frauen weitermachen und unerlässlich für ihr Wunschkind kämpfen.

      Ich hätte auch gerne diese Kraft.

      (Danke für Eure Zeit und Geduld, sich das hier durchzulesen #herzlich)

      • (2) 12.09.19 - 15:38

        Hi, erstmal tut es mir unglaublich Leid und ich würde dich jetzt am liebsten ganz fest drücken #liebdrueck.

        Ich hatte eine MA von Zwillingen in der 13ssw (Herz ist Ende 10ssw stehen geblieben) ebenfalls nach einer ICSI Behandlung. Ich war total fertig mit den Nerven. Ich hab am Stuhl gefühlt 10minuten nur geweint und hab mir den Schal über den Kopf gezogen weil ich einfach nichts mehr sehen wollte. Danach hat mein Freund mir runtergeholfen, damit ich mich anziehen kann. Ich war wie neben mir und weiß gar nicht wie wir zum Auto sind und was die Ärztin alles gesagt hat. Ich habe eine Woche heulend im Bett verbracht. Nach der Ausschabung fühlte ich mich erleichterter aber trotzdem noch völlig fertig. Das hielt bei mir bis Mai. Ich hab alles versucht, Sport, reisen, Freunde treffen. Nichts hat geholfen. Das schlimme war noch, genau an dem Tag an dem ich die Ausschabung hatte, habe ich erfahren, dass zwei enge Freundinnen schwanger sind (bin denen aus dem Weg gegangen).

        Im Mai sagte ein Mann zu mir, der mich nicht persönlich kennt aber von der Geschichte wusste "es ist schlimm was passiert ist aber du musst wieder zu kräften kommen, den ein Baby sucht sich keine Mama aus die total fertig und nur am trauern ist aus". Das hat mir zu denken gegeben und so habe ich mich wieder aufgebaut und tatsächlich hat der nächste Versuch mit nur einer Eizelle geklappt.

        Ich will dir nur als Tipp geben, lass dir Zeit zum trauern aber schaue auch nach vorne und versuche damit abzuschließen.

        Ich habe einen Abschiedsbrief an meine Zwillinge geschrieben und den verbrannt, das hat mir auch geholfen. Vlt hilft es dir auch, wenn du Abschied von deinem kleinen nehmen kannst.

        • (3) 13.09.19 - 09:03

          Liebe Newie,

          danke für Deine lieben und erfahrungsreichen Worte! #herzlich
          Aus eigener Kraft kriege ich die Emotionskurve wohl nicht mehr - dafür hat sich das Ganze zu sehr in einer Depression verfestigt. Die schlechten Tage / Momente kommen zu unerwartet und trotz aller Rationalität und Optimismus an den guten Tagen....

          Aber so habe ich die Möglichkeit, mal grundlegend meine Seele "aufzuräumen" und zu pflegen, um danach gestärkt den zweiten Versuch und hoffentlich das herbeigesehnte Mamasein zu schaffen ;-)

          Dir weiterhin alles Gute!

      (5) 18.09.19 - 21:06

      Liebe Mrs-Yeah, ich werde dir wahrscheinlich nicht weiterhelfen können, aber ich möchte dir sagen, dass ich dich absolut verstehen kann. Ich habe gerade die zweite Fehlgeburt nach einer Missed Abortion hinter mir, funktioniere für die Außenwelt und zerbreche jeden Tag ein bisschen mehr an der Trauer. So gut es geht befolge ich die Ratschläge der Psychologin, aber der Schmerz nimmt täglich zu und es gibt viel zu viele Momente, in denen ich überhaupt nicht mehr weiter weiß. Dazu kommt die Panik vor der Zukunft und das Gefühl der absoluten Hoffnungslosigkeit. Es ist zum Verrücktwerden.

      Es tut mir so unendlich leid, was du erleben musstest. Mit deinem Schmerz und deinen Gefühlen bist du nicht allein.

      Liebste Grüße, Lissi

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