Ich darf doch nicht traurig sein...

Ihr Lieben,

ich fühle mich leider nur hier richtig verstanden, also schreibe ich euch einfach mal meine Geschichte, ich hoffe, das erleichtert mich ein bisschen.

Ich bin nun 37 und habe 5 gesunde Kinder im Alter von 12, 10, 7, 5 und 3. Und doch kam nochmal der Wunsch nach einem Nachzügler auf. Ich bin auch im 1. ÜZ schwanger geworden, wie auch bei den anderen (da waren es max. 2). Letzten Donnerstag wurde beim 1. FA Termin bei 7+5 (nach meinem ES berechnet) nur eine FH von 1cm mit Dottersack gesehen, Verdacht auf MA da ich meinen ES ja genau kannte (Ovus und Tempi). Am Sonntag nochmal US, alles gleich, also die Tabletten Cytotec mitbekommen und nachmittags genommen.
Den Abgang ansich fand ich positiv. Es fühlte sich wie leichte Wehen an, auf einmal machte es wie plopp und draussen war die Fh. Es war für mich angenehm, eine kleine Geburt haben zu können und selbst etwas machen zu können. Auch so lief alles problemlos, kaum Blutungen, aber es ist wohl trotzdem alles raus, fehlt nur noch etwas Schleimhaut laut US.
So. Und mir geht's so richtig scheisse. Und eigentlich ist das ja nicht richtig, ich fühl mich so schuldig deswegen. Ich habe doch schon 5 gesunde Kinder und werde schnell schwanger, warum bin ich so fucking traurig??? #heul#heul#heul Mein Mann ist eigentlich echt einfühlsam, aber ich fühle mich von ihm gedrängt, schnell alles hinter mir zu lassen und nach vorne zu schauen. Das sagt er mir auch klipp und klar, steh endlich auf und schau in die Zukunft. Die negativen Gedanken machen es bestimmt nicht einfacher, wieder ss zu werden. BUM, nächster Schlag. Danke. Wenn es also nicht sofort klappt bin ich Schuld.
Aber selbst von meinen 2 besten Freundinnen fühle ich mich nicht verstanden. Eine hatte keine FG, da kann ich es ja grad noch verstehen, aber die andere hatte eine! Aber nein, die Kommentare sind à la "jetzt lass dich nicht so gehen, du wirst doch sicher sofort wieder schwanger". Ich hab inzwischen so richtig null Bock auf Kontakt mit wem auch immer. Ich funktioniere weiter für meine Kinder und versuche meine Gefühle so gut wie möglich vor ihnen zu verstecken. Aber es ist nicht easy. Grad weil ich mich von meinem Mann eben so bedrängt fühle.
Sorry, ist n bisschen lang geworden... Habt ihr Tipps für mich? Wie kommen wir da als Paar durch? Wie komme ich da durch obwohl ich mich doch echt nicht beschweren kann? (das ist ja immer das Argument von allen, es ist ja bei dir immer alles top gelaufen, ist ja nicht so schlimm, wenn mal was nicht so hinhaut).

Danke fürs Zuhören Mädels #liebdrueck

LG
Stefferl mit 5 Kids an der Hand und #stern im Herzen

1

Hallo Stefferl,
natürlich darfst du traurig sein. So ein Quatsch. Lass dir das nicht einreden. Lass alles raus und trauere. Du hattest eine Fehlgeburt und da darf man sich auch ruhig mal hängen lassen. Es ist doch alles noch ganz frisch. Ich finde die Tränen müssen geweint werden und wenn du das jetzt nicht zulässt, dann holen sie dich irgendwann ein.

Mit den Männern hilft nur reden und unter Umständen akzeptieren, dass jeder damit anders umgeht. Ich glaube gerade bei einer relativ frühen FG ist das für die Männer schwer greifbar. Trotzdem sieht er, dass es dir schlecht geht und darauf sollte er Rücksicht nehmen.

Es wird besser. Viel Kraft für die nächste Zeit.

2

Hallo Stefferl,
du darfst und sollst auch traurig sein. Erstens sind die Hormone mir dir Achterbahn gefahren und jetzt verlangt die Seele ihr Recht.

Mir ging es wie dir. Ich hatte zwei FG in Folge. Die erste war ein Windei, das mit einer AS beseitigt wurde. Eine sehr sterile Angelegenheit- vor allem die psychische „Betreuung“ im KH. Ich wurde im zweiten Zyklus danach wieder schwanger. Alles war gut. Ich sah den ersten Herzschlag im US, ich wusste schon instinktiv, dass ich ein Mädchen kriegen würde. Bei SSW 10+0 war ich zur Untersuchung im KH, ich wollte ein US wegen der Nackenfalte machen lassen. Dort sagte der Arzt, es tue ihm leid. Da sei kein Herzschlag. Mein Baby habe sich seit 8+5 nicht mehr weiter entwickelt.

Für mich brach eine Welt zusammen. Ich weinte und konnte nicht mehr aufhören. Nach zwei Tagen nervte es meinen Mann so sehr, dass ich von da an heimlich weinte. Ich spürte, wie ich selbst begann, innerlich zu sterben. Ich sprach mit Freundinnen, die mich ein Stückweit auffingen. Und doch fühlte ich mich meistens trotzdem allein. Nichts machte mehr Freude.

Ich hatte mich in Absprache mit dem Arzt entschieden, mein Baby von selbst gehen zu lassen. Es dauerte noch vier Wochen, bis die Abbruchblutung begann. Nach der stillen Geburt am Abend zuhause dauerte es nochmals zwei Wochen, bis ich einigermaßen stabil war. Ich ging direkt nach dem Abgang wieder am nächsten Tag arbeiten. Ich sprach auch nie wieder darüber.

Fühl dich von mir fest gedrückt! Ich verstehe deinen Schmerz und ich verstehe noch immer nicht das unsensible Umfeld. Du bist nicht allein, auch wenn du dich vermutlich so fühlst. Es gibt so viele Frauen, die gerade jetzt ebenfalls einen Verlust verkraften - und nach außen die Starke geben - müssen. Wir sind stark, du bist stark. Das ist genau der Grund, weshalb wir die Kinder kriegen. Unsere Männer würden daran zerbrechen. Weine, wenn dir danach ist. Du hast alles richtig gemacht.