Regenbogenbaby verloren ­čśö ...langer Text

Am Donnerstag hatte ich einen Blasensprung in der 14. Woche. Ich h├Ątte ihn vielleicht verhindern k├Ânnen, und ich wei├č nicht, wie ich damit umgehen soll.

Ich habe letztes Jahr unsere Tochter durch einen Blasensprung in der 20. Woche verloren. Dieses Mal wollte ich alles besser und richtiger machen. Letztes Jahr hatte ich schon vor dem Sprung einen Riss in der Blase, was ich erst im Nachhinein herausgefunden habe. Deshalb habe ich mir vor zwei Wochen ph-Streifen gekauft, um reagieren zu k├Ânnen, falls was ist.

Und was hab ich gemacht? Ich habe vor lauter Angst nicht richtig reagiert.

Ich hatte die ganze Zeit ├╝ber wahnsinnige Angst um unser Baby. Ich war in einer depressiven Episode und hatte z.B. an einigen Tagen erst nachmittags die Kraft, mich zu waschen und den Slip zu wechseln. Weil ich schon zweimal mit einem Pilz zu tun und Angst vor Infektionen hatte, hab ich vorbeugend auch das Multigyn Gel benutzt. Soweit schien alles in Ordnung.

Die Nacht zum Dienstag war dann aus heiterem Himmel furchtbar. Mein Bauch hat sich angef├╝hlt wie ein Wasserballon, und ich habe ganz aufgeregt wachgelegen, weil ich alle halbe bis ganze Stunde zur Toilette musste. Es war Urin, ich konnte es einhalten, und es war glasklar. So einen Toilettenmarathon hatte ich letztes Jahr zwischen Blasensprung und Geburt, also das Gef├╝hl war sofort mulmig, aber es war auch Nacht und ich war total ├╝berm├╝det. Irgendwann gegen vier bin ich dann eingeschlafen, und beim Aufwachen war wieder alles wie immer.

Aber ich hatte morgens Ausfluss im Slip. Ganz wenig, aber ich dachte, ich teste mal mit einem ph-Streifen. Er ist beim Abstreifen zerknittert, und die Rillen waren bl├Ąulich.

Ich hab sofort gewusst, dass das nichts Gutes ist. Und mich dem nicht gewachsen gef├╝hlt. Alles in mir schrie "geh zum Arzt", und ich war total ├╝berfordert und hab mich erstmal aufs Sofa gesetzt.

Dann kam mir die Idee, mit einem Handschuh Ausfluss aus der Scheide aufzunehmen und davon den ph-Wert zu testen. Es war schwer zu erkennen, aber es schimmerte dort ganz leicht bl├Ąulich/lila, wo z├Ąher Ausfluss gelandet war. Ich hab den Streifen meinem Mann gezeigt, aber er hat es anders gesehen und mich beruhigt. Wir haben uns hingelegt und mit dem Angelsound das Herzchen und die Nabelschnur geh├Ârt, es war wundersch├Ân und ich habe das Schlechte komplett ausgeblendet. Ich habe es ganz weit von mir weggeschoben und war den Rest des Tages unterwegs.

Im Laufe des Mittwoch wurde der Urin dann immer gelber, abends kam dann ein Druckgef├╝hl dazu. Wieder hab ich zum ph-Streifen gegriffen, der Urin hatte 6,2. Also bin ich zum ├Ąrztlichen Notdienst gefahren, es wurden viele Leukozyten und minimal Blut im Urin festgestellt. Ich bekam Amoxicillin verschrieben, holte es sofort und nahm auch noch unterwegs die erste Tablette ein. Ich war eigentlich sogar erleichtert, dass etwas festgestellt worden war, gegen das ich etwas unternehmen konnte.

Donnerstag Morgen f├╝hlte ich mich total m├╝de und krank. Ich nahm die 2. Amoxicillin, legte mich wieder hin und bekam seitliches leichtes Ziehen links und rechts. Ich hab noch gegooglet, ob das Nierenschmerzen sein k├Ânnten, ob die Infektion schon so schlimm w├Ąre. Google beruhigte mich, die Nieren sollten es nicht sein.

Jetzt wei├č ich, dass es Wehen waren. Nach ca. einer Stunde musste ich wieder zur Toilette - und es machte einfach "platsch". Ich kam mit Blaulicht ins Krankenhaus, und eine dreiviertel Stunde sp├Ąter war unser viel zu kleiner Sohn geboren.

Ich mache mir die schlimmsten Vorwürfe. Mir ging es psychisch nicht gut, aber ich habe mich so sehr auf und über unser Regenbogenbaby gefreut. Ich hatte wenige Momente ungetrübter Freude in dieser Schwangerschaft,  aber es gab sie, und ich liebte und liebte dieses Baby vom ganzen Herzen.

Um das zu verhindern, h├Ątte ich direkt am Dienstag ins Krankenhaus oder erstmal zu meiner ├ärztin gemusst. Wenn ich wirklich wieder einen Blasenriss hatte, h├Ątte man es eventuell am Montag oder Dienstag an den Entz├╝ndungswerten gesehen, am Donnerstag und Freitag war das im Blut nicht nachvollziehbar. Aber ich war direkt in Schockstarre und konnte nicht hinsehen. Es gibt keine Garantie, dass es besser ausgegangen w├Ąre, wenn ich sofort gegangen w├Ąre - aber ich hab es einfach nicht gemacht. Ich f├╝hle mich unheimlich schuldig und w├╝rde es so gerne ungeschehen machen. Wir haben schon soviel hinter uns, und ich liege einfach wach und qu├Ąle mich und wei├č nicht, wie ich damit umgehen soll.

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Das tut mir wahnsinnig leid, was dir passiert ist. Ich habe selbst k├╝rzlich meine Schwangerschaft bereits in der 9. Woche verloren.
Bitte mach dir keine Vorw├╝rfe. Du hast dich doch in Behandlung begeben.
Leider liegt es in der menschlichen (ich glaube vor Allem weiblichen) Natur, sich f├╝r alles die Schuld zu geben.
Vielleicht geh├Ârt es auch zum Trauerprozess dazu.
Ich bin mir sicher, so ziemlich jede Frau, die ein Baby verliert, auch ich, stellt sich die Frage, ob sie es h├Ątte verhindern k├Ânnen.
Du schreibst allerdings auch von einer depressiven Phase, in der du warst bzw bist. Ich hoffe, du bist deswegen in psychologischer Behandlung und hast jmd, der dich betreut?
Falls nicht, w├╝rde ich dir das nach einer so traumatischen Erfahrung ganz dringend raten, dass du dir professionelle Hilfe holst, um das zu besprechen.
Ich w├╝nsche dir viel Kraft, alles gut zu verarbeiten. ÔŁĄ´ŞĆ­čŹÇ

2

F├╝hl dich richtig fest gedr├╝ckt!
Leider weis auch ich, was es hei├čt so sp├Ąt (19.ssw) sein Kind zu verlieren!
DU BIST AN NICHTS SCHULD! Du hast nichts getan um dein Kinde BEWUSST zu gef├Ąhrden!!
Angst hat eine gro├če Macht auf unsere Psyche und die gilt es bei dir zu bek├Ąmpfen! Was du auf jeden Fall machen musst, ist dir Hilfe zu suchenÔÇ╝´ŞĆ Das du aus dieser L├Ąhmung und Angsthaltung raus kommst und auch du wirst das schaffen!!! So was zu verarbeiten dauert unterschiedlich lange nimm dir ALLE Zeit der Welt daf├╝r!!ÔÖą´ŞĆÔÖą´ŞĆÔÖą´ŞĆ
Ich habe mir auch oft die Frage gestellt, w├Ąre ich am Samstag zum Arzt, h├Ątte ich es verhindern k├Ânnen, ich hatte Wehen und wusste nicht dass das Wehen sind... ich nahm an mich einfach ├╝bernommen zuhaben! Der Mumu hatte sich komplett ge├Âffnet und Karl rutschte durch und hing nur noch mit seinem Kopf in der Geb├Ąrmutter und lebte, Ja! Aber es war klar dass wenn die Blase platzt er sterben wird!
├ťber das Geschehene zu reden hilft sehr viel, ich finde es klasse von dir dass du hier schreibst­čŹÇ

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Es tut mir Leid, dass du erneut so etwas durchgemacht hast. Ich denke auch, dass du dich zeitnah in psychologische Beratung/Therapie begeben solltest.
Ich pers├Ânlich (diesbez├╝glich kein Fachwissen) halte es zwar f├╝r unwahrscheinlich, dass ein fr├╝herer Arztbesuch etwas ver├Ąndert h├Ątte, denn am Dienstag/Mittwoch, w├Ąre es ja schon zu sp├Ąt gewesen, aber dennoch besorgt es mich, dass du gro├če Angst hast, die aber wegschlie├čt und so Leben riskierst. Wenn du sp├Ąter ein Kind bekommst, bist du sp├Ątestens dann voll und ganz f├╝r das Leben eines anderen Menschen verantwortlich. Dann die Augen zu verschlie├čen, obwohl dein Bauchgef├╝hl dir zu etwas anderem r├Ąt, w├Ąre (sp├Ątestens dann) fatal.
Ich hoffe du hattest bisher keine schlechten Erfahrungen mit ├ärzten gemacht, dass du nicht ernst genommen wurdest o.├Ą.. Falls ja, und falls das dazu beitr├Ągt, dass du nicht zum Arzt gehst, such dir auch einen verst├Ąndnisvolleren Gyn.