Nach Sprung schon wieder Langeweile

Hallo ihr Lieben,

ich wende mich an die Eltern, die bereits Erfahrung mit Überspringen einer oder sogar mehrerer #schwitz Klassen haben.

Unser Sohn ist Anfang Dezember aufgrund einer Hochbegabung von der 1. in die 2. Klasse gesprungen. Er bekommt zusätzlich einmal in der Woche eine externe schulische Förderung für hb Kinder (googlet bei Interesse einfach "Entdeckertagschulen Rheinland-Pfalz"). Es lief bis kurz vor den den Sommerferien gut.

Jetzt ist er seit Anfang August in der 3. Klasse und ich hatte gehofft, dass das höhere Niveau, die gestiegenen Anforderungen, der Lehrerwechsel (sehr anspruchsvolle Lehrerinnen!) ihn auffangen könnten.
Weit gefehlt. Die alten Erscheinungen aus Klasse 1 sind wieder da:
LANGEWEILE! Er begreift ein neues Thema schnell, Üben ist in einem Bruchteil der Zeit völlig ausreichend und dann schaltet er ab. Spielt mit seinen Stiften, schneidet seine Fingernägel (!), träumt und ist irgendwo anders.
Manchmal ist es so schlimm, dass er sich von uns abholen lässt (Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchweh etc) oder gar nicht erst hin kann. Ich bin ständig in Alarmbereitschaft, falls ich wieder von der Schule angerufen werde. Ich arbeite selbst. Die letzten beiden Wochen gab es JEDEN Tag irgendein gesundheitliches Problem. Am Wochenende ist es gut, dann vergeht er aber vor lauter Langeweile.

Er weint oft scheinbar grundlos und wir versuchen ihn außerschulisch abzulenken (Schachclub, viel lesen, Strategiespiele, Wissens-CDs, Knobeleien, daneben natürlich Sport, raus in die Natur, Backen, Basteln und viel mit Freunden treffen), aber irgendwann macht er dicht und verzieht sich in sein Schneckenhaus.
Er bockt immer häufiger und scheint mit sich zu kämpfen.

Wir wollen ihn nicht noch einmal springen lassen! Das Problem der Unterforderung wird sich auch nach einem weiteren Sprung wieder einstellen und schließlich macht er mit 15 Abitur!#schock Wo bleibt dann seine Kindheit?

Er wird im März erst 8, sein Bruder ist in der 4. Klasse und ein Sprung würde bedeuten, dass sie in der gleichen Klasse wären (es gibt keine Parallelklasse). Ein Alptraum für unseren Großen!

Jetzt meine Frage an euch erfahrenen Mütter:
Muss ein Kind einfach durch langweilige Phasen durch? Muss es lernen, das hinzunehmen? Sollen wir seine körperlichen Beschwerden ignorieren? Hat euch ein Psychologe geholfen (unser nächster Schritt würde nämlich in diese Richtung gehen)?

Wir haben einen guten Draht zur Schule, morgen habe ich Elterngespräch, aber auch die beiden Lehrerinnen der Klasse sind ein bisschen hilflos. Mein Mann und ich sind selbst Lehrer, allerdings haben wir beide noch nicht mit hb Kindern zu tun gehabt, so dass wir aus Erfahrung sprechen könnten.

Wie sind eure Erlebnisse? Kann man einen 2. Sprung vermeiden? Oder kann man auch auf anderem Wege ein glückliches Kind haben?

Vielen lieben Dank für eure Antworten,

Grüße,


Katja

1

Ich habe kein hochbegabtes Kind, meine Tochter ist aber in manchen Dingen ähnlich. Sie ist jetzt in die erste Klasse gekommen, kann schon etwas lesen, schreiben und rechnen, in etwa so wie ein Kind Ende der ersten Klasse.
Sie ist erst 6 geworden und findet Schule zwar noch spannend, aber sie kann eben schon lange alle Buchstaben und findet es öde dass sie jetzt lernen sollen ein M zu schreiben....voll langweilig eben ;)
Sie macht die Hausaufgaben in wenigen Minuten wo andere länger dran sitzen, ist für sie "Babykram".
Nach nur 2 Wochen findet sie die Hausaufgaben schon langweilig, macht sie schnell mal eben und ist danach sofort wieder in ihrer Drachenwelt! Sie ist absolut in einer Fantasiewelt, Nachts schläft sie nicht, sondern ist in der Drachenwelt, tagsüber ist sie in der Drachengeschichte.....schon lange so.

Ballett (hat ihr immer Spaß gemacht) ist blöd, andere Hobbys möchte sie erst gar nicht beginnen, am liebsten möchte sie nur in ihrere Fantasiewelt verschwinden.

Die Lehrerin hat das so noch gar nicht mitbekommen, sie findet sie noch etwas zu kindlich für die Schule (naja, habe es ja von der Erzieherin bis zur Schulpsychologin testen lassen, jeder hat mir ans Herz gelegt sie einschulen zu lassen weil sie eben schon so viel kann)

Ich denke dass ein wenig Langeweile durchaus wichtig ist für Kinder, daher schadet sie Deinem Sohn sicher nicht. Ihn nochmals springen zu lassen ist ja auch so eine Sache, er würde ja dann als "Kleiner" auf die weiterführende Schule kommen, wie würde er das denn aushalten?
Oh man.....ihr habt es ja nicht gerade leicht, mich würde es sehr interessieren wie Euer Weg weitergeht.

Hoffe dass euch hier jemand noch Tips geben kann, seinen großen Bruder kann ich verstehen, meine Große leidet so schon unter ihrer kleinen Schwester.......

Mona

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Hallöchen,

danke für deine Antwort. Ich wünsche euch alles Gute für euer Mädel und hoffe, dass sich alles normalisiert. MIT oder OHNE Sprung.
Ein gewisser Grad an Langeweile ist sicher okay, aber wenn es in körperliche Beschwerden ausartet und das Kind die Schule (unbewusst?) verweigert, ist es das wahrscheinlich nicht mehr, fürchte ich. Hoffetnlich bleibt euch das erspart.

Ganz liebe Grüße und danke,#blume

Katja

2

Hallo,
schon mal an die entsprechenden Vereine gewandt? Als da wären: Mensa, DGhK etc.? Die helfen gerne kompetent weiter!
Gruß
Tri Tra Trullala

6

Hallöchen,

vielen Dank für deine Antwort! Darauf bin ich ehrlich gesagt noch gar nicht gekommen, obwohl es doch so nahe liegend ist.

Danke und liebe Grüße,#blume

Katja

9

Hallo Katja,

dann mal los ... diese Vereine bieten neben der Beratung auch tolle Veranstaltungen, Spielenachmittage, gemeinsame Urlaube/Ausflüge und so weiter an!
Kann ich nur empfehlen!

Bei Fragen kannst du mich gerne anschreiben!

Alles Gute und viel Spaß wünscht
Tri Tra Trullala

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Ich denke eine Regelschule, kann spezielle Bedürfnisse (in beiden Richtungen) nur begrenzt auffangen. Gibt es denn keine spezielle Schule für Hochbegabte in eurem Umkreis?

Grüße
Luka

8

Ja, es gibt ein Gymnasium, das Kinder unter 9 aber nicht annimmt. Mit einem weiteren Sprung wäre er in der 5. Klasse 8 (!) und somit zu jung.
Wir müssen irgendwie diese Durststrecke bis Ende Klasse 4 hinter und bringen. Sind ja nur noch 1 3/4 Jahre #schock.
Aber diese Schule fassen wir immer mehr ins Auge, da hast du Recht.

Ganz lieben Dank,

Grüße,#blume

Katja

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...na wenigstens ein Lichtblick ;-).

Grüße
Luka

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Hallo Katja,

ich habe keine Erfahrung in so einer Situation, wünsche euch auf jeden Fall alles Gute.

Mir ist eben spontan eingefallen, dass vielleicht eine körperliche Ablenkung ganz gut wär.
Mir schwirrt da das "Tae kwon do" im Kopf herum, das ist Sport für Körper und Geist. Habe ich selbst mal gemacht.

Liebe Grüße,
Alex

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Hallöchen!

Genau das macht er schon ;-) Mit halber Begeisterung, aber immerhin konsequent seit einem Jahr.

Danke dir herzlich!

LG,#blume

Katja

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Hallo,

gibt es bei Euch in der Umgebung eventuell eine freie Schule? Sprich, eine Montessorischule oder ähnliches. Dort können und dürfen die Schüler nach ihrem eigenen Tempo lernen - in gemischten Altersgruppen. Wenn ein Kind in der 2. Klasse eben Stoff der 4. Klasse bearbeiten will dann darf er das auch.

Das ist nur ein Vorschlag. Aber vieleicht ist das ja was für Euch.

Oder eben eine spezielle Schule für Hochbegabte.

Alles Gute.

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Hallo,

er wird auf jeden Fall lernen müssen, mit einem gewissen Maß an Langeweile umzugehen (ich schreibe extra "umgehen" und nicht "aushalten"). Auf der anderen Seite kann man schon versuchen inwieweit die Lehrerin in Bezug auf Sonderaufgaben kooperativ ist und wie dein Sohn das möchte (wegen evtl. unangenehmer Sonderrolle in der Klasse).

Du beschreibst was deinem Sohn alles an Aktivitäten und geistiger Förderung "geboten" wird. Das ist einerseits toll, weil er es schon braucht, andererseit schraubt das vermutlich seine Erwartungshaltung an die Umwelt ziemlich hoch und er lernt nicht selbstständig Leerräume zu füllen, die sich eben bei der x-ten Wiederholung und Erklärung auftun. Schulische Umwelt bietet für hb-Kinder nuneinmal vieeeeeel Langeweile (nicht immer und nicht ausschließlich). Damit müssen sie lernen umzugehen!
Und zwar auch selbstständig, aktiv und konstruktiv.
Wenn nicht, schlagen Langeweile und Unterforderung auf die Gesundheit.
Also körperliche Beschwerden auf keinen Fall ignorieren! Aber nicht nur im Sinne zusätzlicher Förderung (oder Klassensprüngen) bieten bzw. erwarten, sondern im Sinne des Erwerbs interner Strategien.
Ich würde da auch an psychologische Hilfe denken, allerdings bei einem Kinderpsychologen, der sich mit Hochbegabung auskennt.

(Unsere Mittlere ist übrigens mit 7 auch in der 3. Klasse - bei uns läuft es momentan sehr rund, haben aber auch andere Zeiten hinter uns)

LG kleinjano

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Hallo,

vielen Dank für deine Antwort!
Ja, wir suchen nach unseren Herbstferien, die am Samstag beginnen, einen Schulpsychologen auf. Sie ist spezialisiert auf HB und ist 2 mal in der Woche am HB-Gymnasium in der Stadt vor unserer Haustür.

Ich helfe unserem Sohnemann seit vorgestern am PC, mit dessen Hilfe und diverser Bücher er sich einem Thema widmet, das ihn momentan brennend interessiert. Er ist Feuer und Flamme, ist dabei ein eigenes Buch über Vivaldi und andere Komponisten zu erstellen und scheint glücklich.

Wenigstens nachmittags. Da kann ich ihn irgendwie immer inspirieren, so dass er selbst los legt und aktiv wird. Aber in der Schule war ich machtlos.

Seine Lehrerin sieht alles ganz anders: Seine Müdigkeit und die Kopfschmerzen kommen nicht vonr der UNTER- sondern der ÜBERforderung durch den Sprung, obwohl ich ihr lange erklärt hat, dass er an seinen "Entdeckertagen" locker von 8 bis 16 Uhr durchhält, danach noch logicals, Schach und div. Knobeleien braucht um aus seinem Endorphin-Rausch rauszukommen.
Ich bin ziemlich ratlos.

Ich danke dir für deine Antwort und wünsche dir für deine Tochter alles Gute!

LG,

Katja

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Hallo,

ich kenne das Problem. Begonnen hat es eigentlich von Anfang an. Zum ersten Mal jemanden externen aufgefallen ist es schon mit 1,5 Jahren.

Und entgegen landläufiger Meinung habe ich mich DAGEGEN entschieden, mich darauf zu konzentrieren, das Kind zu fördern in seinen Fähigkeiten. Denn ein solches Kind hat ganz natürlicher Weise auch Defizite.

Die Langeweile wird im Leben unserer Tochter IMMER ein Begleiter sein. Deshalb war es mir so wichtig, dass sie lernt damit umzugehen. Sie muss doch damit klarkommen, dass 90% aller Menschen sich im Rahmen des Normalen bewegen, aber sie nicht. Das ist viel wichtiger als der Rest. Sie geht mit ihren 6 Jahren auch zum Schach, zum Schwimmen, zur Leichtathletik usw... Aber das löst das Problem nicht.

Die Bestätigung haben wir jetzt bekommen. Auch sie wird wahrscheinlich die 1. Klasse überspringen. Aber sie gliedert sich wie ein Traumkind in die Klasse, weil sie es in den letzten Jahren geübt hat, Langeweile auszuhalten.

Und das hat echt viel Kraft gekostet! Wenn euer Kerlchen tatsächlich seinen Willen bekommt, wenn er Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder was auch immer hat, ist das für ihn eine zulässige Lösung für seine Langeweile. Er hat noch gar nicht verstanden, dass das nicht geht, dass er da durch muss und eben auch mal warten muss.

Ihr könntet mit den Lehrern vereinbaren, dass er dann Schwächeren hilft. Das hat sich schon in der KiTa bei unserer Tochter bewährt und ist für SIE jetzt das gängiste Muster.

Wenn sie in einer Situation, in der alle das gleiche machen müssen, fertig ist und sich langweilt, schaut sie sich nach Baustellen um. Wer braucht Hilfe, wo kann ich noch was extra machen, werde ich irgendwo gebraucht?

Und hey, es funktioniert. Und ich hoffe, dass ich das erhalten kann.

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Dein Modell ist aber extrem vom Typ des Kindes abhängig. Und diese Helferrolle liegt den Mädchen meist eher als Jungs.

Hier sehe ich die Gefahr, wenn man den Jungen immer weiter zwingt, die für ihn furchtbare Situation auszuhalten, dass er dann zum Totalverweigerer wird (Stichwort Underachiever).

LG;
Lucy

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Ich würde dringend einen kompetenten Kinderpsychologen aufsuchen. Wo in RLP seid ihr denn (gerne per PN) ?

So kann es jedenfalls für euren Jungen nicht weitergehen. Ja, Kinder müssen Langeweile im gewissen Rahmen akzeptieren lernen. Aber wenn die Situation euer Kind krank macht, dann müsst ihr handeln!!!

Unserem Sohn ging es ähnlich, er kam dann auch mit 8 Jahren nach 2 Sprüngen aufs Gymnasium. Es ist sicher nicht leicht wegen dem Altersunterschied, aber wenigstens hat er keine chronischen Kopfschmerzen, Bauchschmerzen etc mehr. Die waren ab dem ersten Tag der 5.Klasse wundersam geheilt....

Falls Du magst, schreib mich ruhig per PN an, manches mag man hier nicht öffentlich diskutieren ;-)

LG;
Lucy