Ständig 6er in Leichtathletik

Hallo und guten Mittag,

bei uns läuft ja das Schuljahr noch gute 2,5 Wochen (Baden-Württemberg) und für meine Tochter (11, 6. Klasse) startet die Woche immer mit einer Doppelstunde Sport.

Ich muss dazu sagen, dass wir vermutlich die unsportlichste Familie sind, die es auf dem Planeten gibt. Meine Geschwister und ich (obwohl meine Schwester, drahtig, rank und schlank ist) haben es immer mit Hängen und Würgen in Sport auf die 4 gebracht. Sport war unser absoluter Horror (in Bundesjugendspielen bekamen wir nie eine Urkunde, im Winter hingen wir wie Kartoffelsäcke vom Reck ....#schein).

Ich wollte natürlich bei meinen Kindern das Sportdrama sehr gerne verhindern. Daher gehen sie alle seit ihrem fünften Lebensjahr in die DLRG und schwimmen wirklich total gut. Außerdem sind sie im Kampfsportverein und meine Tochter geht da 3-4 Mal die Woche ins Training (ist direkt um die Ecke). Dazu kommt noch der Schulsport und wir fahren alle viel Fahrrad. Das wirkt sich natürlich auf die Kondition etc. positiv aus. Aber das Urproblem bleibt einfach bestehen ... wir sind unsportlich.

Seit acht Wochen macht die Klasse nun jeden Montag Leichtatlethiknoten. Jede Woche hat ein Thema, heute war es der 400m Lauf. Sie haben sich aufgewärmt, kurz über Lauftechniken geredet und dann sind sie immer in 10er Gruppen gestartet. Meine Tochter hat für ihre Zeit eine 6 bekommen (kam mit zwei anderen Mädchen ins Ziel).

Das Problem ist, dass sie eigentlich jede Woche eine 6 bekommt - egal ob Weitsprung (da schaffte sie nur 2,60m), oder Wurf, oder ... Sie ist nun total frustriert und meint, dass sie und die anderen unsportlichen Mädchen in der Klasse ziemlich gemobbt werden und dass sie nächste Woche einfach nicht mehr mitmacht. Sie bekommt ja ohnehin nur 6er.

Im Halbjahr stand sie noch auf 3+, da wirkte sich aber positiv aus, dass sie jede zweite Woche Schwimmen waren und sie im Schwimmen immer eine 1 bekam. Mir graut da auch ein wenig vor dem Zeugnis 3+ und 6 im Schnitt ist ja eine 4,5 - ob das eine 5 ins Zeugnis gibt?

Von einer anderen Mutter weiß ich, dass sie letzte Woche in der Sprechstunde war, der Lehrer dann aber standardisierte Listen aus der Tasche gezogen hat und ihr eben gezeigt hat, dass ihr Kind nur eine 6 verdient.

Was würdet ihr machen?

GLG
Miss Mary

2

Ich würde die zuständige Schulpsychologin (örtliches Schulamt) einschalten. Grund: diese Art Demotivation macht etwas mit einem Menschen und das ist nicht positiv. Hinzu kommt: ich glaube nicht, dass diese Notengebung so zulässig ist.

Eine 6 ist eine 0-Leistung. Die darf es nur geben wenn: der Schüler nicht im Sportunterricht erscheint, das Laufen komplett verweigert oder provokativ den Parcour entlangspaziert. Selbst eine 5 dürfte es nicht geben, wenn sich jemand anstrengt so schnell zu laufen, wie er kann oder so weit zu werfen wie es irgendwie geht.

Hinweis: mit einer 6 in Sport bleibt man sitzen.

Gruß

Manavgat

3

Dank dir - bei uns in Baden-Württemberg bleibt man wegen einer Sport 6 nicht sitzen, da zählen im Versetzungsfall von den Fächern Musik, Kunst und Sport nur das beste Fach. Sport zählt aber zum Durchschnitt, daher ist das so ärgerlich!

GLG
Miss Mary

15

Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber das war schon zu meiner Schulzeit so..... Wir sollten einen 4000m Lauf machen und mussten eine Zeit x laufen, um wenigstens noch 1 Punkt zu bekommen. Ich fragte dann, ob ich den Anstandspunkt bekomme, wenn ich das Ziel überhaupt erreiche.

Antwort: Nö. Die Zeit musst du schaffen.

Ich bin dann für 0 Punkte im Schatten sitzen geblieben und habe die Anderen rennen lassen.

LG

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1

Ich würde in die Sprechstunde gehen, aber eher unter dem Aspekt wie Ihr Euere Tochter aus der Frustration rausbekommen könntet. Jetzt, zwei Wochen vor den Ferien ist es ohnehin nicht möglich notentechnisch was zu retten, aber wenn du weisst, was im nächsten Schuljahr so die Sportthemen sind, könnt Ihr sie ja schon darin unterstützen. Mein Sohn war im Werfen immer ganz schlecht. Also haben wir im Hof als Familie Weitwurftraining gemacht. Spielerisch, mit Kreidestrichen für die Entfernung und gemeinsam mit Papa, was auch nochmal motivierend war. Auch für Sport kann man üben.

Ich denke auch nur ungern an die Schulleichtathletik zurück, die Anforderungen für gute Noten sind da meiner Meinung wirklich etwas abgehoben. Gerade in der Pubertät ist es besonders wichtig, dass Sport nicht frustriert, sondern der Spaß an Bewegung erhalten bleibt. Und deshalb (und nicht unter dem Aspekt der Noten) würde ich mit dem Lehrer sprechen.

LG d.

4

Bei meiner Tochter (auch BW) gab es für den Kram auch diese Tabellen durch die die Noten entstehen
Fand ich ok weil es eben nicht so übertrieben oft wie bei euch gemacht wurde, wenn nach Tabellen benotet wird kann man eben leider nicht nach Anstrengung und Willen benoten, aber bei uns war das eben nur ein kleiner Teil der Note. Bei den vielen anderen Sachen die gemacht wurde konnten selbst die unsportlichen gute Noten bekommen weil man da auch Wille zählen lassen konnte und es generell so war das es immer was für jeden gab und auch mal die Möglichkeit gab auszuwählen

Ich würde das Gespräch mit der Lehrerin suchen und fragen wie die Noten gewertet werden, zählt wirklich JEDE Leichtathletik Note bzw jede einzelnd und nicht am Ende zusammen als große Leichtathletik Note?

5

Hallo Miss Mary

Was ich machen würde, weiss ich auch nicht wirklich... Aber ich würde das Gespräch suchen. Wenn der Sportlehrer sich so unpädagogisch verhält, dann würde ich mich an die Klassenlehrerin wenden oder mein Kind zum Vertrauenslehrer schicken oder sonst irgend wen aufsuchen. Allerdings nur, wenn Du sicher bist, dass Dein Kind sich wirklich angestrengt hat.

Es ist doch so traurig, wie einem Kind auf diese Weise der Spass an der Bewegung genommen werden kann... Da könnte ich mich recht aufregen!
Ich bin ja eh der festen Überzeugung, dass es in dem Alter keine Zeugnisnoten in Kunst, Sport und Musik geben sollte. Die Kinder wissen doch eh sehr genau, wer wie gut ist.

Ich bin z.B. in Sport durchschnittlich begabt, habe immer gut gemalt und bin wiederum ziemlich unmusikalisch. Das wusste ich alles schon recht früh, habe aber trotzdem alles recht gerne gemacht (na gut, Weitwurf und Geräteturnen nicht so sehr ;-)).

Alles Gute,

Paula

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Hallo,

ich würde in jedem Fall das Gespräch mit dem Lehrer suchen.

Ich kenne auch keinen Lehrer, der eine schlechtere Note als 4 in Sport gibt, selbst bei Kindern (so wie ich eines war, wegen starken Übergewichts), die völlig unsportlich sind.

Ausnahme: Das Kind beteiligt sich nicht am Sport oder benimmt sich extrem undiszipliniert.

Und das ist ja bei Deiner Tochter offensichtlich nicht der Fall, wenn sie gut schwimmt und Kampfsport macht.

Meine Tochter hat es nicht so mit springen und laufen und bekommt trotzdem in Leichtathletik eine 4. Zusammen mit dem übrigen Sport - der aus welchen Gründen auch immer wohl stärker gewichtet wird - kommt am Ende immer eine 2 raus.

GLG

7

Hi,
was passiert, wenn sie auf allen folgenden Zeugnissen in Sport eine 6 erhält?
Meine Kinder sind noch nicht so alt, von daher habe ich keine Ahnung, wie sich eine einzige 6 weiter auswirkt. Entstehen dadurch für sie größere Probleme?
Wenn nicht, dann soll sie es einfach so hinnehmen, dass die eben in diesem Fach einfach so ist wie sie ist. Ich habe Sport auch nicht gemocht. Meine Noten schwankten auch immer zwischen 4 und 5 (bei uns gab es damals noch keine 6).
Sie damit zu quälen halte ich für absoluten Blödsinn. Das nimmt ihr die ganze Freude und was bringt es letztendlich, wenn sie sich von ner 6 auf ne 5 hochkämpfen würde? Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte, dass es ihr zeigt, dass sie mit kämpfen, Ausdauer und Willen etwas erreicht hat - von ner 6 auf ne 5. Wäre das besser? Wenn ja, für wen und warum?
Wie sind ihre Noten in den anderen Fächern?
Ich halte es für sinnvoller, sie in Fächer zu fordern und zu fördern, in denen es wirklich Sinn macht und die sie weiter bringen. Ein Sportstudium wird sie nie anstreben, also wozu quälen?
Wo liegen die Stärken deiner Tochter? Hier könnte sie doch in besserer und kürzerer Zeit wesentlich mehr rausholen, oder?
Macht ihr der andere Sport, den ihr als Familie gemeinsam macht, überhaupt und wirklich Spaß oder quält sie sich da auch durch?
Ganz ehrlich, ich mache, sehr sehr selten Sport. Wenn dann ist es sowas wie wandern, spazieren gehen, ggf. noch Fahrrad fahren und das wars. übergewichtig bin ich nicht und gesundheitliche Beeinträchtigungen, die besagen, ich müsste mehr Sport machen, habe ich auch keine.
Überlegt euch ggf. mal eine Strategie, wie deine Tochter durch den Sportunterricht und bis zum Schulabschluss durchkommt. Danach wird sich sehr wahrscheinlich nie wieder jemand für die Sportnoten interessieren. Darüber hinaus macht sie ja Sport, nur eben anderen.
vG
ficus

8

Eine 6 zu geben, ist eine Frechheit! Denn die Note gibts in der Regel nur bei totaler Arbeitsverweigerung und nicht wegen Unsportlichkeit...

11

7? Baden Württemberg gibg es für Leichtathletik fest Bewertungstabellen für die jeweilige Alterklassse. Da wird geschaut, Aler, Zeir bzw. Weite, Höhe und dann kommt die Note raus. Da ist man ganz schnell in einzelnen Disziplinen bei einer 6.

LG

9

Hab eben mal gegoogelt,http://www.gymaul.rv.bw.schule.de/homepage/Schule/Schulprofil/Faecher/Sport/Notentabellen_Maedchen.pdf, da wäre 2,60 Weitsprung eine 4. Ich würde da
doch mal nachfragen, wonach Deine Tochter bewertet worden ist.
Vielleicht weiß sie ja auch, wie weit oder schnell andere waren und was

die für eine Note bekommen haben. Ich finde das unmöglich, für alles eine 6 u geben!
Gruß

spokmona

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Hallo,

ich danke euch schon mal. Es ist so, dass es in B-W relativ egal ist, was man im Sport hat, solange man in Kunst und Musik im Grünen Bereich ist - da zählt nur die beste der drei Noten zur Versetzung.

Aber: Es sieht halt auf dem Zeugnis extrem komisch aus. So, als ob sie ständig unentschuldigt gefehlt hätte.

Dazu ist es noch so hier, dass man ab einem Notenschnitt von 2,2 ein schriftliches Lob bekommt (ist dann in der Zeitung und so). Meine Tochter ist da schon ziemlich ehrgeizig und so eine 6 muss ja erst mal ausgeglichen werden (auch wenn es dieses Jahr eine 5 wird). :-[

Ich habe jetzt mal mit der Freundin einer Freundin telefoniert, die ist Sportlehrerin (auch in B-W, aber an einer anderen Schule). Sie hat gemeint, dass es da schon sehr verbindliche Listen gibt - die aber sehr hochgegriffen sind. Ein bisschen Unsportlichkeit reicht da wohl schon, um sehr weit hinten zu landen. Sie meint, sie muss die Listen eigentlich verbindlich anwenden, ABER sie bringt es nicht übers Herz und findet es auch nicht pädagogisch.

An ihrer Schule wird die Note dann gesplittet - 50% Liste, 50% Technik und Anstrengungsbereitschaft oder so - sprich: Total unsportliche, aber motivierte Kinder landen dann irgendwo zwischen 3-4 und 4. Aber sie meint das ist so eine Grauzone.

Oh Mann ... Ich bin echt etwas angenervt. Was auch immer die Idee dahinter ist ... es ist wie bei uns früher ... mir hat es so vor Sport gegraut und ich habe in 12 Schuljahren wirklich keine Sportart gefunden (im Sportunterricht), die ich toll fand. Das kann ja nicht der Sinn von Sportunterricht sein?

GLG
Miss Mary

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Hatte ich jetzt nicht gelesen, bevor ich meinen Kommentar abgeschickt habe.

OK - die Benotungskriterien sind anscheinend eher "unvorteilhaft", wenn das so stimmt, wie Deine Freundin sagt.

Andererseits:
Mein Verdacht verstärkt sich, dass Ihr zu Hause dem Sportunterricht eher kritisch gegenüber steht und dies auch den Kindern so vermittelt.

Natürlich weiß ich nicht, was Du in der Schule alles an Sport hattest - bei uns war die Vielfalt sehr groß. Aber wir mussten auch alles zumindest einmal durchprobieren, bevor wir uns in der Oberstufe für 3 Sportarten entscheiden konnten (Sport war bei uns Abi-Pflichtfach).

Ebenso wenig weiß ich, was Deiner Tochter alles angeboten wird.

Aber vielleicht sollte die Einstellung von Haus aus mal "verbessert" werden.

Ist nicht bös oder rechthaberisch gemeint - nur ein Tipp.

LG
;-)

16

Guten Abend misssaintmary

Solche Listen gab es bei uns früher auch. Bei Ballsportarten, Gymnastik und diversen anderen Disziplinen war der Lehrer noch etwas freier in der Notengebung, in der Leichtathletik gab es halt auch eine verbindliche Vorgabe.

Ich persönlich finde nicht, dass eine Argumentation, die die Pädagogik anzweifelt, viel bringt. Sport beinhaltet Wettkampfgeist und unter anderem auch die Akzeptanz der Grenzen des eigenen Körpers oder das Abwägen, ob der Wille reicht noch einen Schritt weiter zu gehen.

Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihrer Tochter. Es ist nichts schlimmes dabei, in einer Disziplin nicht gut zu sein. Sport deckt halt in einem Fach viele Elemente ab, während Mathematik durch die Natur der Sache schon spezifisch ist.

Sie darf akzeptieren, dass sie in Leichathletik nicht gut ist, auch wenn ich vollstes Verständnis habe, dass eine schlechte Note sie ärgert.

Aber auch in Sport kann man sich verbessern. Wenn Sie die 3 nur durch eine 1 im Schwimmen erreicht hat, scheint sie generell etwas Mühe zu haben. Sie könnte ihre Schwächen angehen, wenn sie das möchte. Für die Zukunft, zum Beispiel.

Aber ich denke, auch in Sport sollte man nicht erwarten, eine Mitleidsnote zu erhalten.

Sport ist nicht nur Bewegung, sondern fördert und fordert auch den Geist und meiner Meinung nach hilft das viel im normalen Leben, die Disziplin, den Ehrgeiz sich durchzubeissen, auch wenn alles weh tut und man schnauft wie ein Walross, die Beherrschung des Körpers, Koordination, das Bewusstsein für den Körper und damit sich selbst, das gute Gefühl am Ziel zu sein, Überwindung, Frustrationstoleranz, Stärke, Bewegung als Ausgleich.
Sie kann also mehr üben und dann hoffentlich nächstes Jahr besser werden oder sie akzeptiert ihre eigenen Grenzen und belässt es dabei. Dann soll sie sich auf sich konzentrieren, den schlussendlich ist es wie bei den restlichen Fächern, sie lernt für sich und das Leben, nicht für die Schule. Beim Sport ist es ähnlich. Versuchen Sie mit ihr das zu sehen, was ihr hilft den Schulsport als ein reguläres Unterrichtsfach anzusehen, bei dem sie halt nicht ganz so stark ist.

Ich denke, Zuspruch und Appell an ihre Stärke auch über solchen Hindernissen zu stehen, helfen ihr jetzt und auch langfristig mehr. Sie können selbstverständlich versuchen die Situation im Sportunterricht zu ändern, aber es wird immer wieder kommen und wenn Ihre Tochter dies selber überwinden kann und vielleicht später auch aus eigener Kraft die Situation adressieren kann, gewinnen Sie beide viel mehr.

Und den Schülern, die sie hänseln, soll sie sagen, dass sie aufhören sollen. Das wiederum muss sie nicht akzeptieren. Sie darf anständig behandelt werden und sie darf sich Hilfe (z.B. bei einer Lehrperson) holen.

Mit freundlichen Grüssen

leuchttuermchen