BaWü, Profilwahl Gymnasium - Der Wahnsinn hat einen Namen...

    • (1) 21.02.16 - 11:58

      Hallo,

      mein Großer kommt im Herbst in die 5. Klasse. Er wird aufs Gymnasium gehen. Auf eines der unzähligen Gymnasien, die von hier aus erreichbar wären. Und da beginnt dann auch schon der Irrsinn... Nach langem Hin und Her haben wir drei Schulen in der engen Auswahl. Eine private, zwei staatliche.

      Für uns stand eigentlich als Profilfolge "5. Englisch / 6. Latein / 8. NWT" fest.

      Auf der Privatschule geht das schonmal nicht. Englisch ist dort für alle 1. Fremdsprache. Ab der 6. gibts dann entweder Französisch oder Latein. Wenn Latein gewählt wird, kann ab der 8. aber nur Französisch oder Spanisch gewählt werden (sprachlich). Soll ab der 8. der naturwissenschaftliche Zweig gewählt werden, muss in der 6. Französisch gemacht werden. Das Ganze ist strikt so vorgegeben. Mit der Begründung, dass es in der heutigen Globalisierung unverantwortlich ist, ein Kind nur mit Englisch als "lebendige" Sprache in das Leben zu entlassen. Wer also Latein nutzen will (dessen wichtige Pro-Argumente sie vorher lang und breit aufgeführt haben), muss eben in den sprachlichen Zug. Festgelegt werden muss die Wahl des kompletten Profils übrigens bei der Anmeldung in der nächsten Woche!

      Bei den beiden anderen Schulen hat man freie Wahlmöglichkeit bei den Profilen. Vorgegeben ist jeweils nur, dass Englisch die 1. Fremdsprache ist. In der 5. Klasse wird dann entschieden, ob es ab der 6. mit Französisch oder Latein weitergehen soll. Hier bietet die eine Schule sogar die Möglichkeit, ein paar Wochen lang in beide Sprachen reinzuschnuppern, um die Wahl zu erleichtern. In der 7. Klasse fällt dann die Entscheidung für die anderen Profile ab der 8. Klasse.

      Und schon geraten alle Gedanken wieder ins Wanken... Mein Sohn ist kein Sprachenmensch. Ihn in drei Sprachen zu drängen, ist für uns unvorstellbar. Kann man es aber verantworten, seinem Kind die Welt der Sprachen zu verwehren? Sind Französisch und/oder Spanisch wirklich so wichtig im Leben? Ist es die Begeisterung für NWT wert, dass er die Vorteile von Latein nicht nutzen kann oder eben "nur" mit Englisch ins Berufsleben startet?

      Großer Vorteil der Privatschule ist (neben dem sehr kurzen Weg) für mich die Tatsache, dass dort wirklich nur Kids mit Gymnasialempfehlung genommen werden. Nachdem bei uns die Empfehlungen nicht mehr verbindlich sind, ist das für mich ein großer Vorteil, wenn keine schwächeren Kids mit durchgebracht werden müssen, die nur aus falschem Stolz der Eltern aufs Gymnasium gedrängt wurden. Aber dafür eine Profilfolge wählen, bei der man Magenschmerzen hat?

      Oh Mann, am einfachsten wäre, wenn wir einfach eine Absage von der Privatschule bekommen. Dann wäre uns die Entscheidung abgenommen und wir könnten alles im Laufe der Schuljahre auf uns zukommen lassen - wenn er denn auf einer der anderen beiden Schulen genommen wird und nicht wahllos einer ganz anderen Schule zugeordnet wird, die wieder ein ganz anderes Profilsystem hat...

      Frust. Warum muss aus dieser ganzen Schul- und Profilwahl heute eine solche Wissenschaft gemacht werden? Bildungspläne werden angeglichen, um Wechsel unter den Schulformen leichter zu machen. Aber innerhalb einer Schulform gibt es dermaßen Unterschiede, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Alles Mist...

      Wer es bis hier gepackt hat und eigene Erfahrungen gemacht hat, mir andere Sichtweisen an die Hand geben kann oder sich einfach auch nur über das Chaos auskotzen will, darf mir gerne antworten#bla

      Gruß, #stern

      • Hallo

        Auf welche Schule möchte denn dein Kind?

        Großer Vorteil der Privatschule ist (neben dem sehr kurzen Weg) für mich die Tatsache, dass dort wirklich nur Kids mit Gymnasialempfehlung genommen werden. Nachdem bei uns die Empfehlungen nicht mehr verbindlich sind, ist das für mich ein großer Vorteil, wenn keine schwächeren Kids mit durchgebracht werden müssen,

        Das ist kein Vorteil denn auf einem Gymnasium werden schwache Schüler nicht mehr mit durgezogen wie in der Grundschule. Da wird der Stoff durchgenommen und fertig ist es für die Lehrer.

        Bei den beiden anderen Schulen hat man freie Wahlmöglichkeit bei den Profilen

        Da ist doch der Vorteil für dein Kind und nicht da wo Sprachen vorgegeben sind was deinem Kind ja gar nicht liegt .

        Das der Schulweg nicht weit ist zur Privatschule sollte egal sein denn ein 5 Klässler sollte auch weitere Wege alleine bewältigen können.

        Für uns stand eigentlich als Profilfolge "5. Englisch / 6. Latein / 8. NWT" fest.

        Wenn das auf einem Gymnasium möglich ist warum geht ihr diesen Weg nicht?
        Für mich wäre es dann die beste Schule.

        Oh Mann, am einfachsten wäre, wenn wir einfach eine Absage von der Privatschule bekommen

        Du hast Dich also schon entschieden, ich sehe diese Entscheidung als falsch an und deine Argumente sind keine richtigen Argumente.

        Es scheint mir eher das du es so willst. Falscher Ergeiz um sagen zu können: Mein Kind geht auf eine Privatschule

        • Danke für Deine Antwort!

          Ob Privatschule oder nicht ist mir egal. Es ist eher so, dass mich diese Eltern abschrecken, die sich mit dem Privilieg Privatschule brüsten wollen...

          Das Schwierige ist, dass mein Sohn zwar eine Schule bevorzugt, aber das eben nur aus der Luft heraus. Ohne etwas über die Schule gewusst zu haben. Die ist aber blöderweise die letzte mit den Infoveranstaltungen. Also können wir es nicht drauf ankommen lassen, dass er sich erstmal die anschaut...

      also hier Bayern nun in der 5 klasse gym

      und letztes Jahr war es bei uns so das wir ratlos da standen und nicht mehr wußten was wir wählen sollten in welche Richtung es gehen soll

      die ausgangssituation war kind von anfang an leistungsstark, nie groß lernen müssen oft die arbeitsblätter im Unterricht innerhalb von max 15 min gelöst und dann gelesen oder lernspiele usw erledigt

      und dann haben wir uns 6 gym in der Reichweite angesehen

      und haben uns für Latein ( ja Latein als 1 Fremdsprache ( wobei meine engl und dt muttersprachlich beherrscht ) entschieden und da es da nur ein gym gab wußten wir wohin sie gehen wird

      und wir sind stadt München jetzt geht unsere Tochter im Landkreis aufs gym und ist aber super zufrieden das weg ist total easy ( hin zum bus nicht eine str zum überqueren zurück eine mit einer super Ampel ) insgesamt 25 min weg von zuhause bis zur schule

      otgs ist super die Betreuer sind offen und neugierig und machen sehr viel mit den Kindern

      die kids kommen zum sehr großen teil aus bildungsnahen Familien

      die Lehrer sind an der Pädagogik genauso dran wie an den kids

      der Stundenplan ist ausgeglichen und dadurch sind nicht immer viele lernphasen drinnen sondern ein gleichmäßiges niedriges ( meine hat mit geringen lerneinsatz ihren schnitt sehr gut gehalten trotz dem vielen neuen eindrücken usw )

      was ich wichtig finde ich das zusammen leben und lernen mit der höheren stufen zb

      und was bei uns sehr gut ist das die ganzheitlich gefördert wird nicht nur Physik oder Technik usw sondern Kunst Kultur sport usw

      und ich hab die schule gesehen da waren gerade Dreharbeiten und überall graphitis usw

      sah echt aus wie eine schule im sozialen Brennpunkt und ich dachte nur oh mein Gott wo bin ich hier gelandet ( aber wir haben die Entscheidung nicht bereut und meine Tochter geht gerne hin und ist total entspannt und hat viel an reife und neue Richtungen bereits kennengelernt und wird weitere kennenlernen )

      und Latein war für meine eine super Entscheidung ist ein absoluter Kopfmensch ( und sie hatten jetzt 2 std ital weil Latein ausgefallen ist und sie hat die Wörter , begriffe, sätze so irre schnell begriffen und kann sie ohne Probleme anwenden und Rückschlüsse auf Latein bereits schliessen das ist irre zumal sie total leuchtende Augen hatte nach dem tag bei dem erzählen )

      hört auf euer bauchgefühl überlegt was für euer kind an Begabungen bereits gegeben sind und was ihm zum einstieg leicht fällt und damit mehr Stabilität fördert

    Ganz ehrlich: Es gibt bestimmt eine Milliarde Mütter, die deine "Probleme" gern mal hätten.

    Wie kann man denn so verwöhnt sein, dass man die "Qual der Wahl" (das Sprichwort gibt es nicht umsonst) als Frust und Schuld der anderen wahrnehmen?

    Ich persönlich hätte mich da unter euren Voraussetzungen schnell entschieden: Der Vorteil, dass bei der Privatschule nur Kinder mit Gym-Empfehlung genommen werden, ist nicht von der Hand zu weisen.

    Dann bleibt die Wahl: 3. Sprache oder NWT. Es geht dabei um EIN Fach. Wenn er nicht soooo das Sprachengenie ist, könnte er aus 3 Sprachen 2 für das Abitur (was er nunmal braucht) aussuchen. NWT gibt es auch im regulären Unterricht (Physik, Mathematik, Chemie...) reichlich.

    Immer mit dem Blick, dass es um maximal 3 Unterrichtsstunden pro Woche geht, wäre somit die Entscheidung klar!

    Übrigens habe ich persönlich Französisch (bevor ich damit etwas zu tun hatte) absolut gehasst. Wollte ich nie lernen und bin in eine Latein-Klasse. Nach nur einem Jahr haben sich meine Eltern dazu entschlossen, wegzuziehen. Latein gab es am neuen Gymnasium nicht als 2. Fremdsprache. Ich MUSSTE Französisch lernen und auch noch ein Jahr nachholen. Später habe ich Latein wieder angewählt (ab der 9. Klasse). Frühstmöglich (in der 11.) habe ich Französisch wieder abgewählt (hatte mich immer auf eine schlechte 2 gerettet) und fertig.

    Wenn dein Sohn wirklich ein Gymnasiast ist mit allen Begabungen, die dazugehören, schafft er das. Es heißt ja nicht, dass man dann zum Spanisch-Freak werden muss.

    • "Ganz ehrlich: Es gibt bestimmt eine Milliarde Mütter, die deine "Probleme" gern mal hätten.

      Wie kann man denn so verwöhnt sein, dass man die "Qual der Wahl" (das Sprichwort gibt es nicht umsonst) als Frust und Schuld der anderen wahrnehmen?"

      Wow, eine ausgesprochen nette Begrüßung, deren Bewertung ich mir jetzt mal erspare. Aber danke, dass Du es übernommen hast, zu beurteilen, welche Probleme wirkliche Probleme sind und welche nicht... Dafür bekommst Du bestimmt mal den Urbia-Polizei-Orden... Glückwunsch!

>> Großer Vorteil der Privatschule ist (neben dem sehr kurzen Weg) für mich die Tatsache, dass dort wirklich nur Kids mit Gymnasialempfehlung genommen werden. Nachdem bei uns die Empfehlungen nicht mehr verbindlich sind, ist das für mich ein großer Vorteil, wenn keine schwächeren Kids mit durchgebracht werden müssen, die nur aus falschem Stolz der Eltern aufs Gymnasium gedrängt wurden. <<

Sorry, aber das ist Käse. Als ob mit 10 Jahren festgemeiselt ist, wie sich die Lernkurve der Kinder entwickelt. Du hast doch auch keine Ahnung, mit wieviel Mühe und Nachhilfe die Gymnasialempfehlung hingetrimmt wurde. Fakt ist, das die Kinder auf dem Gymnasium bleiben, die es eben packen. Da wird keiner 'mit durchgebracht'. Das Phänomen tritt eher an Privatschule auf. Insbesondere, wenn der mäßig begabte und gänzlich unmotivierte Schüler X einen Papa hat, der der Schule in schöner Regelmässigkeit grössere Geldbeträge zukommen lässt.

Für mich wäre es alleine schon ein NoGo, wenn ich nach dem läppischen Grundschulenglisch schon entscheiden müsste, ob mein Kind ein Talent für Sprachen hat. Ich halte auch die Begründung mit der globalisierten Welt und der daraus resultierenden Notwendigkeit des Sprachenlernens für Humbug. Wieso ist für NWT Französisch als 2. Fremdsprache Pflicht? Wieso nicht Spanisch? Die Schule wird schlicht einen Überhang an Französischlehren haben.

Ich arbeite übrigens im technischen Bereich und die einzige Sprache, die man ständig braucht, ist Englisch.

Grüsse
BiDi

  • "Sorry, aber das ist Käse. Als ob mit 10 Jahren festgemeiselt ist, wie sich die Lernkurve der Kinder entwickelt. Du hast doch auch keine Ahnung, mit wieviel Mühe und Nachhilfe die Gymnasialempfehlung hingetrimmt wurde. Fakt ist, das die Kinder auf dem Gymnasium bleiben, die es eben packen. Da wird keiner 'mit durchgebracht'. Das Phänomen tritt eher an Privatschule auf. Insbesondere, wenn der mäßig begabte und gänzlich unmotivierte Schüler X einen Papa hat, der der Schule in schöner Regelmässigkeit grössere Geldbeträge zukommen lässt."

    Danke für diese Sicht der Dinge! So hatte ich es noch gar nicht betrachtet...

Hallo,

wenn Dein Sohn eine naturwissenschaftliche Neigung hat, würde ich im Leben keine Schule nehmen in der er drei Sprachen lernen muss.

Ich bin was Sprachen anbelangt nicht begabt, dafür in den Naturwissenschaften, genau wie meine Eltern. Also ging ich auf ein naturwissenschaftlich - mathematisches Gymnasium, auch wenn ich dort nur eins von wenigen Mädchen war. Ich bin heute noch froh darüber. Ich habe mit Englisch begonnen und dann kam Französisch dazu. Latein habe ich als AG gemacht und nach einem Jahr aufgehört. Ich kam mit Latein einfach nicht klar, musste unglaublich viel dafür lernen und bin insgesamt im Notendurchschnitt abgestürzt, wegen des lernaufwandes für Latein. Mit Englisch kam ich immer recht gut klar, Französich habe ich mich auch durchgeschlagen mit Noten zwischen 2 und 3.

Latein hätte ich für ein Medizinstudium gebraucht, hätte das kleine Latinum aber während dem Studium machen können. Auch für eine Promotion in Jura wurde teilweise das Latinum gefordert, aber nicht immer. Ich bin gut ohne das kleine Latinum zurecht gekommen und heute noch froh, dass meine Eltern meine Begabung richtig erkannt haben. In einem sprachlichen Gymnasium hätte ich es viel schwerer gehabt.

Viele Grüße
svala

"Für uns stand eigentlich als Profilfolge "5. Englisch / 6. Latein / 8. NWT" fest."

Warum? Weil er jetzt bessere Noten in Deutsch und Englisch hat?

Bis zur 8. Klasse passiert so viel, ich würde mich in der 4.Klasse nicht festlegen.das kann man einfach nicht.

Genau deshalb würde ich mich auch gegen die Privatschule entscheiden. Anfang der 5. Klasse, mit wahrscheinlich gerade mal einer Schulaufgabe in Englisch ist es schon schwer eine Entscheidung zwischen Latein und Französisch zu fällen. Da dann noch die gesamte Schullaufbahn zu bestimmen, ist in meinen Augen absurd.

"[...] dass dort wirklich nur Kids mit Gymnasialempfehlung genommen werden. Nachdem bei uns die Empfehlungen nicht mehr verbindlich sind, ist das für mich ein großer Vorteil, wenn keine schwächeren Kids mit durchgebracht werden müssen, die nur aus falschem Stolz der Eltern aufs Gymnasium gedrängt wurden."

Ich bin in Hessen zur Schule gegangen, hier waren es schon zu meiner Zeit immer nur unverbindliche Empfehlungen. Und glaub mir: Ein großer Teil aller Kinder ohne Gymasialempfehlung ist spätestens nach der 6. Klasse verschwunden.

Ich habe die Tage ein Interview mit dem aktuellen Schulleiter meines Gymnasiums gelesen, der mitteilte, dass das immer noch so ist. In der 5. Klasse werden die Guten dann oft noch ein bisschen ausgebremst, weil man den schlechteren Kindern durchaus die Chance geben will, sich einzuleben, aber wenn das in der nächsten Klasse nicht passiert, hört diese Rücksicht auf. Und intensive Gespräche zwischen Schulleiter und Eltern folgen und dann zumeist der Wechsel des Kindes auf eine Realschule.

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