Auswandern (Schule, Leistungsdruck, kaum Freizeit)

    • (1) 23.02.16 - 09:51

      Hallo,

      meine Familie und ich sind schon des längeren am Überlegen, ob wir auswandern sollen. Wir leben in Bayern und das Leben ist in den letzten Jahren wirklich sehr stressig für uns alle geworden, sei es im Beruf meines Mannes als auch in der Schule (3 Kinder). Kein Wochenende mehr, wo wir etwas unternehmen könnten, weil ständig ein Kinde etwas zu lernen hat, unter der Woche Stress pur mit Proben vorbereiten, Exen, Ausfragen. Die Kinder haben keine wirkliche Kindheit mehr, auch die Kleine (3. Klasse) klagt regelmäßig über Kopfschmerzen. Wir versuchen so gut es geht, kein großes Thema um die Noten zu machen, aber das Thema Schule ist so präsent und schon die Kleinen verspüren diesen Leistungsdruck.
      Und im Gymi trotz vielen Lernens - Enttäuschungen, da einfach zu viel erwartet wird. Kaum Übungsblätter, alles muss selbständig vorbereitet werden (und das als 5.Klässler). Ich könnte Romane drüber schreiben, aber Fakt ist, es ist uns allen einfach zu aufreibend, unbefriedigend und zu stressig. Schon in Österreich soll es viel entspannter zugehen, wir wären aber auch nicht abgeneigt, ins englischsprachige Ausland auszuwandern. Hat jemand Erfahrung damit oder kennt er jemanden, der einen solchen Schritt gewagt hat?
      Über eure Meldungen würde ich mich sehr freuen. Danke:-D

      Hallo,

      aus meiner Erfahrung (Freunde) heraus möchte ich mal dreist behaupten das schon ein Wechsel des Bundeslandes viel Entspannung in den Schulalltag bringen kann.

      Bayern scheint da ja wirklich extrem zu sein, auch schon in den Grundschulen.

      Wir wohnen in NRW direkt angrenzend zu Niedersachsen und diese Extreme kenne ich hier nicht. Klar ist der Übertritt in die 5. Klasse erst mal anstrengend, aber in der Regel nach einem Halbjahr erledigt. Wenn die Schule zum Kind passt.
      Mein Sohn hat in der Grundschule nur wenig tun müssen für seine durchweg guten Noten. Das liegt wohl auch daran das Klassenarbeiten nicht angekündigt wurden und wirklich der Wissenstand der Kinder abgefragt wurde.

      Bei Freunden aus Bayern ist das ganz anders. Dort gibt es ja den schönen Ausdruck "Grundschulabitur" zum Abschluss der 4. Klasse. Allein dabei gruselt es mich schon.

      Evtl. ist bei euch ein Wechsel der Schule möglich, wenn auf dem Gym selbst mit viel Lernen kein Erfolg zu bekommen ist.

      LG
      Tanja

      An deiner Stelle würde ich den Druck raus nehmen, such lieber einen guten Ausgleich zur Schule, es muss sich nicht alles darum drehen, ich frag mein Kind nie aus, es lernt in der Schule und macht zu Hause nur die nötigen Hausaufgaben, und die Noten stimmen.

      Das geht nur mit Ausgleich.

      • Ausgleich versuchen wir ja, Fußball, Reiten. Das macht den Kindern auch wirklich Spaß. Nimmt jedoch zeitlich nur einen kleinen Teil der Woche ein.
        Aber wie einige schreiben, die Kinder lernen allein, das können unsere zwei Kleinen einfach noch nicht. Es ist auch nicht so, dass nur schlechte Noten daherkommen. Mal sind die Noten gut, mal trotz Lernens schlecht. Das ist ja aber nicht der eigentliche Grund für unsere Überlegungen. Es ist nur so, dass kaum mehr Zeit für ein Leben bleibt. Auch nicht, was mich betrifft. Es ist einfach so viel schulisch zu tun, dass jeder am Rad dreht. Mag sein, dass es immer mal Überflieger gibt, die nichts für die Schule tun müssen. Dazu - obwohl sie alle ihre Stärken haben - sind unsere nicht. Sie sind alle soweit gut - aber das gelingt nur mit viel Mühe und Arbeit. Selbst das Arbeiten ist ja nicht zu verurteilen, das muss jeder machen, auch im Arbeitsleben. Aber es ist einfach dieser Druck in jedem FAch, du könntest jederzeit zur Abfrage drankommen, jederzeit könnte eine Ex in jedem Fach geschrieben werden. Davon gibt es aber nur 1-2 im Halbjahr (Lernfächer), diese Note bildet dann - mit Mitarbeitsnote - auch schon die Zeugnisnote. Wenn die verhaut wurden - Pech gehabt, obwohl sonst immer gut vorbereitet... und das bei drei Kindern (wobei die Größte nun fast alles allein schafft#schwitz. Das ist kaum zu schaffen. Sich die Nöte anzuhören, wenn was danebengeht, wieder alle motivieren, obwohl keiner mehr Lust hat, dann hast du es geschafft, sie lernen und trotzdem geht´s daneben. Dann find ich abends keinen Schlaf, weil ich schon den nächsten Tag im Kopf habe... nein, das kann das Leben nicht gewesen sein. Bin immerhin schon 45 Jahre alt und habe die Nerven nicht dazu. Ich will selbst noch was erleben, mal weggehen, arbeiten, das Leben genießen. Wenn das so noch die nächsten 4-5 Jahre weitergeht - neeeee! Gerade hat auch ein Verwandter von uns eine schlimme Krankheit bekommen, das bringt einen auch zum Nachdenken, welches Leben man eigentlich führen will. Und das Schlimme ist - meinen Bekannten geht es allen ähnlich.

        • Wenn ihr einen Neuanfang - wo auch immer möchtet - ist das die eine Sache; ich kenne zwar keine Auswanderer, aber durchaus Leute, die so im mittleren Alter auch einfach gesagt haben: "Ich will anders leben" und das dann auch gemacht haben, zum Teil auch mit Familie.

          Die andere Sache ist aber die doch naive Vorstellung, woanders sei das alles viel "entspannter". Wenn Dein Mann zu viel arbeiten, ist doch erst mal zu überlegen, ob es nicht auch weniger sein kann (dann ggf. auch weniger Geld, aber mehr Freizeit), wenn Deine Kinder nur Schulstress haben, ist die Frage, ob die Schulform richtig ist.

          LG

          Anja

          Ich persönlich glaube, du bist auf dem Holzweg...

          Ich habe vor einiger Zeit jemanden kennengelernt, der das (bei einem Kind!!!) so ähnlich handhabt wie du. Mal ein kurzer Abriss der Geschichte!

          Das Kind (absolutes Wunschkind mit unfreiwillig kinderloser Vorgeschichte) wurde förmlich durch die Grundschule GETRAGEN! Von der ersten Klasse bis zur vierten wurde mit dem Kind gelernt, gepaukt, eingehämmert, Vorträge (von den Eltern) vorbereitet etc...

          Das Kind hatte also tatsächlich in den 4 Jahren absolut KEINE Möglichkeit, mal zu probieren, wie es selbst klarkommt. Die Noten haben unter diesen Umständen einigermaßen für eine Gym-Empfehlung gereicht. Also ab aufs Gym.

          Dort ging es dann so weiter. Das Kind wurde gepampert, wo es nur ging. Wenn mal "wirklich was nicht zu schaffen war", haben es eben die Eltern übernommen.

          Und dann kam der Punkt, an dem das nicht mehr ging. Der Vater wurde aus beruflichen Gründen krank und war nicht mehr belastbart. Mama allein konnte die "Schul-Scheinwelt" aber nicht aufrecht erhalten. Das Kind schaffte die 9. Klasse nicht und wiederholt nun.

          Und ich frage mich: Was zum Geier soll das????

          Ich habe 2 Kinder und beide sind keine Überflieger. Beide machen ihr Zeugs aber selbst! Meine Große wurde bei einem Gespräch für die Aufnahme in eine BEGABTENKlasse gefragt, ob sie ihre Mappe selbst packt. Sie sei wohl eine der WENIGEN 9/10Jährigen, die das machen. Und ich frage mich: Was soll das????

          Natürlich vergessen sie beide häufig was (besonders schlimm war das mit rund 8). Aber nur so lernen sie es doch. Und ja, sie machen alles SELBST! Wenn sie (KONKRET) Hilfe brauchen, fragen sie (zum Beispiel gestern in der 3. Klasse zum Lernen eines englischen Gedichts).

          Das ergibt nicht immer das Optimum. Dafür ist Schule aber auch nicht da!!! Oder gibst du in deinem Arbeitsalltag immer 1000%? Wer das tut, landet schnell im Burnout!!!

          Wenn du deinen Kindern nie die Chance gegeben hast, sich selbst zu testen, brauchst du dich nicht wundern, dass deine Scheinwelt langsam zusammenbricht.

          Weißt du, wieviel Leute es hier gibt, die ihre Kinder auf Elitegymnasien schicken und dann jammern, wieviel die armen Kleinen denn zu tun hätten? #augen

          Ich kann das nicht mehr hören!

          Beispiel: Eine Mutter schickt ihre Tochter (10) in eine Begabtenklasse (zu Recht). Die Tochter ergattert einen der begehrten Plätze. Gleich im ersten Halbjahr wird in Geografie gefragt, wer schon die Bundesländer und Hauptstädte hatte. Die Hälfte der neuen Klasse meldet sich. Die Lehrerin sagt sinngemäß. Naja, das müsst ihr können, wir schreiben dazu nächste Woche einen Test.

          Und die Mutter regt sich auf. Und ich verstehe es nicht! Wenn ich wirklich ein begabtes Kind zu Hause habe, wird es doch wohl schaffen (meinetwegen auch mit Unterstützung) die Bundesländer und Hauptstädte zu ergooglen und innerhalb einer Woche mit selbst gewählter Methode zu lernen. Wenn das wirklich ein Problem ist, wieso schicke ich meine Tochter in eine Begabtenklasse???? Es gibt da andere Kinder, die keinen Platz ergattern konnten, die sowas 100%ig aus dem Ärmel geschüttelt hätten (auch wenn sie es noch nicht in der Grundschule hatten!!!)

    (12) 23.02.16 - 10:31

    Hallo,

    ehrlich gesagt, ist das was Du Dir von einem Umzug (gar in ein anderssprachiges Land) erwartest ganz & gar nicht das was Du bekommen wirst.

    Für alle Beteiligten (für die Kinder besonders) ist der Anfang ersteinmal schwer, schließlich musst Du Dir Dein komplettes Umfeld erstmal wieder neu aufbauen. Ganz zu schweigen davon, dass eure Kinder erstmal eine Sprachbarriere erwarten wird, wenn ihr z. B. in ein englischsprachiges Land zieht.

    Im übrigen würde ich nicht glauben, was hier so einige User schreiben. Ich lebe z. Z. in NRW und kenne auch genügend Kinder für die das Gymnasium kein Spaziergang ist, wie hier so mancher schreibt. (Ich selbst habe in Bayern meine Gymnasialzeit verbracht und schon einige Umzüge hinter mir auch in fremdsprachiges Ausland).

    Ich an eurer Stelle, würde mir das gründlich überlegen. Das habt ihr meiner Meinung nicht getan. Ihr unterschätzt den Kraftaufwand den so ein Umzug mit schulpflichtigen Kinder erfordert gründlich. Geschweige denn den Verlust des familiären Umfeldes (Oma, Opa etc. pp.), das euch dann nicht mehr zur Verfügung stehen wird.

    Andrea

    • Hallo Andrea,

      wir würden uns diesen Schritt auch nicht überlegen, wenn hier alles in Ordnung wäre.
      Vom Regen in die Traufe - das wollen wir natürlich selbst nicht. Die Alternative ist hier zu bleiben, aber das ist für uns alle nicht gut. Wir sind nicht glücklich.
      Wirklich genau geplant haben wir ja auch noch nicht und uns definitiv auch noch zu wenig vorbereitet. Aber der Gedanke ist einfach schon lang in unseren Köpfen. Es muss ja auch nicht das englischsprachige Ausland sein. Aber Österreich wäre vielleicht eine Idee. Ich habe Verwandte dort und was die erzählen, das klingt so entspannt. Und es ist wirklich entspannter, ich kenne das Schulsystem dort recht gut. Wenn das große Kind mitziehen würde, wären wir wahrscheinlich schon einen Schritt weiter. Aber sie ist die einzige, die hier bleiben möchte (Freunde, Haus,etc.). Es ist sehr schwierig, so einen Schritt zu gehen, aber hier werden wir definitiv nicht froh. Also, was bleibt?

      • Nur kurz: In Österreich ist es durchweg üblich, Klasse 5-8 in einer Neuen Mittelschule zu absolvieren. Realschulen gibt es so nicht mehr. Und ab Klasse 9 kann dann jeder, der möchte (ohnen Notenschnitt), auf ein 4- oder 5-jähriges Gymnasium wechseln und sein Abi machen. Und das ist mit Sicherheit ein entspannterer Weg. Natürlich gibt es auch Gymis für 5.-8.-Klässler, aber da würde ich meine Kinder erstmal nicht hinschicken. Die sind dann auch wirklich sehr anspruchsvoll. Der "normale" Weg, erst Mittelschule, dann Gymi, ist wunderbar. Auch wenn wegen des Leistungsniveaus immer noch diskutiert wird - egal, Pisa-Studien hin oder her, Hauptsache meine Kinder sind nicht so unter Druck und genießen ihre Kindheit. Und dümmer sind die "Ösis" deshalb auch nicht.

        • Hallo,

          und was spricht dagegen, deine Kinder in Deutschland erstmal die Realschule machen zu lassen? Was danach kommt, können sie dann selber entscheiden - Ausbildung, BOS, FOS, Studium - steht doch alles offen?

          LG Claudia

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