Ungetauft, Religionsunterricht

    • (1) 18.03.16 - 22:46

      Hallo, ich stehe vor einem Problem und hoffe auf Erfahrungen, die mir weiterhelfen.
      Unsere Jüngste ist bewusst nicht getauft, weil wir die Kirche (inzwischen) sehr kritisch sehen. Unsere Tochter kennt dennoch viele Kirchenlieder, besucht auch gelegentlich den Gottesdienst und betet abends. Aber WIR als Eltern können guten Gewissens kein Taufversprechen leisten, das sich ja leider nicht rein auf Jesus Christus bezieht sondern automatisch eine Kirchenzugehörigkeit einschließt.
      Für die Oma, die sehr katholisch ist, war die fehlende Taufe von Anfang an ein großes Problem. Sie bemüht sich heimlich ihren Enkeln einen sehr traditionellen, kirchennahen Glauben zu vermitteln. Wir halten den Ball flach und machen das nicht zum großen Thema.

      Jetzt kommt unsere Tochter in die Schule und wir stehen vor der Entscheidung katholischer, evangelischer oder kein Religionsunterricht. Unsere Familie ist eigentlich katholisch, die beiden Geschwister sind getauft und auch zur Erstkommunion gegangen.

      Wenn wir unser Kind im katholischen Reliunterricht anmelden steht in zweieinhalb Jahren das Thema Erstkommunion an. Ich gehe davon aus, dass unsere Tochter dann gerne mitmachen möchte. Wir könnten dann das Thema nicht mehr aufschieben bis sie religionsmündig ist und selbst entscheiden kann.

      Wenn wir sie im evangelischen Reliunterricht anmelden, wäre kein Zeitdruck hinter der Taufentscheidung, allerdings fühlt es sich das für mich irgendwie "künstlich" an. Und sie gar nicht zum Reliunterricht anzumelden wäre für die Oma (übrigens ebenso wie der evangelische Reliunterricht) eine schlimme Kränkung.

      War von Euch schon mal jemand in einer ähnlichen Situation und wie habt Ihr entschieden und warum? Habt Ihr rückblickend das Gefühl die Entscheidung war richtig?
      Danke für Euere Erfahrungen.

      • Hallo, mein Cousin hat seine Kinder taufen lassen, obwohl sie eigentlich nicht überzeugt sind. Meine Tante ist der Meinung, dass eine Taufe nicht schadet und ich finde, dass sie da recht hat. LG

        • Danke für deine Antwort.
          Ich vermute auch, dass es viele Taufen gibt, bei denen die Eltern nicht alles auf die Waagschale legen, was sie da versprechen. Wenn man aber schon mal aktiv gezögert hat, ist das schwieriger finde ich. Zumal die Taufe eines Schulkindes ja auch ungewöhnlicher und daher irgendwie "bewußter" ist.

          LG

            • Vielen Dank, diese Antwort ist wirklich hilfreich für mich :-)
              Wenn es, keine Kindstaufe mehr ist, wo die Eltern und Paten für das Kind sprechen, sondern das Kind selbst seinen Glauben bekundet ist das für mich gut so.

              Magst du mir kurz was erzählen, wie die Vorbereitung und die Taufe bei Euch abgelaufen sind?

              Vielen Dank,
              doremi

              • Oh je, das ist schon wieder ewig her. Ich hatte das Taufgespräch mit einem der Paten und der Pfarrerin. Bei der Taufe selber mussten wir aber glaub schon geloben, das Kind im Glauben zu erziehen und begleiten. Mein Sohn wurde dazu noch selber gefragt, ob er ganz zu Jesus gehören möchte. Der Ablauf selber war bisher noch bei jeder Taufe, bei der ich war, unterschiedlich. Das solltest du mit dem Pfarrer besprechen. LG

      (8) 18.03.16 - 23:06

      Hallo

      Eigentlich finde ich euer Verhalten super, ihr steht nicht voll und ganz hinter der Institut Kirche, was ich sehr gut nachvollziehen kann.

      Wir können auch nicht hinter der Kirche stehen.
      Wir haben auch nicht Kirchlich geheiratet.

      aber trotz allem war es mir wichtig das unsere Kinder getauft wurden, kann es aber nicht erklären warum.

      und dazu kommt noch (ist aber nicht der Hauptgrund für die Taufe) wir leben in einem Katholischen Dorf.
      Meine Schwiegermutter lebt den Glauben sehr stark, genau so wie meine Grosseltern auf meinem Vater seite.
      (als mein Grossvater meinen Mann kennenlernte, wollte mein Opi von meinem Papa als erstes Wissen ob der Jungemann auch in die Kirche geht, und erst dann was er arbeitet #schwitz #rofl )

      Unser Sohn wurde von einer Pfarrerin reformiert getauft,

      Unsere Tochter von einem Ehmaligen Katholischen Pfarrer auch reformiert getauft.

      So können beide Kinder dem Religons Unterricht teil haben, und den glauben besser kennen lernen, und später selber entscheiden ob sie den glauben möchten oder nicht

      Lg nana

      • (9) 18.03.16 - 23:10

        Danke für deine Antwort!
        Was bedeutet reformiert getauft? Evangelisch getauft? Oder ohne Kirchenzugehörigkeit getauft?
        Am Religionsunterricht können sie hier auch teilnehmen ohne getauft zu sein.

        LG d.

        • (10) 18.03.16 - 23:14

          Öhmm, ich meinte es ist evangelisch... bin mir aber nicht sicher

          wir konnten dann nach der Taufe von der Kahtolischen kirche bestätigen und ins Taufregister eintragen lassen.

          Bei uns dürfen die Kinder, welche nicht Kahtolisch getauft, sind nicht beim Religionsunterricht teil nehmen.

          (gibt's in Deutschland Reformiert nicht? )

          lg nana

          • (11) 18.03.16 - 23:26

            Naja, es gibt die Reformation (Luther), daher meine Frage.

            Aber ich habe nicht verstanden, ob dein Kind von einem zu den Protestanten konvertierten katholischen Priester getauft wurde oder das eben noch was drittes ist.
            Die christlichen Kirchen erkennen immer die Taufen der anderen Konfession an, getauft ist getauft.

            (12) 18.03.16 - 23:31

            Hallo!

            Die evangelische Kirche ist eigentlich ein Zusammenschluss verschiedener christlicher Kirchen in der Tradition der Reformation. In Deutschland ist das meist die evangelisch-lutherische Kirche. Die Reformierte Kirche gehört zur evangelischen Kirche und geht zurück auf Zwingli und Calvin . Sie ist - wenn mich mein Schulwissen nicht täuscht - deutlich extremer als die lutherische Kirche, ist aber ansonsten quasi die schweizerische Parallel zur Reformation durch Luther. In Deutschland ist die reformierte Kirche aber nicht so weit verbreitet.

            LG

          (16) 19.03.16 - 11:52

          Hallo,

          ja es gibt reformierte Protestanten und Lutheraner.

          Meine Mutter ist z.B. Lutheranerin, die Familie meines Vaters sind reformierte Protestanten, ahnlich den Calvinisten oder Zwinglianern in der Schweiz.

          Es gibt einige Unterschiede in der Anschauung.

          Ich selbst bin evangelisch-lutherisch getauft, einfach, weil hier dieser Zweig vorherrscht. Ich lebe aber eher den reformierten Glauben.

          Wenn man sich evangelisch-reformiert getauft ist, kann man das aber nicht in ein katholisches Taufregister eintragen lassen.

          Das muss bei Euch also noch etwas anderes sein.

          GLG

(17) 18.03.16 - 23:08

Ich würde sie genauso anmelden wie die älteren 2 auch. Als Kind hätte ich es komisch gefunden wenn meine Geschwister ne Kommunion/konfirmation gehabt hätten und ich nicht.

Ansonsten kann ich sagen das ich TROTZ evangelischem Religionsunterricht 0 gläubig bin und ich denke, dass eGAL welchen Religionsunterricht ihr wählt der Einfluss aufs Kind minimal ist.

Mandala malen und die verschiedenen Glaubensrichtungen kennenlernen war bei uns mittelpunkt des ganzen #rofl

  • (18) 18.03.16 - 23:21

    Auch dir vielen Dank für deine Antwort.
    Die Evangelischen haben den großen Vorteil, dass die Konfirmation und die Religionsmündigkeit zeitlich zusammenfallen. (Bei den Katholiken sind die Kinder leider fünf Jahre zu früh dran, was die Eltern dazu zwingt für die Kinder zu entscheiden.)

    Auch im Werte-Unetrricht (hier allerdings erst nach der Grundschule, lernt man die verschiedenen Glaubensrichtungen kennen (malt dort aber meines Wissens keine Mandalas :-p )

    Das es für ein Kind komisch ist wenn die Kommunion bei ihm ausfällt, obwohl die Geschwister eine hatten fürchte ich auch. So oder so gibt es da für uns keine beiläufige Entscheidung mehr, entweder aktiv dagegen (keine Kommunion) , oder aktiv dafür (späte Taufe).

    LG d.

    • (19) 18.03.16 - 23:52

      Hallo!

      Die Konfirmation bei den evangelischen Christen kann man aber nicht mit der Erstkommunion gleichsetzten. Die Konfirmation entspricht eher der Firmung bei den Katholiken, und die ist in den meisten Gemeinden / Bistümern mit 14 oder noch später. Die Erstkommunion ist nichts anderes als der Tag, an dem ein Kind das erste Mal die heilige Kommunion empfangen darf. Für das Kind ist das natürlich ein großer Tag, der allerdings keine sonderlich große Bedeutung hat, wenn man das Leben eines Katholiken als Ganzes betrachtet (die Erstkommunion ist anders als Taufe, Firmung, Ehe... kein Sakrament!).

      Das einzige, was Erstkommunion und Konfirmation gemeinsam haben, ist, dass sie traditionell am Weißen Sonntag stattfinden. In vielen Gemeinden können die Konfirmanten am Tag ihrer Konfirmation auch erstmals am Abendmahl teilnehmen, das ist aber nicht der Hauptsinn der Konfirmation. Und es gibt auch Gemeinden, wo schon Kinder am Abendmahl teilnehmen dürfen.

      LG

      • (20) 19.03.16 - 00:09

        Da die Kommunion bei den Katholiken ein Sakrament ist (Wandlung) ist natürlich auch die erste heilige Kommunion ein Sakrament. In der katholischen Kirche darf daher kein Kind vor der Erstkommunion die Kommunion empfangen. (Für die jüngeren Kinder gibt's ein Kreuz auf die Stirn und den Segen NIE die Teilnahme an der Kommunion. )

        Bei den Katholiken kenne ich mich aus, bin selbst einer :-)

        Bist du Mitglied einer Freikirche? Dann stammt dein diesbezügliches Wissen vielleicht doch nicht aus der Schulzeit. :-)

        • (21) 19.03.16 - 00:18

          Ich bin auch katholisch und sehr interessiert was religiöse Fragen angeht (hätte fast Theologie studiert, sah aber als weibliche Theologin für mich in der katholischen Kirche keine Zukunft). Die Kommunion ist kein Sakrament, das Sakrament ist die Eucharistie (wie du schon schreibst - die Wandlung). Und an der Eucharistiefeier kann jeder Mensch teilnehmen, dafür muss er nicht einmal getauft sein.
          Und das kleine Kinder nicht an der Kommunion teilnehmen dürfen und nur einen Segen bekommen, liegt nicht am sakramentalen Charakter sondern darin, dass die Voraussetzung für den Empfang der Kommunion der Glaube an die Realrpräsenz Jesu Christi (das eben die Hostie der Leib Christi ist). Kleine Kinder sehen in der Hostie nur ein gewöhnliches Stück Brot und eben nicht den Leib Christi, darum dürfen sie nicht zur Kommunion gehen.

          LG

          • P.S.: In vielen evangelischen Kirchen wird das Abendmahl allerdings - wenn es in den einzelnen konfessionen überhaupt Sakramente gibt - als Sakrament verstanden.

            LG

            (23) 19.03.16 - 00:51

            Das mit der Realpräsenz ist ein interessanter Gedanke und erscheint mir nachvollziehbar. Wobei ich mir nicht sicher bin wie viele Katholiken heutzutage an die Realpräsenz glauben. Grundschüler mit ihrer tiefen und unbekümmerten Spiritualität vermutlich noch leichter als so mancher Erwachsener.

    (24) 19.03.16 - 23:28

    Dann müsstet ihr aber auch Konsequenter die anderen aus der Kirche nehmen oder?

Hi
wenn ich drei Kinder habe und zwei habe ich taufen lassen und diese haben auch die Kommunion erfahren, verstehe ich nicht warum das nun beim dritten anders sein soll.
Das man mit den Jahren anders denken kann schon.
Vieles wird in Frage gestellt oder hinterfragt.

Aber dein Kind bekommt den Glauben doch auch mit und wenn von Oma teils vermittelt.

Bei den ersten beiden wart Ihr auch noch scheinbar guten Gewissens es so zu handhaben. Das Dritte Kind betet und besucht den Gottesdienst und scheint kein Problem damit zu haben. Nur die Eltern.

Du kannst nur den Glauben vermitteln den du auch hast oder gelehrt hast. Ob und in wie weit die Kinder später dabei bleiben steht auf einem anderen Blatt.
Ich kann doch ein Kind nicht in ein evangelischen Religionsunterricht teilhaben lassen, obwohl ich selbst nicht evangelisch bin.

Das macht doch keinen Sinn.

Dem Kind schadet die Taufe und das Beten und die Kommunion nicht. Wenn die Kinder alt genug sind und dann entscheiden reicht es doch. Sie haben dann immer noch die Möglichkeit auszutreten und sich anders zu orientieren wenn sie wollen. Aber eine Richtung vorgeben erscheint mir nicht falsch.

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