7jährigen auf ADS testen lassen oder lieber nicht?

    • (1) 31.05.16 - 14:22

      Hallo Ihr Lieben #winke

      vielleicht kann mir ja jemand von euch weiterhelfen, es geht um meinen Sohn. Er ist gerade 7 geworden und ist in der 1. Klasse. Dort hat er große Probleme was die Konzentration betrifft, er lässt sich einfach von allem ablenken. Sei es im Unterricht oder bei den Hausaufgaben zu Hause. Wenn die Kinder Arbeitsblätter in der Schule bearbeiten sollen, macht er es einfach nicht, weil er am träumen ist. Auch wenn die Lehrer ihn ständig auffordern zu arbeiten, hört er immer wieder auf, sodass er von seinem Blatt so gut wie nichts gearbeitet hat.

      Seit einem halben Jahr geht er zur Ergotherapie, aber ich habe nicht den eindruck, dass das was genutzt hat, nichtmal im Geringsten.

      Ich stehe in gutem Kontakt mit den Lehrern, die jetzt vorgeschlagen haben, ich solle ihn vielleicht mal auf ADS testen lassen. Daraufhin habe ich mich online ein bisschen informiert und auch zwei Fragebögen ausgefüllt, was für ADS-Kinder typische Eigenschaften sind. Mein Mann und meine Mutter haben die Bögen ebenfalls ausgefüllt, damit wir einen ersten Eindruck bekommen.

      Als ich die Beschreibung von ADS gelesen habe war ich erschrocken und entsetzt, weil ich darin eine genaue Beschreibung meines Sohnes gelesen habe! Auch die Fragen in den Fragebögen konnten wir fast alle mit "zutreffend" beantworten, es ist wirklich enorm! Auf der Internetseite stand aber auch, dass mehrere Eigenschaften sowieso auf Kinder in diesem Alter zutreffen, das der Fragebogen keine Diagnose ist oder ersetzt. Er sei lediglich ein Anhaltspunkt um es einzuschätzen.

      Ich war fest entschlossen, einen Termin bei unserem Kinderarzt zu machen um alles in die Wege zu leiten. Letzte Woche habe ich dann noch ein kurzes Gespräch mit einer Förderschulllehrerin geführt, die ich von der Arbeit her kenne, die riet mir aber davon ab. Sie kennt meinen Sohn ein mini bisschen, hat ihn zweimal gesehen aber auch viel mit ihm gesprochen. Sie meinte, wenn der Stein erstmal ins rollen käme, würde ganz schnell ADS diagnostiziert werden und mein Sohn würde "abgestempelt" werden. Ich solle ihn auf keinenfall testen lassen...

      Natürlich bin ich jetzt unsicher und weiß nicht, ob ich es machen soll oder nicht. Daher meine Frage: Kennt sich jemand mit ADS aus, hat jemand von euch vielleicht ein "ADS-Kind" und kann mir aus eigenen Erfahrungen berichten oder ist jemand Kinderarzt und kann daher was dazu sagen?

      Ich bin für jeden Ratschlag dankbar! #stern

      • Ich würde dir dringend empfehlen einen Arzt zu suchen, der darauf spezialisiert ist und nicht irgendeinen Kinderarzt. Und dann erstmal einen gründlichen Test machen zu lassen, und das ist nicht nur Fragebögen ausfüllen sondern auch IQ test und einiges andere.

        Vielleicht kommt ja was anderes raus. Und wenn raus kommt , dass dein Sohn ADS , hast du selber alle Möglichkeiten wie du damit umgehen willst.

        Es gibt Verhaltenstherapien, Medikamente usw. Alles kann, aber nichts muss. Ausserdem liegt es an dir ob du das dann an die grosse Glocke hängen willst oder nicht. Ich kenne einige ADS kinder , wo die Eltern das sehr oft als Entschuldigung nehmen. Und andere Kinder, wo die Eltern es irgendwann mal nebenbei erwähnt haben, aber auch nur im Vertrauen, weil sie wissen dass ich mich ein bisschen mit dem Thema auskenne.

        Manchmal ist es für Eltern eine Erleichterung zu wissen, warum ihr kind sich so verhaltet, wie es sich verhaltet, und bei ADS gibt es ein paar tolle Bücher die erklären wie sich dein Kind wahrscheinlich fühlt und wie du damit besser umgehen kann dass es für euch beide einfacher ist. Aber wie gesagt ich würde erstmal einen gründlichen Test machen lassen, vielleicht ist es was ganz anderes. #winke

        Hallo rockinglola1,

        ich bin da voll auf der Seite der Förderschullehrerin. Ich habe selbst 2 wilde 8-jährige, die sich auch schwer konzentrieren können und meist sehr hibbelig sind. Das ist für dieses Alter vollkommen normal. Und gerade in der 1. Klasse.... Die Kinder müssen erst lernen lange zu sitzen, sich zu konzentrieren und zu lernen. Und Jungs fällt das nochmal schwerer, als Mädchen. Macht Dein Kleiner Sport? Umso mehr Bewegung die Kinder bekommen, umso eher können die sich auch mal ne Weile hinsetzen und sich konzentrieren und das sollte man dann langsam steigern.

        Ich finde heutzutage wird viel zu schnell gesagt das Kind hat ADHS/ADS und dann werden die Kinder mit Ritalin ruhig gestellt, was ich ganz schlimm finde. Es könnte so viele andere Möglichkeiten geben warum ein Kind Probleme hat. Zu wenig Bewegung, neue Situation, Überforderung, Unterforderung etc....

        Wenn Du einen guten Kinderarzt hast dem Du vertraust dann würde ich das Thema dort mal ansprechen und hören was er sagt.

        Viele Grüße und alles Gute!! :-)

        • (4) 31.05.16 - 14:50

          Du weißt doch gar nicht, wovon du da redest. ADHS hat nichts mit schwer konzentrieren und hibbelig sein zu tun. Das allein reicht für eine Diagnose nicht aus.

          Du hast keine Ahnung von Ritalin hast du keine Ahnung und auch davon, wie an dieses Problem herangegangen wird, wie lange die Diagnostik dauernd, wie lange man mit Bewegung und Konzentrationstrainings arbeitet.

          Und gerade den Kinderarzt würde ich dazu nicht befragen. Der ist ein Laie, der dir seine weitgehend unqualifizierte Meinung dazu mitteilt. Unser Kinderarzt jedenfalls ist keine Hilfe und fängt jedes Mal, wenn die Kinderpsychiaterin die nötigen Checkups veranlasst, von vorne an uns über seine Meinung zu informieren, weil er das letzte Mal schon nicht mehr auf'm Schirm hat.

          Schluss damit.

          Meinung sollten eine fundierte Basis haben, sonst darf man die ruhig auch mal stecken lassen.

      Hallo!

      nun "Letzte Woche habe ich dann noch ein kurzes Gespräch mit einer Förderschulllehrerin geführt, die ich von der Arbeit her kenne, die riet mir aber davon ab. Sie kennt meinen Sohn ein mini bisschen, hat ihn zweimal gesehen aber auch viel mit ihm gesprochen. Sie meinte, wenn der Stein erstmal ins rollen käme, würde ganz schnell ADS diagnostiziert werden und mein Sohn würde "abgestempelt" werden. Ich solle ihn auf keinenfall testen lassen...",
      wenn das schon eine Förderschullehrerin (kann ich mir wahrlich NICHT vorstellen, dass sie eine ist! #klatsch#gruebel#kratz#kratz) sagt, die ggf. mit Deinem Sohn bei entsprechender Diagnose und Förderbedarf arbeiten soll - dann gute Nacht Marie!

      Zunächst einmal wenn Du dasselbe wie die Lehrerin beobachten könnt (Unkonzerntriertheit), er schon 1 Jahr Ergo besucht hat (erfolglos), dann habt ihr doch den Stein schon am Rollen. Die Frage ist nun was ihr daraus macht?
      Irgendwer (Arzt) hat ja die Ergo verschrieben und es gab wohl Gründe dafür. Hat dieser Mensch Dein Vertrauen, dann besprich mit ihm Deinen Verdacht und lasse Dich beraten wie und was gemacht werden soll (diagnostisch).
      Konfrontiere mal die Ergo mit dem Verdacht der Lehrerin und Deinem und frag sie nach ihrer Meinung.

      Wenn Du da zufriedenstellende Antworten auf Deine Fragen bekommst, denen Du aus dem Bauch zustimmen kannst und sie ein stimmiges Bild ergeben dann bleib dabei.
      Solltest Du da nur so seltsame Antworten bekommen (offensichtlich waren die von der Förderschullehrerin nicht gut, sonst hättest Du das hier im Forum nicht hinterfragt #schein:-p), dann versuche Dich schlau zu machen und eine auf AD(H)S-Diagnostik spezialisierte Stelle (KiA, Ki-Psychiater, Ki-Neurologe, SPZ - in jedem Fall sollte es aber ein Arzt sein, kein Psychologe!) zu finden, wo Du den Verdacht klären kannst! Bist Du so einen Termin bekommst wirst Du üblicherweise ohnehin ein halbes Jahr warten müssen .....

      VG, I.

      • Hallo!

        Achso nochmal ergänzend zur Diagnostik ... mal eben so wird kein AD(H)S diagnostiziert.
        Da werden normalerweise psychologische und neurologische Tests, aber auch körperliche Untersuchungen gemacht (Schilddrüse, Augen), die mindestens 3 Termine ggf. bei mehreren Ärzten / Psychologen / Sozialpädagogen einnehmen. Darüber hinaus werden mehrere psychologische Fragebogen von Eltern, Familie, Lehrer , Erz. ausgewertet und nicht zuletzt gibt es ein längeres Anamnese-Gespräch (1,5 - 2h) mit den Eltern die von Geburt an alles übers Kind erzählen sollen. Das zusammen ergibt erstmal vielleicht eine Diagnose und in Abhängigkeit von den Feststellungen wird eine individuelle Therapie - meistens multimodal (Elternschulung, Verhaltenstraining, ggf. Medikamente) abgestimmt. Bis der erste Schritt in die Therapie erfolgt kannst Du nach Diagnosestellung nach mal ein halbes Jahr drauf packen - da ist Dein Kind schon Ende 2. Klasse!!!! Und bis die Therapie dann mal Früchte zeigt noch mal 1/4 Jahr. Dann bist Du schon bei den Herbstferien in der 3. Klasse!

        LG, I.

      • Ich habe gestern mit seiner Ergotherapeutin gesprochen, sie wird sich darüber Gedanken machen und mit mir nächste Woche sprechen. Aus dem Stehgreif meinte sie aber, sie glaubt nicht dass er ADS hat, sie hätte eher eine Auditive Wahrnehmungsstörung in Betracht gezogen. Die haben wir aber schon 2x beim Ohrenarzt testen lassen und beide Male mit dem Ergebnis, dass er es nicht hat.. Jetzt warte ich mal ab.

        Ich glaube mittlerweile auch, dass ich auf jedenfall mit dem Kinderarzt reden werde und die Testung wohl vornehmen lasse.

    (10) 31.05.16 - 14:41

    Die Frage ist, ob die mit dem Label ADHS einhergehenden Nachteile schwerer wiegen als die Vorteile.

    Kinderärzte haben mit ADHS herzlich wenig zu tun: Sie sehen die Kids zu selten und ihnen fehlt das Handwerkszeug, um dieses schwer zu greifende, mit anderen Dingen überlappende Syndrom zu greifen.

    Eine Diagnose brauchst du dann, wenn die Diagnose Konsequenzen hat: Sprich, spezielle Therapien und eben auch Elterntraining und Erziehungsberatung.

    Mein Sohn hat die Diagnose und die Vorteile überwiegen für uns. Wir halten sie allerdings auch so gut es geht raus. In erster Linie ist unser Sohn ein Kind mit Macken und Problemen in manchen Bereichen und keine Diagnose auf zwei Beinen.

Wenn du ihn testen lässt heißt das lange nicht das er abgestempelt wird.

Klar, es gibt auch Fragebögen an die Lehrer bei der Diagnostik, das ist aber nur ein Teil und den könntest du auch ablehnen. Und dann ist es ja dein Ding wem du die Diagnose mitteilst wenn er sie bekommt.

Für die Therapie wäre es aber schon wichtig.

Mein Sohn hat ADHS und ist schon im Kindergarten zur Ergo, zur Heilpädagogik......und es brachte nichts. Zur Einschulung haben wir ihn dann auf Ritalin eingestellt. Und ab da wirkten auch die ganzen Therapien. Durch sein ADHS gingen auch die nämlich an ihm vorbei ohne das Ritalin. Selbst wenn es in er Stunde mit dem Therapeuten klappte, er setzte es absolut nicht in den Alltag um.

Sagen wir mal so...

Hier gibt es tatsächlich Schulen, die gern einen Sonderpädagogen hätten. Den bekommt eine Schule finanziert, wenn sie so und so viele Schüler mit einem festgestellten Förderbedarf hat. Schulen, die "noch zu wenig" Schüler dieser Art haben, wird oft nachgesagt, Eltern offensiv anzusprechen, ihre Kinder auf dieses und jenes testen zu lassen. AD(H)S ist da beliebt.

Das ist auch weitestgehend bekannt, dass diese Diagnose viel zu leichtfertig erstellt wird. Es gibt wesentlich mehr AD(H)S-Diagnosen als tatsächlich Betroffene.

Mir tun am ehesten die WIRKLICH Betroffenen leid, die dadurch in ein negatives Licht rücken. Und ich habe EIN EINZIGES wirklich betroffenes Kind kennengelernt. Glaube mir, das ist viel mehr als "Arbeitsblatt nicht zu Ende bearbeitet".

Ob dein Sohn wirklich betroffen sein könnte, musst du wissen. Aber wenn du losläufst, bekommst du die Diagnose auch (ob nun wirklich betroffen oder nicht). Ich sage auch immer, ich könnte meine beide Kinder positiv diagnostizieren lassen. Sie sind aber beide definitiv NICHT betroffen.

Es kommt darauf an was Du Dir mit der Diagnose versprichst. Manchmal ist eine Diagnose von Vorteil und es wird ein Nachteilsausgleich gegeben. Bei Deinem Thema hat das Kind den Stempel weg. So leichtfertig würdest Du bei uns auch nicht so einen Spruch vom Lehrer bekommen. Da würde als erstes geschaut was im Elternhaus verändert werden kann.

VG

Deine Freundin redet meiner Meinung nach Quatsch. Von wegen in die Schublade gesteckt und auf keinen Fall testen lassen. Wenn dein Sohn ein echter ADSler ( mein Sohn hat ADHS und Autismus) ist kannst du ihm langfristig nur helfen wenn du genaue Antworten hast. Denn mit den Jahren wird es nicht besser. ABer ich würde zu einem Kinder- und Jugendpsychiater gehen oder einem SPZ.

Ela

Eine Testung auf ADS würde ich unbedingt einem Fachmann überlassen. So ein Verfahren nimmt einige Zeit in Anspruch, die Fragebögen geben nur einen Hinweis darauf, dass es vielleicht in die Richtung gehen könnte, mehr aber auch nicht. Bei einem KJP würde unter anderem ein IQ-Test gemacht und erst nach längerer Beobachtung und Testung würde dann eine Diagnose gestellt. Auch die bedeutet nicht automatisch, dass gleich Medikamente verschrieben werden; aber vielleicht hilft es euch, euer Kind besser zu verstehen und auch so zu handeln, dass es besser klarkommt. Wieviel ihr davon an die Schule weitergebt, liegt in eurer Hand - das hängt auch davon ab, wie euer Verhältnis zu der Lehrerin ist. Auf jeden Fall würde ich auch beim Ergotherapeuten nachfragen, welche Entwicklung er sieht.

Auf die Meinung einer Förderschullehrerin, die euren Sohn kaum kennt, würde ich nicht viel geben - und wenn Euer Sohn wirklich Hilfe braucht, hilft es nichts, aus Angst vor Stigmatisierung untätig zu bleiben.

Meine Erfahrung mit Kinderpsychologen oder auch dem SPZ ist die, dass dort niemand einem Kind einfach eine Krankheit "andiagnostiziert" - wenn Dein Kind ein ganz normaler Erstklässler ist, der sich einfach nicht so gut konzentrieren kann, wird man Dir das auch sagen.

Liebe Grüße
Anja

Liebe Grüße
Anja

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