Was ist so anders in Bayern?

    • (1) 31.07.16 - 07:58

      Guten morgen,

      Kann mir jemand den Unterschied zwischen dem bayerischen Schulsystem und dem Rest der Bundesländer mal erklären?

      Warum wird dort schon in der Grundschule derart gepauckt und aussortiert? Warum folgt Test auf Test? Ich habe mal eine Doku über den Übertritt gesehen, gruselig, wirklich. Da hat ein Junge bis abends 22 Uhr am Schreibtisch gesessen um die Realschulempfehlung zu bekommen. Mit 9 Jahren!

      Und am Gymnasium geht es dann so weiter anscheinend. Irgendwer schrieb mal die bayerische Realschule wäre anspruchsvoller als das Gymnasium in NRW. Ist das wirklich so? Kann ich eigentlich nicht glauben.

      Lohnt sich der Druck? Werden die bayerischen Kinder dadurch schlauer?

      Bitte klärt mich mal auf.

      Viele Grüße

      Julia

      • Guten Morgen!

        Eine Grundschullehrerin von meinem Sohn (NRW) hat Familie in Bayern und hat mal erzählt, wie gestresst ihre Nichten schon in der Grundschule sind..... :-(

        LG

        Hallo

        meine Tochter ist 8 und hat gerade die 2 Klasse in Bayern beendet. Ich kann nicht sagen, dass sie besonders gestresst ist oder viel auf hat. Sie macht 30 Minuten Hausaufgaben, mehr nicht. Ihre Freundinnen auch. Diese Mädchen haben alle nur 1 und 2 auf dem Zeugnis und locker Zeit für 2 oder 3 Hobbies pro Woche und genügend Spielzeit.

        Mein Neffe, also der Sohn meiner Schwester ist gleich alt und besucht die gleiche Klassenstufe in NRW. Er macht ebenso lange Hausaufgaben und wir vergleichen immer den Stoff der gerade durch genommen wird.

        Ich konnte keinen Unterschied erkennen. Außer, dass in NRW bereits ab der 2 Klasse Englisch gelehrt wird. Hier in Bayern geht es erst in der 3 Klassen los.

        Insofern. Nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Ich kann natürlich nicht sagen wie es später wird in höheren Klassen. Doch ich war selbst in NRW am Gymnasium bis zur 10.Klasse und ab der 10 bis zum Abitur in Bayern. Ich hatte keine Schwierigkeiten den Übergang zu schaffen und ich fand es nicht schwerer in Bayern als in NRW.

        Aber vielleicht ist es nur subjektiv.

        FG
        MIlka

        • Hallo,

          die ersten beiden Schuljahre waren an der Schule von meinem Sohn auch noch sehr relaxed, aber ab der 3. Klasse wurde der Leistungsanspruch ziemlich angezogen, eben schon im Hinblick auf den Übertritt.

          Unterschiede gibt es viele, z. B. dass die Übertrittsemfehlung der Schule verpflichtend ist und nicht der Elternwille wie in NRW, die ständigen Exen an den weiterführenden Schulen, Fünf-Fächer-Abitur (Mathe, Deutsch + fortgeführte Fremdsprache verpflichtend), usw.

          Sicherlich ist es im Endeffekt auch immer eine individuelle und subjektive Angelegenheit, aber man kann schon verallgemeinernd sagen, dass die Leistungsorientierung in Bayern im Vergleich deutlich höher ist.

          LG

          P.S.: Ich habe auch mit meinem NRW-Abitur in Bayern studiert und eine gute Abschlussnote, mich hat diese ewige "Herabwürdigen" der Abschlüsse aus anderen Bundesländern auch genervt, nichtsdestotrotz musste ich einsehen, dass die Unterschiede im Schulsystem tatsächlich groß sind.

      Hallo,

      es ist nicht DAS bayrische Schulsystem, es sind die einzelnen Schulen und die Eltern!

      Mein Sohn hat jetzt die 4.Klasse beendet, und die Kinder unserer Schule haben sich die Noten wirklich schwer erarbeitet. Die Kinder der Grundschule im Nachbarort haben die Noten quasi geschenkt bekommen (wir hatten eine Mutter, die hat ihr Kind mit Gastschulantrag in diese Schule getan, weil sie leichter ist).
      Ich seh`s aber positiv: unsere Kinder haben gelernt zu lernen, was die anderen jetzt erst lernen müssen. Und ich weiß von früher, dass die Kinder unserer Schule sich leichter tun in den weiterführenden Schulen.

      Und die Eltern, die meinen, nur das Gymnasium sei das Beste, tun ihr übriges dazu, dass die Kinder Streß haben.

      Ich bin der Meinung, das Kind gehört auf die Schule, die es sich selber erarbeiten kann, ohne zusätzliches Lernen oder gar Nachhilfe!

      LG Claudia

    • Hallo,

      Ich weiß es noch nicht, wir fangen im September erst an.

      Aber die Abschlusspruefungen sind schwieriger als beispielsweise in Brandenburg. Da konnten meine Vorschulkinder sogar Aufgaben von der 10.Klass Pruefung Mathe.

      Und dannsehen viele als einzigen Weg zum Abitur das Gymnasium, obwohl es viele andere Wege gibt. Folglich werden die Kinder gedrillt, damit sie das schaffen. Am Gymnasium (, aber auch auf dem Weg dorthin) wird es dann heftig für Kinder, die nunmal (noch) nicht geeignet sind.

      Warum kann man den Kindern nicht Zeit lassen für die Entwicklung und die (Fach)Hochschulreife auf einem anderen Weg absolvieren lassen?

      Ein System, in dem alle gemeinsam bis zur 8. klasse lernen, wäre sicher besser, aber das gibt es hier nicht.

      LG
      Delfinchen

      • Hallo,

        "Ein System, in dem alle gemeinsam bis zur 8. klasse lernen, wäre sicher besser"

        Das finde ich nicht.
        Unsere Tochter (3. Klasse NRW beendet) langweilt sich jetzt schon fürchterlich, weil die Lehrerin vieles zwei oder dreimal erklärt, um nicht einen Teil der Klasse abzuhängen.
        Die Klasse ist keine Inklusionsklasse, es gibt nur ein Kind, wo die Eltern sich schlecht kümmern und keine schlecht Deutsch sprechenden Kinder. Viele Eltern empfinden die Lehrerin als (zu) anspruchsvoll.
        Das sind ja eigentlich schon ideale Bedingungen für ein schlaues Kind.

        Aber wenn unsere Tochter jetzt noch 5 weitere Jahre mit diesen Kindern in einer Klasse lernen müsste, würde sie rebellieren. #schwitz

        Ich habe mich in der Grundschule damals auch gelangweilt, weil so unterrichtet wurde, dass die späteren Hauptschüler zumindest einigermaßen mitkamen. Da haben schwierigere Arbeitsblätter wenig geholfen. Man musste sich die Erklärungen ja trotzdem mehrfach anhören bzw. die Vorbereitungen des Lehrers auf Themen mitmachen, die man auch ohne lange Einleitung begriffen hätte.

        So differenziert kann man überhaupt nicht unterrichten, wie es nötig wäre, um das gesamte Lern-Spektrum aller Kinder aufzufangen, bzw. da bräuchte man ein komplett anderes Schulsystem.

        LG

        Heike

        • Man könnte in den Hauptfächern in Kursen differenzieren.

          Also koennte man in Mathe auf gymnasialniveau arbeiten, in deutsch auf reslschulniveau und in englisch auf mittelschulniveau. Beispielsweise.

          Dann kann man sich aussuchen, ob man in Mathe den schweren Kurs wählt und eine drei riskiert oder ob man den mittleren Kurs belegt uns dort sicher eine 2 oder 1 hat.

          • Das ist ja das Gesamtschulprinzip, dass in den Hauptfächern nach und nach differenziert wird. Finde ich auch gut, allerdings kann man sich nicht aussuchen, wohin man kommt, und die Schüler müssen eben jedes Schuljahr erneut unter Beweis stellen, dass sie im richtigen Leistungsniveau unterrichtet werden. (Mein Sohn hat da echt Schwein gehabt, dass er mit zwei Vierern in Mathe und Deutsch in den Erweiterungskursen bleiben darf, weil die Lehrer an sein Potenzial glauben). Und in den übrigen Fächern ist es schon nicht ganz einfach, eine sehr heterogene Schülerschaft gemeinsam zu unterrichten, so dass die Schwächeren gefördert und die Stärkeren gefordert werden.

            Grundsätzlich stimme ich Dir zu, dass eine spätere Entscheidung über die weiterführende Schule sinnvoll ist, weil sonst die Weichen sehr früh gestellt werden. Hätte mein Sohn aber noch länger in seiner Grundschulklasse bleiben müssen, wäre das sehr schwierig gewesen, weil es mit Lehrern und Klassenzusammensetzung große Probleme gab - er und wir waren froh über den Wechsel nach der Vierten.

            VG
            Anja

        (11) 31.07.16 - 15:56

        Hallo,

        "Unsere Tochter (3. Klasse NRW beendet) langweilt sich jetzt schon fürchterlich, weil die Lehrerin vieles zwei oder dreimal erklärt, um nicht einen Teil der Klasse abzuhängen."

        Das hat es hier an der Grundschule nicht gegeben. Die Lehrerin hat ab der 3. Klasse gesagt, dass sie sich definitiv nicht an den schwächeren Schülern orientieren kann, weil sie ihren Stoff durchziehen muss, damit auch die Kinder, die auf´s Gymnasium gehen, gut vorbereitet sind. Für die Gymi-Kinder war das hilfreich, denn sie waren wirklich gut auf die 5. Klasse vorbereitet, aber aus der Klasse von meinem Sohn mussten 4 leistungsschwächere Kinder (von insgesamt 18) die Klasse verlassen und die Förderschule besuchen bzw. sind auf die Waldorfschule gewechselt.

        LG

    Hallo,
    jetzt würde mich sehr interessieren, welche Aufgabe einer Prüfung zum erreichen des Realschulabschlusses Deine Kindergartenkinder konnten.
    Das ist dann schon sehr überspitzt, oder?

Top Diskussionen anzeigen