Klasse überspringen?

    • (1) 12.10.16 - 18:15

      Hallo
      Kurz vor der Einschulung hatte ich hier ja von meinem Sohn (6) berichtet. Nach der Einschulung stand ich in mehr oder wenigem engen Kontakt mit der Schule und den Lehrern.

      Einiges legte sich von selbst, anderes ist bis jetzt nicht besser geworden. Heute war ich dann bei einem Gespräch mit der Klassenleitung eingeladen und das Gespräch hat einen komplett anderen Verlauf genommen als erwartet.
      Seine Lehrerin vermutet zu wissen wo das Problem liegt: er ist viel zu weit für die Kinder in der 1 Klassenstufe und kann mit den Kindern, die dieses Jahr alle sehr jung sind, nichts anfangen.
      Anhand ihrerer Erzählungen machte das auch Sinn, er erzählte mir zum Beispiel das er auf dem Pausenhof immer mit dem xy spielt. Wenn ich abgeholt und gefragt habe wer denn der xy ist wurde er immer etwas launisch und gab keine richtige Antwort. Tja, xy ist in der 3 Klasse. Die Sache die er mit nachhause gebracht hat erschienen mir auch immer etwas zuviel für die 1 Klasse (nicht für ihn).

      Seine Lehrerin wollte sich aber sicher sein bevor sie das anspricht und hat ihm Extra Material gegeben und geschaut wie es sich entwickelt hat.

      Letztendlich ist sie zum Entschluss gekommen das es fahrlässig wäre ihn weiterhin in der Situation zu lassen und wir es so verhindern das er richtig ankommt.
      Das er mehr kann als das durchschnittliche Kind in seinem Alter war mir schon klar, aber eine Klasse überspringen ? Ich vertraue der Lehrerin und die Punkte die sie mir wirklich ausführlich präsentiert hat haben Sinn gemacht. Aber wie soll es jetzt weiter gehen ?
      Ich war tatsächlich der Auffassung das so etwas nur was für Hochbegabte Kinder ist. Dafür halte ich ihn jetzt gar nicht.
      Wie seht ihr das ??

      Liebe Grüsse

      • Hallo,

        bei meinem Sohn stand das auch im Raum. Ab dem zweiten Schulhalbjahr der zweiten Klasse hätte er in die dritte gehen sollen. Vorher war er jedoch mehrer Male in Deutsch und Mathe bereits in dieser Klasse und hatte dort am Unterricht teilgenommen. Dabei zeigte sich, dass er auch dort zu den besseren Schülern gehörte (er bringt auch jetzt nur Einsen nach hause und das ohne große Anstrengungen). Wir haben uns letztendlich dagegen entschieden. Zum einen fühlte sich unser Sohn in seinem Klassenverband wohl und wollte gar nicht wechseln. Zum anderen war er zwar auch in der dritten sehr gut, doch Dinge, die er nicht hatte, konnte er nicht. Vor allem Englisch wäre dann ein "großes Problem" gewesen. Folglich hätten wir ein Jahr nacharbeiten müssen, was ich weder leisten kann noch wollte.

        Damit ihr eine Entscheidung treffen könnt, spielt nicht nur die Beobachtung der Lehrerin eine Rolle. Ich finde wichtig, dass dein Sohn das auch möchte, weil er sich z.B. unwohl in der jetzigen Klasse fühlt. Weiterhin solltet ihr ihn mal probeweise am Unterricht der 2. klasse teilnehmen lassen, da Theorie was anderes ist als Praxis. Erst wenn er das meistert, dann würde ich über einen Wechsel zum 2. HJ der zweiten Klasse nachdenken. Aber ihr müsst auch wissen, ob ihr das stemmen könnt. Ich hatte damals auch an unsere Tochter gedacht, die viel hätte zurückstecken müssen, wenn ich den Stoff hätte aufarbeiten wollen.

        vg, m.

        • Hallo
          Er fühlt sich in seiner Klasse nicht wohl. Wir haben das aber tatsächlich auf andere Gründe geschoben und er selbst hat uns auch nie genau gesagt warum er sich nicht wohlfühlt. Er hat zwar auch mal Langweile erwähnt aber ganz frisch im Schuljahr muss man bei "Langweile" ja nicht gleich sonst was denken dachten wir #gruebel
          Die Idee der Lehrerin war das er noch vor den Herbstferien mal in der zweiten Klasse hospitiert und sie schauen wie er sich schlägt und fühlt.
          Wenn ich so drüber nachdenke finde ich es eigentlich gar nicht so verwunderlich. Er war ja auch schon in der Schule aber das alleine kann es ja nicht sein..
          In welcher Klasse ist dein Sohn denn jetzt ?

          Liebe Grüße

      Hallo
      Meine Tochter ist recht schnell von der 1 in die 2 Klasse gewechselt (& zusätzlich ein paar Stunden in die jeweils höhere Klasse). Das war von der ersten Sekunde an absolut die richtige Entscheidung. Alle sind mit ihrer Entwicklung voll zufrieden und ihr geht es super.
      Sie war nicht nur was das schulische angeht ganz anders als die Kinder in der 1 Klasse. Auch emotional war sie weiter. Das ist für den Erfolg der Sache wohl auch recht wichtig.

      Der Typ der Quatsch macht oder ähnliches wenn sie langweile hat ist sie nicht. Es hätte aber absolut nicht gereicht sie weiterhin (nur) mit Extra Aufgaben zu versorgen denn glücklich war sie in der Situation nicht.
      Nächstes Jahr geht es auf die weiterführende Schule und darauf freut sie sich sehr. Ein paar mehr Fächer und alles etwas anspruchsvoller..
      Wir decken aber weiterhin einiges außerhalb der Schule ab. Sie lernt zB. seit letztem Sommer Spanisch.

      LG

    Ich würde es machen - die Expertin hat Dir dazu geraten - ich würde es auch schnell machen, bevor die Klasse 2 zu weit voranschreitet - und wenn es nicht funktioniert, dann wiederholt er einfach.

    In der Klasse meines Kindes wurde das auch einem Kind empfohlen - konnte perfekt lesen, Zahlenraum bis 100 und das kleine 1*1 - Kind ist nicht hochbegabt, sondern "durfte" mit dem älteren Geschwistern mitlernen.

    Die Eltern haben es nicht gemacht: 3 Experten haben dazu geraten -

    Das Kind ist nicht hochbegabt -

    Fakt: es stört nur im Unterricht - es ist weiblich

    • Er war vorher ja schon zwei Jahre in der Schule, aber das alleine kann ja nicht der ausschlagebender Faktort sein. Ich vertraue der Lehrerin ja auch aber ich muss mir natürlich auch meine Gedanken machen.

      Er soll vor den Herbstferien in die 2 Klasse schnuppern und dann soll eine entgültige Entscheidung getroffen werden.

      • "Er war vorher ja schon zwei Jahre in der Schule, aber das alleine kann ja nicht der ausschlagebender Faktort sein"

        Genau diese Info ist aber sehr wichtig. Natürlich ist er jetzt weiter als die anderen, die erst seit ein paar Wochen überhaupt wissen, was Schule ist und die letzte Jahren im Kindergarten nur gespielt haben.

        So wäre ich mir nicht ganz so sicher, wie ich mich entscheiden würde.

        Ich bin generell das Überspringen einer Klasse sehr skeptisch gegenüber und würde das wirklich als letzter Weg in Erwägung ziehen.

        Bei uns haben das in der Grundschule super abfangen können. Er war in seiner Klassengemeinschaft recht glücklich (auch wenn er viel besser mit den Älteren klar kam und todtraurig war als diese die Schule wechselten. Flexaklasse). Der Anfang im Gymnasium war nicht einfach und er klagte zum 1. Mal über Langweile, denn er war es gewöhnt, immer extra Aufgaben zu bekommen. In den 1. Wochen im der 5. ging es aber darum, alle Kinder auf ein Niveau zu bringen. Irgendwann wurde aber auch wieder differenziert und er war glücklich. Jetzt ist er in der 7., nach wie vor ein 1er Schüler (Durschnitt 5. Klasse 1,2, 6. Klasse 1,1). Er ist im vielen den anderen voraus, aber scheint damit kein Problem zu haben)

        LG,
        Natalia

        • Ich will dem ganzen aber nich soviel Gewicht geben weil es einfach viel weniger war als richtige Schule, eher verstärkte Vorschule im Schulgebäude. Das schreiben und lesen hat er auch vorrangig daheim gelernt.
          Schön aber das es bei euch so geklappt hat :-)

          • Ok. Ich weiss nicht wirklich, was er in diesen 2 Jahren gelernt hat.

            Ich kenne nur das spanische Schulsystem, wo sie schon mit 3 in die Schule kommen. Da wird tatsächlich erwartet, dass sie mir 6 fliessend lesen und auch in Mathe sind sie weiter (was aber am Ende gar nichts bringt und Spanien immer wieder bei Pisa katastrophale Ergebnisse erzielt)

            Und ja, wir sind sehr glücklich, dass es so gut läuft. Jetzt im Gymnasium mit mehrere sehr leistungsstarke Kinder, so dass er nicht mehr "alleine" ist. Er ist sehr glücklich.

            LG,
            Natalia

(11) 12.10.16 - 21:06

In der Klasse meines Kleinen sind zwei Kinder im ersten Halbjahr in Klasse 2 gesprungen. Sie gehörten zu den ältesten Kindern in der Klasse und waren nicht hochbegabt.
Lg Basket

Meine Meinung:

Nein, eine Klasse zu überspringen ist KEIN Ding für Hochbegabte. Studien zufolge können (!!! können, nicht müssen) 10-15% einer Altersgruppe eine Klassenstufe überspringen. Das sind pro Klasse sage und schreibe (das muss man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen) 2 bis 3 Kinder IN JEDER KLASSE!

Bei einigen Kindern, rund einem Drittel, ist es BESSER, wenn sie eine Klasse überspringen. Das ist statistisch gesehen immernoch EIN Kind pro Klasse (!!!!) .

Nach meinem Gefühl wird in Deutschland das Ganze als "Hexenwerk" gesehen und es ist total verpöhnt, auch und VOR ALLEM unter Lehrern. Sei also froh, dass ihr eine Lehrerin habt, die darin eine Chance sieht.

Und das Ganze heißt auch nicht, dass das Kind danach ein 1er-Schüler ist. Selbst wenn am Ende ein 3 bis 4er-Kandidat rauskommt, der in seiner "Peer-Group" (also der kleinen Gruppe, die ihn tagtäglich umgibt), einfach "glücklicher" ist, hat das alles seine Berechtigung.

Und selbst wenn alles so bliebe wie es ist (also Schule als solches passt einfach nicht), ist es für Kinder, die überspringen, (mindestens) ein Jahr weniger verschwendete Lebenszeit.

Wir sind da echt geprägt. Meine Große zählt meiner Meinung nach zu den 10-15%. Nicht, weil sie super begabt oder sowas ist, sondern einfach, weil die kognitive und die körperliche oder biologische Entwicklung nicht zusammen passen. Das war übrigens schon immer so. Der Kindergarten konnte das (DANKE DANKE DANKE) super auffangen.

Der Schule gelingt das überhaupt nicht (waren auch schon zwei Schulen, also es ist nicht so, dass wir hier von einer bestimmten Situation reden). Erschwerend kommt hinzu: Je besser sie kognitiv ausgelastet ist, desto besser geht es ihr sozial. Da die kognitive Auslastung zeitweise in der Schule überhaupt nicht gegeben war, hieß es dann: Jaaaaa, kognitiv VIELLEICHT, aber sozial hapert es ja #augen

Jeder weiß (meiner Meinung nach von sich selbst), dass man allgemein einfach nicht gut drauf ist, wenn man sich irgendwie "nicht wohl fühlt in seiner Haut", also einfach nicht passt. Dieses Problem wird bei solchen Kindern aber immer bestehen, egal ob in der einen oder in der anderen Klassenstufe. Deshalb wäre es zumindest in unserem Fall besser, wenn die Schule mehr kognitiv fordert. Und das geht nunmal am einfachsten (ohne Sonderlocken und PiPaPo) in der nächsten Klassenstufe.

Aber nun gut, du siehst, das Thema hebt mich. In Deutschland wird das nur selten genutzt. Leider. Nehmt die Chance an!

  • "Und selbst wenn alles so bliebe wie es ist (also Schule als solches passt einfach nicht), ist es für Kinder, die überspringen, (mindestens) ein Jahr weniger verschwendete Lebenszeit."

    Ich bin mir nicht sicher, wie du diesen Satz meinst? Wieso sollte es verschwendete Lebenszeit sein, wenn man eine Klasse nicht überspringt?

    Mein Sohn wurde letztes Jahr eingeschult, da konnte er schon fließend lesen, die Buchstaben kannte er schon vor seinem 2. Geburtstag, die ersten Sätze hat er mit vier geschrieben und gelesen. Zahlen waren ihm auch nicht fremd, einfache Sachen konnte er schon vor Schuleintritt multiplitieren und dividieren und die Uhrzeit konnte er seit seinem 3. Lebensjahr lesen. Genau so gut und schnell entwickelt er sich auch im Klavierunterricht. Er hätte tatsächlich locker gleich mit der 2. Klasse anfangen können und er hätte nicht den geringsten Nachteil gehabt, er wäre sicher super zurecht gekommen. Dennoch war springen für uns nie ein Thema! Klar, manchmal wünschte ich mir die Lehrerin würde einen etwas differenzierteren Unterricht machen, aber dennoch, er fühlt sich super Wohl in seiner Klasse, liebt seine Lehrerin und auch wenn er kaum Herausfordert wird und sich auch mal langweilt, geht es ihm gut und er geht vom ersten Tag an super gerne in die Schule!
    Ich sehe das nicht als verschwendete Lebenszeit an! Er lernt in der Schule andere Dinge, wie sich auch mal zurückzunehmen zum Beispiel oder sich an die Klassenregeln zu halten oder auch Langeweile auszuhalten, anderen Kindern zu helfen, wenn sie ein Problem haben. Er gestaltet manchmal den Unterricht, oder führt den Unterricht und das ist etwas, was er wahnsinnig genießt. Er darf immer wieder den Kindern etwas vortragen oder vorführen, was er teilweise sogar über die Woche vorbereitet.

    Mit anderen Worten, mit ein wenig Hilfe von der Lehrerin (auch wenn sie keinen richtigen differenzierten Unterricht macht), findet er seinen Weg in der Klasse in der er sich von Anfang an wohlgefühlt hat!

    Als verschwendete Lebenszeit kann ich das nicht sehen! Für uns ist das der richtige Weg auch wenn mein Sohn sowohl kognitiv als auch sozial locker eine Klasse überpringen hätte können.

    Ich finde es ist super individuell, ob ein Kind springen sollte oder nicht, im Zweifel würde ICH mich immer gegen das Springen entscheiden, einfach aus dem Grund, dass die Kinder auch irgendwann einmal in die Pubertät kommen und da sehe ich das größte Problem! Gerade für Jungs ist das noch schwieriger als für Mädchen. Der Größenunterschied ist größer, die Entwicklung ist nicht so vorangeschritten, wie bei den meisten anderen, die Interessen können da sehr schnell weit ausseinander gehen und das in einer Zeit, die sowieso sehr Sensibel für die Kids ist.
    Aus diesem Grund stand für uns schnell fest, solange es in der Klasse einigermaßen gut finktioniert ist Springen kein Thema. Wenn er jetzt natürlich massive Probleme hätte, die nicht anders in der Griff zu bekommen wären, dann würden wir natürlich anders handeln.

    • Ich glaube, wir beide hatten so eine Diskussion schonmal ;-)

      Worte, die mir in deinem Post auffallen:

      " aber dennoch, er fühlt sich super Wohl in seiner Klasse, liebt seine Lehrerin und auch wenn er kaum Herausfordert wird und sich auch mal langweilt, geht es ihm gut und er geht vom ersten Tag an super gerne in die Schule!"

      "Er gestaltet manchmal den Unterricht, oder führt den Unterricht und das ist etwas, was er wahnsinnig genießt."

      "Er darf..."

      "Mit anderen Worten, mit ein wenig Hilfe von der Lehrerin..."

      Und genau das ist ein Glücksgriff, all diese Dinge, die du beschreibst. Bei uns läuft das völlig anders und komplett schräg.

      Mein Kind ist ein eher zurückhaltendes Kind, inzwischen auch (wieder) sehr unsicher und vom Typ zerstreuter Professor. Sie geht nun das 6. Jahr in die Grundschule (und damit definitiv das letzte) und hat das, was du beschreibst, noch nie erlebt.

      Im Moment wird ihr wieder täglich gedroht, wahlweise mit einer 4 in Ordnung, weil sie ein zerstreuter Professor ist (nehmen wir so hin, dann steht da halt eine 4) oder einer schlechten Note in Mitarbeit, weil sie so ruhig ist.

      Mir fehlen inzwischen die Worte für all die Dinge, die dort Tag für Tag "vorfallen". Außerhalb der Schule ist mein Kind übrigens völlig anders. Motiviert, engagiert, nimmt an Wettbewerben und außerschulischen Aktivitäten (erfolgreich) teil.

      Und so war das gemeint. Für uns gab es in den 6 Jahren keinen brauchbaren Ausweg. Ein Schulwechsel haben wir probiert (danach lief es, bis zum nächsten Klassenleiterwechsel), alle weiteren Versuche zur Verbesserung (von Gesprächen bis hin zu potentiellen Umschulungen) liefen ins Leere.

      Und wenn das 6 Jahre lang mit einem Kind passiert, hinterlässt das Spuren. Hätte man sie damals springen lassen und es wäre alles genauso mies gelaufen, dann wäre es eben nur 5 Jahre mies gelaufen. Das war gemeint.

      Denn nun dürfen wir (die Pupertät steht vor der Tür!) zusehen, dass wir unsere Tochter noch vor der Pupertät soweit aufbauen, dass sie dort schadfrei durchkommt. Und was den Schulwechsel nun anbelangt, können wir nur hoffen, dass es ein wenig mehr so wird wie bei euch.

      • Ich kenne eure Geschichte und eure Tochter tut mir sehr leid.

        Trotzdem verstehe ich, was marinab meinte. Denn diese Aussage mit dem Überspringen galt nicht deine Tochter, sondern ganz Allgemein alle Kinder.

        Vielleicht hast du dich nur unglücklich ausgedrückt.

        LG

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