Heftige Wutausbrüche

    • (1) 17.10.16 - 23:43

      Hallo,

      ich weiß nicht mehr weiter.

      Mein Sohn, 7 Jahre, war schon immer sehr lebhaft und hatte auch zu Kita Zeiten seine Probleme. War schnell sauer, wenn ihm, was nicht passte. Seit er in der Schule ist, nimmt das nun alles Ausmaße an, dass wir nicht mehr weiter wissen.

      Letzte Woche eskalierte es in der Schule. Er hatte sein Lehrerin angegriffen, getreten und auf den Arm geboxt. Der Grund war, dass er sich nach dem Sportunterricht nicht umziehen wollte. Wir mussten ihn von der Schule abholen und er wurde 3 Tage ausgeschlossen. Fast jedes Kind in seiner Klasse hat schon mal was abbekommen.

      Heute gab es einen großen Wutanfall bei seiner Oma. Er liebt sie über alles. Heute hat er sie übelst beschimpft und in den Rücken geboxt.

      Das Problem ist, dass seine Wutausbrüche von jetzt auf gleich kommen. Er will dann nicht in sein Zimmer gehen (um sich zu beruhigen) und wenn man weg gehen will, klammert er. Nur selten gelingt es ihm in so einer Situation sich allein zu beruhigen. Meist wütet er, schreit Ausdrücke und tritt oder Haut, wenn man ihm zu nahe kommt.

      Sobald er sich beruhigt hat, erkennt er die Situation, entschuldigt sich. Aber es dauert nicht lange bis zum nächsten Ausraster. Ich habe keine Ahnung, wie es nach den Ferien mit der Schule weiter gehen soll. Ich riskiere meinen Job, wenn ich da immer abhaue, um ihn wiedermal von der Schule abzuholen.

      Letzte Woche waren wir das erste Mal beim Psychiater. Er hat versucht, mit Anordnungen und Aufgaben seine Grenzen zu erreichen, aber mein Sohn hat alles (gut)mitgemacht.

      Habt Ihr Tipps für mich? Wie kriegen wir die Schule hin? Hab Bauchschmerzen, wenn ich daran denke.

      Viele Grüße,
      pinklady

      • darf ich fragen warum nicht schon im Kiga gehandelt worden ist

        dann da klingt es auch schon nach übergriffigkeiten von deinem Sohn

        und da hätte man es besser noch in den Griff bekommen können

        und jetzt würde ich sagen ergo und verhaltenstherapie

        sport bis er umkippt

        Zucker aus der Ernährung nehmen

        usw

      Hallo,

      "lebhaft" verniedlicht das Verhalten Deines Sohnes..

      Dein Sohn scheint eine geringe Frustrationstoleranz zu haben und hat sich nicht unter Kontrolle.

      Und Letzteres ist für mich der entscheidende Punkt.

      An Deiner Stelle würde ich schnellstens mit der Schule sprechen, um mehr über sein Verhalten dort zu erfahren. Vielleicht gibt es dort Schulsozialarbeit oder einen Schulpsychologen?

      Ansonsten stimme ich @wombatmuc zu: Sport bis zum Umfallen und weitere Hilfen für ihn und für euch als Familie (Familienberatung?)

      Viele Grüße
      hundkatze.maus

    • Ich würde an deiner Stelle mit deinem Sohn sprechen und ihn fragen, was ihn so ärgert und warum er so ausrastet. Fühlt er sich in der Klasse nicht wohl? Es muss ja Gründe geben, warum er so reagiert.
      In das Zimmer schicken löst das Problem nicht. Frag ihn, ob er eine Lösung hat und bleibe im Kontakt mit der Lehrerin.

      • Die TE schreibt doch, das er nicht nur in der Schule ausrastet. Natürlich gibt es einen Grund für seine Wutanfälle - er soll sich nach dem Sport umziehen, z.B.. Aber die normale Reaktion wäre 'Och, Männoooo!' zu sagen und nicht um sich zu schlagen. Den Weg zum Psychiater finde ich da schon richtig. Wenn das Kind schon bei 3 Tage Schulverweis ist, ist der Weg bis zum Schulausschluss nicht mehr allzu weit.

        Grüsse
        BiDi

    • Wir reden im Nachhinein immer noch einmal über die Situationen. Er kann mir sagen, warum er so wütend wird (z.B Kind hat mich geschubst). Warum er so doll ausrastet, kann er nicht sagen.

      In der Klasse fühlt er sich eigentlich wohl, hat auch einen neuen Freund, der nicht weit von uns weg wohnt. Die Lehrer mag er auch.

      Nein, ins Zimmer schicken, löst die Probleme nicht, sondern dient nur dem Abschotten zur Beruhigung. Wir hoffen, mit Hilfe des Psychiaters herauszufinden, was der Grund ist.

Den Weg zum KJP finde ich erst einmal gut, was ist denn da jetzt konkret angedacht? Von Vorteil kann es sein, wenn der auch Kontakt mit der Schule aufnimmt.

Mein Sohn hatte (allerdings erst später. Ende Grundschule/Anfang weiterführende Schule) auch eine sehr geringe Frustrationstoleranz: er hat sich über Kleinigkeiten (in unseren Augen) aufgeregt, ließ sich schnell provozieren und schrie dann herum oder rannte weg. In Zusammenarbeit mit der Schule und der Schulsozialarbeiterin hat er dann aber Wege gefunden, seine Wut anders zu kanalisieren: Anfangs hatte er die Erlaubnis, die Klasse kurz verlassen zu dürfen, wenn die Wut kam, später war das nicht mehr nötig.

VG
Anja

Startet am besten direkt mit Ergotherapie. Es gibt dort auch Gruppenangebote. Ein Sozialkompetenztraining wäre genau das richtige.

Alles Gute

Julia

Guten Morgen!
Der Gang zum Psychiater war schon mal gut.
Ich frage mich auch, warum erst jetzt und nicht schon vor der Schule. Sehr lebhaft und Wut und Gewalt sind zwei verschiedene Paar Schuhe!
Ich bin Lehrerin und bis es zu einem Ausschluss kommt muss einiges passieren. Klar ist, dass wer schlägt gehen muss.
In meinen Augen liegt eine mangelhafte Impulskontrolle vor. Du hättest schon in der Kindergartenzeit schon Hilfe suchen sollen. Haben die Erzieherinnen nie etwas gesagt?

Unser Große war zu Kindergartenzeiten schon auffällig. Die Wut bezog sich nur auf unsere vier Wände. Im Kindergarten fiel es ihm schwer Freundschaft zu knüpfen und orientierte sie an den Vorschulkinder und den Erziehern.
Wir haben schon sehr früh klare Grenzen und Strukturen geschaffen, ihn notfalls auch ins Kinderzimmer getragen. Wenn es nicht ging, haben wir den Raum verlassen. Die Erziehungsberatung und die Kinderärztinhatten wir schon früh im Boot. In der Kindergartenzeit hatte er Ergo.
In der ersten Klasse eskalierte es auch extrem. Auch außerhalb der Wohnung, jedoch nicht in der Schule. Eine Diagnostik beim KJP folgte. Wir haben einen langen Weg hinter uns, aber jetzt in Klasse 5 läuft es gut.
Der Kleine wurde im Vorschuljahr auffällig. Auch hier gab es schnelle Gespräche im Kindergarten.
In der Grundschule hat er über ein Jahr gebraucht um anzukommen und er hat auch sich körperlich zu Wehr gesetzt. Wir haben sehr eng mit der Schule zusammen gearbeitet( auch wenn die Klassenlehrerin in meinen Augen zu inkonsequent war). Heute klappt es gut in der Schule. Die neue Klassenlehrerin ist sehr konsequent und nach einer harten Anfangszeit in Klasse 3 läuft es prima.

Ich denke ihr hättet eher Hilfe suchen sollen, aber die Zeit kann man nicht zurückdrehen.
Ihr solltet ein Elterntraining machen, euch eventuell bei der Erziehungsberatung beraten lassen. Ich denke es ist ein weiter Weg und wahrscheinlich ist dein Sohn jetzt aufgrund seiner Verhaltensweise schon ein Außenseiter sein.
Ich hoffe der Psychiater macht eine komplette Diagnostik.
Lg Basket

Hört sich nach unausgeglichenen Jungen an, such etwas wo er körperlich richtig aktiv gefördert wird dann wird es besser.

  • Guten Morgen und danke für Eure Antworten.

    Ich will auf keinen Fall etwas verniedlichen. Das "lebhaft" war nur als Erklärung für sein Temperament gemeint, im Sinne er braucht viel Bewegung.

    Im Kindergarten hatte er keine Wutausbrüche, zumindest haben wir nie (tatsächlich nie) diese Rückmeldung von den Erziehern erhalten. Probleme hatte er insofern, dass er manchmal die Ansage der Erzieher nicht akzeptieren konnte. Da gab es dann größere Diskussionen, uns wurde aber nie gesagt, dass er gehauen hat. Das kam im letzten Kindergartenjahr (Vorschuljahr) schätzungsweise 6x mal vor und natürlich haben wir mit ihm darüber gesprochen, um das zu klären.

    Die Situation eskalierte wirklich in der Schule. Am Anfang mit Widerworten gegen die Lehrer (blah, blah), dann mit Provokationen. Die Kinder haben natürlich auf die Provokationen reagiert z.B. geschubst und unser Sohn hat dann gehauen. Oder einmal hat er die Lehrerin provoziert (ein Spielzeug nicht weg gepackt), sie wollte dann mit ihm raus gehen, er wollte nicht, sie hat ihn irgendwie rausbugsiert und dann war er schon wie von Sinnen; wollte wieder in die Klasse, sie hat ihn festgehalten und dann hat er auch gehauen.
    In der Schule gibt es eine Sonderpädagogin und einen Sozialarbeiter. Beide sind eingebunden, allerdings weiß ich nicht, ob es richtig hilft. Die Sonderpädagogin ist sehr freundlich, spielt viel mit ihm (z.B. in den Pausen) und macht wenig Ansagen. Einmal gab es eine Situation, die sich zuspitzte, obwohl sie daneben saß. Der Sozialarbeiter war, soviel ich weiß, einmal eingebunden. Er hat mal meinen Sohn aus der Klasse geholt und ihm gesagt, wenn er hauen will, dann ihn. Fanden wir und auch die Klassenlehrerin nicht so gut, so dass er danach nicht mehr zu Hilfe gerufen wurde. Der Kontakt zur Klassenlehrerin und der Schulleiterin ist sehr intensiv. Er wurde die 3 Tage auch nicht von der Schule verwiesen, sondern es wurde so mit uns abgesprochen. Argument etwas Ruhe für alle.

    Dieses Verhalten hat er dann auch in die Familie transportiert und wir haben das Gefühl, dass es immer schlimmer wird. Also die Heftigkeit der Wutausbrüche wird immer schlimmer. Oft merkt man, wenn die Situation merkwürdig wird. Er hüpft dann rum, wird lauter und in dieser Situation kann man ihn noch bremsen, entweder z.B. eine Aufgabe geben oder ihn rausschicken zum Beruhigen. Bewusst zu Hause provozieren, macht er wenig. Wir fühlen uns einfach provoziert, reagieren dann heftig, dann eskaliert es. Die Situation gestern bei der Oma: er hatte einen Joghurt gegessen und klopfte auf dem leeren Becher rum. Oma sah die Joghurttropfen rumfliegen, ärgerte sich darüber und wollte ihm den Becher abnehmen. Er hielt ihn fest, Oma riss ihm den Becher aus der Hand und er wurde wütend. Beschimpfte sie und als sie weggehen wollte, ist er hinterher gelaufen und hat in den Rücken geboxt.

    Der Psychiater machte einen recht strukturieren Eindruck. Er sagte, dass bei der Verhaltenstherapie ein Verhalten nach dem anderen therapiert werden muss und das in dem Alter die Therapie über die Erwachsenen geht. Als schlimmsten Punkt nannten wir die körperliche Gewalt und er sagte, dass bei körperlicher Gewalt sofort (ohne große Worte) die Situation beendet werden muss. Ihn entfernen (das ist aber schon ziemlich schwer) oder selber weggehen. Das versuchen wir nun seit 5 Tagen; wenn ich mir die Situation von gestern vor Augen halte, sehe ich nicht, dass es einen Lerneffekt für ihn hat. Allerdings muss ich auch sagen, dass es gestern noch 5 weitere "kritische" Situationen gab. 2 hat er selbst geklärt durch Rausgehen, bei 2 konnte er nach Ansprache selbst klären, 1 war grenzwertig (da hab ich ihn in sein Zimmer bugsiert, gehauen hat er mich nicht, nur "dann hau doch ab" gesagt - er wollte sich an mich klammern und ich hab gesagt, dass er sich in seinem Zimmer erst mal beruhigen soll; hat er dann auch gemacht). Er hasst es in solchen Situationen angefasst zu werden.

    Ich bin einfach so fertig mit den Nerven. Hab große Angst, dass es wieder bei Oma heute eskaliert (wir haben einfach keine andere Möglichkeit zur Betreuung im Moment). Andererseits ist er so liebebedürftig, will viel kuscheln. Heute morgen drückte er meinen Mann und mich ganz doll und sagte, dass er nicht will, dass seine Wut unsere Herzen zerbricht. Da hab ich fast geheult.

    Er ist so ein interessierter Junge, der so charmant sein kann (und es auch ganz viel Zeit am Tag ist). Er ist hilfsbereit und fröhlich. Und dann sind diese Ausraster, die in der Summe vielleicht 1 Stunde am Tag ausmachen und unser ganzes Leben bestimmen. :-(

    Viele Grüße,
    Pinklady

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