Erfahrungen mit Mobbing?

    • (1) 20.11.16 - 19:11

      Hallo zusammen,

      ich bräuchte mal Euer Schwarmwissen.

      Mein Sohn ist im Sommer in die 5. Klasse gekommen. Er fühlt sich an der neuen Schule wohl, hat schon einige neue Freundschaften geschlossen und bringt bisher auch gute Leistungen.

      Alles könnte so schön sein, nur leider wird er seit Wochen von einem Jungen in der Klasse zunehmend gemobbt. Die beiden waren vorher zusammen in der Grundschule und auch etwas befreundet, seit dem Schulwechsel klappte es aber nicht mehr mit den Beiden, worauf mein Sohn sich nach einigen unschönen Vorfällen von diesem Jungen distanziert hat, was der meinem Sohn übel nimmt.

      Täglich wird mein Sohn nun seit Wochen von diesem Jungen in den Pausen bedroht, beschimpft, beleidigt und gedemütigt. Die anderen Kinder machen nicht mit, tun aber auch nichts dagegen, sodass ihre Passivität auf meinen Sohn wirkt, als stimmten sie dem Gesagten stillschweigend zu. Mein Sohn versucht zwar, ihm aus dem Weg zu gehen und sich an Kinder zu halten, die ihm wohlgesonnen sind, aber das ist halt auch nicht immer möglich. Zumal der Junge halt auch ziemlich cool ist, so hat er ein teures Handy und spielt darauf dann z.B. in der Pause böse Sprüche ab auf Knopfdruck, sodass eine Stimme z.B. sagt "Du bist ja schwul!", zeigt dabei auf meinen Sohn und dann lachen natürlich alle und finden das total witzig. Und ständig kommen Sprüche im Vorbeigehen wie "Du Opfer! Hau ab, du hast hier keine Freunde, verpiss dich, du Loser." Sucht mein Sohn dann in seiner Verzweiflung Hilfe und Trost beim Lehrer oder Mitschülern, heißt es von dem, er würde den Jungen bei allen grundlos schlecht machen und das heizt dessen Hass nur noch mehr an. Zwei Gespräche mit der Mutter haben inzwischen zu einem kompletten Zerwürfnis geführt, weil sie die Einstellung hat, dass mein Sohnes nicht anders verdient hat aufgrund der Tatsache, dass er ihrem Sohn die Freundschaft aufgekündigt hat.

      Ich wüsste nun gern, ob hier jemand auch Erfahrungen mit Mobbing gemacht hat und ob und wie das Problem gelöst wurde? Konfrontation in der Schule durch Lehrer bringt wie gesagt nix und verschlimmert die Situation nur. Allerdings ist den Lehrern schon aufgefallen, dass mein Sohn oft in sich kehrt und traurig wirkt, sodass ich es dort doch zur Sprache bringen muss, damit sie wenigstens wissen, woher das kommt. Eine befreundete Lehrerin meinte, es hilft meist nur, das gemobbte Kind aus der Klasse oder sogar von der Schule zu nehmen, das würde ich aber nur wollen, wenn es echt nicht mehr anders geht, weil mein Sohn eben ansonsten sich dort gut eingelebt hat - wenn nur dieser Junge ihn endlich mal in Ruhe ließe. :(

      Hat jemand einen Rat für uns?

      LG
      Sie71

          • In der Schule meines Sohnes gibt es 3 Schulsozialarbeiter.

            Die gehen bei uns auch in die Klassen und wenn ein Kind Probleme hat kann es sich an die Schulsozialarbeiter wenden.

            Mein Sohn hat zur 6. Klasse gewechselt und ist in eine Klasse gekommen wo ein Schulsozialarbeiter richtig mit den Kindern gearbeitet hat.

            Es ist eine tolle Klassengemeinschaft (nach meinem Geühl) und mein Sohn ist nun angekommen.

            Habt ihr keine Schulsozialarbeiter oder weißt du es nicht?

            Bei uns wurden sie bei der Einschulung vorgestellt.

            • Danke für deine Antwort. Doch, wir haben an der Schule auch Ansprechpartner, die nennen sich da nur anders, wir haben Streitschlichter (Oberstufenschüler), Vertrauenslehrer und -schüler, dann für schwerere Fälle auch ein Mobbing-Präventions-Team mit einer Schulpsychologin. Ich wende mich jetzt erst Mal an die Klassenlehrerin, weil die ja als Erstes informiert sein sollte, was in ihrer Klasse los ist, und dann werde ich von der sicher gesagt bekommen, was man machen kann.

      HI,

      an unserer Schule machen da die Streitschlichter einen guten Job - oder die Beratungslehrkraft. Dass dioe Opfer Schule / Klasse wechseln müssen, soll gar nicht sein!

      LG

      • Danke für deine Amtwort. :-) Wir haben auch Streitschlichter, das sind aber Oberstufenschüler, die können kleine Streitereien klären, aber hier Mobbing steht ja was Psychologisches mit Gruppendynamik, da werden die Streitschlichter nicht viel ausrichten können. Wir haben aber auch Mobbingbeauftragte an der Schule, ich rede jetzt erst Mal mit der Lehrerin und dann wird die mir ja sicher sagen können, wie man nun weiter vorgehen sollte.

    Dein Sohn tut mir furchtbar leid.
    Ich würde keine Ruhe mehr geben, den Lehrern die Türen einrennen und mir auch die Mutter weiterhin vorknöpfen. Die hat ja wohl n Schatten wenn sie wirklich findet dass Mobbing inklusive solcher permanenten Beleidigungen in Ordnung geht, nur weil dein Sohn keine Freundschaft mehr wünschte! Diese verkorkste und arrogante, eingeschnappte Art gibt sie wohl an ihren Sohn weiter. Na toll.

    Es wird wohl im Vorfeld schon einiges gewesen sein, weswegen dein Sohn dann nicht mehr mit diesem Jungen befreundet sein wollte.

    Nein, ein Schulwechsel würde weder diesen Jungen ändern, noch seine Mutter und ihre Einstellung! Vorher würde ich erstmal penetrant werden.

    • Danke für deine Antwort. #herzlich Die Mutter werde ich mir nicht mehr vorknöpfen, siehe Beiträge unten, man kann mit ihr darüber nicht reden, denn es werden die Tatsachen einfach umgedreht und alles so gestrickt, dass ihr Sohn als unbeteiligtes Opfer MEINES Sohnes dasteht (das muss man erst Mal schaffen in so einer Situation #augen ). Aber in der Schule werde ich jetzt erst Mal tun, was ich kann, damit die da im Bilde sind und ein Auge drauf haben können.

Also das Gespräch mit den Eltern zu suchen ist nie eine gute Idee. Eltern der mobbenden Kinder neigen immer dazu ihre Kinder in schutz zu nehmen. Das habe ich im Bekanntenkreis schon zwei Mal erlebt. Ich würde das gespräch mit der Lehrerin suchen und wenn da nichts passiert würde ich mich an die Schulleitung wenden. In den meisten Schulen gibt es Strategien, wie man in solchen Fällen vorgeht, aber dazu muss die Schule involviert werden.

  • Richtig, das Gespräch mit den Eltern bringt nichts, dazu ist man nicht objektiv genug. Ich habe mir daher auch verbeten, dass die Mutter mich noch mal anruft, denn lustigerweise beschwert SIE sich auch noch bei MIR über das Verhalten meines Sohnes ihrem gegenüber (dass meiner halt grundlos in der Schule heult und ihren Sohn damit bei den neuen Lehrern und Schülern schlecht macht - fraglich nur, wie der darauf kommt, wo mein Sohn doch nie jemandem den Grund für seine Tränen gesagt hat in der Schule :-p ).

(14) 21.11.16 - 08:31

Guten Morgen und danke für Eure Antworten,

bei uns an der Schule gibt es auch Streitschlichter und auch ein Mobbing-Präventions-Team, sogar eine Mobbing-Beauftragte, das hat mir ja auch Hoffnung gemacht, dass man das Thema da ernst nimmt und an der Wurzel bekämpft. Um so erstaunter war ich dann, dass eben meine Bekannte, die Lehrerin an dieser Schule war vor ihrem Ruhestand, mir trotzdem sagte, im Grunde ist gegen Mobbing kein Kraut gewachsen, man kann da nur durch oder das gemobbte Kind von der Schule nehmen, wenn es nicht aufhört. Gegen mobbende Kinder wäre so gut wie nichts zu machen seitens der Schule, Anti-Mobbing-Programm hin oder her. Das hat mich geschockt, ehrlich gesagt.

Naja, ich habe heute das Gespräch mit der Klassenlehrerin und werde es dort auf jeden Fall zur Sprache bringen, allein nur, damit die Lehrer wissen, woher das auffällige Verhalten meines Sohnes herrührt (dass er eben oft nach den großen Pausen in den Stunden plötzlich total "zu" macht im Unterricht und nicht ansprechbar ist z.B., das macht er dann halt aus Selbstschutz, um nicht vor der ganzen Klasse in Tränen auszubrechen), denn ich möchte nicht, dass dieses Verhalten als Bocken und Leistungsverweigerung ausgelegt wird und zu schlechten mündlichen Noten führt, sondern dass die Lehrer erkennen, dass er wohl gerade wieder emotional sehr belastet ist und Hilfe braucht.

Erschreckend finde ich, wie auch MICH das fertig macht. Jeden Morgen schicke ich ein Zuhause mühsam wieder motiviertes und aufgebautes Kind in die Schule und bekomme mittags ein emotionales Wrack zurück. Und mit dieser Mutter kann ich wirklich nichts klären, die wirft meinem Sohn ja noch vor, er würde das alles nur schauspielern, um ihren Sohn in der Schule schlecht dastehen zu lassen (das erzählt ihr Sohn ihr, dabei SAGT mein Sohn ja gar keinem , WARUM er weint, als WEISS der Junge doch genau, dass es wegen ihm ist, wenn er meinem Sohn das Weinen negativ auslegt - wenn er angeblich gar nichts dazu beigetragen hat, dass mein Sohn weint, würde er sich ja gar nicht davon angesprochen und "beschuldigt" fühlen). Aber mit Logik kann man dieser Mutter leider nicht kommen, noch im Gespräch modifiziert sie die Geschichte dann einfach im Sinne ihres Sohnes, also, ist im Grunde auch nicht besser als er. :-[

  • Ich finde es toll dass du deinen Sohn so unterstützt und ihm hilfst. Dass du auch mit den Eltern gesprochen hast, mit den Lehrern, allein dass du dir Gedanken machst.
    Ich bin Jahre lang in der Schule durch die Hölle gegangen. Ich wurde immer in mich gekehrter und ängstlicher. Die allerschlimmste Erfahrung war unter anderem die Klassenfahrt.

    Irgendwann habe ich mehr und mehr geschwänzt und schließlich die Schule abgebrochen.
    Da in der Gruppe gemobbt wurde, fühlte ich mich machtlos und schämte mich. Ich dachte ich liefere auch die Gründe gemobbt zu werden, weil ich eben ein so schüchternes, hässliches, dummes Mädchen war. Also das habe ich mir immer eingeredet. Ich habe mich nie getraut mit jemandem zu reden.

    Ich hätte mir so gewünscht, meine Mutter oder die Lehrer wären aufmerksamer gewesen und hätten mir geholfen...
    Ich kann dir nur sagen: hilf deinem Sohn. Tu was du kannst. Und wenn es letztlich der Schulwechsel ist.
    Ich dramatisiere nicht wenn ich sage dass ich bis heute schwer darüber hinwegkomme und vorletztes Jahr eine Therapie anfing.
    Zwanghaftigkeit, Angstzustände, Depressionen können die Folge sein...

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