Gibt es eine isolierte Rechtschreibschwäche?

    • (1) 01.12.16 - 13:14

      Hallo, mein einer Sohn hat eine eindeutige Gymnasialempfehlung, trotz seiner katastrophalen Rechtschreibung. Seit eineinhalb Jahren ist er bei einer studierten Lehrerin im Rechtschreibtraining. Bisher hatten wir das Gefühl er macht große Fortschritte. Aber wie es scheint, eben nur dann, wenn er sich mit seiner ganzen Konzentration auf die Rechtschreibung konzentriert.

      Seine Mitschreiben der Schule (5.Klasse) haben viele und (nach meiner Meinung eigentlich längst ausgemerzte Rechtschreibfehler.

      Er liest gerne und viel und schreibt wirklich tolle Geschichten. Auch seine Aufsätze sind immer lang, pointiert, originell und man spürt sein sehr gutes Sprachgefühl. Aber: sie strotzen vor Rechtschreibfehlern. Sprich die Geschichte kann eigentlich erst wirken, wenn man sich die Mühe macht, sie abzutippen.
      Gestern war er sehr frustriert von der Hausaufgabe die Rechtschreibfehler zu korrigieren, und hat auch bei der Korrektur seines dreieinhalb Seiten langen Aufsatzes wieder viele Fehler gemacht.

      Gibt es eine Rechtschreibschwäche, die sich beim Lesen nicht bemerkbar macht? Hat jemand Ideen für Hilfe?
      Danke, doremi

      • Hallo,

        Ja es gibt isolierte Rechtschreibschwächen.

        Wart ihr schon beim Pädaudiologen?

        Ohr müsst zuerst raus finden WARUM dein Sohn Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung hat. Vorher machen Therapien keinen Sinn.

        Gruß Sol

        (3) 01.12.16 - 14:50

        Ja, die gibt es:

        http://www.alf-ev.de/seiten/legasthenie.html

        Ja, das gibt es.

        So, wie du deinen Sohn beschreibst ging es mir selbst. In Deutsch wurden meine Noten erst besser, als Rechtschreibung nicht mehr gewertet wurde. Ich habe mich grundsätzlich schwer getan mit allen Sprachen. Obwohl ich von zu Hause professionelle Begleitung hatte - mein Vater war Sonderpädagoge und hat an uns (meinem Bruder ging es genauso) alle Erkenntnisse (bezüglich lernen) ausprobiert, ohne Erfolg.

        Aufgrund mangelnder Rechtschreibung habe ich das Gymnasium auch verlassen müssen.

        Ende der Geschichte: Ich habe mein Abi auf dem 2. Bildungsweg gemacht (wie mein Bruder), habe damit Maschinenbau studiert und arbeite jetzt an der Schule - (Ja, mein Bruder auch!)

        Ich habe als Kind viel geübt, und auch wirklich lernen wollen, aber irgendwann habe ich mich auch so akzepiert, mit dem Mangel an Gefühl für die "rechte" Schreibweise, sonst wäre ich daran auch kaputt gegangen.

        Manche Sachen gehen einfach nicht besser und auch Nachhilfe muss im Rahmen bleiben.

        • Hallo,

          da sprichst du mir von der Seele. Zu meiner Zeit war die LRS noch nicht so bekannt, mich hat auch nie ein Lehrer darauf angesprochen.

          Heute weiß ich, daß ich eine Rechtschreibschwäche habe. Lesen war und ist ein großes Hobby von mir, doch die Rechtschreibung zu hören oder sich zu merken ist schwierig. War schon immer eine richtige Leseratte.
          Hat während meiner Schulzeit lange gedauert, aber irgendwann habe ich es akzeptiert, daß ich fleißig sein kann so viel ich will, aber Rechtschreibung immer ein Problem darstellen wird.
          In Deutsch rettete ich meine Note, durch gute Aufsätze und im Jahr vor meinem Realschulabschluß schwänzte ich auch mal eine Schularbeit. Der Lehrer meinte "Ich schreibe noch ein Diktat, aber wer nicht da ist, muß nicht nachschreiben" Hätte ich dies nicht geschwänzt wäre in meinem Zeugnis in Deutsch vermutlich eine 5 gestanden. So habe ich ein 4 geschafft. Ich machte in Mathe meinen Realschulabschluß mit 1 und auch in keinem anderen Fach war ich schlechter als 2. Nur in Englisch und Deutsch stand ich auf 3 und 4.

          Ich bin meinen Weg gegangen und es war sicher nicht immer leicht, aber ich finde es gut so wie es war. Teilweise bin ich erschrocken, wie einfach man es sich teilweise heute macht und das Kind mit seiner Schwäche einfach von Aufgaben befreien lässt. Ich bin der Meinung egal welche Behinderung man hat, kämpfen ist das wichtigste.

          Liebe Grüße:-D

          Martina

      Hallo,

      ja, die gibt es.

      Wurde bei meiner Tochter auch vemutet. Zwei Hamburger Schreibproben waren beide grenzwertig zur isolierten Rechtschreibschwäche. Sie ist im Gymnasium inzwischen in Klasse 7 und mit schulischem Rechtschreibtraining wurde es tatsächlich besser. Ist nch nicht gut, aber wesentlich besser als noch vor 2 Jahren. Die Fehlerfreihiet hängt auch immer mit der Konzentration und der Zeitknappheit (bei Klassenarbeiten) zusammen.
      Sie hätte auch einen Nachteilsausgleich bekommen können, aber das haben wir abgelehnt.

      VG

    • Mein Sohn hat(te) auch eine isolierte Rechtschreibschwäche. Bei ihm hat sich dann 'rausgestellt, das ein Teil seiner Rechtschreibschwäche daher rührt, das er mit dem Schreiben an sich Probleme hat (er hatte eine Sauklaue!). Und bei den Arbeiten musste er sich eben auf beides konzentrieren: Richtig und Leserlich - das hat er im Gymnasialtempo einfach nicht gepackt. Er ist seit 9 Monaten in Lerntherapie, wo eben auch an der Motorik gearbeitet wird. Mittlerweile ist er 'nur' noch etwas langsamer - die Rechtschreibung und Leserlichkeit haben sich um 1000% gebessert.

      Grüsse
      BiDi

      • (8) 01.12.16 - 22:09

        Hallo,

        Mich würde interessieren wie und wo ihr das habt testen lassen....wir haben das Problem einer Saumässigen Schrift mit vielen Fehlern vorallem Groß-und Kleinschreibung. Wenn er langsam und konzentriert arbeitet ist es viel besser....

        LG
        Urmel09

        • (9) 02.12.16 - 04:59

          Du kannst einen Test bei einem Kinderpsychologen oder im Zuge der Beantragung von 35a SGB VIII oder beim SPZ machen lassen. Bei uns wurde Söhnchen erstmal bei der Lerntherapeutin 'auf den Kopf gestellt' und den Termin zur Testung für 35a SGB VIII bekamen wir erst 5 Monate später. Blöderweise hatte sich Söhnchen da schon so verbessert, das keine Rechtschreibschwäche mehr festgestellt werden konnte und wir die Lerntherapie deshalb selber zahlen müssen.

          Im Nachhinein würde ich deshalb den umgekehrten Weg gehen: Erst Test bei einem dafür anerkannten Kinderpsychologen, damit Beantragung von 35a SGB VIII und Beginn der Lerntherapie.

          Grüsse
          BiDi

          Hallo,

          Für die saumäßige Schrift würde ich mal sagen, entweder auf Druckschrift umstellen oder nochmal Schwungübungen und den Schreibschrift-Lehrgang, solltet ihr die vereinfachte Ausgangsschrift haben, würde ich aber einige Buchstaben abändern.

          Zu der Fehlerart: Groß-Kleinschreibung ist bei ALLEN Schülern der Bereich mit der größten Fehlerhäufigkeit. Das ist oft eher ein Problem mangelnder Grammatik-Kenntnisse: Wortarten wiederholen, Wortbausteine eintrichtern, "Drillinge" üben. Merkmal für eine Lese-Rechtschreibstörung ist diese Fehlerart nicht.

          LG
          Delfinchen

    Naklar, Legasteinie gibt es in vielen Auswirkungen. Meine Söhne können gut bis normal Lesen und sind Trotzdem Legasteniker. Testen und dann gezielte Förderung.

    (12) 02.12.16 - 10:38

    Hallo,
    ja die gibt es.

    Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, sollte das bei deinem Sohn festgestellt werden lass auf jeden Fall Profis mit ihm arbeiten.
    Bei meinen Eltern vor über 30 Jahren war wenig Verständnis und ich habe viel geweint.

    Wichtig ist, dass dein Kind sein Selbstvertrauen nicht verliert und sich nicht schämen muss!
    Deswegen auch die Arbeit mit den Profis.
    Ich würde sofort handeln damit nicht noch mehr Frust aufgebaut wird.

    Alles Gute

    Hallo,

    was sagt denn eure Rechtschreibtrainerin dazu? Du schreibst, sie ist eine studierte Lehrerin. Gehört Rechtschreibung zu ihrem Fachgebiet (oder ist sie vielleicht "nur" Mathe- und Sportlehrerin)? Wenn ein Lehrer speziell Rechtschreibtraining anbietet, dann gehe ich davon aus, dass er es (und sei es durch eine Weiterbildung) gelernt hat mit allen heute bekannten Teilleistungsstörungen, die Schüler haben könnten. Hat sie weitere Tests empfohlen?

    LG

    Danke Euch allen für Euere Antworten!
    Zumindest sind wir nicht allein auf weiter Flur mit diesem Problem.

    Ich hatte ihn in der dritten Kasse mal beim Schulamt testen lassen, damals kam raus, knapp keine Legasthenie. Aber: er hat bei der Testung mit voller Konzentration mitgearbeitet, auffällig williger als andere Gleichaltrige, ein Kraftakt, der bei einem 6 bis 10-Stunden Tag im Gymnasium einfach nicht aufrecht zu halten ist.
    Ich habe heute mit seiner Rechtschreibtrainerin telefoniert, sie hat früher an einem Legasthenie-Zentrum gearbeitet. Seinen Aufsatz hatte sie sich zwischenzeitlich noch noch angeschaut. Sie rät mit dem Lehrer Kontakt zu halten, damit der Bescheid weiß. Vielleicht gibt's auch an der Schule Fördermöglichkeiten, und es ist sicher auch gut, wenn sie wissen, dass mein Sohn durchaus schon an dem Thema arbeitet.
    Noch ist er willig, das kann sich halt mit der Pubertät auch ändern, ich hoffe bis dahin tut er sich leichter.

    Danke nochmal und LG,
    doremi

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