Tochter spielt mit "Zeugin Jehovas" - Fragen

    • (1) 02.12.16 - 15:36

      Hallo,
      in unserer Nachbarschaft lebt eine Familie, die bei den Zeugen Jehovas ist. Ich als Freidenkerin sehe da sofort rot, ist für mich eindeutig eine Sekte, die nichts Gutes verheisst.

      Bis das große Kind eingeschult wurde, hat man von der Familie nicht viel mitbekommen - am Dorfleben nehmen sie nicht teil.

      Interessanterweise sind die Kinder für sich SEHR kommunikativ und offen und seit das Mädel in der Schule ist, kommt sie ständig vorbei (auch mit dem kleinen Bruder) und zur Zeit spielt sie häufig mit meiner Tochter (2.Klasse, Mädchen mittlerweile dritte Klasse).

      Heute war Theaterausflug mit der Schule, das Mädchen durfte nicht mit. Generell ist bei uns natürlich Weihnachtsstimmung pur angesagt, Adventskalender, Deko, Plätzchen und das ganze Programm. Das Mädchen ist glaube ich zur Zeit gerne bei uns... aber irgendwie finde ich das auch befremdlich, denn sie ist mit ihren 9 Jahren schon total abgeklärt, sehr erwachsen - spielt bevorzugt Barbie mit meiner Tochter, und zwar eher so Barbie, wie ich es damals erst mit 12 gespielt habe (Tochter spielt eher noch Prinzessin-Barbie und keine Beziehungsdramen ;-) ) .

      Naja, mich interessiert ehrlich gesagt gerade, wie das Mädchen wohl denkt und fühlt und vielleicht gibt es hier Leute, die Erfahrung mit Kindern von Zeugen Jehovas haben.

      Klingt dämlich, aber die Sekte missioniert ja sehr gerne, muss ich Angst haben, dass meine Tochter von ihr "missioniert" wird....wir sind nämlich eine sehr offene, liebevolle Familie (ja, lobhudel, stimmt aber ;-) ).

      Mach mir einfach gerade Gedanken, weil das Mädel schon wieder da ist....auch darüber, wie ich ihr vielleicht helfen kann.
      K.

      • (2) 02.12.16 - 15:51

        misch dich nicht in die Freundschaft ein, wenn die Eltern so schlimm wären, dann wäre das Kind nicht bei euch.

        (3) 02.12.16 - 16:31

        Hallo,

        ich würde mir da nicht so viele Gedanken machen. Ich hattedamals auch einen Klassenkameraden, der Zeuge Jehovas war und es war ein sehr netter, hilfsbereiter und kommunikativer Junge, der mir eigentlich immer nur auffiel, weil er so gut vorlesen konnte, wie kein anderer. Bis auf die Tatsache, dass er immer mal erzählte, dass er z.B. Weihnachten nicht feiert, war er total gut in die Klassengemeinschaft integriert und ich als Mutter hätte mit dem Kind auch keine Probleme.
        Helfen kann man da nicht. Das muss das Mädchen irgendwann für sich entscheiden, ob es dabei bleibt oder nicht. Grundsätzlich fehlt ihr ja nichts, oder?

        LG

        a79

        • (4) 03.12.16 - 12:02

          Genauso ist es. ich habe beide Freunde meiner Kinder auch immer als sehr nette und zuvorkommende Kinder erlebt. Die tragen nicht ein Schild vor dem kopf "Achtung, bin andersgläubig" !

      (5) 02.12.16 - 17:35

      Hallo du!

      Bei was oder warum willst du dem Mädchen denn helfen?

      Nur weil sie den Zeugen Jehovas angehört heißt das doch nicht automatisch, dass es ihr schlecht geht oder sie Hilfe braucht?

      Was aus ihrem Glauben bzw der Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas wird muss sie ganz allein entscheiden wenn sie alt genug dafür ist.

      Wie das Mädchen denkt und fühlt wirst du am ehesten erfahren wenn du dich mit ihr unterhältst, auch wenn andere hier Erfahrungen mit Kindern von Zeugen Jehovas haben, sagt das jetzt nicht so arg viel darüber aus was speziell in diesem Mädchen so vorgeht.

      Ich würde mir jetzt auch keine geoßer Gedanken darum machen, dass sie euer Kind "missioniert", da gehören ja auch immer zwei dazu, ich denke aber nicht dass das Mädchen da überhaupt in die Richtung anfängt, zumindest war es damals bei den Kindern die ich in meiner klasse hatte nicht so.

      Außerdem müsste in meinen Augen jemand der sich "Freidenker" nennt in der Lage sein zu akzeptieren, dass andere Menschen eben andere Überzeugungen Leben als man selbst ohne gleich "Rot zu sehen".

      Lg waldfee

      (6) 02.12.16 - 18:10

      Wie sehr bist du Freidenkerin, wenn du bei einer derart harmolsen Gemeinschaft wie den Jehovas Zeugen rot siehst?

      Jehovas Zeugen missionieren nur dort, wo es erwünscht ist.
      Ich kenne selbst ein paar und mir tun sie nur leid. Ich lasse ihnen ihre "gute Nachricht"...
      Wir wissen doch alle nicht, was nach dem Tod folgt.

      • Hallo,

        Bisl zu deiner Antwort und auch an die TE gerichtet ;)????

        die missionieren nur da wo es erwünscht ist?

        Bei mir haben sie sogar Hausverbot und betreten dennoch immer wieder mein Grundstück um von mir unerwünscht an meiner Haustür zu klingeln.

        Mich nervt das extrem und ich finde es eine Frechheit. Ich akzeptiere jede Glaubensrichtung, denke aber auch dass es sich hier um eine Sekte handelt.

        Auch Freidenker dürfen bei Sekten skeptisch sein denke ich.
        Dennoch dürften meine Kinder mit Zeugen spielen oder diese hier her kommen.

        Weiterhin denke ich sehr wohl dass es meine Aufgabe ist darauf zu achten mit wem meine Kinder spielen. Es geht mich sehr wohl etwas an.
        Manchmal muss man eine Freundschaft als Mutter anzweifeln ...z.b. wenn das Kind ausgenutzt wird ohne es zu merken, wenn das Kind vielleicht abgezockt wird oder nur ein Notnagel ist wenn andere keine Zeit haben.
        Genauso wie ich meinem Kind Manieren beibring, bringe ich ihm bei mit offenen Augen durchs Leben zu gehen und auch manchmal 'Freundschaften' zu hinterfragen.
        Ich kenne selber Zeugen und deren Sohn hat sehr gelitten dass er keinen Geburtstag und kein Weihnachten feiern durfte.
        Als er volljährig war ist er ausgezogen und lebt nun ein Leben das er endlich selbstbestimmt.
        Kann gut sein dass das Mädchen bei euch einfach nur Glüklich ist weil sie dort ein Leben ausserhalb der Sekte erleben kann. Diese Freundschaft kann fur beide Kinder sehr bereichernd sein.

        Mona

    Ich hatte eine Mitschülerin, deren Familie bei den Zeugen Jehovas war. Als sie jünger war, war der Kontakt ganz normal und unproblematisch - sie hatte Freundinnen, durfte halt lediglich an bestimmten Ausflügen nicht teilnehmen. Als sie älter wurde, haben die Eltern ihr verboten, "schlechte" Freundinnen zu haben - es gab kaum noch Kontakt und nach der 10. Klasse musste sie auf Wunsch der Eltern trotz guter Noten von der Schule.

    In eurem Fall sehe ich aber erst mal kein Problem: das Mädchen ist mit Deiner Tochter befreundet und fühlt sich bei Euch wohl - solange das so ist, würde ich das einfach so belassen!

    Liebe Grüße
    Anja

    Hallo!
    Ich hatte meine gesamte Schulzeit eine Freundin, die bei den Zeugen war.

    Ich fand es als Kind immer ganz schlimm, dass sie zu keinem Kindergeburtstag durfte, nie mit Weihnachten feiern durfte, sich an Fasching nicht verkleiden durfte. In unserer alltäglichen Freundschaft gab es für mich aber keinen Unterschied. Bis sie eines Tages (noch zu Grundschulzeiten) in meiner Anwesenheit den "Wachturm" ausgepackt hat und meinte, sie müsse sofort mit mir darin studieren. Als ich mich geweigert habe, hat sie mich rausgeworfen. Das war der Punkt, der für mich befremdlich war, von dem ich meiner Mutter erzählt habe und an dem sie sich eingemischt hat. Von dem Tag an war beiden Seiten klar, dass der Glaube in dieser Freundschaft keine Rolle spielen darf. Sonst hätte es keine Freundschaft mehr gegeben

    Ich würde mich an Deiner Stelle nicht wirklich einmischen, solange der Glaube in der Freundschaft keine Rolle spielt. Falls es doch irgendwelche Missionsversuche gäbe, würde ich rigoros eingreifen. Übrigens egal ob Zeuge, Muslime, Mormonen oder oder oder. In dem.Alter kann man gerne andere Religionen kennenlernen, sollte aber nicht "auf die andere Seite" gezogen werden.

    Gruß, #stern

    (10) 02.12.16 - 22:49

    Na, ihr seid ja wirklich offen, liebevoll und "frei"! Ihr toleriert alle fremden Dinge, Xenophobie ist was für rechte Dumpfbacken von AfD und Pegida, ein Hoch auf Multikulti! Bis ... nun ja bis das eigene Prinzesschen eine Freundin hat, die ein bisserl anders ist. Und schon bricht die Panik aus. Gell, Multikulti ist toll, nur ja nicht in der eigenen Familie!

    • Ich habe es mir verkniffen #schein

      (12) 03.12.16 - 11:26

      Hallo,
      eh, nein, bei mir bricht keine Panik aus? Ich habe hier lediglich höflich eine Frage gestellt, mich nach Erfahrungen erkundigt? Meine Tochter ist auch kein "Prinzesschen"???!!!

      Grundsätzlich finde ich solche Beleidigungen einfach schlimm, danke auch, Internet.

      Es geht lediglich darum, dass mir das Mädel tatsächlich LEID TUT und ich mir Gedanken mache, was diese Freundschaft eventuell mit meiner Tochter macht ...denn es handelt sich offensichtlich um eine SEKTE, es gibt ZIG Aussteiger-Berichte, die vor allem von ihrer sehr traurigen, strengen Kindheit berichten!

      Mit Multikulti hat das nichts zu tun.

      Danke aber auch für die nette, konstruktive Antwort. NICHT.

      K.

      • (13) 03.12.16 - 21:56

        Offiziell sind die Zeugen Jehovas keine Sekte, sondern eine anerkannte Glaubensgemeischaft. Informier dich mal besser!

        Kinder mit sehr harter und trauriger Kindheit gibt es in allen Religionen und Nationalitäten und Aussteiger gibt es auch aus der ev. und rk Kirche....

        Dass die Zeugen Jehovas offiziell als Sekte eingeordnet werden, wäre mir neu.

        Gruß,

        W

        (15) 07.12.16 - 19:10

        Wenn dir das Mädchen leid tut, dann sei doch froh, dass es sich seine Freunde auch außerhalb der Zeugen-Gemeinschaft aussuchen darf und behandel es wie alle anderen Kinder. Ich würde gar nicht so ein Gschiss drum machen, weil das Mädchen ganz sicher andere Dinge im Kopf hat, als dein Kind zu missionieren. Es sucht Freundschaft, ganz normal wie alle anderen Kinder auch.

        Ich hatte mal eine Klassenkameradin, die Zeugin Jehovas war. Und wir haben die damals so ausgegrenzt (Kinder können fies sein). Sie durfte auch nie mit zu Veranstaltungen, Klassenfahrten usw. und war so furchtbar altmodisch gekleidet. Im Nachhinein tut es mir leid, wie sie ignoriert wurde. Ist doch wuppe, welcher Religion man angehört. Das spielt doch in einer Freundschaft keine Rolle. Am Ende lernt dein Kind, dass es eben ganz verschiedene Bräuche und Lebensweisen gibt und man trotzdem miteinander auskommt. Das wäre für beide Seiten ideal. Ihr feiert Friede-Freude-Weihnachten, sie eben nicht. Und? Ich fände es total falsch, da einzugreifen.
        palomita

Hi,

lass die Kinder spielen und gut ist! Glaubst Du zwei Grundschulkinder unterhalten sich über Glaubensrichtungen?! Eher nicht. #rofl#rofl#rofl (Ich denke grad an meine Kleine und stelle mir vor, wie sie sich über Glauben unterhalten #rofl#rofl#rofl#rofl#rofl). Nö, da wiehert das Barbiepferd eher aus dem Kinderzimmer oder sie Malen.

Ich hatte in der Grundschulzeit auch eine Freundin von den Zeugen. Außer dass sie niemals bei Geburtstagen dabei sein durfte, kein Weihnachten feiert und das Mädel immer bei uns war und ich nicht bei ihr, war alles gut. Mehr weiß ich nicht mehr und hat mich damals auch nicht interessiert. Missioniert hat mich niemand und ich glaube noch immer an das, was ich für Richtig halte.

Einen Riegel reinschieben würde ich nur dann, wenn die Eltern bei Euch stehen und tatsächlich auf Euch einprasseln mit dem Thema Zeugen. Das glaube ich aber nicht, dass das geschieht.

Nicht so viel Kopf machen - alles ist gut!

LG und schönen 2ten Advent
Caro

  • Nein, da wird sich nicht über Glauben unterhalten - das GLAUBE ich zumindest, aber was, wenn doch? Denn laut des Glaubens der ZJ kommen wir ja alle in die HÖLLE, nach dem Tod. Und das Mädchen erzählt sehr abgeklärt über Dinge, bei denen meine Tochter Angst bekommt...Krankheiten, Unfälle usw...naja, nur als Beispiel. In der Familie scheint sie sehr viel Strenge und wenig Liebe zu erfahren, wie ich das mitkriege.

    Naja, egal.
    K.

    • (18) 03.12.16 - 12:12

      Dann sprich du doch altersgerecht mit deiner Tochter , damit sie weiß dass der Glaube der Freundin anders ist als euer. und sag ihr wenn die Freundin was erzählt, was ihr komisch oder bedrohlich vorkommt, soll sie es dir bitte sagen.

      (19) 03.12.16 - 12:45

      Auch wenn du auf meine Antworten keinen großen Wert legst, aber dass das Mädchen "abgeklärt" über Krankheiten, Unfälle, Tod, ... spricht, das hat doch nichts damit zu tun, welcher Glaubensrichtung (oder Sekte) man angehört, sondern eher mit dem eigenen Erziehungsstil und der Familiengeschichte.

      Mein Sohn z.B. ist 6 Jahre alt und wir leben hier noch ein bisserl wie in der "alten Großfamilie" (und nein, wir sind keine Zeugen, Mormonen, Amish, ... sondern ganz ordinäre Katholiken vom Land genau wie die meisten andern hier rundrum auch). Zwar hat jeder sein Haus, aber halt eng aneinander und jeder ist für jeden verantwortlich. Nun musste mein Opa über längere Zeit gepflegt werden, was wir selbstverständlich daheim gemacht haben. Mein Sohn war viel bei den Urgroßeltern und so geht er ganz selbstverständlich mit Dingen wie Urinbeutel, Zuckermessgerät, Spritzen, ... um. Dann hatte mein Vater Krebs und der Bub hat das natürlich alles hautnah miterlebt. Mein Vater ist zum Glück genesen und so spricht mein Sohn auch völlig abgeklärt über diese Dinge. Dann starben Uropa und Uroma knapp aufeinander und auch wenn sichs blöd anhört, der Kleine hat wirklich mittlerweile etwas "Übung" in Beerdigungen und dem Drumrum. Heißt nicht, dass er keine Angst davor hat, dass (wieder) jemand sterben könnte, aber er weiß halt auch, dass es dazu gehört.

      Ich finde es wichtig, mit den Kindern fachlich-sachlich über Krankheiten zu sprechen und den Krebs z.B. nicht als irgendeinen bösen Geist drüber schweben zu lassen. Mein Sohn weiß, dass man da Chemo/Bestrahlungen bekommt, operiert werden kann, er weiß, dass Opa einen Port hatte für die Medikamente. Das mag jetzt vielleicht technisch klingen, aber es hat ihn interessiert und er lebt ja auch mit dem Opa und bekommts mit. Es gibt keine Alternative, denn den Opa plötzlich "aus dem Leben zu verbannen", nur weil er Krebs hat, das geht ja wohl gar nicht.

      Unfälle interessieren meinen Sohn (leider) auch sehr. Mein Mann ist bei der Feuerwehr und der Vater seines besten Freundes auch (im Endeffekt ist fast jeder hier dabei) und natürlich sind sie da fasziniert. Wenn er Bilder von Katastrophen aller Art in der Zeitung sieht (und natürlich sieht er die, da ich am Tisch Zeitung lese nach dem Frühstück), dann fordert er immer, dass ich ihm den Bericht lese bzw. liest ihn mittlerweile selber. Ich kann da nicht so viel dagegen machen. Ich versuch halt immer, ihm das im Anschluss kindgerecht zu vermitteln. Die Frage, wie viel Empathie mit rein muss um einerseits das Kind nicht zu verschrecken, andererseits aber durchaus zu vermitteln, dass Unfälle/Feuer/... kein "Event" ist, sondern gefährlich, find ich dabei mit am schwersten.

      Gelingt dir der Spagat immer? Oder versuchst dus erst gar nicht und hältst alles von ihr fern? Wie meine Nachbarin, die den Kindern verboten hat, auf die Beerdigung des Opas zu gehen #augen.

      Wenn mein 6jähriger locker flockig über mein "Blut im Gehirn" redet und über meinen Arm, der "nicht mehr funktioniert", stockt den Muttis, die noch nichts Schlimmes im Leben erlebt haben, wahrscheinlich auch der Atem. Ist halt nicht alles Wolkenkuckucksheim.

Hallo,

zunächst - ich kann deine Gedankengänge verstehen.

Ganz so harmlos wie manche hier würde ich es auch nicht einstufen. Ich hatte eine gute Freundin (seit der Grundschule), die zu den Zeugen Jehovas gehörte, ich konnte sozusagen eine "Langzeitstudie" anfertigen :). Heute ist es eine "Bekannte", weil sie sich von schädlichen Einflüssen außerhalb der Zeugenwelt (also ich :-p) etwas fernhalten möchte

In der Grundschule war es die meisten Zeit kein Problem. Allerdings machten sich ihre Eltern auf unserem katholischen Dorf Sorgen (so wie du), sie könnte in den Sog der katholischen Kirche geraten, daher durfte sie andere Kinder zwischen Totensonntag und Maria Lichtmess nicht besuchen, sondern wir gingen hin, damit sie von den Weihnachtseinflüssen weitgehend geschützt war. Ich konnte mir das als Kind überhaupt nicht vorstellen, dass es dort kein Weihnachten gab!

Geburtstagsfeiern waren natürlich ausgeklammert, das ist auch heute noch so (logischerweise) und kappt dann schon die eine oder andere soziale Verbindung. Wir bekamen irgendwann von ihr Kinderbibeln geschenkt, die ich irgendwie (aus kindlicher Perspektive) sehr ansprechend fand. Kürzlich fiel mir diese Bibel mal wieder in die Hände und sie war schon, wie auch die anderen Heftchen, die den Weg in unser Haus fanden ... räusper ... sehr dogmatisch. Ich fand das damals faszinierend und habe schon hinterfragt, ob wir eigentlich "das richtige" glauben. Jedoch sind das denke ich Prozesse, die jeder mal durchmacht ... egal ob er glaubt oder nicht. Es kann ja auch durchaus sein, dass dein Kind irgendwann zu anderen Schlüssen kommt als du, was den Glauben angeht.

Meine Freundin durfte auch nicht so Fasnachtsveranstaltungen und ähnlichem oder auf mehrtätige Klassenfahrten. Es war als Grundschulkind die einzige Berührung mit einer anderen Glaubensrichtung, ich fand das zu einem gewissen Grad faszinierend. Aber da mir Geburtstage, Weihnachten, Ostern und andere Feiern wichtig waren, war wohl eher die Gefahr, dass sich das Mädchen "anders herum infiziert". Meine Eltern haben eben noch einge Gespräche mit uns geführt und uns auch erklärt, wie eine Sekte funktioniert. Es war aber durchaus so, dass wir sie auch gefragt haben und es auch Gespräche über die Gruppe gab - teilweise war es auch faszinierend, v.a., weil wir doch merkten, dass es unseren Eltern etwas unheimlich war.

Auf mich und meinen Bruder (der mit dem älteren Bruder befreundet war), hatte es langfristig keine Auswirkungen. Es war eher so, dass wir als Teenager Mitleid verspürten, in welches enge Korsett die beiden von ihren Eltern und der Glaubensgemeinschaft gepresst wurden und wie gut sie funktionieren mussten (als Teenager wären sie abends gerne mal mit aufs Dorffest, aber das ging nicht, wegen der Einflüsse). Wir bekamen im Gegenzug schon auch mal zu hören, dass wir unseren irdischen Spaß eben durch die Nichtaufnahme ins Himmelsreich bezahlen müssen, weil der den Zeugen vorbehalten war.

Der Glaube dominierte aber das Leben meiner Freundin: Meine Freundin war sehr gut in der Schule - kam aber nicht aufs Gymnasium, weil das "für Mädchen nicht angemessen war". Nach einem sehr guten Realschulabschluss ging sie in einen einfachen Ausbildungsberuf - auf Wusch ihrer Eltern, die meinten, Jehova hätte ein Leben als Hausfrau und Mutter für sie vorgesehen. Sie arbeitet noch immer in diesem Beruf. Da als Partner nur ein "Zeuge" in Frage kam, gestaltete sich diese Partnersuche sehr schwierig. Der Glaube hatte mehrfach großen Einfluss auf ihre Biografie und vorsichtig geschätzt, hätte sie ihr Potential wesentlich anders nutzen können, wenn nicht nicht die Zeugen immer wie ein Mühlstein um ihren Hals gehangen wären.

Es ist meiner Meinung nach nicht so, dass es sich um eine komplett harmlose Vereinigung handelt. Das Problem sehe ich (aus der Außenperspektive) darin, dass es eben ein geschlossenes System mit Kontrollmechanismen handelt und du entweder dazu gehörst oder nicht. Es ist ein "alles" oder "nichts" Prinzip.

So ein "ich gehe am Sonntag nun mal nicht in die Kirche" oder "ich gehe nur an Weihnachten" oder so gibt es da nicht. Eltern werden von Anfang an angehalten, dass ihre Kleinkinder den Sonntagsgottesdienst wach erleben. Da du dort sehr viel Zeit verbringst (die Sonntage, die Missionsaufgaben, etc. etc.) spielt sich der Großteil deines sozialen Umfeldes dort ab und du wirst dort schon "kontrolliert" bzw. es herrscht der Zwang der Gruppe sich anzupassen.

Willst du austreten, ist es wie bei den Amish People, dass ein "shunning" stattfindet und du automatisch den Freundeskreis, den du dort aufgebaut hast, verlierst, weil sie dich meiden, um nicht in deinen teuflischen Sog zu geraten.

Auch kommen aus der Vereinigung Ratschläge, die sich direkt auf das Leben auswirken (so hat meine Freundin bis heute kein Handy). Es gibt noch krassere Dinge, aber die möchte ich hier im Internet nicht ausführen, da sie eventuell einen Wiedererkennungswert haben.

Dass die Freundin deiner Tochter mit 9 anders spielt ... das würde ich nicht den Zeugen "ankreiden". Meine eigene Tochter war in dem Alter sehr kindlich, während einige ihrer Freundinnen sich schon (heimlich) schminkten und Fernsehprogramme schauten, mit deren Inhalt meine Tochter so überhaupt nichts anfangen konnte. Da entwickeln sich einfach Mädchen in einem unterschiedlichen Zeitfenster.

Es wird irgendwann für das Mädchen ein großes Thema sein - da sie sich mit allen religiös auferlegten Restriktionen auseinandersetzen muss. Der Freund meines Bruders hat die Zeugen verlassen, lebt nun in der Stadt in der Nähe, der Kontakt zu seinen Eltern ist wegen des Austrittes sehr sporadisch und sie kommen natürlich auch nicht zu Weihnachten, Ostern, den Taufen der Kinder ... Er sagt offen, dass das schon weh tut, dass du in Fahrdistanz zu deinen Eltern lebst, diese dich aber aus Glaubensgründen weitgehend aus dem Leben ausschließen.

GLG
Miss Mary

(23) 03.12.16 - 10:20

hi,

hm, wenn es dich so interessiert, warum sprichst du die eltern nicht an? ich denke nicht, dass sie ihre kinder zu euch lassen würden,wenn sie euch als "gefährlich" einstufen würden.
das mit dem missionieren wird dir im laufe der zeit sicher noch häufiger begegnen: missionieren zum saufen, rauchen, kiffen usw. da kann das elternhaus stützend wirken, aber alles verhindern wirst du auch nicht können. aber ich denke, dass von dem mädchen keine gefahr für deine tochter ausgeht.

lg

(24) 03.12.16 - 11:56

Mein Sohn (19) ist seit der 5. Klasse mit einem Jungen aus ner Mennoniten- Gemeinde. Meine Erfahrung ist, dass die Jungs sich (auch heute als junge Männer) sehr gut verstehen, sich eher gegenseitig bereichert haben durch den Austausch über ihren Glauben. das waren als Kinder die alltäglichen Dinge wie Geburtstag und Weihnachten feiern (ist bei den Mennoniten nicht erlaubt,) Aber einen Tag später ein Geschenk (übergeben war in der Familie o.k.

Groß feiern und auf Rummel/Disko gehen ist nicht erlaubt, weil man sich nicht selber feiern soll, sondern nur Gott preisen. Z. B. pokern ist nicht erlaubt weil's Glücksspiel ist.
Was imemr etwas komisch war, wir alle aber gleich akzeptierten, der Freund meiens Sohnes dirfte bei Geburtstagen nie bei meinem Sohn übernahcten,der wurde dann nach der Feier oft (späz)abends abgeholt.
Meine Tochter hat einige Zeit mit einem Mädchen von den "Zeugen Jehova" gespielt und das Mädel hat ihren Geburtstag immer einige Monate später als Sommerparty quasi "nachgefeiert"

Bei beiden Familien/Kindern ist mir nicht aufgefallen, dass die versuchten zu missionieren. Die Jungs haben sich nur einfach sehr intensiv über ihren Glauben ausgetauscht. Das fing so im Teenageralter an. Die beiden verstehen sich einfach zu gut, als dass solche Glaubenssachen ihre Freundschaft beeinflusst; mein Sohn und ich gehen sogar fast jedes Jahr zu dem Weihnachtskonzert der Kirchengemeinde um seinen Freund und dessen Familie zu hören. (offiziell ist das ein musikalischer Verkündigungsabend und es wird zwischendurch viel gepredigt. Aber das ist meinem Sohn die Freundschaft wert, wir nehmen die Einladung zu dem Abend halt an, ohne uns missionieren zu lassen.

Also lass deiner Tochter die Freundschaft , und bleib ein wenig hellhörig, was das Missionieren angeht, aber gönn ihnen allen das Zusammensein!

(25) 03.12.16 - 14:17

Hallo bokatis,

ich bin selbst in einer Familie aufgewachsen, die zum Teil zu den Zeugen Jehovas gehörte. Zum Teil deshalb, weil mein Vater und meine beiden Schwestern zu den Zeugen gehörten bzw. gehören und meine Mutter bis 1973 auch dabei war, dann jedoch dort weggegangen ist. Mein Bruder ist Atheist und ich gehöre zu einer FeG Freien evangelischen Gemeinde.

Also, bunt gemischt, unsere Familie.

Bedingt durch diese Mischung gab es manches Dogma von den Zeugen bei uns zu Hause nicht so streng. Mein Vater und meine Schwestern haben kein Weihnachten und keine Geburtstage gefeiert, haben meiner Mutter, meinem Bruder und mir jedoch keine Vorschriften gemacht. Es war für meine Eltern irgendwie schon eine besondere Situation, aber sie haben diesen "Spagat" hinbekommen.

Meine Erfahrung und Beobachtung aus diesen mittlerweile 48 Jahren Leben mit Zeugen Jehovas ist, dass die Z.J. sich in Bezug auf "Nicht-Gläubige" sehr stark verändert haben. Ich hatte früher den Eindruck, dass Z.J. Gespräche über den Glauben immer und überall gesucht haben und dass das damals auch so ihre "Pflicht" war. Heute erlebe ich die Z.J. eher als zurückhaltend. Also, wenn jemand sagt, dass er kein Gespräch in Richtung Glauben wünscht, dann wird das akzeptiert und zwar sehr höflich und ohne einen Kommentar dazu zu geben.

Sehr interessant war für mich zu erleben, wie Z.J. reagierten, als mein Vater im hohen Alter von 82 Jahren sich von den Z.J. gelöst hat und dort weggegangen ist. Meine Eltern wurden von zwei Z.J. zu Hause besucht. Mein Vater war an dem Tag gar nicht zu Hause, aber meine Mutter war da und ich war "zufällig" auch anwesend, weil ich einige Tage bei meinen Eltern zu Besuch war. Meine Mutter war sehr froh, dass ich da war, weil sie nicht wusste, wie sie am besten reagieren sollte. Ich habe es deshalb dann übernommen, den beiden Z.J. zu sagen, dass mein Vater diese Entscheidung ganz bewusst getroffen und dass er sich meiner Glaubensrichtung angeschlossen hat.

Ich war auf alles gefasst, nur nicht auf die Reaktion, die dann kam: Es kam überhaupt kein Versuch, die Entscheidung meines Vaters zu kritisieren oder anderweitig negativ zu kommentieren. Die beiden Z.J. akzeptierten die Entscheidung.

Wir haben an diesem Nachmittag dann noch eine ganze Weile mit ihnen zusammengesessen, haben uns unterhalten und miteinander Kaffee getrunken. Über den Glauben wurde nicht mehr gesprochen. Als sie sich von uns verabschiedeten, haben wir sogar noch die Adressen und Telefonnummern miteinander ausgetauscht. Das war im Herbst 2008. Ich bin seit diesem Tag persönlich nach wie vor mit ihnen in Kontakt. Ich habe es jedoch in diesen nun mehr 8 Jahren nie erlebt, dass die beiden Z.J. versucht hätten, meine Familie und mich zu "missionieren".

Selbst der Umgang mit den anderen Z.J. in unserer Verwandtschaft war nie irgendwie belastet. Alle haben die Entscheidung meines Vaters akzeptiert. Das hat mich zugegeben wirklich damals sehr überrascht.

Also: Ihr könnt ganz normal mit dieser Familie der Zeugen Jehovas umgehen. Ihr braucht nichts zu befürchten. Und wenn mal so ein Versuch von ihnen unternommen werden sollte, mit Euch über den Glauben ins Gespräch zu kommen, dann ist das nicht von vornherein schlecht. Jeder Mensch spricht gern über das, was ihm wichtig ist. Ihr könnt ihnen jedoch ganz einfach sagen, dass ihr Euren Glauben habt und kein Gespräch wünscht. Ihr braucht dabei Euren Glauben gar nicht zu rechtfertigen. Gebt einfach nur diese Info und fertig. Nix weiter. Und wenn jemand gar keiner Kirche angehört, dann kann er auch einfach sagen, dass er kein Gespräch dazu wünscht. Sachlich und freundlich - und es wird akzeptiert werden :-)

Alles Gute und liebe Grüße
Daniela "briefe68"

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