10jähriger - Ich hab so ne Wut im Bauch!

    • (1) 20.12.16 - 11:26

      Hallo

      Mein Sohn ist ein bisschen speziell. Sehr zurückgezogen. Gibt von sich nichts preis und ist kaum fähig sich in eine soziale Gruppe zu integrieren - Autismus ist ausgeschlossen.

      Es gibt ein Thema, was mich rasend macht: Er stiehlt, oder umgeht vorsätzlich Regeln - ich bestrafe ihn. Er tut dann immer so, als seien wir nun die Bösen, als seien wir ungerechte Eltern, die ihm nichts geben (er kriegt dann eben Fernsehverbot, oder Tabletverbot) und dem 6 Jahre jüngeren Bruder viel mehr durchgehen lassen, als ihm (ja klar - er ist 4!!! #klatsch)

      Er weiß ganz genau, was er zu Weihnachten bekommt (Überraschen kann man ihn nicht. Er mäkelt dann so an den Geschenken herum, dass er einem das ganze Fest verdirbt), aber wir sind schlechte Eltern :-[

      Heute morgen habe ich ihn dabei erwischt, wie er ein ausgedientes Handy von mir gestohlen hat. Er hatte es bereits am Sonntagmorgen zu sich geholt. Wir hatten Geräusche mitbekommen und ihn gefragt, was er gemacht habe, da hatte er uns gesagt, er habe nur was trinken wollen. Aber er hatte eine ganze Weile in der Stube rumgekramt... Jetzt weiß ich wieso.
      Außerdem hatte er ausgediente Bahn-Cards von mir in seinem Ranzen (mit meinen Daten und meinem Foto drauf!!) Ich habe ihn zur Rede gestellt und ihm angekündigt, dass er wegen seiner Lügen bestraft wird. Außerdem hat er das ausdrückliche Verbot von uns diese Karten mit sich rumzutragen. Ich hab sie jetzt weggeworfen - bescheuert von mir, sie ihm zum Spielen zu überlassen.
      Anstatt irgendein Anzeichen von Reuhe zu zeigen wurde er auch noch bockig und meinte, mich schneiden zu müssen! Da ist mir die Hutschnur geplatzt und ich habe ihn angeschrien - auch ein paar Sachen gesagt, die mir jetzt leid tun, aber wenn er sich so verhält, trifft das in mir einen Nerv.
      Da sehe ich komplett rot und ich zittere jetzt noch vor Wut (der Vorfall war 6:30), wenn ich an seine falsche Reaktion denke. Ich weiß auch nciht, wie ich ihn bestrafen soll - Weihnachten ausfallen lassen geht ja nicht. Das macht mein Mann nciht mit.

      Bei Weihnachten spielt mit rein, dass er sich die gesamte Adventszeit geweigert hat, auch nur ein BISSCHEN was für jemanden von uns, oder wenigstens für die Großeltern zu Weihnachten zu machen. Keine Karte, kein Bild, NICHTS!! Ich finde, dass er mit 10 schon so weit sein müsste, dass er auch was dazu beitragen kann. Und ich habe ja nicht wunder was von ihm verlangt. auch seiner Oma, bei der er den Großteil seiner Sommerferien verbringt, hat er nichts gemacht (sie hat am 23.12. Geburtstag)
      Mein Mann findet das in Ordnung, aber ich finde sein verhalten zutiefst asozial.

      Mich verletzt auch, dass er Regeln nur dann umsetzt, wenn sie von uns überwacht werden.
      Beispiel: Sitzen im Bus. Ich fahre nur sporadisch in seinem Schulbus mit. IMMER muss ich ihn ermahnen, dass er sich nicht mit Ranzen auf den Rücken hinzusetzen hat - er sitzt immer in der ersten Reihe und mit ner viertel Pobacke auf dem Sitz, weil die Sitze in der ersten Reihe extra schmal sind (ist nur ein 12-Sitzer).
      Er soll den Ranzen auf den Schoß nehmen.

      Ich könnte bei sowas im Dreieck springen, weil kein Rankommen ist. Ich komme da einfach nicht vorwärts. :-( Ich weiß auch, dass mich meine Wut nicht weiter bringt und dass Runterputzen kein vernünftiger Umgang ist, aber mich macht sein Verhalten rasend. Er bekommt dann auch imemr so einen kalten Blick drauf, wenn er wegen eines Vergehens ausgeschimpft wird - da weiß ich dann, dass nichts mehr in seinen Kopf reingeht und in solchen Momenten lasse ich mich dann zum Anschreien hinreißen. Es ist immer das selbe und ich will das nicht :-(
      Ich wüsste mal gern, wie ich

      a) mich in dem Moment in den Griff kriege
      und b) mit ihm umgehen muss, wenn er diesen widerlichen kalten Blick drauf hat.

      • Nebenbei: der Umgang mit meinem kleinen Sohn ist völlig normal und harmonisch.

        hallo Faltblatt,

        hast Du sein verhalten mal in der Schule angesprochen? Oder mal mit einem Arzt?
        Ich kann Deinen Frust verstehen, aber Dein Sohn tut mir irgendwie leid, ich weiß nicht, wieso, aber ich glaube er braucht Hilfe, war er schon immer spezieller oder eher in den letzten Jahren bzw. seit der Geburt des Jüngeren?

        VG

        • Er war schon immer speziell.
          Wir sind auch schon seit 6 Jahren durchgängig in Behandlung.
          Momentan besucht er eine neue Schule. Von seiner ersten Schule wurde er aussortiert und in eine Förderschule für Erziehungshilfe gesteckt. Seit 6 Wochen ist er auf der neuen Schule. Er hat sich dort immer noch in keiner Weise integriert. Er kennt keine Namen von seinen Mitschülern, er hat keine Freunde, spricht von nichts aus der Schule - auch nicht wenn ich auf x verschiedene Art und Weisen frage. Ich denke, er spürt nicht mal, dass da was nicht stimmt.
          Er nimmt sehr vieles aus seinem Umfeld nciht wahr, deswegen ist es so schwer, ihm die Regeln klar zu machen und ihn für Regelverstöße zu bestrafen.

          In der Tagesgruppe ist es auch so, dass er lieber stundenlang irgendwo allein rumsitzt, statt sich mit anderen, oder mit einem Kreativangebot zu beschäftigen. Momentan ist es wirklich schlimm - er wird Probleme mit der neuen Situation haben... Aber es gibt absolut kein Rankommen.
          Ich gehe mit ihm klettern - dort stellt er sich auch mal herausfordernden Situationen. Aber man merkt, dass es ihm nicht gut geht.

          Ich mach mir viele Gedanken um ihn und ich würde mich so gern RICHTIG um ihn kümmern, aber ich weiß nciht wie. Ich arbeite ja selbst mit schwierigen Jugendlichen und Erwachsenen zusammen - da bekomme ich zu fast jedem Kontakt und ich bin auch bekannt dafür, dass ich eskalierende Situationen schnell in den Griff bekomme, aber an mein eigenes Kind komme ich partout nicht ran! :-[
          Mit ihm habe ich eben auf einer ganz anderen Ebene Kontakt. Wenn mich irgendein Jugendlicher oder Erwachsener beschimpft, dann trifft mich das nicht weiter.
          Aber wenn mich mein Sohn verletzt, dann macht mich das fuchsteufelswild.

          • (5) 20.12.16 - 16:00

            Liebe faltblatt,

            Ich verstehe dich!
            Auch wenn die hier aufgezählten Beispiele etwas unglücklich gewählt scheinen, weil sie, glaube ich, nicht das rüberbringen können, worum es dir wirklich geht.

            Du willst einfach nur Nähe zu deinem Kind, oder?
            Fühlst dich permanent von ihm abgewiesen.
            Du willst mit ihm Momente teilen, über Anekdoten lachen, basteln, blödeln, seinen Kummer lindern, ihn aufbauen, wenn es ihm schlecht geht, das Gefühl haben, dass du als Mutter diejenige bist, die ihn am besten stärken kann und der er sich, als erstes mitteilt.

            Ich habe beim Lesen deines Threads den Eindruck einer stark liebenden Mutter , die kurz davor steht aufzugeben, die den unguten Gefühlen in ihr,

            ihrem Sohn gegenüber, droht nachzugeben!

            Dein Sohn wird wohl nicht neurotypisch sein, was auch immer er hat, es ist weder deine noch seine Schuld!!!!
            Ich kann dir aus der Ferne und ohne dich oder eure Situation wirklich zu kennen, keine hilfreichen Tips geben.
            Außerdem bin ich selber als Mutter häufig so hilflos, manchmal auch verzweifelt , wütend auf meine Kinder. Manchmal auch einfach nur, weil sie meine Erwartungen nicht erfüllen, weil sie sich mir gegenüber nicht so verhalten, wie ich es gerne hätte.
            Du bist in einer außerordentlich schwierigen Lage mit deinem Kind.
            Und du darfst wütend sein, allerdings eher auf das Schicksal/die Umstände, nicht auf dein Kind.
            Bzw., natürlich darfst du in konkreten Situationen wütend auf ihn sein, aber nur auf sein Verhalten, nicht auf ihn als Sohn, der anders ist, als du ihn gerne hättest .

            Seid ihr in familientherapeutischer Behandlung?

            • Sehr gut geschrieben #pro
              Ich habe zwar nicht die Probleme wie die TE, aber ich habe mich in deinen Zeilen wiedergefunden.
              Vielen Dank dafür.
              Liebe Grüße,
              Sammy #winke

              @TE, ich kann dir leider nicht helfen, möchte dir aber einen Gruß dalassen und dir alles Gute wünschen.
              Liebe Grüße
              Sammy #winke

          Hi,

          ich weiß, wie 10jährige sein können. Ich weiß, man sollte und muss ruhig bleiben.

          Ich möchte dich nicht verletzen, statt dir so viele Gedanken zu machen - schalt den Kopf mal aus und lass das Gefühl walten und nimm ihn in den Arm. Ich höre sehr viele Vorwürfe, er soll/muss Geschenke machen....., er sitzt nicht ordentlich im Zug/Bus....., er stiehlt einfach...., er hat keine Freunde....., er ist speziell.....- mein kleiner Sohn ist normal....
          und wenn du das hier schreibst, dann wird das bestimmt in Streitereien auch kommen.

          Was bitte ist speziell bei einem 10jährigen ? Ich denke so beim Lesen....hier schreit eine kleine Seele nach Hilfe....ohne dich verletzen zu wollen und vielleicht ist es auch so, dass ausgerechnet du ihm nicht helfen kannst und dann wirst du doch als Profi bestimmt wissen, wer richtige Hilfe bieten kann.

          Alles Gute Euch!

    ...schwer zu sagen, nicht? Wenn du Autismus abgeklärt hast, sind ja wohl alle ähnlichen Krankheitsbilder mitgeprüft worden.

    Deinem Mann gebe ich Recht: Weihnachten fällt nicht wegen eines Kindes aus. Ihr seid eine ganze Familie. Und ihn so ausschliessen und ohne ihn feiern geht gar nicht.

    Dir gebe ich Recht: Schon ab 3, 4 Jahren können Kinder Freude am Schenken haben und jemandem bewusst eine Freude machen wollen. Meine Kids machen seit dem Alter Mini-Geschenke. Ich leite sie aber auch an. Extra kleines Zeug, damit ihnen nicht langweilig wird. Und klar muss ich alles besorgen - sie "basteln" dann nur. Was mit 10 locker drin liegt (wenn du das Material stellst) Holz-Wäscheklammern Untersetzter, Kerzenziehen (geht schnell:)), Stücke auf einem Musikinstrument vortragen, Armbändchen knüpfen, Holzschachteln oder Holzschneidebrettchen mit Brennstab verzieren...

    Ich finde man kann mit 10 schon sagen: Wenn du nichts schenken magst, sage ich den Angehörigen, dass du bitte auch nichts bekommst. Es ist ein Geben und Nehmen. Das ist ein Teil einer Kultur, einer gemeinschaftlichen Handlung. Er ist zehn - er muss auch langsam lernen, wie die Regeln laufen. Er hat noch 4 Tage... Da liegen Frühstücksbrettchen mit Brennstab stempeln oder verzieren immer noch drin...

    Was das Lügen und die Heimlichkeiten angeht - Frag ihn doch mal, warum er das macht. Kontrollierst du ihn ständig? Du musst eigentlich gar nicht Schulbus fahren - du musst ihn da nicht vor anderen korrigieren oder ermahnen... Ist er immer unter Kontrolle? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kids an der "langen Leine" oft kleine Geheimnisse haben können - und daher im grossen das Lügen nicht "ausprobieren" müssen. Das ist aber rein in die Luft geschossen.

    Frag ihn konkret, warum er Karten mit deinen Bildern mit sich trägt. Eigentlich ist das ja ziemlich süss - vielleicht hat das einen Grund. Vielleicht kannst du auf einer anderen Ebene mit ihn reden und abgesehen von seinen echt gruseligen, distanzierten Seiten seine tollen Seiten besser erkennen. Dadurch würdet ihr einen anderen Zugang zueinander bekommen. denn wenn ein Kind mal die Rolle des "schwarzen Schafes" hat, kann man das kaum mehr anders sehen.
    Es kann auch sein, dass du beim "schimpfen" oder "rot sehen" unfair oder zu heftig wirst. Dem Anlass nicht mehr angemessen. So ganz Unsinn ist das nicht, wenn du immer noch ne Wut im Bauch hast... :-) Und wenn er sich dann so stark blosgestellt oder kleingemacht fühlt, dann reagiert er, indem er sich ganz verschliesst, diesen "blanken" Blick bekommt um nicht zu sehr verletzt zu werden.

    Versuch beim Korrigieren oder Tadeln seine Würde ganz primär im Auge zu haben. Ihn nicht als Person fertig zu machen oder DEINE Wut und Entteuschung hervorzukehren, sondern seine Fehler (nicht seine Person) abzulehnen.

    Viel Glück

(10) 20.12.16 - 11:54

Meiner Meinung nach reagierst Du total über - zumindest bei den Dingen, die Du hier beschrieben hast. Sollte es allerdings passieren, dass er mit 10 Jahren öfter klaut, dann nicht.

Aber was die hier beschriebenen Dinge angeht, sehe ich ehrlich gesagt kein Problem.

Gruß, Andrea

P. S. Geschenke sollten von Herzen kommt. Wenn ich wüsste, dass ein Kind dazu "gezwungen" wird, mir etwas zu schenken, möchte ich es lieber kein Geschenk.

  • (11) 20.12.16 - 11:59

    Ich möchte Dir nicht zu nahe treten, aber wenn das hier wirklich alles ist, glaube ich eher, dass das Problem bei Dir liegt. Versuch mal in Dich reinzuhorchen, wieso Du so eine Wut im Bauch wegen - in meinen Augen - Lapalien hast.

    Andrea

(12) 20.12.16 - 11:54

Hallo #blume

wendet Euch an einen Arzt/Kinderpsychologen/Kinderpsychiater.

Das richtig große Problem sehe ich bei Euch im Stehlen. Keine Ahnung, was man da machen kann und ich bin ehrlich gesagt sehr froh, dass das bei uns kein Thema ist.

Wie sehen denn seine Schulnoten aus? Wenn die wenigstens gut sind, gratuliere ich Euch zu einer Baustelle weniger.

Das mit dem Ranzen wäre mir völlig egal. Das mit den Geschenken an Weihnachten auch. Wenn er schenken will, soll er schenke, wenn nicht, soll er es lassen.

Ich finde, Du müßtest da schon ein wenig ruhiger und gelassener werden und reagieren, finde ich. Wenn ich jedes mal aus der Haut fahren würde, wenn bei uns was zuhause nicht rund läuft (und glaube mir, wir haben auch viel Spaß daheim), wäre ich schon am Boden mit allem incl. Magengeschwüren. Probier´s mal mit Entspannungsmethoden oder frag auch mal Deinen Arzt, was er Dir empfiehlt. Was sagt Dein Mann? Er reagiert ja scheinbar nicht so.

#liebdrueck
Sanne #sonne

(13) 20.12.16 - 12:04

Hallo,

Puh wo fange ich an
Autismus wurde vom Spezialisten ausgeschlossen? Oder vom Kinderarzt?

Das mit dem Handy geht nicht. Aber deine Erwartungshaltung wie er zu reagieren hat, wenn er erwischt wird, geht auch nicht. Du nimmst seinen Rückzug persönlich. Ein Rückzug ist die Gelegenheit in Ruhe über Fehler nach zu denken.

Zum sitzen im Bus, ich bin erwachsen und mache das Gleiche wie dein Sohn. Bei kurzen Strecken bleibt der Rucksack auf dem Rücken. Mit einer halben Pobacke ist es immer noch sicherer als im Bus zu stehen und auch das kommt vor. Na und?

Er ist 10 selbstverständlich wird er ungerecht behandelt, welcher 10jähriger denkt das nicht , wenn er etwas machen soll oder ausgemeckert wird.

Gruß Sol

  • Ja. Ich nehme das persönlich.
    Das nervt mich auch, weil ich in solchen Situationen alles einreiße, was ich vorher mühselig mit ihm aufgebaut habe.
    Wie gesagt - ich weiß mir keinen Rat, wie ich damit umgehen soll. Ich guck mir in solchen Momenten regelrecht zu und denke "wie bescheuert bist du eigentlich!"

    Über deinen letzten Satz musste ich schmunzeln. ALLE 10jährigen werden schlecht behandelt - ich denke da nur an meine Kindheit. meine Geschwister bekamen viel mehr als ich (Ich war das mit Abstand jüngste Kind)...
    Aber was mache ich damit?

    • Ihn ausmeckern lassen und dabei innerlich die Augenrollen. Und danach muss er als Beispiel trotzdem den Müll rausbringen.

      In einen wirklich ruhigen Moment solltet ihr mit einander reden. Welche Freiheiten er sich wünscht und welche sein kleiner Bruder nicht hat.
      Und welche Erwartungen du an ihn hast.

      Du solltest ihm in einem anderen Gespräch erklären wie der Rückzug bei dir ankommt. Und ihn fragen wie deine Reaktion bei ihn ankommt.
      Dieses Gespräch kann ruhig damit enden, dass du erst einmal darüber nachdenken musst. Was du ihn dann auch sagen solltest.

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