Brauche Meinungen Lehrer/Jugendamtmitarbeiter hier ? *Achtung länger*

    • (1) 16.02.17 - 08:13

      Guten Morgen,

      ich bräuchte mal einen Rat oder einen Tipp. Vielleicht hat hier ja schonmal jemand ähnliches erlebt.

      Meine Tochter ist in der 8. Klasse eines Gymnasiums. In dieser Klasse ist ein Mädchen, dass sich von allem und von jedem gemobbt fühlt - obwohl keiner was tut. (Ich weiß, es behaupten immer alle, niemanden gemobbt zu haben. In dem Fall ist es aber wirklichs so.)

      Es reicht z.B. schon, wenn das Mädchen von einer Lehrerin in der Stunde rangenommen wird. Wenn es dann so leise antwortet, dass die Lehrerin sie nicht versteht und nochmals nachfragt, was denn die Antwort war, ist das meist schon zu viel und sie rennt heulend raus aus den Flur und behauptet dann, die Lehrerin würde sie mobben. Dieses Procedere macht sie aber bei jedem Lehrer - also im Prinzip fühlt sie sich von jedem Lehrer gemobbt.

      Und das gleiche Spiel auch bei den Schülern. Gestern ist die Sache mal wieder eskaliert. Die Klasse hatte Sportunterricht. Bockspringen war an der Reihe. Besagtes Mädchen lief wohl jammernd durch die Turnhalle, dass sie das nicht könne - bekam sie kaum nochmal ein. Sie könne sich einfach nicht überwinden über diesen Bock zu springen. Der Lehrer hatte ihn dann extra noch etwas tiefer gemacht. Irgendwann konnte das ein anderes Mädchen nicht mehr mit ansehen -sie ist sehr aktiv im Turnverein- und hat ihr Tipps geben wollen, wie das am besten anstellt usw. Darauf hin, ist das arme gemobbte Mädchen wieder in Tränen ausgebrochen, rausgerannt und fühlte sich so schlecht, weil ja jetzt alle denken würden, dass sie nicht über den Bock springen könnte. Zumal sie das ja vorher selbst äußerst dramatisch jedem mitgeteilt hat.

      Dies sind jetzt nur zwei Beispiele. Also im Prinzip tut dem Kind wirklich niemand etwas. Selbst wenn man sie gar nicht beachtet, fühlt sie sich dann gemobbt.

      Auf alle Fälle, ging mich die ganze Sache ja mehr oder weniger gar nichts an, wenn meine Tochter nicht Mutter Teresa in Person wäre. Bereits in der 6. Klasse war sie diesem Mädchen sozusagen als persönlicher Betreuer zugewiesen. D.h. immer wenn dieses Mädchen mit Heulkrampf die Klasse verlassen hatte, musste meine Tochter mit. Sie mußte auch mit, wenn das Mädchen zur Streit-Schlichtungs-Kommission musste, mit zum Schulsozialarbeiter und überhaupt. Für uns hat das jetzt bedeutet, dass meine Tochter in der 6. Klasse mehr im Schulhaus unterwegs war, als dass sie den Unterricht besucht hätte. Ende der 6. Klasse habe ich dann dem Klassenlehrer eine Mail geschrieben, dass ich ich ja durchaus Verständnis für das Kind hätte aber es ja nicht sein kann, dass es auf Kosten meiner Tochter geht.

      In der 7. Klasse wurde dann ein anderes Mädchen dafür ausgewählt. Am Anfang der 8. Klasse haben sich dann alle geweigert als persönlicher Betreuer für das Kind zu arbeiten. Nun war wieder gestern besagter Vorfall in der Turnhalle und Kinder und Lehrer waren sich einig, dass im Prinzip nur meine Tochter eine bestimmt Fähigkeit/Gabe hat, so mit dem Mädchen zu reden, dass sie einigermaßen in der Spur läuft.

      Nach Schulschluß meinte dann meine Tochter, dass sie das nervlich nicht mehr packt. Sie möchte eigentlich einfach nur in die Schule gehen und nicht noch nebenher als Psychologe arbeiten. Sie bat mich das Jugendamt anzurufen, damit dem Mädchen endlich geholfen wird. Sie hätte schon selbst mit den Lehrern gesprochen und denen gesagt, dass sie auf den Psycho-Nebenjob in der Schule keine Lust mehr hätte. Verschiedene Lehrer meinten darauf hin, dass es bereits vergebliche Gespräche mit den Eltern des Mädchens gegeben hätten, die jedoch keinen Handlungsbedarf sehen.

      Nun meine Frage: Kann ich so einfach das Jugendamt anrufen ? Ich meine, ich selbst bekomme die Stories ja auch nur erzählt und bin selbst nie dabei. Wäre es nicht eigentlich der Job der Schule hier energischer einzugreifen ? Und wie kann ich nun noch meine Tochter schützen, dass sie nicht als Seelenklemptner mißbraucht wird ?

      Mein Mann meinte gestern, ich solle mich ganz raushalten und unserer Tochter nur die Nummer des Jugendamtes in den Hand drücken. Sie solle dort selbst anrufen und aus erster Hand erzählen und denen auch mitteilen, dass so langsam aber sicher ihr eigenes Seelenheil bedroht ist.

      Was sagt Ihr dazu - was würdet Ihr tun, bzw. was habt Ihr in einer solchen Situation getan ?

      LG
      Tiffy

      Ach ja, es ist in der Tat Aufgabe der Schule sich darin zu kümmern bzw. dem betroffenen Mädchen Abgebote zu machen, wie und wo es Möglichkeiten zum offenen Gespräch hat. Es ist definitiv nicht Aufgabe eurer Tochter. Lg

      Hallo,

      ich würde mich als Eltern auch zu allererst noch einmal nachdrücklich mit dem Klassenlehrer in Verbindung setzen. Wenn von ihm keine Hilfe kommt, an den Rektor und die Schulsozialarbeit wenden, die auch ich für einen sehr guten Ansprechpartner halte.
      Deine Tochter könnte beim Kinderschutzbund anrufen, dort gibt es Telefonsprechzeiten für Kinder/Jugendliche (und auch für Eltern). Ich könnte mir vorstellen, dass sie dort gute Tipps bekommt. Zwar beraten die eher die Opferseite, aber gerade darum sollten die sich damit gut auskennen.

      Viel Erfolg, dass deine Tochter ihren Schulalltag bald wieder entspannt erleben kann

      LG Sabine

    • Ich kann Deine Tochter sehr gut verstehen und finde es auch überhaupt nicht angemessen, sie in dieser Form einzuspannen. Dass Kinder davon profitieren, wenn sie schwächere unterstützen und davon viel lernen können ist sicher richtig, aber das muss schon in einem gewissen Rahmen bleiben, finde ich.

      Ansonsten war sie ja schon selbst aktiv und hat versucht, das Gespräch mit den Lehrern zu suchen. Finde ich super und richtig. Wenn das nicht fruchtet, würde ich mich an dieser Stelle einschalten. Sprich mit der Klassenlehrerin, der Schulleiterin, in dieser Reihenfolge - irgendeiner muss Euch doch da unterstützen und so für das Problem sensibilisiert werden, dass sowohl Deiner Tochter und der gesamten Klasse, als auch vor allem dem Mädchen nachhaltig geholfen wird, das offensichtlich ein großes Problem hat.

      Hallo!

      Nun kann ich verstehen, dass Deine Tochter keinen Bock auf Psycho-Nebenjob hat.
      Im Prinzip sollte es vollkommen ausreichend sein, dass Du einen Termin mit Klassenlehrer machst und das genauso drastisch ausdrückst, dass Deine Tochter in keinem Fall nie und nimmer die Klasse während des Unterrichts mit / wegen dem Mädchen verlassen wird und auch die Gestaltung der Pausen allein Deiner Tochter obliegt. Über derart Regelungen sollte dann die KL die anderen Fachlehrer informieren.

      Ich glaube nicht dass das JA irgendeinem "hilft" und helfen kann gegen seinen Willen. Wenn die Familie incl. Kind meint es wäre alles "in Butter" dann ist das so. Da kann "die Schule" höchstens dahingehend wirken, dieses Bild etwas zu erden, aber wenn jegliche Einsicht fehlt, kann KEINER etwas machen.

      LG, I.

      (9) 16.02.17 - 08:58

      Ich schätze den Anruf beim Jugendamt könnt ihr euch sparen. Die werden da nichts machen. Können sie auch gar nicht.

      Dein Tochter muss lernen sich zu distanzieren. Niemand kann sie dazu zwingen die Psychologin zu spielen. Sie ist bestimmt nicht die einzige, die mit dem Mädchen reden kann, sie muss dieses Mädchen auch nicht retten und hat ihm gegenüber auch keinerlei Verantwortung oder Verpflichtung. Sie muss aber auch Abstand halten und darf sich da nicht zu sehr involvieren.
      Klar, für so eine kleine Mutter Theresa ist das schwer. Man will der Mitschülerin helfen, fühlt sich ja auch geehrt (zumindest am Anfang) und kommt dann irgendwann nicht mehr aus der Sache raus. Aber dabei kannst du ihr ja helfen und sie darin bestärken, dass sie das richtige tut.

      Die Schule nebst Sozialarbeiter weiß bescheid, die Eltern auch, mehr könnt und müsst ihr nicht tun.

      H!

      Was ist mit den Eltern des Mädchens?
      Habe ich das überlesen?

      Lg Sportskanone

      • Hallo,

        naja, wie soll ich das jetzt political correct ausdrücken ?

        Ich habe die Mutter vielleicht dreimal und den Vater einmal auf einem Elternabend gesehen.

        Im Prinzip ist dann jeder froh, wenn von denen beiden keiner was sagt, denn wenn die den Mund mal aufmachen, kommt nicht wirklich was Sinnvolles raus.

        Auch hier hatte ich schon ein spanndes Erlebnis. In der Schule war ein großes Konzert geplant. Es waren natürlich alle Eltern da. Nur die Eltern von besagtem Mädchen nicht. Das Kind hatte aber was zu Hause vergessen, was für die Bühnendeko notwendig war. Also habe ich sie schnell nach Hause gefahren, damit sie das Teil holen konnte. Im Auto sagte sie mir, Ihre Eltern könnten beide nicht kommen, weil sie halt arbeiten müssten - o.k. ist ja ein logischer Grund.

        Als wir dann bei dem Mädchen zu Hause waren, hab ich dann die Mutter schwer arbeitend im Bikini im Garten liegen gesehen :-)

        Ich glaub, damit ist ja alles gesagt oder ?

        LG
        Tiffy

    (13) 16.02.17 - 09:09

    Hallo,

    hier hätte schon längst die Schule, bzw. die Eltern des Kindes reagieren müssen. Mach ein Schreiben an den Lehrer, daß Du ausdrücklich verbietest, daß Deine Tochter derartige "Tätigkeiten" für dieses Kind übernimmt.

    LG

    Mir kommt es eher so vor, da die Schule an deren Eltern scheidern und keine Kooperation erlangen, die Schule das Problem und Verantwortung an deine Tochter abwälzen. Es spricht nichts dagegen, das man mit gleichaltrigen Schüler versucht an ihr heranzukommen, aber wenn es aussichtslos ist, sollte man es Schüler nicht weiter zumuten.
    Wenn ein Mädchen sich so in einer Opferrolle verhält, läuft zu Hause sehr viel schief, was die Reaktion ihrer Eltern auch bekräftigen lässt.

    Nach meiner Meinung, müsste die Schule, die Eltern nochmal kontaktieren und wenn da wieder nichts dabei rum kommt, sie darauf hinweisen, dass von der Schule aus, eine professionelle Beratungsstelle dazugezogen werden muss.
    Deiner Tochter würde ich raten, den Lehrer nochmal klarzumachen, das sie dafür nicht mehr zur Verfügung stehen kann. Zum Wohle deiner Tochter und damit die Schule, das Problem selbst wieder in die Hand nehmen muss und mal selbst eine endgültige Lösung ( ohne Mitschüler) in Betracht sieht.

    Wenn ihre Eltern kein Handlungsbedarf sehen und ein so großes Verhaltensproblem ignorien, , das ihr Mädchen durch ihre Heulanfälle , Flucht aus dem Unterricht und teilweise durch überfordeter Unterrichtsverweigerung stets den Unterricht stört oder unterbricht, kann die Schule nur zwei Wege gehen, das Kind mit Anhäufung von Verweisen, von der Schule zu verweisen (was dem Kind aber nicht hilft)oder zuständigen Stellen einschalten.

    (15) 16.02.17 - 11:11

    Hallo,

    Ich würde das Jugendamt und das Schulamt anrufen. Die Schule macht es sich einfach, deine Tochter hat die Gabe mit dem Mädchen zu reden und deren Eltern machen nichts.

    Deine Tochter wird als Psychologe missbraucht.

    Das andere Mädchen hat Anspruch auf Hilfe nach § 13 SGB VIII.
    https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_8/__13.html

    Du hast Anspruch auf Beratung beim Jugendamt wie du deiner Tochter bei der Abgrenzung unterstützen kannst. Und dabei kommen auch alle Fakten auf den Tisch.

    Gruß Sol

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