Erfahrung Waldorfschule

    • (1) 24.03.17 - 15:35

      Hallo zusammen,
      Ich wollte mal fragen ob jemand Erfahrungen zur Waldorfschule hat. Ich hätte die Möglichkeit, meine Tochter (7j.) dort anzumelden. Von ihrer Art und ihrem Wesen her, passt sie 100% in das Konzept der Waldorf Pädagogik. Bisher ist sie in Kiga und der Schule (1.Klasse) immer nur mit ihren Ideen und ihrem Temperament angeeckt. Wir haben anstrengende Jahre hinter uns........
      Meine Sorge ist jetzt nur, sie hat Angst ihre Freunde zu verlieren, auf der "neuen Schule". Sie will nur dahin wo ihre Freunde sind. Das kann ich natürlich auch sehr Gut verstehen. Ich weiß nicht ob ich ihr mit dem "Wechsel", letztendlich wirklich einen "gefallen" tue. Hat jemand Erfahrungen mit der Entscheidung und dem Schulsystem?
      lg

      • habt ihr euch die Schule mal zusammen angeschaut?
        ich kenne ein paar Erwachsene, die dort waren. Allerdings innerhalb der Waldorfschulen-Gruppe in verschiedenen Schulen. Die Meinungen/Erfahrungen sind seeeehr unterschiedlich, weil jede Schule es anders macht.
        Zwei haben auch Abitur und danach studiert, andere tun sich heute noch schwer.

        Der Punkt mit den Freunden ist sehr wichtig, wenn es für's Kind wichtig ist.

        Manchmal ist es auch so, dass sich manche Kinder einen Wechsel gar nicht vorstellen können. Das ist was abstraktes.
        Bei meinem Kind hat es sehr geholfen sich vor der (regulären) Einschulung, die Schule näher anzuschauen. Vorschule war zum Glück in der richtigen Schule. Einfach auch um das Gebäude kennen zu lernen und parallel eigentlich noch im Kindergarten zu sein.

        Einfach von der Vorstellungskraft her.

        Wenn es wirklich Thema ist, würde ich mir gemeinsam mit ihr die Schule in Ruhe anschauen. Vielleicht vorher auch mal alleine, um mit Lehrern dort zu sprechen. Tag der offenen Tür oder so.

        Manchmal entscheiden Kinder auch aus dem Bauch heraus: hier gefällt es mir, hier will ich bleiben. oder "boah, zum Glück gehe ich hier nicht her".

        Freunde sind ein Teil ihrer sicheren Welt. Auch wenn sie Schwierigkeiten hat oder grade weil sie Schwierigkeiten hat, sind ihre Freunde es, die ihr Sicherheit geben. Eine neue Schule? Schutzlos Schule ausgeliefert sein und die Freunde nicht dabei? Das macht erst mal Angst.

        Wenn die Schule (nicht nur die Pädagogik an sich, sondern die Schule selbst) dich überzeugt, zeige deiner Tochter die neue mögliche Welt, ohne sie zu drängen.

        Hallo,

        ich modifiziere mal meine Antwort von kürzlich etwas. Vorab - wir haben kein Kind auf der Waldorfschule, aber einige gute Freunde, die diesen Weg gegangen sind (und nun teilweise wieder revidieren).

        VORTEILE

        a) Auch an einer Waldorfschule hast du - wie an (fast) jeder Privatschule eine Eliten-bildung, was (meistens) ein Vorteil für dein Kind ist. Es wird nur mit Kindern in einer Klasse sein, deren Eltern bereits sind, (viel) Geld für das Kind auszugeben, sich aktiv am Schulleben zu beteiligen und sich viele Gedanken über das Kind gemacht hat = es startet viel leichter ins Schulleben bzw. es hat ein anderes Schulleben. Der Typ Kinder, der an der Staatsschule praktisch "Sand im Getriebe" ist (lernt nichts, keine Hausaufgaben, frech, Eltern völlig desinteressiert) gibt es kaum/nicht.

        b) Viele Dinge sind schön - das ganzheitliche Vorgehen, die Landwirtschaft, der Ackerbau, die Musik, die Erhaltung der Kindheit und es täte der Regelschule gut, wenn es etwas mehr davon dort gäbe. Das Kind hat ein breites Angebot auch an nicht akademischen Dingen, kann sich ausprobieren, ...

        c) Dein Kind hat (erstmal) keinen Druck, wie er in Grundschulen oft (v.a. ab der dritten Klasse) aufgebaut ist, bekommt erstmal keine "schlimmen" Noten - die sind für ein Kind schlimm, v.a., wenn es sich angestrengt hat, aber doch "versagt" hat.

        d) Die Gebäude sind oft sehr ansprechend gestaltet (unsere Waldorfschule liegt in einer Blumenwiese völlig idyllisch am Waldrand), die Klassenzimmer sind schön, neu, renoviert (wenn ich an die Schultoilette unserer Kinder denke ... und wie viele Aktionen an der Schule stattfanden, bis diese renoviert werden konnte ...#zitter). An unserer Waldorfschule gibt es auch Nutztiere (Ziegen, Hühner, Bienen ...) und die Kinder müssen sich darum kümmern, verarbeiten z.B. die Ziegenmilch auch zu Käse und lernen viele "praktische" Dinge. Einen schönen Kräutergarten gibt es auch.

        e) Dein Kind hat erst mal unselektiv Zugang zu Dingen, die es auf der Staatsschule mit entsprechender Bildungsrichtung (Hauptschule) nicht hätte: Jeder lernt Französisch, jeder spielt ein klassisches Instrument, das Kind bekommt nicht diese Rückmeldungen mit 9 oder 10 ... "nee, DU bist zu doof für das Gymnasium!".

        f) Es wird sehr auf gesunde Ernährung etc. geachtet ... wenn ich dran denke, was es in der Mensa des hiesigen Schulzentrums als "Mittagessen" gibt ... Man versucht den Markenwahn etc. einzudämmen. Das finde ich alles sehr gut.

        g) Der Lehrer begleitet die Kinder als wichtige Bezugsperson die kompletten 14 Jahre. Wenn du einen guten Lehrer erwischt mit Sicherheit auch ein Plus ...

        h) Da du in ein Elternnetzwerk eingebunden bist, gibt es kein Moment "oh Gott, wenn ich das gewusst hätte" ... du weißt eigentlich immer alles. Manchmal auch zu viel. #schein

        Nun mein großes ABER. Ich muss einräumen, dass mein Erfahrungsschatz mit Waldorf wie vorher geschrieben auf sekundäre Erfahrungen begrenzt ist. Ich selbst bin ziemlich öko, von meiner Grundlebenseinstellung würden wir schon hinpassen (tun wir aber nicht). Also, hier meine Bedenken:

        a) Die beste Freundin meiner Tochter ist von der staatlichen Grundschule auf die Waldorfschule gewechselt - ganz ehrlich erschreckt es mich immer, welche Bildungskluft die beiden nun haben (beide jetzt 8. Klasse), und dies seit der dritten Klasse - obwohl sie bis Klasse 2 ja auf dem selben Bildungsstand waren. Das wäre mein Hauptargument dagegen. Das, was das Mädchen nun in der 7. und 8. Klasse macht, hat meine Tochter in der staatlichen Regelschule schon in Klasse 5. und 6. durchgenommen. Es wäre gar kein "Weg zurück ins staatliche System" (ohne extreme Einbußen) möglich. Zugegeben, meine Tochter lernt auf der Regelschule auch oft "Mist", der für die Arbeit gelernt und wieder vergessen wird ... Aber das ..?

        Die Freundin meiner Tochter war auch nach Ende Klasse 2 in der Regelschule auf Waldorf ein halbes Jahr total unterfordert - sie war einfach viel weiter, und dass, obwohl sie ein ganz normales Kind ist und sie hatte fast ein halbes Schuljahr in der Schule krankheitshalber verpasst. Es ist z.B. so, dass der Staatsschulbildungsplan vorsieht, dass Kinder am Ende der 2. Klasse auch unbekannte Texte flüssig lesen sollen. Die Waldorfschule sieht das Lesen im Schwerpunkt für Klasse 3 vor.

        b) Waldorf macht viele nette Dinge (Tonen, Gartenbau, Bienenstock, ...) keine Frage. Aber das Akademische kommt zu kurz. Wie soll ein Lehrer denn bei 35+ Kindern in der Klasse einen differenzierten Unterricht machen, wenn er jede Stunde nur alle 13 Jahre einmal hält und nicht mal ordentlche Lehrbücher hat, an die er sich halten kann? Wenn sein Arbeitstag nur 24 Stunden hat, dann geht das nicht. Ich bezweifle auch, dass man bei bis zu 40 Kindern in der Klasse den Überblick behalten kann, wer gerade was macht und jedes Kind individuell fördern.

        Bei uns war es eine Zeit auch sehr "en vogue" geistig behinderte Kinder in die Waldorfschule zu schicken ... ganz kann ich mir das nicht vorstellen: Du bist eine Lehrperson - du hast 30 Schüler mit der kompletten Bandbreite (Hauptschul - Gymnasialniveau) und zusätzlich noch geistig behinderte Kinder, die oft ja sehr viel Aufmerksamkeit fordern. Wie soll das gehen?

        c) Auch weiß ich nicht, ob man die Kinder wirklich noch jenseits der 1. Klasse an Feen etc. glauben lassen soll - das hat für mich immer so den Touch einer Parallelwelt. Die Kindheit heute ist sehr "entzaubert" und etwas Kindheit würde ihnen sicher guttun - aber das mit Feen, Zwergen, etc. finde ich persönlich seltsam und auch etwas unzeitgemäß. Vor allem, wenn die Kinder wirklich kritisch nachfragen wird suggeriert, dass es diese Parallelwelt wirklich gäbe.

        d) Medienerziehung sollte auch nicht so stattfinden, dass es keinen Fernsehkonsum oder Computer geben sollte - wie es bei Waldorfs häufig ist. Wir leben in einer visuellen Mediengesellschaft - da sollte doch eher der verantwortungsvolle Umgang gelehrt werden. Daher kommt auch in der Schule Powerpoint etc. nicht vor ... Handys werden zwar (zwangsläufig) toleriert, aber ...

        e) An unserer Waldorfschule gab es vor einigen Jahren ein riesiges Problem mit Keuchhusten - so viele Kinder waren nicht geimpft, dass es wirklich ein Problem war, dass sogar das Gesundheitsamt angesprungen ist - es wurden kleine Geschwister infiziiert und Großeltern, die keinen ausreichenden Immunschutz mehr hatten - die Waldorfschule hat das klein geredet, aber von der Schule ging wirklich z.B. für Kinder mit Immunsuppression eine Gefahr aus.

        f) Mir kommt es oft vor, dass Kinder dort bewusst "klein" und "kindlich" gehalten werden. Meine Tochter (ein ganz normales Kind!) konnte mit 5 Jahren lesen. Wir haben berufsbedingt oft mit dem angelsächsischen Raum zu tun und da ist es ganz normal, dass Kinder mit 4 in die Schule kommen und mit 5, aber spätestens 6 lesen können. Das zeigt sich auch an deutschen Grundschulen - viele Kinder können Lesen, Rechnen, bevor sie in die Schule kommen. Warum dieses "Kinder erst mit 7 einschulen" - da war mein 1.Kind in der 2. Klasse und hatte viel Spaß an der Schule.

        h) Vermischung von Dingen -mit teilweisen sehr abstrusen (und wissenschaftlich widerlegten Aussagen) mein eigenes erstes Kind hätte vermutlich bei Waldorf gar nicht eingeschult werden können, weil sie mit 5 (Stichtagesregelung, keine überehrgeizige Mama), als sie in die Regelschule kam, noch alle Milchzähne hatte - das wäre ja nach Waldorflogik das körperliche Zeichen gewesen, dass es nicht geht. Sie ist nun 13 und hat den langsamsten Zahnwechsel, den unser Zahnarzt je gesehen hat - nach Waldorfkriterien wäre sie heute noch immer nicht einschulungsfähig :D. Da werden körperliche und geistige Entwicklung zu stark vermischt.

        i) Die Elternmitarbeit - ich helfe wirklich gerne, aber wenn ich sehe, welchen Aufwand meine Freundin (die fast Vollzeit arbeitet) betreiben muss - sie ist in einer Bastelgruppe für den Bazar, die sich mindestens zweimal im Monat trifft, es gibt mehrtägige Schulfeste wo sie und ihr Mann wirklich beide mithelfen müssen. Die Eltern putzen und gärtnern, .... das ist fast wie ein Extrajob.

        j) Das Geklüngel. Zumindest auf unserer Waldorfschule gibt es wirklich viele "Grüppchen" - von den Vollveganern die morgens den 15 Kilometer Schulweg auch bei -45°C auf dem Fahrrad zurücklegen bis zu den Opportunisten - und die vertragen sich nicht so gut - das wird gezankt, gekeift und ausgeteilt. Also nichts mit "friedliche Welt".

        Zum Geklüngel. Es ist bei unserer Waldorfschule so, dass sehr zahlungskräftige bzw. sehr bekannte Eltern als "Kunden" lieber gesehen sind als Otto Normalverbraucher ... Und es mitnichten eine gleiche Behandlung der Schüler gibt.

        k) Die Lehrerausbildung ... das ist ja kein wissenschaftliches Studium und sehr dubios...

        l) Die Freundin meiner Tochter hat kein einziges Buch ... das ist eine unklare lose Zettelsammlung in jedem Fach mit unzähligen Kopien. Ich bin kein Fachmann, aber bei meinen Kindern, wenn ich ein Heft aufschlage, dann weiß ich, was das Thema ist. Das ist da mitunter nicht ersichtlich. In Englisch ein grammatisches Thema nachschlagen? Auch sehr schwer ohne Buch. Ist wirklich schon öfters vorgekommen, dass meine Tochter aus ihrem Buch Seiten per Whatsapp verschickt hat

        GLG
        Miss Mary

        • Vielen vielen Dank, für deinen tiefen Einblick und deine Erfahrung. Aufjedenfall, möchte ich sie zu nichts zwingen. Das ist oberste Priorität. Ich musste mal meine Schule wegen einem Umzug verlassen und all meine Freunde blieben zurück. Das war sehr schlimm für mich.
          Ich finde den Ansatz, in der Arbeit nicht schlecht, aber, wenn sie dann aus der Schule heraus ist, trifft sie auf das knallharte Leben. Dann ist es vorbei mit "Kuschel Pädagogik". Und darin sehe ich auch etwas die Gefahr. Damit dann zurecht zu kommen.
          Sie hat sich in der Regelschule schon gut eingelebt. Und ihre Lehrerin ist zwar sehr sehr streng, aber fair. Sie hat sich jetzt das halbe Jahr so sehr erarbeitet ( die Regeln, die doofen und die guten Freunde.....).
          Ich werde mir noch paar Gedanken machen. Und auch mal hingehen. Morgen ist dort zufällig "Tag der offenen Tür".
          Ich danke Euch beiden sehr, für eure Antworten :-)
          vlg minnimotte

          • Hallo,

            schaue es dir einfach gut an ... ein Bekannter von mir war auch auf der Waldorfschule. Er selbst hat seine Kinder im staatlichen Schulwesen und er ist ... Polizeibeamter :). Also nichts mit Künstler und so.

            GLG
            Miss Mary

            Hallo,
            Ergänzende Gedanken meinerseits:
            Bei uns kann vor der endgültigen Aufnahme eine Woche oder wenige Tage hospitiert werden- also das Kind geht probeweise solange in die Klasse. Das wird dann gemacht, wenn es klar ist, daß das Kind in die Klasse aufgenommen werden könnte. Außerdem sind die "Monatsfeiern" (4/Jahr :-) ) öffentlich, Termine best. auch bei Euch auf der Website. Zusätzlich gibt es hier öffentliche Infoabende.
            Arbeitsaufwand bei uns: 1-2x/Jahr Klassenraum putzen, 2x/Jahr Schule putzen, max. ein paar Stunden. Elternabende alle paar Wochen. 4x/Jahr 2h Monatsfeier angucken, bei der Feier 1 h Schicht irgendwas machen, was für's Buffet mitbringen. Für den jährlichen Basar basteln oder vorbereiten, Zeitaufwand ca. ein paar Abende daheim oder 2 x in der Schule für ein paar Stunden. Mehr fällt mir jetzt nicht ein. Ach ja , ein paar Eltern der Klasse müssen sich finden, die in die Gremien gehen, treffen sich alle 1-2 Monate, oder ein paar Mal in der Zeit vor dem Basar.
            Bei uns wird keiner gezwungen, bis zur Pubertät an Fabelwesen zu glauben, es werden aber Märchen und Geschichten mit welchen erzählt. Computer gibt's in der Oberstufe. Bildschirmmedien daheim sind nicht verboten, aber eher unerwünscht. (Ob für Medienkompetenz eine Nutzung dieser schon früh in der Kindheit günstig ist, wird auch von anderer Richtung mitunter bezweifelt bzw. verneint, siehe Manfred Spitzer z.B.) Fachlehrer zusätzlich zum Klassenlehrer schon in der Unterstufe, da aber noch wenige. Klassenlehrer bleibt bis 8. Klasse, einige Schulen haben auch kürzere Klassenlehrerzeit. Wenn der Klassenlehrer top ist, funktioniert es prima, auch mit großen Klassen, sonst kann es problematisch sein, da man den oder die ja so oft und lange hat.

            Scheinbar lernen die Kinder rein kognitive Lerninhalte in den ersten Jahren langsamer, später dann entsprechend schneller, denn sie machen ja MSA oder Abi. Aber ich finde schon, wessen Priorität ist, daß das Kind die wirtschaftlich/staatlich festgelegten Lehrpläne zeitgerecht erledigt, für den ist die Waldorfschule nicht geeignet, denn solche Eltern werden sich bestimmt ständig sorgen, da das eben nicht die Priorität der Schule ist, sogar überwiegend gar kein Thema.

            Es gibt wohl große Unterschiede zwischen den Schulen, wie altbacken (putziges Wort für alle möglichen schwierigen Sachen wie Gender, Begabtenförderung, Offenheit für Individualität...) sie sind. Ich finde schon gut, daß das pädagogische Konzept klar ist, das gibt denen, die das wünschen, die Sicherheit, das was sie sich von diesem Schultyp versprechen, auch wiederzufinden. Manches des Konzeptes kann auch -mMn falsch- gelebt werden, dann hat man vielleicht verbohrte Lehrer, die Schüler abwerten (wieder ein bagatellisierendes Wort), die nicht in ihre pädagogische Vorstellung passen. Dann kann es schwierig werden, wenn sich auf die unumstößlichen Steinerregeln berufen wird und die Bereitschaft fehlt, auf das Kind in seiner Individualität einzugehen, und eigene Fehlbarkeit (des Lehrers) einzubeziehen. Das ist wie gesagt Schul- und Lehrerabhängig.

            Natürlich wird schulpflichtigen Kindern nicht der Schulbesuch verweigert vor dem Zahnwechsel, es kann aber EIN Kriterium sein, ob 1.oder Vorklasse.
            Bei uns werden die Kinder ganz sicher nach Elterbeitrag unterschiedlich behandelt! Eigentlich ist das so organisiert, daß die Lehrer die Zahlungen der Eltern nicht kennen sollen, das regelt der Finanzkreis und die Schulleitung.

      • "Es wäre gar kein "Weg zurück ins staatliche System" (ohne extreme Einbußen) möglich."
        Ich denke das kann man so nicht ganz sagen, es kommt da denke ich vorallem auf den familiären Hintergrund an. Meine Tochter hat eine Freundin die nach der 9 Klasse Waldorfschule zu ihr in die Klasse (10 Klasse, Realschule) gewechselt ist. Die Eltern waren halt nie die ganz klassichen "Waldorf Eltern", dh. sie hat von daheim über die Jahre einige mitnehmen können, und kurz vor Schluss kam bei ihnen doch etwas Panik auf und der Wunsch nach dem Schulbesuch auf einer staatlichen Schule und dem dortigen Abschluss, nicht der Mittleren Reife nach Klasse 12 nach einer eigens für Waldorfschulen erstellten Prüfungsordnung, wuchs.
        Der Anfang war für sie schon hart. Sie ist ein echt intelligentes Mädel aber von heute auf morgen schon mit prüfungsrelevantem anzufangen mit einer komplett anderen Unterrichtsform ist natürlich ein hartes Stück. Der Fakt dass einiges über Gruppenarbeiten lief hat ihr da sehr geholfen.

        Am Ende hatte sie trotz allem einen sehr guten Abschluss! Anschließend hat sie weiter gemacht und letztes Jahr dann ihr Abitur gemacht und studiert jetzt.

    Mit dem System selbst habe ich keine Erfahrungen. Wir nehmen nur ab und zu Kinder aus der Waldorfschule hier an. Da erzählen die Eltern schon mal, warum sie sich doch unentschieden haben und ins Regelschulsystem zurück wollen. Eine Herausforderung sind schon die Zeugnisse. Die Eltern wissen oft nicht, WIE ihr Kind eigentlich leistungsmäßig steht (das ist ja deren Ansatz dort). Wenn alles glatt läuft, ist es gut und so liest es sich auch. Wer Probleme und Defizite hat, bekommt die in Wattebauschmanier auch in ellenlangen Texten auf dem Zeugnis präsentiert.

    Wir wissen oft nicht, wie wir die Kinder einschätzen sollen und welche Klasse nun die richtige ist für die Quereinsteiger, weil wir mit den Zeugnissen wenig anfangen können. Da wird's dann ausprobiert und da wir eine Gesamtschule sind, bleib eh niemand sitzen, auch wenn er falsch einsortiert wurde. So gesehen bleibt man dem System treu.

    Was mich am meisten abschrecken würde, wäre die Klassenstärke. Ich weiß ja nicht, wie es bei euch ist, aber bei uns in der Stadt sind auch an die 30 SuS in einer Klasse. Und dafür soll man auch nicht Geld berappen????? Und wenn ich dann höre, dass gerne Kinder mit Problemen im Sozialverhalten oder "Temperament" - wie du hier schreibst - an diese Schule gegeben werden, weil man sich da gute Erfolge verspricht, bekomme ich das Gruseln. Die Schule MUSS wirtschaftlich denken und jeden nehmen, der dafür bezahlt. Deshalb sind es keine kuscheligen Klassen mit nur 20 SuS. Und dann kommt eine geballte Ladung Kinder mit Problemen in der Regelschule dorthin mit der Erwartungshaltung der Eltern, dass hier alles besser wird........ Mich würde das eher abschrecken. Außerdem müssen sie nach Klasse 10 auch zusehen, wie sie sich der Gesellschaft und dem Konkurrenzkampf stellen. Man kann es verzögern, aber nicht aufhalten. Ich weiß auch nicht, was Arbeitgeber von einem Schulabschluss in der Waldorfschule halten. Es hält sich seit Jahrzehnten der belächelte Witz mit dem "wir tanzen unseren Namen". Es könnte also sein, dass Kinder doch als Sonderlinge gesehen werden, die mit Kuschelpädagogik großwerden mussten, weil sie es anders nicht auf die Kette bekamen.

    • Die Klassen sind gewollt, nicht einfach aus "Wirtschaftlichkeit" groß.

      Daß die Beurteilungen nicht einfach ins System der Regelschulen übersetzt werden kann, ist doch klar, denn es wird nicht nur der gleiche Inhalt anders ausgedrückt, sondern die Zeugnisse sollen ja gar nicht aussagen, welche Noten das Kind in der staatlichen Schule hätte. Andersherum fällt es dem Waldorflehrer wahrscheinlich schwer, sich über den wechselnden Schüler nach seinen Kriterien ein Bild zu machen anhand des Zeugnisses auss der staatl. Schule.
      Was die Zusammensetzung der Schüler betrifft, sehe ich das hier genau andersherum kritisch. Da es so viele Bewerber und ein sehr persönliches Aufnahmeverfahren gibt, liegt die Befürchtung nahe, daß potentiell schwierige Kinder seltener aufgenommen werden. Diese Annahme wird auch gerne herangezogen, wenn im Vergleich ein besonders gutes Abschneiden der Waldorfschulen in Bezug auf Abschlüsse auffällt. Quereinsteiger, die wg. Problemen aus anderen Schulen kommen, gibt es hier zumindest wenig, da die Klassen und Wartelisten voll sind.

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