Einschulung verweigert wegen Umzug in anderes Bundesland

    • (1) 26.03.17 - 13:35

      Hallo Liebe Community,

      wir seind vor kurzem aus NRW nach Hessen umgezogen. Mein Sohn wird dieses Jahr im September 6, somit in NRW schon dieses Jahr schulpflichtig, in Hessen aber erst nächstes Jahr, dieses Jahr kann er aber auch in Hessen als "Kann-Kind" eingeschult werden. In NRW wurde er in eine schöne Grundschule aufgenommen, Schulanmeldung und Schuleingangsuntersuchung sind prima gelaufen. Die Erzieherinnen im Kindergarten und Kinderärztin meinten auch, dass das Kind für die Schule reif ist.

      Nun kommt der hessische Schock: alles was in NRW passiert ist zählt nicht mehr, die ganze Anmeldeprozedur muss neu gemacht werden. Nach der Schulanmeldung letzte Woche sagte uns die Direktorin, dass unser Sohn kein "Kann-Kind" ist, weil "nicht überdurchschnittlich" entwickelt. Sie wolle jetzt eine schulpsychologische Untersuchung veranlassen, die die Schultauglichkeit klären soll.

      Darf die Schule das? Gibt es etwas was man dagegen tun kann? Kann es sein, dass ein Kind schon in eine deutsche Grundschule aufgenommen wurde, jetzt aber nur wegen Umzug in ein anderes Bundesland noch ein Jahr im Kindergarten bleiben muss? Er freut sich sehr auf die Schule und ist sehr stolz darauf, Vorschulkind zu sein. Ich kann mir gar nicht vorstellen ihm erklären zu müssen, dass er jetzt noch ein Jahr warten muss, nur weil wir umgezogen sind. Hat schon jemand eine solche Erfahrung gehabt? Was kann man tun?

      Vielen Vielen Dank!!

      • (2) 26.03.17 - 15:24

        Hallo,

        Bildung ist nun einmal Ländersache und in Hessen ist der Stichtag der 30. Juni. Dein Kind ist hier ein Kannkind und kann auf Antrag der Eltern früher eingeschult werden. Die Entscheidung trifft die Schulleitung unter Berücksichtigung des schulärztlichen Gutachtens. Also ja, die Entscheidung trifft die Schule. Wenn nun die Klassen schon voll sind, wird die Wahrscheinlichkeit sicherlich nicht steigen.
        Meiner Ansicht nach tut man einem "normalen" Kannkind aber keinen Gefallen mit einer vorzeitigen Einschulung.

        Bei euch ist es nun unglücklich gelaufen, wäre besser gewesen ihr hättet euch vorher schon intensiver mit dem Thema befasst und euren Sohn auf die beiden Möglichkeiten vorbereitet. Wäre es nicht auch in seinem Sinn, wenn er erstmal Freunde findet, mit denen er dann zusammen in die Schule startet?

        VG
        B

        (3) 26.03.17 - 15:28

        a)Schule ist Ländersache und

        b) schultauglich eine Frage der Maßstäbe.

        Und der Maßstab wird wegen a) von den Bundesländern festgelegt. Und natürlich kann es sein, das Bundesland x nach seinen Massgaben Deinen Sohn für schultauglich hält und y wegen anderer Maßgaben eben nicht.

        Die Schule darf nicht nur eine schulpsychologische Untersuchung anordnen, sie muss sogar. Und ob Du Deinem Sohn einen Gefallen tust, wenn Du ihn mit allen Mitteln schon diesen Sommer einschulen lässt, wage ich zu bezweifeln. Bedenke, das in NRW der Altersdurchschnitt in der ersten Klasse jünger ist als in Hessen. Es gibt eine hessische Studie, die belegt, das die Chance früh eingeschulter Kinder nach der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen um 13% geringer ist, als bei ihren älteren Klassenkameraden.

        >> Ich kann mir gar nicht vorstellen ihm erklären zu müssen, dass er jetzt noch ein Jahr warten muss, nur weil wir umgezogen sind <<
        Naja, so ist halt das Elternleben. Du wirst ihm ja auch schon erklärt haben, wieso er nicht die grosse Achterbahn fahren darf und im Auto in den Kindersitz muss. In Hessen sind die Kinder, die in die Schule dürfen, nunmal älter.

        Grüsse
        BiDi

        • (4) 26.03.17 - 22:29

          Hallo,

          Du glaubst nicht wirklich, dass in NRW der Unterricht an das vorverlegte Einschulungsalter und die somit jüngeren Kinder angepasst wurde, oder?
          Wie denn auch? Das müsste man ja auffangen, indem man in einem der späteren Schuljahre das Tempo deutlich erhöht, um den Stoff bis Ende der 4. Klasse durchzubringen.

          Unser Sohn ist in der 1. Klasse in NRW und die diversen Threads hier in letzter Zeit, welche erste Klasse mit dem Stoff wie weit ist, zeigen, dass seine Lehrerin genauso schnell vorwärts geht, wie die Lehrer in Bundesländern, wo September-Kinder keine Muss-Kinder sind.

          Hier in NRW werden Muss-Kinder, die "nur" noch nicht schulreif sind, als schulreif bewertet und eingeschult. Um zurück gestellt zu werden, muss ein September-Kind hier schon gravierendere Defizite aufweisen.
          Was das für diese unreifen Kinder bedeutet, interessiert keinen aus der Bildungspolitik. Wo gehobelt wird, fallen eben Späne.

          Ich denke, das ist der Grund für die unterschiedlichen Beurteilungen des Sohnes der Fragestellerin.
          Hier will man möglichst alle September-Kinder einschulen. In Hessen sind es nur Kann-Kinder. Da wird wohl eher eine neutrale Beurteilung erfolgen, oder die Grundschule ist für dieses Jahr voll genug und will daher keine weiteren Kann-Kinder aufnehmen.

          LG

          Heike

          • (5) 27.03.17 - 07:13

            Hi,

            ich denke das Tempo ist überall ähnlich. Außer vielleicht Bayern ;-)
            Aber die Lehrer sind auf die jüngeren Kinder eingestellt bzw. auf Eigenschaften, die diese vermehrt mitbringen.

            Mein Sohn hatte z.B. ein Mädchen in der Klasse, die am Ende vom 1. Schuljahr immer noch reingequatscht hat. Sie hat einfach so lange gebraucht, um das zu lernen.

            Mein Sohn hatte Probleme mit der Feinmotorik. Er hat erst 6-12 Monate nach den anderen Kindern mit dem Füller geschrieben. Er ist von August und der zweitjüngste der Klasse. Auf sowas wird hier Rücksicht genommen. (NRW) Vielleicht in Hessen nicht?

            Viele Grüße

            Julia

      Hallo,

      ja, die Schule darf das, denn bei Kannkindern zählt der Elternwille nicht viel.

      Aber ich bin seit 28 Jahren Erzieherin und habe selbst 2 Söhne, die als Kannkinder hätten eingeschult werden können.
      Was soll ich sagen: Nie im Traum hätte ich daran gedacht!

      Bei euch ist es nun dumm gelaufen, aber aus meiner Erfahrung schadet es besonders Jungen nicht, eher später eingeschult zu werden, hinken sie doch oft im Vorschulalter den Mädchen noch hinterher und tun sich auch in den ersten Grundschulklassen schwerer als Mädchen damit, sich anzupassen, zuzuhören, stillzusitzen....

      Euer Sohn wird jetzt noch ein Jahr Zeit haben, sich im Kindergarten neue Freunde zu suchen mit denen er dann gemeinsam eingeschult wird.
      Meiner Meinung nach ein Jahr gewonnene Kindheit, denn der Ernst des Lebens kommt früh genug.

      LG, Gabriele

    • meine Güte ein Jahr länger Freiheit schadet dem Kind nicht.
      Belass es einfach dabei und gut ist vor allem Jungen haben es in der Schule einfacher wenn sie später hingehen

      Das ist blöd mit den verschiedenen Stichtagen in Deutschland.
      Aber sieh es mal so. Er wäre mit Abstand der Jüngste und ist dazu noch ein Junge. (Die Mädchen sind den Jungs meistens voraus)

      Ob es wirklich sinnvoll wäre eine Einschulung zu erzwingen? (Falls das überhaupt möglich ist, ich kenne es auch nur so, dass die Schulleitung das letzte Wort hat)

      Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit einer Vorschule? Ich weiß nicht, wie das in Hessen geregelt ist. In NRW gab es das früher, wurde leider abgeschafft.

      Viele Grüße
      Julia

      Hallo,

      ich bin schon von manchen Antworten ganz erschrocken.

      Unabhängig der Antworten jetz direkt zu deinem Bweitrag:

      Es ist doch nichts s hlimmes passiert. Sie will schulpsychologisches Gutachten. Ist doch prima! Ist dein Kind s hulreif, wird es eingeschult, ist es aber nicht, ist es nur gut, dass dies festgestellt wurde.

      Zum Kind wäre ich ehrlich und würde ich sämtliche Schritte besprechen. Ja, so etwas kann ein Trauma auslösen aber auf der anderen Seite, wenn ein Kann Kind eingeschult werden sollte, was keins ist, ist es besser, man stellt es rechtzeitig fest.

      Mein Kind ist ein richtiges Kann-Kind. Bei solchen Kindern muss man sehr vorsichtig sein. Ja, man ahnt es, dass sie schulfähig sind aber wenn die noch ein Gutachten wollen, ist doch gut.

      #winke

      Hallo,

      prinzipiell kannst du dagegen g klagen. Kann dann aber passieren, dass die Entscheidung erst nach Schuljahresbeginn fällt und du nichts damit gewonnen hast.

      Mach erst mal die schulpsychologische Untersuchung. Mein Sohn hatte die auch (allerdings wegen der vorzeitigen Einschulung). Der Schulpsychologe war aber schon aus Prinzip gegen eine vorzeitige Einschulung. Alternativ hätten wir aber einen Schulplatz in einer privaten Grundschule bekommen. Letztendlich hat die Rektorin der Einschulung doch zugestimmt. Mein Sohn wollte unbedingt in die Schule (und definitiv nicht länger im Kindergarten bleiben). Er hat es auch problemlos aufs Gymnasium geschafft (in Bayern).

      LG bluehorse

      (11) 26.03.17 - 20:00

      Du kannst natürlich versuchen die diesjährige Einschulung einzuklagen, aber ob dein kind wirklich auch in diesem Bundesland die Reife besitzt kann Dir von uns keiner sagen. Meine Meinung: NIE hätte ich eines meine Kinder früher eingeschult. auch wenn ein kind dann gesprungen ist, so hätte ich mich beim letzten 8ende September) dafür gefreut wenn er noch etwas Zeit bekommen hätte. Nicht Leistungsmäßig sondern die Soziale Reife die hätte ein Jahr toben in der Kita noch gut verkraftet
      LG

      (12) 26.03.17 - 20:09

      Hi,

      das Kind kommt ein Jahr früher zur Schule, ein Jahr weniger Gym.....sprich zwei Jahre vorher zur Auslbildung/Studium.

      Es kommt nicht von ungefähr, das immer mehr junge Leute ihre Ausbildung und Studium

      abbrechen, da sie gar nicht in diesem Alter wissen, was sie wirklich wollen.

      Dazu wird das Rentenalter immer weiter nach hinten gelegt.....Was bitte, gewinnt ein Kind wenn alles schneller gemacht werden muss?

      Wir habe auch zwei Kann-Kinder und beide wären 100% schulreif gewesen aber bei aller liebe nicht, never ever früher einschulen!
      Sie sind jetzt in der 5. Klasse und es ist gut so wie es ist!

      Und wenn wir ehrlich sind ,sind die Stimmen nicht viel Lauter " mein Kind wurde zu früh eingeschult" oder eher " mein Kind wurde nicht früh genug eingeschult?"
      Wo treten mehr Probleme auf?

      LG
      Lisa

      (13) 27.03.17 - 14:20

      mag ja sein, dass dein Kind kongnitiv soweit ist,
      aber den Altersunterschied innerhalb der Klasse würde ich nicht unterschätzen.

      Mein Kind war damals MUSS Kind. Es gibt zwar noch jüngere. Aber zum Hauptalter der Klasse liegen 2-9 Monate und das macht enorm viel aus.

      Kindergarten-Grundschule war klar, dass 1. eine Zurückstellung nicht machbar war, 2. es damals auch gut gepasst hat. ABER beim Übertritt zur weiterführenden Schule müsste ein Jahr dazwischen geschoben werden.
      Kognitiv, Noten, Selbständigkeit - prima. Einfach von der Reife her. Vom kindlich verspielten her.

      Es mag zwar sein, dass der Lernstoff überall der gleiche ist.
      Ich könnte mir aber schon vorstellen, dass die Lehrer anders damit umgehen. Mit Eigenheiten der Kinder.

      In BW ist der Stichtag ja auch bei 30.9.
      Rückstellung so gut wie unmöglich (hängt von den einzelnen Gemeinden, der diagnostischen Vorgeschichte ab und wo die nächste "Auffangschule" und wie diese geführt wird etc)
      jedenfalls kenne ich einige Lehrer und diese sagten, dass sich schon sehr vieles getan hat. Heute müssten sie teilweise noch Kindergartenkinder betreuuen. Also schon Schulkinder, die kognitiv einiges auf die Reihe kriegen. Aber eben im Verhalten, Geduld, Ausdauer etc. früher noch im Kindergarten waren. Jetzt aber zur Schule müssen, weil sie am 29. oder 30.9. geboren sind. Also mit 5 Jahren noch eingeschult wurden.

      Da doch einige zwischen Juli und September dabei sind, haben Lehrer teilweise eben noch andere Aufgaben, andere Form von Geduld.

      Wenn Hessen weiterhin den Stichtag bei 30.6. hat, kann ich mir schon vorstellen, dass sie dann auch andere Anforderungen stellen. Nicht an den Lernstoff, sondern an das Gesamtpaket Schule.

      Gibt es dort, wo ihr hinziehen werdet eine Art Vorschule? Nachmittags etwas? oder eine Art Übergangsschule?
      Mein Kind war in einer privaten Vorschule, wurde direkt an der Schule gemacht, so dass dort das Schulleben vermittelt wurde - Stifthaltung, Konzentration, sitzen bleiben, melden, basteln, Zahlenverständnis - KEIN Mathe!, sich trauen vor den anderen was erzählen / Klappe halten und andere erzählen lassen usw.

      Vielleicht wäre das ja ein Zwischending. Dann ginge er nicht "leer" aus was Schule betrifft. Und hätte dennoch noch ein Jahr Zeit. In Hessen wäre er ja nicht nur eines der Jüngeren Kinder, sondern wirklich der Jüngste. und das kann schon einiges ausmachen.

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