Elternsprechtag...

    • (1) 08.05.17 - 19:26

      Hallo zusammen,

      heute habe ich mir mal die Zeit genommen, zu 3 Fachlehrern meines Ältesten zu gehen, um mal zu hören, wie sich mein 11jähriger, der zu Hause stinkend faul ist und von allein so gar nichts tut, aber unbedingt aufs Gymnasium will, denn in der Schule so verhält.

      Fazit und Siegerehrung - in der Schule verhält er sich genauso...keine Leistungsbereitschaft, "verschläft" den Unterricht und beteiligt sich überhaupt nur, wenn ihn etwas interessiert, er bleibe "weit hinter seinen Möglichkeiten" und weit "unter seinem Niveau".

      Ideen hatte aber keiner der Lehrer.

      Schwierig. Was mache ich jetzt mit diesen Infos?

      Meinem Sohn habe ich gesagt - aber das schon vorher- dass er mit dieser Einstellung kein Gymnasium besuchen wird können.

      Auch von der Einschätzung der Lehrer habe ich ihm erzählt. Seine Reaktion: verschämtes sich hinter seiner Kappe verstecken, an mir vorbei schauen...das haben wir häufiger. Er steckt dann den Kopf in den Sand und nimmt Kritik persönlich.

      Für hochbegabt halte ich ihn deswegen aber nicht. Allerdings bescheinigte ihm schon seine Schulpsychologin ein Konzentrationsproblem - komischerweise erstreckt sich dieses nur auf Dinge, die ihn nicht interessieren...er liest stundenlang in seinen Büchern (er liest alles, was ihm zwischen die Finger kommt), er spielt sehr ausdauernd irgendwelche Computerspiele (wenn wir ihn lassen), er geht mit mir eine Stunde joggen, ohne aufzugeben...

      Aber was kann ich ihm mitgeben, wie kann ich ihm klar machen, dass es an ihm liegt, etwas zu verändern? Im Moment ist es echt Achterbahn fahren hier mit den schulischen Leistungen - von einer 1 in Mathe bis zu einer 6 in Erdkunde und beim nächsten Mal wieder eine 2 ist alles drin....
      Das einzige, was ich derzeit tue, ist, seine Hausaufgabenhefte wieder vorlegen zu lassen - damit ich weiß, dass er die Aufgaben, die er hat, auch macht. Vorher gibt es halt keine Computerzeit und auch keine Lieblingssendung und wenn es ganz arg wird, fällt auch mal ein Fußballtraining aus (das mache ich aber sehr ungern, denn er braucht die BEwegung, um seine Energie loszuwerden)....und seit neuestem lasse ich ihn auch wieder seinen Ranzen komplett 1x die Woche leerräumen, damit seine Zettelwirtschaft sortiert wird (ein Chaot ist er nämlich noch dazu...). Das möchte ich aber - ehrlich gesagt - nicht ewig machen müssen.

      Auf die Nase fallen lassen? - Ja, hatten wir auch schon. Dann schreibt er auch mal ne 6 oder 5...ändert aber an seinem Lernverhalten und seiner Leistungsbereitschaft irgendwie trotzdem nix - also kann ich diese Methode doch auch nicht auf Dauer anwenden, er ist ja auch erst 5. Klasse (noch Grundschule, da neue Bundesländer)...und es ist schon ärgerlich, dass er sein Potential so gar nicht zu nutzen vermag...

      MEin Mann meint immer, er sei genauso gewesen, seine Mutter habe in der ersten Klasse gedacht, er sei etwas zurückgeblieben....schlussendlich hat er sein Abi mit 1,9 gemacht und studiert ....ohne jemals viel dafür getan haben zu müssen...tja aber wie lange soll ich denn warten, bis es bei Sohnemann "klick" macht?`Mein Mann ist da so ganz tiefenentspannt...ich irgendwie nicht mehr so....

      Was sagt ihr dazu? Jemand noch Tipps, Ideen oder ähnliche Erfahrungen gemacht? Irgendwelche Lösungsansätze?

      Und nein, von meiner Seite aus MUSS unser Kind sicher nicht aufs Gymnasium gehen aber mit der Arbeitshaltung wird er in jeder Schulform Probleme haben, zu zeigen, was er eigentlich kann...

      LG und danke für gedanklichen Input

      a79

      • Das wird Dich jetzt nicht so begeistern, aber ich kenne unheimlich viele (junge und nicht so junge) Männer, die in ihrer gesamten Schulzeit nie gezeigt haben, was sie eigentlich können.

        Die meisten hatten einen Sinn dafür, wann sie sich anstrengen mussten, um nicht ganz abzurutschen. Mein Mann hat ein echt mieses Abi mit 2,8 gemacht, hat aber trotzdem einen tollen Job und lernt jetzt das, was ihn interessiert, mit Begeisterung. Alles andere - nur das Nötigste.

        Ich denke, das ist auch Charaktersache. Wenn Dein Sohn nicht der Typ ist, der schulischen Ehrgeiz entwickelt, dann würde ich ihn nur vom Abrutschen abhalten, aber nicht erwarten, dass er immerzu zeigt, was in ihm steckt.

        • Puh...ich erwarte eigentlich echt nicht über Gebühr viel von meinem Sohn, d.h. ich investiere nicht meinen Ehrgeiz in seine schulischen Leistungen...ich erwarte auch nicht, dass er unbedingt aufs Gymnasium geht. Ich möchte mir aber später auch nicht von ihm anhören müssen, ich hätte ihn mal mehr unterstützen bzw. in den Hintern treten sollen, damit er erkennt, was getan werden muss, um dahin zu kommen, wo er - vielleicht - mal hinwill...

          ...ich bin zwar Pädagogin ...aber halt auch Mutter - und die will eben immer das Beste für ihr Kind#schein

          • Naja, der Punkt ist: Wenn er selbst die Motivation nicht hat, kannst Du Dich auf den Kopf stellen und mit den Beinen wackeln, dann wird da nur das Nötigste passieren.

            Musst Du halt selbst entscheiden, wie viel Stress Du für welches Ergebnis haben möchtest.

            Ich hab aber leicht reden, ich hab zwei Mädchen, die Große von sich aus sehr ehrgeizig in Bezug auf Schule, die Kleine noch nicht mal eingeschult, da wird sich noch zeigen, ob sie mehr nach Mama oder mehr nach Papa gerät.

            Ich würd vor allem darauf achten, dass er mitkommt und den Stoff versteht, damit keine Lücken entstehen, die es ihm später schwer machen. Die Noten an sich finde ich dann nicht mehr ganz so wichtig.

            • Genau das habe ich ihm auch gesagt - ich unterstütze ihn gern aber die Motivation muss von ihm kommen. Ich werde ihn nicht zu Leistungen prügeln, nur darauf achten, dass er tut, was seine Aufgabe ist. WIE er die erledigt (ausführlich oder knapp, besonders ordentlich oder schlampig, mit viel oder wenig Aufwand...), muss er für sich entscheiden. Trotzdem würde ich ihm immer sagen, was ich für einen Eindruck von seiner Motivation und seinem Arbeitseifer habe...das braucht er, glaube ich, auch als Reflexion.

              LG

              a79

      Hallo,

      Gibt es bei euch sowas wie einen Notenschnitt für den Übertritt aufs Gymnasium? Man könnte es tatsächlich darauf ankommen lassen, ob er den überhaupt erreicht oder nicht. Und deinem Sohn dann natürlich auch klar machen, dass er diesen erreichen muss.

      Ansonsten kann ich dir noch den Tipp geben mit deinem Sohn mal einen Lerntypen-Test zu machen. Vielleicht findet ihr dann heraus, warum ihn manche Dinge überhaupt nicht interessieren. Möglicherweise werden sie auf die falsche Art und Weise an ihn herangetragen.
      Und ja, ich würde sagen, dass es richtig und wichtig ist, dass du dir die Hefte zeigen lässt. Der Idealfall wäre sogar ihn für einige Zeit bei seinen Hausaufgaben zu begleiten (dafür müsste natürlich Zeit vorhanden sein), einfach dass er - wenn er schon keine Lust dazu hat - zumindest eine Routine im Tagesablauf entwickelt, d.h. erst Mittagessen, dann Hausaufgaben, dann Freizeit.

      Versucht auch mal bei den Hausaufgaben zwischen schriftlichen und mündlichen Aufgaben zu wechseln, dann ist es für ihn zum einen bei den schriftlichen Aufgaben nicht so eintönig und ermüdend, und zum anderen fallen die mündlichen Aufgaben unter den Tisch.

      Und einen letzten Tipp hätte ich auch noch. Versuche deinem Sohn klar zu machen, dass man einen Hefteintrag nicht gelernt hat, wenn man ihn fünfmal gelesen hat, und dass man auch nichts daraus weiß, wenn man nur auswendig lernt.

      So, hoffentlich konnte ich dir ein kleines bisschen weiterhelfen.

      LG

      • Hallo,

        wo bekommt man denn so einen Lerntypen-Test?
        Bisher haben wir nur rausbekommen, dass er mit einer 3 in Arbeitsverhalten nicht in Gymnasien aufgenommen würde und die hat er definitiv.
        Ansonsten steht er (im letzten Zeugnis) in allen Hauptfächern 2 - nur in Erdkunde hatte er eine 4. Dieses Jahr bekommt er vermutlich eine 3. Englisch wird auch eher eine 3, ist alles sehr sehr schwankend (englisch war z.B. mdl schon 2 dies Jahr, verschiedene Tests dann zwischen 2 und 5....#schock, je nach Lust und Laune...).

        Ansonsten - lernen ist insgesamt nicht seins - weder auswendig noch irgendwie schriftlich oder sonstwie...für Gedichte und Vorträge bekommt er von mir mein Diktiergerät. Da spricht er dann seine Sachen drauf und hört sie sich an, bis sie sitzen - das klappt ganz gut.

        LG

        a79

        • Lerntypen-Test kann man einfach bei Google schauen.

          Das mit deinem Diktiergerät würde bei mir jetzt spontan nach einem auditiven Lerntyp klingen.

          Ich würde tatsächlich mal nachfragen wegen des Schnittes fürs Gymnasium, z.B. Klassenleitung.

          • Der Schnitt ist (noch) o.K. Bei 2,25. - das Arbeitsverhalten aber nicht...und das ist für die Klassenlehrerin schon ein K.O-Kriterium.

            • (10) 08.05.17 - 22:22

              Hallo,

              interessant finde ich ja immer wieder, warum ein schlechtes Arbeitsverhalten ein K.O.-Kriterium fürs Gymnasium ist.
              Muss man in der Realschule nichts lernen?
              Oder muss man dann auf die Mittelschule?
              (Das jetzt nicht als Kritik an dich gerichtet, aber in jeder Schulform gibt es doch Schlamper, salopp gesagt, deshalb erschließt sich mir das Kriterium auch nicht.)

              Ich würde ihn lassen, wenn die gewünschte Schule ihn aufnimmt, den Ehrgeiz muss er selber entwickeln, ihm das aber auch deutlich klar machen, dass du dich ab dann aus seinen schulischen Belangen zumindest stark zurück nimmst.
              Denn sonst könnte er ja irgendwann auf die Idee kommen, dass du nicht genug für ihn da warst und er deshalb scheiterte, das hat dann mit der Schulform auch nichts zu tun.

              VG, midnatsol

              • (11) 08.05.17 - 23:15

                Denn sonst könnte er ja irgendwann auf die Idee kommen, dass du nicht genug für ihn da warst und er deshalb scheiterte, das hat dann mit der Schulform auch nichts zu tun.

                Den Zahn habe ich im schon nach der 4. Klasse gezogen - und eigentlich bin ich ihm seiner Meinung nach auch immer schon zu viel hinterher .... selbst wenn ich ihm nur auf den Zeiger gehe, dass er seine Hausaufgaben erledigen möge und auch kontrolliere, ob er das wirklich tut oder nur vor dem PC hockt.

                Denn er hat halt noch zu lang Schulpflicht, um ihn schon allein den Karren komplett vor die Wand fahren zu lassen - dann hätte er Recht damit, mir später Vorwürfe zu machen. Ich sorge dafür, DASS er seine Sachen macht (auch wenn das heißt, dass Dinge, die er lieber macht, nicht stattfinden - z.B. seine Lieblingssendung, die er halt verpasst, wenn er träumt und trödelt), er hat zu verantworten, auf welche Art und Weise er sie macht und in welchem Tempo. Natürlich gebe ich Hilfestellung - wenn er welche bei mir anfordert, weil er irgendwo nicht weiterkommt oder Fragen hat. Das passiert allerdings höchst selten.

                LG

                a79

                • (12) 09.05.17 - 01:07

                  Das kannst nur du beurteilen, denn ich kenne dein Kind ja nicht.

                  Grundsätzlich bin ich aber für mehr Vertrauen, eben, weil die Schulzeit noch so lang ist.
                  Die Realschulzeit mag so gesehen viel kürzer sein, aber auch die hat es happig in sich und hat viel weniger Spielraum für Fehler.

                  Was spricht denn dagegen, ihn so langsam von der Leine zu lassen und ihm zugestehen, dass er selbst lernt, Strategien zu finden.
                  Ich bin da ganz bei deinem Mann, da es deinem Kind ja offensichtlich nicht an der Intelligenz mangelt, kann man ihm doch die Herausforderung zumuten, zumal er sie ja auch will.

                  Wappne dich doch nicht jetzt schon für Eventualitäten, auch wenn sie sehr nah erscheinen, es kann passieren, dass er nicht mithalten kann, muss aber nicht.
                  Dann kann man immer noch ein ernstes Gespräch führen über andere Möglichkeiten.

                  Und ich spreche hier deshalb auf, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, dass eine katastrophale Arbeitshaltung nicht gleich eine katastrophale Schulzeit bedeutet.

              >>interessant finde ich ja immer wieder, warum ein schlechtes Arbeitsverhalten ein K.O.-Kriterium fürs Gymnasium ist.<<
              Ich finde nach wie vor interessant, wie Eltern ihre Kinder auf´s Gymn. prügeln, trotz negativer Beurteilung der Lehrer, und die Kinder dann so gnadenlos auflaufen lassen müssen. Dann wird das Kind vom Gymn. genommen, nicht, weil es nicht mit kommt, sondern weil die Schule schuld ist und geht auf das nächste Gymn. und läuft wieder auf. Muss das sein? Warum nicht einen ordentlichen Realschulabschluss und/ oder später noch den Gymn.-Abschluss?

              LG

              • Hmm, wiederum interessant, was du mir hier antwortest.

                Dieser Totschlägersatz muss in ja in einem Beitrag wie diesem immer fallen.

                Auf deine Frage bezüglich eines ordentlichen Realschulabschlusses kann ich nur wiederholen, dass man auch dort mit einem schlechten Arbeitsverhalten scheitern kann.
                Das ist doch der Irrglaube schlechthin, dass die Kinder dort entspannter lernen.
                Mitnichten, die Anforderungen sind zwar anders aber genauso hoch und die Kinder haben weniger Zeit, Fehler auszumerzen oder sich daran zu gewöhnen, dass man schon in der neunten Klasse wissen muss, wo die Reise hingeht.

                Falls es an der fehlenden Intelligenz des Kindes läge, würde ich dir recht geben, Gymnasium im ersten Anlauf ist nicht alles und soweit ich das mitbekomme im nahen Umfeld geht die Hysterie inzwischen stark zurück und alle versuchen krampfhaft, ihrem Kind das Leben nicht zu schwer zu machen.

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